Großzügig – oder was man meint darunter zu verstehen

von Bert

Es gibt sie dann schon, die wesentlichen Unterschiede zwischen Süd- und Mitteldeutschland, zumindest was das Verhalten der Standbetreiber auf dem Markt betrifft. In meiner Heimatstadt im Süden ist es selbstverständlich, dass man Obst, Gemüse und Salate am Stand probieren darf. Und es ist auch selbstverständlich, dass die Summe abgerundet wird, wie es auch selbstverständlich ist, dass es immer ein Extra gibt, entweder ein paar Karotten oder Möhren mehr, oder ein Stück Wurst oder was eben gerade greifbar ist. Ich genieße das immer sehr, denn einerseits befreit es einem von diesem kleinkrämerischem 7,78 Euro (in meiner Heimatstadt sind dass dann 7,50 und gut ist, plus zwei Zwiebeln) zum anderen hat man immer das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Hier in Mitteldeutschland auf dem (kleinen) Markt gibt es nur einen Bauern, der ebenso verfährt. Bei ihm werden aus 7,78 dann auch bei guter Laune schon mal auch nur 7 – dafür gibt’s nix obendrauf auch wenn er, wie ich schon mehrfach beobachtet habe, sehr großzügig ist, wenn Leute für einen Kindergarten einkaufen. Da legt er dann auch schon mal 2,5 kg Kartoffeln oben drauf.

Und heute, so kurz vor Weihnachten, war das richtig ein Fest – Vorsicht: Ironie. Der Metzger hat sich vorweihnachtlich zu einem Preisnachlass von sage und schreibe 7 Cent, in Worten: s i e b e n Cent hinreißen lassen und hat dafür noch einen hässlichen Kalender wortlos über die Theke geschoben. Beim Bauern gab es den seit Wochen gültigen Einkaufspreis von 21 Euro obwohl ich heute entschieden mehr gekauft habe, als letzte Woche und zwei Karotten extra. Aber das Schnäppchen habe ich beim Bäcker gemacht. Musste mir noch ein Brötchen kaufen und da gab es bei meinem ersten Einkauf bei denen für 45 Cent noch ein hölzernes Schneidebrett (mit Sicherheit aus ökologischem Anbau und mit Mondleinöl oder was auch immer besprochen) obendrauf. Das nenne ich mal einen Fang!