Durch die Zeit

M. oder #381

Überraschenderweise fand ich heute eine Mail von M. in meinem Postfach. Ich war eigentlich davon ausgegangen, von ihm nichts mehr zu hören, brach der Kontak doch schon vor vier Jahren ab, von jetzt auf nachher.

Ist schon einige Jahr her, dass ich M. irgendwo im Netz ‚aufgetan‘ habe, wir uns dann recht bald trafen und recht bald stand er vor der Kamera. Mit C. zusammen mein liebstes Modell. Er hatte damals einen quasi ‚unschuldigen‘ Körper, der aber nur so von sexueller Leidenschaft ’sprach‘ – wenn er nackt vor der Kamera stand (was man hier ja nicht zeigen kann). Mich hat das damals sehr gereizt – dass er mich auch gerzeit hat, muss nicht extra hinzugefügt werden.

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[Das Foto ist noch aus dem allerersten Shooting, als er noch seine Männlichkeit versteckte.]

Später hatte er auch Lust mit mir zusammen vor der Kamera zu stehen – und da sind ein paar Reihen / Serien enstanden, die wirklich zu den besseren Fotos von mir gehören.

Aber auch so hatten wir einiges miteinader zu tun. Er gerade mit der Schule fertig in einer Findungsphase in vielerlei Hinsicht und ich hatte halt offene Ohren, die ein oder andere Frage, das ein odere andere schiefe Grinsen, wenn er meinte, mir mal wieder ein U für ein X vormachen zu können oder vielmehr sich … war wirklich sehr lebendig das.

Und dann ist er zu seinem (ersten) Freund ab nach H. und ward nicht mehr gesehen, gehört, gelesen. Das hatte mir schon weh getan, denn ich hatte wirlich gedacht, dass da etwas mehr ist, dass es da bei einem ‚etwas‘ bleibt.

Die Mail muss ihm, wie er schreibt, echt Überwindung gekostet haben, denn da scheint viel Scham zu sein. Gut geht es ihm derzeit wohl auch nicht und was ich da zwischen den Zeilen zu lesen meine, lässt jetzt nicht gerade Himmel-hoch-jauchzend erahnen.

Geantwortet habe ich noch nicht.

Wechsel

Der Sachbearbeiter, dem ich ja zuarbeite und der a) in der freien Wirtschaft keine Woche im Job überleben würde und b) im Vorfeld meiner Einstellung Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat, dass ich nicht eingstellt werde, ließ heute verlauten, dass es einer Katastrophe gleich käme, wenn mein Vertrag nicht verlängert würde.

Dass ich aus der Ecke einen Fürsprecher gewinnen würde, hätte ich mir nie vorstellen können. Ob’s helfen wird?

Belanglos

Keine Ahnung, was genau ist. Ich funktioniere, mache den Job, laufe die paar Kilometer mit dem Hörbuch auf den Ohren nach Hause, esse eine Kleinigkeiten, schlafen eine Kleinigkeit, widme mich der Luther-Biographie und den Proust-Briefen, mache das, was eben dann noch anfällt, u.a. auch Haushalt und Einkaufen und Waschen (wobei ich heute den Griff etwas ruiniet habe), koche Abendessen und … und halt all das, was man so am Tag macht. Unspektakulär, Alltag eben.

Und trotzdem bin ich irgendwie nicht richtig dabei. Nicht, dass ich neben mir stehen würde – aber ich finde das alles gerade weitgehend vollkommen belanglos. Es interessiert mich so gut wie nicht.

Ich lese und höre und schaue Nachrichten und in gewisser Weise regen sie mich auch auf – aber in gewisser Weise lese ich Artikel gar nicht zu Ende, weil ich eh meine zu wissen was drin steht und wenn im Fernsehen was über den amerikanschen Präsidenten kommt, schalte ich innerlich eh gleich ab, denn welches vernunftbegabtes Wese hofft noch, dass der sich ändern wird?

Ich gehöre gerade irgendwie nicht dazu. Ist mir auch gestern Abend aufgefallen, als J. und H. da waren. Zusammen mit meinem Mann haben sie sich prächtig unterhalten, ich saß überwiegend dabei und schwieg. Mich hat das alles einfach nicht interessiert und mir war es auch komplett egal, ob ich jetzt da zu Wort komme oder nicht.

