Jetzt red‘ i – oder eben auch nicht

von Bert

Ich fühle mich schon sowas wie geehrt, dass J. heute zwei Stunden aus H. angereist ist, um mit mir vier Stunden in der Küche zu verbringen, um dann den gleichen Weg wieder zurückzunehmen. Ich meine, wer nimmt schon die Zeit und das Geld in die Hand für vier Stunden? Andererseits war mir die ganze Sache dann aber irgendwie zu einseitig, denn gefühlt 3:47 Stunden zuzuhören und für die Dauer von 0:13 selber zu Wort zu kommen – das ist irgendwie nicht mein Ding. OK, vielleicht waren es auch 17 Minuten oder 21, aber mit Sicherheit keine 30.

Aber letztendlich ist das auch nicht verwunderlich. Irgendwie scheine ich so etwas auszustrahlen, was den anderen animiert, zu reden was es zu reden gibt. Und es scheint auch ein weitverbreitetes Bedürfnis zu sein, reden zu können bzw. zugehört zu bekommen.

Und ich muss der Wahrheit da langsam echt ins Auge schauen, dass ich, je älter ich werde, immer mehr meinem Vater ähnel. Bis der ein Wort sagte, musste schon echt was passieren. Als Kind habe ich ihm das richtig übel genommen und ihm einmal lautstark vorgeworfen, er solle doch lieber ins Kloster gehen als hier beim Abendessen sitzen, wenn er doch eh nie was sagen würde. Boa gab’s danach von Mutter einen Abrieb!