Durch die Zeit

Haltbarkeitstest

Im zweiten Programm des Hessischen Rundfunks gibt es eine richtig gute, viel zu selten gesendete Literatursendung mit dem (mir unerklärlichen) Namen „Schöne Aussicht“. Neben den drei, vier Neuerscheinungen müssen die Teilnehmenden auch immer ein Buch lesen, das schon ein paar Jahre oder ein paar wenige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Wenn ich mich recht entsinne firmiert dass dann unter „Haltbarkeitstest“. Die Frage: Hat ein Buch, was – sagen wir mal – vor 15 Jahre ein echter Aufreger war, heute noch Bestand? Sagt es noch was? Oder ist es schon veraltet?

Im Lesekreis lesen wir gerade „Tod des Vergils“ von Hermann Broch. Den Haltbarkeitsstest hat es definitiv nicht bestanden. Nach den ersten 200 Seiten haben wir heute beschlossen, nur noch die das Ende (ca. 30 Seiten) zu lesen und die dazwischenliegenden 200 Seiten zu überspringen (vielleicht finde ich ja ne gute Zusammenfassung irgendwo). Der Roman ist sicher ein wichtiges literaturhistorisches Zeugnis, aber aus dem Heute eine sehr anstrengende und wenig lohnende Zumutung.

Broch / Vergil bekommt jetzt noch einen großen Abschlussabend, dann werden wir wohl mit was „dünnem“ von Thomas Bernhard weitermachen und uns dann dem Gilgamesch Epos – auch nicht gerade dick – ergeben.

Pinocchio, wo warst Du heute?

Acht Stunden auf Gericht. Über eine Stunde werden TÜ-Beschlüsse vorgelesen, also wann wieso welche Telefonnummer wie lange abgehört wurden. Aus Langeweile zähle ich mal die überwachten Anschlüsse der beiden Angeklagten mit, bei 23 gebe ich auf. Wer mit soviel Handy jonglieren kann, der handelt planmäßig finde ich, spontan ist da echt wenig.

Bei zwei Zeugen herrscht ein bisschen babylonisches Stimmengewirr, denn zuerst muss aus dem bulgarischen bzw. griechischen ins Deutsche übersetzt werden, dann ins Albanische für die Angeklagten. Bei Fragen geht’s dann rückwärts und ich bewundere die Gelassenheit der Dolmetscherinnen, in diesem Stimmenwirrwar nicht den Faden zu verlieren.

Eine Zeuge stellt sich nochmals quer, trotz Dolmetscherin, trozt Rechtsbeistand. Erst als der Vorsitzende ihm klar macht, dass, wenn er weiter so dreist lügt, das mit seiner Bewährung schwierig werden könnte, räumt er ein, was er in seinem Prozess eh schon eingeräumt hat – aber an die Gesichter der Angeklagten kann er sich partout nicht erinnern. Pinocchio, wo warst Du heute?

Der Zeuge vom Mobilen Einsatzkommando sieht so aus, als würde er im Hauptberuf vegange Seife verkaufen, sein Auftreten ist dann aber doch der eines Gruppenführers eines Mobilen Einsatzkomandos. Ich lerne etwas über den fehlenden Wumms eines 9mm-Geschosses, möchte dennoch damit keine Bekanntschaft machen.

Zwei Schiebetermine, dann ein dritter Verhandlungstag.

Ach so: Autos werden bei den Kriminalen hier nie ‚geparkt‘, sondern immer ‚abgeparkt‘.

112 – Arnheim versetzt seinen Vater Samuel unter die Götter und faßt den Beschluss, sich Ulrichs zu bemächtigen – Soliman möchte über seinen königlichen Vater Näheres erfahren (539-549)

Arnheim will Ulrich für sich irgendwie gewinnen – will sich mit Soliman unterhalten – und doziert vor ihm – kommt auf seinen Vater zu sprechen – der ist nach wie vor dominant und bestimmend – Arnheim ist Jude – Soliman spricht ihn unerwartet auf seinen Vater, den König, an – Arnheim denkt, erinnert, vergleicht, überlegt …

Wir werden geboren, um uns unser Königreich selber zu schaffen. (544)

Einfach ein Kapitel, was sich nicht zusammenfassen lässt, außer man schreibt es komplett ab. Zeigt jedenfalls, dass auch Arnheim manchmal unsicher ist.

Humpel-Wochenende

Das Humpel-Wochenende hat mir eigentlich ganz gut getan. Da einige Aktionen einfach ausfallen mussten und ich immer sehr, sehr früh wach geworden bin, hatte ich endlich mal ausreichend zum Lesen.

Gestern gabs Maultaschen aus der Heimatstadt mit selbstgemachter Fleischbrühe, heute haben wir einen Eriträer probiert (das nächste mal nehme ich doch lieber Reis) … zwar nicht aufwändig, aber geade die Maultaschen was für die Seele.

Nach Ewigkeiten mal wieder mit E. gechtattet. Das muss es wieder öfters geben.

Wäre ich nicht fußlahm gewesen, wäre ich mit Sicherheit Stund‘ um Stund‘ durch den Wald gestapft, da die Einzeltherapiesitzung am Donnerstag eine mittelgroße Lawine in mir ausgelöst hat. Der Therapeut und ich haben das Bisherige aus der GT zusammengefasst und er hat mich dann auf ein paar Parallelen aus anderen Zeiten aufmerksam gemacht – das hat ganz schön eingeschlagen, denn ein paar losen Enden haben sich zu einem Geflecht verknüpft, was dann wieder Anderes ‚erklärte‘ oder in Bezug setzte, mit dem ich plötzlich auch was anfangen kann. Das war ganz schön hart, denn … keine Ahnung, das bekomme ich jetzt nicht in wenige Worte gefasst.