Ich glaube, so richtig gut geht es mir irgendwie derzeit nicht.

Nun ist es so

Gestern A. und Z. auf Wein  und Käse bei uns. Wir schaffen dass alle 6-8 Wochen. Im Sommer sind wir dann bei ihnen im Garten.

Üblicherweise endet der Abend spätestens um 23 Uhr. Ist einfach so.

Hätte mir gestern auch gelegen – aber, warum auch immer – es dauerte bis kurz nach eins, bis die beiden beschlossen, sich auf den kurzen Heimweg zu machen.

Bei der Verabschiedung war es plötzlich vollkommen klar, dass Z. und ich uns küssen.

Eigentlich auch nachmittags schon

Kalte Pfannekuchen schmecken fast so gut wie kalte Spätzle.

Proust läuft

Es wird zwar jetzt nicht so wahnsinnig viele interessieren hier, aber scheinbar gibt es erste (!) bewegte (!) Aufnahmen (!) von Marcel Proust (!): https://www.nytimes.com/2017/02/16/books/marcel-proust-film-movie.html?_r=0

Mit Danke an B.!

# 380

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Nette Idee

Vorstandssitzung Verein 1. Ich stelle den mehrfach bearbeiteten Haushalt in Höhe von 180.000 Euro vor, erkläre verschiedene Änderungen bei verschiedenen Kostenstellen, setze in Bezug, verweise auf feste und weiche Zahlen … und frage dann, ob es noch Fragen gibt. U. meldet sich: „Was verdienst Du denn dabei?“ Nach kurzer Irritation stellt sich heraus, dass sie nicht nur wissen will, was ich für meine ehrenamtliche Arbeit im Verein verdiene – selbstverständlich nix bis auf die 5 Euro Fahrtkosten je Sitzung wie alle anderen auch -, sondern fordert, der Verein möge mich adäquat bezahlen. Zugegeben, nette Idee und ich könnte es auch gut gebrauchen, aber als Schatzmeister musste ich dann schon aus vereinsrechtlichen Gründen, ihre Forderung rundum ablehnen.

Eine leicht skurrile Situation, denn die Geschäftsführung hatten den Spagat zu bewältigen, meine Arbeit zwar anzuerkennen aber auch deutlich zu machen, dass da kein Geld fließen kann, da ich ja Ehrenamtler bin und es nur Geld für die gibt, die Hauptamtlich sind und die das natürlich auch verdient haben weil sie mehr machen als die Ehrenamtler aber deren Engagement ja nicht zu unterschätzen …

Ich habe dann mal darum gebeten, über den Haushalt abzustimmen.

Gerade U. noch ne Mail geschrieben und mich dafür bedankt, dass sie mein Engagement sieht.

4 3 2 1

Den ein oder anderen Roman von Paul Auster habe ich letzten Jahren gelesen. Aber wie die meisten Amerikaner – mit Ausnahme von Philipp Roth und zwei, drei anderen Romanen – bleibt mir von ihnen nicht wirklich viel hängen. Es ist eben meist der eher sachliche Stil, die meist eher chronologische Erzählweise und – nicht zuletzt – der „american way of life“, der mich überwiegend nicht interessiert.

Auch „4 3 2 1“, der aktuelles Roman von Auster, stand auf meiner Leseliste recht weit hinten. Ich wollte so lange warten, bis ich ihn irgendwo in elektronischer Form ‚bekommen‘ kann, denn die Idee fand ich nun nicht gerade prickelnd: Man nehme einen Protagonisten, in diesem Fall einen mit Namen Archibald Ferguson, gebe ihm eine Vergangenheit, d.h. bei den Amerikanern ja meist eine Biographie, die drei, vier Generationen zurückreicht und spiele dann vier verschiedene Variationen durch. Der Titel hätte also genauso gut „Was wäre wenn …“ lauten können. Es ist schließlich eine Binsenwahrheit, dass wenn das und das nicht gewesen wäre oder doch gewesen wäre oder anders gewesen wäre, dass das Leben (ganz) anders verlaufen wäre. Jede/r kennt Situationen, von denen im Nachhinein klar war, dass es Weichenstellungen waren. Wäre ich also damals nicht auf die Fete gegangen und hätte ich mich nicht damals abschleppen lassen, dann … . Aber meist beginnt es ja noch früher: Wenn ich den und den nicht kennen gelernt hätte, dann wäre ich nicht auf dessen Fete gegangen und … . Aber den habe ich ja nur dann kennengelernt weil … . Will heißen, der eigentliche Abzweig liegt oft früher oft wenn nicht meist, in einem Graubereich, der so richtig nicht mehr zu bestimmen ist.

