Durch die Zeit

Monat: April, 2015

Vom Schweigen.

Als ich das erste Mal mit einem Mann Sex hatte, taten wir am nächsten Tag so, als sei nix passiert. Und am nächsten Tag taten wir auch so, als hätten wir am Abend uns nur unterhalten.

Als ich X. vor zwei Jahren mal einen geblasen habe, rief ich zwei Tage später an um zu fragen, ob es da Gesprächsbedarf gäbe. Immerhin ist X. hetero, lebt in einer eher problematischen Beziehung und hat ein Kind. Gab es von seiner Seite aber nicht, von meiner auch nicht, denn schließlich ist er ein verdammt hübscher Kerl mit einem verdammt hübschen Schwanz – wie ich damals dann feststellen konnte. Einmalige Geschichte.

Dachte ich. Erst letztens wieder passiert. Wieder dieser ultraharten Ständer, wieder diese Eruptionen. Ich hab mal nicht angerufen. Bin am überlegen, ob das gut ist, was ich da mache bzw. er machen lässt, denn an eine ‚Gegenleistung‘ ist nicht zu denken? Ob ich mich da nicht vielleicht nur prostituiere? Oder ist es einfach ein besonderer Freundschaftsdienst, weil er gerade hoch unter Druck steht? Macht das ein wie auch immer geartetes Gefälle in der Freundschaft?

Heute rief er an. Aber mit keinem Wort hat er die Nacht erwähnt (ich aber auch nicht). Schämt er sich? Nimmt er es nicht ernst? War ich soo schlecht? Hat er es schon vergessen?

2015-04-09 13.27.05

* 1911: Luise Rinser

Schon eigenartig, wie einem die Literatur übe die Jahre verloren geht. Im Netz gesucht, was es mit „Ich bin Tobias“ auf sich hat. ich weiß nur noch, dass es mich total fasziniert hat damals – aber wenn ich jetzt die wenigen Beschreibungen lese: Habe ich das Buch überhaupt je in der Hand gehabt? Gut, das ist jetzt auch 29 Jahre her – aber es gibt andere Bücher aus dem Jahr, die habe ich noch ‚komplett‘ auf dem Schirm. „Mars“ von Fritz Zorn oder „Der Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen. Dann die autobiograhpischen Klein-Romane von Thomas Bernhard, die „Orestie“ von Aischylos … Spannendes Lesejahr gewesen, aber hallo.

Und immer mehr reift die Überlegung, mal eine Sabbath-Lesejahr einzuführen und nur nochmals das wieder zulesen, auf das man Lust hat.

Morgen ist der 30. April

Na und? Eben: Na und!

Wohl für richtig viele Menschen – nur u.a. für mich nicht, und für meine Mutter nicht und für meine Geschwister auch nicht. Denn das war der Tag, an dem mein ältester Bruder vor 30 Jahren ums Leben gekommen ist. Schnöder Verkehrsunfall, unachtsamer Rentner, der ihn dann vollends platt gefahren hat. Der einzig Trost nach wie vor: Er hat nicht leiden müssen. Hat damals zumindest der Arzt gesagt. Was halt Ärzte so sagen in solchen Fällen. Nach der OP meines Vaters hatten sie auch gesagt, es sei soweit OK – zwei Monate später war er dann auch tot.

Ist so ein Tag, der sich eingebrannt hat. Nachdem nichts mehr so war, wie davor. Der Tag damals hat mir einiges an Zuversicht, an Zukunft etc. pp. genommen. Er hat mich verängstigt, er hat mich vorsichtig werden lassen, er hat mich unvernünftig werden lassen. Ich möchte nicht davon sprechen, dass er mich ‚traumatisiert‘ hat, aber locker aus dem Handgelenk: geprägt hat er mich das dann schon.

So richtig brutal finde ich immer mal wieder meine Mutter. Wenn die von freundlichen Menschen gefragt wird, wie es denn ihrer Familie gehe (oder wie auch immer diese Frage lautet), dann erzählt sie gerne von ihrer Tochter, noch viel mehr von ihrem Sohn, der einen Doktor-Titel hat und beim Erzbischof arbeitet (hallo Leute: das bin nicht ich!), ich komme dann auch irgendwie vor, aber der Knaller ist immer mein ältester Bruder. Denn meine Mutter beendet die Erzählung dann immer mit dem Satz: „Und mein Ältester liegt auf dem Friedhof.“ Ich hab‘ das jetzt mehrfach mit bekommen – und es war keiner darunter, der darauf reagieren konnte, wozu ich bestes Verständnis habe.

Letzter Satz dazu: Nicht nur ich habe erfahren müssen, dass der Tod eines Sohnes / einer Tochter (in jungen Jahren) mit enormen Mitleid für die Eltern einhergeht. Aber eben auch damit einhergeht, dass die (jungen) Geschwister einfach übersehen werden. Bei mir hieß es immer: „Jetzt musst Du lieb / fleißig / ruhig / gut in der Schule / nett / … sein und Deine Eltern stützen, sie haben einen Sohn verloren.“ Wenn ein Sohn / eine Tochter als Kind / Jugendlicher stirbt – mein Bruder war damals 24 – dann stirbt auch ggf. eine Schwester / ein Bruder! Leid kann man nicht aufwiegen oder abwiegen – aber es verlieren nicht nur die Eltern einen Sohn / eine Tochter, sondern die Geschwister verlieren eine Schwester / einen Bruder – und das ist, wie ich finde, ähnlich brutal.

