Nachtrag zu: Die Maßnahme (33)

von Bert

Den dort erwähnten „netten Arsch“ kenne ich schon seit zwei, drei Jahren, wie mir gerade überfallsmäßig einfällt. Im Winter, wenn ich dann Straßenbahn fahren musste, stand er nämlich immer auch am gleichen Bahnsteig. Und mich hat immer schon gewundert, wie jemand so hübsch, wenn nicht gar schön sein kann, aber zugleich so was von langweilig wirkt. Er ist mir auch nur deswegen aufgefallen, weil er heute Morgen wirklich meinte mir die Vorfahrt nehmen zu können – worauf ich mich ja nie einlasse – und er, wohl leicht in seiner Männlichkeit frustriert, einen halben Kilometer später beweisen musste, dass er (scheinbar) mehr in den Beinen hat – und mich überholte. OK, ich war sicherlich schon mal fitter, aber noch bin ich Herr meiner geistigen Kräfte und der Erfahrung. Also guckte er dann schon etwas blöd – und ich hab‘ das gesehen – als ich an ihm 400 Meter später locker vorbeizog, weil er so brav war und wegen eines hirnamputierten Autofahrers bremste, während ich links vorbei bin und dem Deppen in der Blechkiste noch ein herzliches „Arschloch“ in die Fensterschreibe brüllte. Patt-Situation dann an der Ampel, kurzer Blickkontakt – unklar, ob man grinsen sollte oder cool tun – und ich geb’s einfach zu: Ich hab dann genau den Moment gezögert, dass er vor mir in den Pedalen war. Also die anderen drei Standradfahrer überholt und ich schön eine etwas längere Strecke hinter ihm her, also mein Vorder- an seinem Hinterrad – und immer schön gedrängelt, mal gehustet und so, damit ihm klar war, dass er noch ’nen Zacken zulegen muss, wenn er die Blamage nicht erleben will, dass ich ihn wieder überhole. Und er hat sein bestes gegeben.

Beim Radfahren bin ich echt so was von hetero – überholen darf man mich nur, wenn ich das will (oder einsehen muss, dass ich gegen ein 3.000-Euro-Rennrad mit einem Typen drauf, der jede Woche 1.000 km fährt, keine Schnitte habe). Noch kriege ich jeden, der es wagt – und dieses ’noch‘ möchte ich bis zum nächsten Geburtstag aufrechterhalten. Dann, ja dann werde ich das ein oder andere einsehen müssen – und es wird schwer, richtig schwer werden.