Durch die Zeit

# 421

2017-05-26 12.18.43

Zauberberg light

Bei meinem Mann auf Besuch in seiner Kur. Ich frühstücke heute mit und mir fällt natürlich sofort Szenen aus Manns‘ „Zauberberg“ ein. Zwar finde ich keine Frau Stöhr (so heißt die doch?) und auch Clawdia ist nicht zu identifzieren (es gibt keine Türen, die man zuknallen könnte) und dennoch … das ist anders als im Früstücksraum eines Hotels. Ich gucke unendlich viel und überlege mir Geschichten zu den einzelnen Typinnen und Typen – kann eigentlich nicht genug bekomme.

Da fällt mir auch ein, dass ich früher als Student in der Mensa auch immer so andere angestiert habe, da ich eine Theorie entwickelte die an Hand des Essverhaltens den Charakter beschreiben sollte. Wenn ich das mal systematisch angehen würde … wie auch immer, wirklich spannend war das und ich habe selten so viel gefrühstückt.

Ich, der Schisser

Seit ein paar Tagen so unklare Zahnschmerzen beim Radfahren (!) und beim Essen. Heute morgen fühlte es sich etwas anders an und da morgen ja Feiertag ist … . Ich nehme also allen Mut zusammen, den ich habe, und rufe an. Die Zahnarzthelferin quetschte mich in den vollen Plan rein, warten musste ich dann aber doch nicht. Die Zahnärztin stochert rum, während ich schon wieder völlig runter mit den Nerven auf dem Stuhl hänge. Irgendwann gelingt es ihr die Schmerzen zu erzeugen – hat aber nicht die geringste Ahnung woher sie kommen, denn – und das ist bei meinen Zähnen echt eine Besonderheit – es sei alles wirklich Bestens. Auch ein Röntgenbild bringt nichts zu Tage. Schließlich tippt sie auf eine Überempfindlichkeit, empfiehlt eine neue Zahnpasta, schmiert mir irgendeine Paste auf die Zähne und entlässt mich.

Irgendwie bin ich ja schon froh, dass sie nicht gebohrt hat – ich bin in diesen Dingen echt kein Indianer – aber unklare Schmerzen mag ich auf die Dauer auch nicht.

Ich kann’s auch alleine

Eigentlich dachte ich, wenn mein Mann so lange weg ist, dann wird es hier auch nicht so dreckig werden, so dass unsere Putzhilfe einmal weniger kommen muss. Aber gestern habe ich mich in der Wohnung so umgeschaut … Dreck machen kann ich alleine auch ganz gut.

Schlaflied

Mit den Faltern, mit der Nacht
laß mich ein in deinen Schlummer:
über dir bin ich ein stummer
Atemzug der wacht,

daß der Spiegel nicht zu spät
deine Stunde krönt und kündet,
Mond dir dein Haar nicht entzündet,
wenn er kommt und weht,

unter deine Lider sieht,
was für Fremde sie verschweigen –
über dich muß ich mich neigen,
wenn er weiterzieht …

Wenn du dann die Hände hebst
und das Dunkel feierst, freier,
bin ich der flüsternde Schleier,
dem du fremd entschwebst.

Paul Celan

Ich mag es sehr, auch wenn ich nicht wirklich alles verstehe. Aber ich kann mir das Gedicht immer als einen kleinen Film vorstellen, denn zu fast jeder Zeile fällt mir ein Bild ein. Wie der Übergänge sich gestalten lassen … ok, das steht auf einem anderen Blatt.

Was mir daran besondes gefällt, sind die Enjambements, die jede Zeile mit der anderen  verbinden aber derart, dass ich immer und immer wieder neue Lesarten ergeben, weil Celan es doch recht oft offen lässt, was sich auf was eigentlich konkret bezieht.

Und natürlich mal die Frage aller Fragen: Wer ist denn das ‚Du‘?

Ich hab‘ es auch mal versucht auswendig zu lernen, aber das ist echt schwer.

