Nein, sie tut es nicht

von Bert

Nächstes Jahr werden es dann 30 Jahre sein, dass mein ältester Bruder bei einem Verkehrsunfall umgekommen ist. Heute sind es 29. Und ich vermute, ein weiteres Jahre wird den Umstand nicht ändern, dass ich immer sehr, sehr froh bin, wenn der 30.4. wieder hinter mir liegt. Dieser Schock bleibt einfach. Denke, da kann man durchaus auch von Traumatisierung sprechen, wenn ich das letztens richtig verstanden habe. Viele andere Tode hat man ja kommen sehen, wegen Krankheit oder Alter. Der jeweilige Tag ist zwar meist auch dann überraschend, und man ist traurig und vielleicht entsetzt und es ist wie ein kleiner Schock, aber dieser Tode ‚funktionieren‘ einfach anders. Die Psyche hat ein paar Chance mehr, ihn dann zu verarbeiten, einzuordnen – aber so?

Und wenn ich dann diese Unglücksfälle im Fernsehen sehe, die Katastrophen u.s.w., dann frage ich mich immer, was hat das für Spätfolgen in den Familien, manchmal ja auch in einer Gesellschaft? Und denkt heute noch ein Schwein daran, um da Unterstützung zu leisten? Wie viele Jahre ist der Tsunami jetzt her? Wann wurde das letzte Mal um Hilfe gebeten? Mag sein, dass behauptet wird, die materielle Not sei gelindert ist (was sie definitiv nicht ist) – doch was ist mit der seelischen?

Man mag mir sagen was man will, aber in dieser scheinbar ‚aufgeklärten‘ Gesellschaft ist neben schwulen Fußballspielern der Tod das größte Tabu. Selber über Kinderpornographie wird in der Zwischenzeit mehr gesprochen und geredet, da ist richtig etwas in Gang gekommen und tapfer wird gegen Vorurteile gekämpft. Aber aktive schwule Fußballer kann es nicht geben und der Tod ist ein Thema für den Herrn Pfarrer bei der Beerdigung für die knappe Stunde. Danach …