Durch die Zeit

Morgen wieder.

Ich muss echt was richtig Mieses geträumt haben heute Nacht. Schon nach dem Aufstehen einfach nur niedergeschlagen, lustlos und abständig. Definitiv nicht mein Tag heute.

Proust | Vorstellung Blochs, den man ruhig als ‚leicht überspannt‘* bezeichnen kann und der nach einer Äußerung über die Großtante nicht mehr von den Eltern empfangen wird. Über Marcels Begeisterung für Bergotte. Monsieur Swann ist bestens mit Bergotte bekannt und bietet Marcel an, ihm jede Frage zu stellen, die er beantwortet haben will. Marcel neidisch auf die Tochter Swanns, mit der Bergotte gemeinsam alte Städte, Kirchen und Schlösser anschaut: »ich war schon voller Bereitschaft, sie zu lieben«. (1.148)

* »Ich lasse mich niemals durch atmosphärische Störungen oder durch die konventionelle Zeiteinteilung beeinflussen. Ich wäre durchaus bereit, den Gebrauch der Opiumpfeife und des malaiischen Kris wieder einzuführen, diese unendlich verderblicheren und zudem nur dem ideenlosen Bürgertum dienenden Instrumente wie Taschenuhr und Regenschirm aber ignoriere ich.« (1.137)

GT (44)

Wir sind nur zu sechst, also kleiner Kreis. Ermöglicht für jeden etwas mehr Zeit. Wir sind alle recht lebendig unterwegs und schenken uns heute nichts. Interessanterweise bringt heute auch fast jede/r ein echtes Thema ein und hüpft nicht nur auf den eigenen Empfindlichkeiten rum. L. geht es so richtig mies, viele Tränen, viel Verzweiflung

Proust

Proust | Marcel, die Leseratte, versinkt im Garten in ferne Welten, »denn jene Nachmittage waren an dramatischen Ereignissen reicher, als ein ganzes Menschenleben oft ist.« (1.125) Erster Ansatz einer Romantheorie. Gestört wird er manchmal nur von Truppen, die durch die Straße ins Manöver ziehen. Gute Gelegenheit des Gärtners, die Haushälterin Françoise aufzuziehen. Marcel ist von dem (fiktiven) Schriftsteller Bergotte begeistert, den er durch den Schulkameraden Bloch (die einzige Figur neben Marcel, die sich durch die gesamte Recherche ziehen wird) kennen gelernt hat.

Heute gibt es wieder Schnipsel

Das mit den Schmerzen hat sich – was bin ich froh – weitgehend gelegt. Irgendwas grummelt da noch rum, mein Verdacht wurde jetzt auf die Speicheldrüse gelenkt.

Der Grill bewährt sich (und zwar so gut, dass jetzt schon die erste Mülltonne durchgeschmurgelt ist, weil mein Mann meinte, er könne die Asche schon mal entsorgen).

Ich bin es nicht mehr gewohnt länger zu reden. Als ich der neuen Azubine ne Stunde was erzählen musste / durfte / konnte, fing ich wieder an zu lispeln – wie ich das hasse!

Proust | Ein Besuch Marcels außerhalb der Reihe bei seinem Onkel Adolphe. Der ist nicht – wie sonst – allein, sondern eine junge Frau »im rosa Seidenkleid« (1.112) ist bei ihm, eine »elegante Kokotte« (1.114) wie er feststellt. Marcel ist ganz begeistert, sein Onkel nicht und bittet ihn, den Eltern gegenüber nichts zu erwähnen. Marcel kann aber die Klappe nicht halten, die Eltern regen sich auf. Tage später begegnet er dem Onkel auf der Straße und weil er nicht weiß, wie er nun reagieren soll, blickt er weg – der Onkel vermutet eine Anweisung der Eltern und bricht mit der Familie.

Örtlich und zeitlich zurück nach Combray. Beschreibung des Küchenmädchens, die der Caritas von Giotto ähnelt.

Auf die Lektüre reduziert heute

Proust | Sonntags wartet Tante Léonie sehnsüchtig auf Eulalie – eine alte gute Seele »mit einem illusionslosen Ausdruck in den blauen Augen« (1.100) – die regelmäßig auf Krankenbesuch vorbeikommt und neben der Haushälterin Françoise die einzige ist, die die Tante mit Klatsch und Tratsch unterhält. Andeutung der Kochkünste Françoise – regional und saisonal – und Einführung Onkel Adolphe, der mit der Familie gebrochen hat. Das liegt an einem Besuch Marcels bei ihm (ab morgen), davor aber noch die Leidenschaft des Knaben für das Theater.

Newsletter aus der Vergangenheit

Den aktuellen Schmerzbericht gibt es morgen.