Der Kopf / Die Psyche hat jedenfalls das ganze Wochenende wie wild gearbeitet, ich war immer extrem früh voller Gedanken wach, die zwar echt gut und hilfreich waren, aber nicht für ein schönes Aufwachen sorgten. Einerseits geht das beständige weiter, andererseits ist Druck / sind Drücke weniger bzw. weg.

Kompliziert das jetzt wirklich zu beschreiben, denn einerseits ist es sau anstrengend und traurig und voller Wut und andererseits ist da auch eine Art Gelassenheit … Im Kopf dazu in Dauerschleife: „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!“

# 492

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humpel

Ich hab das Gangbild eines 8o-jährigen und sammle, als ich kurz auf dem Markt und im Sanitätshaus war, einen mitleidigen Blick nach dem anderen ein.

Im Sanitätshaus will ich mir so eine einfache Manschette für den Knöchel kaufen, die das Fußgelenk einfach etwas stabilisert und ich – faul wie ich bin – nicht dauernd mit elastischen Binden hantieren muss. Man bietet mir eine Konstruktion für rund 140 Euro an (mit dem Hinweis, das gäbe es ja auch auf Rezept). Die Manschette bestell ich mir dann für 17,95 im Internet.

Die Verkaufspolitik dieses Sanitätshauses hat mich jedenfalls nicht überzeugt – und darf ich vermuten, dass es keine Ausnahme ist?

111 – Es gibt für Juristen keine halbverrückte Menschen (534-539)

Ulrichs Vater ist Mitglied eines Ausschusses, dass an der Erneuerung des Strafgesetzbuches arbeitet – ist mit seinem Freund Prof. Schwung in bitteren Streit geraten bezüglich Bestimmung der Zurechnungsfähigkeit eines Täters – sie beide schreiben Streitschriften – Uneinigkeit im Ausschuss nach dem Motto: drei Juristen, vier Meinungen – Ulrichs Vater nimmt eine extrem konservative Haltung ein

Es ist schwer, der Gerechtigkeit in Kürze Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. (537)

Was als kleine Posse über Juristen und ihre Spitzfindigkeiten anfänglich daher kommt, entwickelt sich unter der Oberfläche eben zu einem Grundsatzproblem, was, wenn ich das richtige mit einem halben Auge verfolge, immer noch Thema unter den Fachleuten ist nämlich die Zurechnungsfähigkeit bei einer Straftat und wie das sich auf das Strafmaß auswirkt. Eine enorm wichtige Diskussion, wenn es darum geht, ‚gerecht‘ zu sein. Ulrichs Vater ist da äußerst konservativ, sprich, er ist den kommenden Nationalsozialsten verdammt nahe, die bei den „Entarteten“ ja zu äußerst brutalen Urteilen griffen. Seine Auffassung ist geprägt davon, dass je härter eine Strafe ist, sie eine desto größere Abschreckung habe. Dass dem – ab einer gewissen Strafandrohung – nicht so ist, sehe man beispielsweise in den Bundesstaaten von Amerika, in denen die Todesstrafe gilt. Auch dort ist bspw. die Mordrate in vergleichbare Höhe, wie in den Staaten, in denen es keine Todesstrafe gibt. Interessanterweise hilft die Strafandrohung bspw. im Verkehr enorm, wenn sie den Geldbeutel empfindlich treffen, siehe hierzu Schweiz, Norwegen u.a.

*autsch*

Mit M. in kollegialem Gespräch die Treppe hinunter, die vorletzte Stufe wohl nicht richtig erwischt, mit dem rechten Fuß so richtig bös umgeknickt, dann aufs linke Knie gestürzt, dann auf die rechte Hand, dann Rolle nach rechts und einmal komplett gegen die Wand gedonnert.

Von der Dynamik und von der Lautstärke sicher 8 von 10 Punkten, bei der Eleganz muss ich da aber leider einige Abstriche machen, da gibt es nur 3 von 10.

Zwei Stunden später dann doch mal zum Durchgangsarzt, wie vermutet halt ne anständige Kapsel- und Bänderdehnung (und wären die nicht schon so ausgeleiert, wie sie bei sind, dann wäre da sicher was gerissen gewesen – daher irgendwie noch Glück gehabt).

Bin ich echt froh, dass der Arzt mir morgen frei gegeben hat, es tut überraschend immer noch arg weh. Und schelcht vor Schock ist mir immer noch.

Die erste Stunde Tai Chi, die ich 39 Minuten anfängt, muss ich sausen lassen.

# 491

Ohne Titel

GT (26)

Die Einstiegsrunde eher unspektakulär und auch gar nicht mal soo lang. Nach langem Zögern fällt die Wahl auf T., der heute zum letzten Mal dabei ist, weil …. tja, irgendwas mit Krankenkasse und Streit zweier Therapeuten. Der mag aber, verständlicherweise, keine Aufstellung mehr. Also geht es um Drogen, wobei D. quasi den Vogel abschießt, weil er von seiner Dorgenkarriere erzählt – und dem ich hätte gerade so noch zugetraut, mal an einer Zigarette gezogen zu haben. Tja …

Ich bin schon traurig, denn T. hat nicht nur mit mir angefangen, sondern er ist auch so ein Typ Jungmann, den ich aufgrund der Aufgewecktheit und des offenen Nachfragens einfach sehr, sehr mag. Dass ich ihn auch noch als hübsch bezeichnen würde, tut dem Ganzen ja auch keinen Abbruch.

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