Konfi

Konfirmation. Im Gottesdienst 21 Strophen (ohne die ganzen Kehrverse) und eine aufdringliche Kirchenvorsitzende. Mittagessen verspätet aber überraschend gut, da nicht nur wirklich heiß sondern so gut wie keine Fertigprodukte. Hab‘ mich bemüht Konversation zu betreiben, aber so richtig funktioniert hat es dann doch nicht – mir ist das anscheinend einfach nicht gegeben und ich sehe wohl auch so aus, dass man mir (besser?) keine Fragen stellt. Aber ich war ja auch als ‚Fotograf‘ ‚angestellt‘ – und mir dürfte es mal wieder ‚gelungen‘ sein, auf nicht einem Foto zu sein. Der anwesende Unsichtbare sozusagen – und das ist in Zeiten von all den Handys fast schon eine (kleine) Leistung.

Kommunikation kann ganz einfach sein

Ich habe da eine Bekannte (auch eine U.), die sich immer mal wieder bei mir per Mail meldet und Rückmeldung gibt, wie sie mich bei verschiedenen Treffen in Verein 1 empfunden hat oder was sie beschäftigt. Das ist wirklich nett – würde ich ihre Mails nur verstehen.

Da stehen dann so Sätze wie:

streit ist manchmal fruchtbar furchtbar bar Frucht, wenn zwei das so besonnen lassen

und ich hab nicht die geringste Ahnung, wie sie jetzt auf „Streit“ gekommen ist, denn in all den Mails davor, ist nicht einmal das Wort gefallen. Aber ihr tut es anscheinend gut, mir schreiben zu können, weil sie zumindest eine Rückmeldung bekommt, dass ich es gelesen habe. Und mir tut es dann auch gut, ihr manchmal etwas von mir zu schreiben ohne achten zu müssen, ob das nun Sinn macht oder nicht.

Betriebsausflug 2

Mit wollte ich eigentlich nicht. Ich fremdel mal wieder – aber so richtig. Aber andererseits, jetzt, wo ich entfristet bin … .

Ich trinke schon auch mal einen Schnaps, auch mal zwei … aber bisher noch nie morgens um 10. Da fing es mit einer „Marille“ an. Und dann gab es eine zweite, eine dritte, eine vierte, eine … boa!!!

Aber gelernt habe ich jedenfalls …
… dass das „Sie“ im Haus dann doch nicht so selten ist, wie ich dachte
… dass es enorm mühsam mit meiner Abteilung ist
… dass weit mehr Leute meinen Namen kennen als ich zu glauben wagte
… dass ich mich da eigentlich richtig wohl fühlen könnte
… dass Herr Q., dem ich ja zuarbeite, mir derzeit etwas arg ‚väterlich‘ daherkommt
… dass ich mir sogar vorstellen könnte, dereinst im „Festausschuss“ mitzuarbeiten
… mir Schnaps tagsüber nicht wirklich bekommt und ich daher alle weitere Reflexionen auf einen anderen Termin verschiebe.

H E U R E K A ! ! !

Ich hab wieder Internet!

(Festnetztelefon funktioniert dafür die nächsten drei, bis vier Wochen aber dennoch nicht.)

Und wer wissen will, an was es lag, den leite ich gerne an Herrn B. weiter, der hier gerade eine Stunde lang heldenhaft alles geregelt hat. Was genau – ich hab’s nicht verstanden und ich will es gar nicht wissen!

Getrübte Stimmung trotz Sonne. Ich vermute derzeit stark, dass die Beschäftigungslosigkeit im Job einfach Energie zieht. Dieses nicht-dürfen-obwohl-man-kann.

Intensive Lektüre als Ausgleich funktioniert auch nur dann, wenn man sich darüber austauschen kann – was aber auch derzeit nicht der Fall ist.

Sollte je das Internet mal wieder funktonieren, was ich nicht glaube, obgleich ich für morgen einen Fachmann bestellt habe, würde ich mich gerne für ein paar Tage krank schreiben lassen, um nicht den Stress zu haben so zu tun, als hätte ich was zu tun.

Der Feind in mir.

Ein Protokoll.

HALLO WELT!

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