Nur soviel: Wer mir irgendwie seine Mail-Adresse zukommen lässt, der / die kann den Proust-Newsletter abonnieren und muss nicht jeden Tag hier gucken.

Proust | Beschreibung der Kirche und des Glockenturms von Saint-Hilaire in Combray, wo die Familie von Marcel den Sommer verbringt. Glocken- bzw. Kirchtürme werden auch später noch eine Rolle spielen.

Frag nicht.

Heute vormittag nahezu schmerzfrei, also nicht zum Arzt. Nach dem Mittagsschlaf (tief und erholsam) gleich zwei Anfälle. Wo ist da die Logik? Oder der Trigger?

Um mich abzulenken, suche ich das Marcel-Proust-Kochbuch hervor, aus dem ich, obwohl ich es schon gut 20 Jahre besitze, noch nie was gekocht habe. Das wird sich dieses Jahr ändern (müssen!).

Proust | Die Kusine seines Großvaters – Tante Léonie – wird eingeführt. Sie ist bettlägerig (tut jedenfalls so), sie ist hypochondrisch, sie ist neugierig, sie ist leicht herrisch, sie ist gläubig, sie ist geschwätzig, sie ist … eben so eine Verwandte, die einem irgendwie auf den Geist geht und dann doch wieder nicht. Immerhin weiß Marcel durch sie, wie Lindenblütentee schmeckt – und der war ja bei der gestrigen Madeleine-Szene zentraler Bestandteil (auch wenn es in Realität ein Milchkaffee war).

Der Tag

Morgens: Besuch bei zwei Ärztinnen. Die Zähne sind es nicht – aber das ist dann auch die einzige Erkenntnis in Sachen Schmerzen. Ibu ist angesagt und wohl morgen der nächste Arzt.

Mittags: Lege mich kurz hin, um zu entspannen. Vier Stunden später weckt mich mein Mann mit der Frage, ob ich heute noch mal aufstehen will.

Abends: Angrillen auf der Wiese mit A. und Z. Jetzt haben wir zudem einen neuen Freund, Phil, ca. 7 Jahre, der uns, bzw. vielmehr unseren Grill, bzw. das Feuer, gleich adoptierte.

Proust | Ich kann kein Französisch. Mich würde aber interessieren wie »das Drama meines abendlichen Entkleidens« (1.65) und »das Drama meines Zubettgehens« (1.66.) im Original heißt. Ersteres hat ja eine ganz andere Implikation als das andere.

Dann die (zurecht) berühmte Madeleine-Szene. Ich bin mal so bösartig und entkleide den letzten Satz aller Zusätze (also dem Zauber) und zitiere nur den ihm zugrundeliegende Hauptsatz:

»Und wie in jenem Spiel, bei dem die Japaner in eine mit Wasser gefüllte Prozellanschale kleine Papierstückchen werfen … die … auseinandergehen … stiegen … all das … auf aus meiner Tasse Tee.“ (1.71)

*HUUNNNNNNNNG*

Die Schmerzen lassen im Grunde gar nicht mehr nach. Meistens latent vorhanden und dann – ohne erkennbaren Anlass – schießen sie anfallartig in die linke Gesichtshälfte, dass mir schlecht wird. Migräne? Neuralgie?

Morgen Zahnartz, dann Hausarzt, nicht zur Arbeit. Denn wenn ich mich ’still‘ verhalte, ist es zwar nicht schön, aber auszuhalten.

Proust | Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Vater erlaubt, dass die Mutter bei ihm übernachten darf. Man macht schon mal ein Bücherpaket auf, dass es erst in zwei Tagen hätte geben sollen, so haben sie etwas zum (vor)lesen.

… da ich ja ein neues Bucht nicht als eine Sache unter viele anderen ähnlich betrachtete, sondern als eine einzigartige Persönlichkeit, die ihren Daseinsgrund in sich selbst hatte … (1.62)

GT (43)

Nichts wirklich Neues unterm dem gruppentherapeutischen Himmel – ausgenommen danach.

Derweil kauen wir an unseren Themen rum und kommen in lebhaften Austausch. Der Psychdoc heute auch sehr gesprächig und erklärend. Er bringt eine Zeichnung von F.K. Wächter mit. Darauf zu sehen ein fliegender, übermäßig dürrer Hahn, auf dem eine Fette Henne sitzt, und sich fliegen lässt. Text dazu: „Denk daran, dass ich Dich unter Schmerzen geboren habe.“ Kommt (noch) nicht bei allen an.

Kurz unterhalte ich mich noch mit S. auf der Straße, da kommt C. auf mich zu, sie wolle mir noch etwas sagen und – ja, wir wagen es! obwohl aus therapeutischen Gründen nicht gewollt, nahezu verboten: Wir gehen ein Stück des Heimweges gemeinsam. Premiere, die gut tut.

Anton Weyrother

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