Soap live

von Bert

V. zum Abendessen da. Ich kreiere ein Lammgeschnezeltes mit Tomantesoße, was mich selber total überzeugt (selten genug). Davor Caprese auf Spießen, danach Erdbeeren mit Joghurt – das meiste vom Markt von heute morgen.

V. kennt A.

Als sie kommt, und wir in der Küche die ersten Sätze tauschen von ihr ganz bald die Frage: „Ist irgendwas mit A., weißt Du was?“ Ich berichte ihr von dem, was ich weiß, belasse es als Info. Dann Schweigen. Ich mache mich am Essen irgendwie zu schaffen und überlege, wie es nun gesprächsmäßig weiter geht. Da fragt sie: „Hast Du eigentlich schon was an mir bemerkt?“ Ich gucke sie an. Bin zwar keine Hete, aber auf die Frage von Frauen stehen auch bei mir die Schweißperlen auf der Stirn … neue Haarfarbe, andere Frisur, neues Kleid (aber das kann es nicht sein, soo gut kenne ich sie auch nicht), weder Arm noch Bein im Gips, aber dann … !

„Wieviel?“ Die Antwort: „Im fünften.“

In jeder billigen Soap hätte ich nun aufgeschrien von wegen, wie dumm die Autoren sind, wie dumm man uns Fernsehzuschauer verkaufen will, wie nah der Untergang des Abendlandes da ist.

Ich hab‘ dann einfach ne zeitlang mit der Petersilie gespielt: Wie kann ich mich über ein neues Leben freuen, wo gerade eins zu Ende gegangen ist, was noch gar nicht so richtig gelebt war?

Aber niemand wird mir vorwerfen können, dass ich heute Abend nicht tapfer mich Schwangerschafts- und zukünftigen Erziehungsfragen gewidmet hätte.