Und damit ist „4 3 2 1“ an sich erklärt. Denn Auster gelingt es weitgehend aufzuzeigen, welche Faktoren, Einflüsse, Zufälle, Entscheidungen zu dem oder dem geführt haben. Und es zeigt sich, wie eine einfache Entscheidung sich zu einer richtigen Geschichte ausweiten kann. Beispiel: Einer der Archibalds lässt sich in seiner sexuellen Not als 15-jähriger von einem 18-jährigen einen runterholen, findet das ganz OK, ist dennoch etwas verwirrt, ob er vielleicht jetzt doch schwul ist bzw. sein könnte oder nicht. Aber als er dann erfährt, dass er auch bei Frauen problemlos kommen kann, legt er die Wichsaffaire unter ‚jugendliche Erfahrung’ ab. Schätzungsweise ist Archibald da nicht der einzige. Doch diese Erfahrung, diese Unsicherheit prägt ihn nachhaltig, da er beginnt, mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger beständig Konventionelles zu hinterfragen. Seine Erkenntnis etwas später: „Ungeheuerliche, inakzeptable Verstöße gegen gesellschaftliche Regeln waren offenbar nicht immer ungeheuerlich und inakzeptabel“. Das führt zu einer ganz anderen Lebenseinstellung, zu ganz anderen Lebensentscheidungen, zu ganz anderen Lebensproblematiken – und wie das Auster im Vergleich aufzeigt, das ist Kunst.

Diese vier Archibalds von Auster funktionieren wohl auch deswegen nur, weil Auster das Korsett eng belässt. Zwar stirbt bei einem der Vater, mal ist die Familie reich, mal eher arm, mal bleiben die Eltern zusammen, mal gibt es eine Scheidung. Doch das weitere Personenfeld, die Schwester der Mutter, die Freundin der Mutter, die Cousine, … bleibt in allen vier Geschichten das gleiche, auch wenn in Variationen. Und es funktioniert wohl auch deswegen so brillant, weil Auster auf dem Boden bleibt, nicht beginnt den ‚amerikanischen Traum‘ zu träumen, sondern in den Niederungen des alltäglichen Lebens bleibt.

Mir tut der Roman in der Hinsicht gerade gut, weil er zeigt, dass man zwar für seine Entscheidungen im Leben verantwortlich ist, aber dass man für die Umstände, die zu diesen Entscheidungen geführt haben bzw. führen, wenig oder gar nicht verantwortlich ist, sondern ‚Opfer‘ der Zeitumstände ist.

Selten eine so eindeutige Leseempfehlung ausgesprochen.

2 x 40

Ein langer Tag. Der begann um 6. Bis 7 hatte ich Zeit für mich und musste mit niemanden reden, ab 7 bis 12 hatte ich Vertretung am Empfang und stand daher in der ‚Öffentlichkeit‘, die aber dann doch so groß nicht war, so dass ich weiter in dem echt richtg guten Auster „4 3 2 1“ lesen konnte (über den ich mal was bloggen sollte). Dann nach Hause gelaufen, wieder 40 Minuten für mich, kurzes Mittagessen und statt Proust- und Luther-Lektüre das Installieren von Apps auf dem neuen Wischhändy meines Mannes, dessen Betriebssystem ich nun auch nicht kenne, dann die nächsten 40 Minuten Fußweg zu Verein 1, erst eine Besprechung, dann Dienst. Mit der Straßenbahn zurück, kurz Nachrichten und von da ab bis jetzt eben noch den Haushalt für Verein 1 nochmals feinjustiert, da ich den 180.000-Euro-Brocken morgen im Vorstand zur Genehmigung vorlege … Und dennoch ging der Tag, wie gestern, etwas an mir vorbei, auch wenn ich auf den Fußwegen die Wärme der Sonne wirklich genossen habe.

Vielleicht gehe ich mit irgendwas schwanger? Oder etwas mit mir?

... ach, nichts.

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In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Marcel Proust

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