30 (!) Jahre (!) ist das morgen her – und zum ersten (!) Mal ist es irgendwie OK, darüber zu reden / bloggen.

Notstand

Der Supermarkt, bei dem wir unter der Woche Salat, Gemüse und Obst kaufe – falls es das auf dem Markt nicht gegeben hat oder dann doch nicht über eine Woche lagerfähig ist – hat, wegen Umbau, knapp zwei Monate geschlossen. In der näheren Umgebung gibt es noch zwei Billig-Discounter und einen Ökoladen. Aber die bescheidene Auswahl (im Vergleich zum Markt, nicht zum Supermarkt) und die schlechte bis minderwertige Qualität unterscheidet sich bei allen drei Läden wirklich nur im Preis.

Scanne gerade die Umgebung nach einem weiteren Supermarkt ab, aber der einzige, der mir einfällt von dem ich ausgehen kann, dass er einigermaßen Qualität hat, ist gut vier Kilometer entfernt. Nun ja, ich hab ja Zeit.

Seltenheitswert

Schalter der Deutschen Bahn. Die Angestellte ist nicht nur freundlich und kompetent, sondern gibt ohne Geld zu verlangen neben den Fahrscheinen auch gleich noch 50 Cent extra raus. Lag aber nur daran, dass ich einen Gutschein vom Geburtstag einlöste.

Also wer mich mal gucken kommen will, bin ab 18. Mai zu finden zwischen Flensburg und Lübeck. – Ich bin übrigens der mit dem Rad!

Einfach klasse!

Seit gestern mache ich so gut wie nur eins: lesen. Das hier.

Auf dem Markt gibt es keine Nerven zu kaufen

Wie immer erst zum Fleisch. Zwei hinter der Theke. Sie packt für einen Käufer Wurst ein. Von der 100 Gramm, von der 75, von der 125, von der 200 … Hat der eine Großfamilie zu versorgen? Der Metzger selber ist mit einem anderen Kunde beschäftigt, der mal gerade so locker für 75,45 Euro Fleisch kauft. Und das dauert, bis 20 gleichgroße Rouladen geschnitten und ausgesucht sind. Und geizig wie dieser Metzger ist, er besteht auf die 45 Cent. In meiner Heimatstadt auf dessen Markt hätte der Metzger nicht nur eine Wurst dazugelegt sondern auch noch ein ordentliches Stück Speck – aber hier …

Rüber zum Fisch. Die Frau vor mir fällt in einen Kaufrausch. 62,77 Euro für Fisch. Bei jedem fragt sie, ob man ihn auch einfrieren könne. Die 15 Jakobsmuscheln muss sie also heute oder morgen machen. Die Verkäuferin rundet auf 60 Euro ab und legt noch einen Fischsalat zum probieren dazu. Das gefällt mir schon besser.

Zwischendurch noch zum Spargel. Davon haben die hier Null Ahnung. Den dicken, fetten Spragel, der meist strohig ist, verkaufen die hier zu Höchstpreisen – und Bruchspargel ist dann genauso teuer! Mein Spargel muss einen Durchmesser von 20 bis max 25 mm haben, dann ist er perfekt. Den findet man auch auf dem Markt, frisch aus der Region für unter 8 Euro, denn den kauft anscheinend niemand. Vor mit eine Kundin die genau acht Stangen will. Nach dem gefühlt 70 Stangen begutachtet worden sind, komme ich endlich dran.

Dann Gemüse. Ich packe ein: 3 x Radieschen, 3 x Salat, 2 x Rucola, 1 x glatte Petersilie, 1 kg. Zwiebeln, eine Handvoll Möhren. Der Bauer rundet auf 12 Euro ab. Ich habe gerade den Rucksack geschultert, da fällt mir ein: Petersilienwurz! Also die rausgesucht, wieder hinten angestellt. Der Bauer sieht das, nimmt mir sofort die beiden Wurzel ab, wiegt sie und sagt dann „1 Euro“. Ich winke mit einem 5-Euro-Schein, darauf er: „Ach lass, zahlste dann halt nächste Woche!“ So kenne ich das aus meine Heimat.

+ 1980: Alejo Carpentier

Jedes Jahr schreie ich: Philip Roth muss den Literaturnobelpreis bekommen. Aber das tue ich erst seit 1980. Denn bis dahin – ok, war kurz, ich geb’s zu, schrie ich immer: Alejo Carpentier muss den Literaturnoblepreis bekommen. Und eigentlich schreie ich das heute irgendwie noch und fordere daher, dass der Literaturnobelpreis auch posthum vergeben werden kann.

Und warum schreie ich das? Weil dieser Mann eine kleine Erzählung geschrieben hat, meinetwegen auch einen Mini-Roman, die / der etwas verbindet, was kaum möglich ist: Literatur und Musik. Ich kenne jedenfalls kein Werk, in dem Musik so berschrieben wird, dass man sie hören kann und ich kenne kein Werk, in dem Musik ins Wort findet, das Wort, der Satz selbst Musik ist: Barockkonzert. Und das Ganze als eine Zeitreise, in der klar wird, das Amstrong von Händel gar nicht so weit weg ist.

Egal was von ihm – die Liste ist nicht sehr lang – es ist pure und lebendige Literatur, die sich immer den Menschen und den menschlichen Ideen verschrieben hat, die ehrlich daher kommt und nicht tut, als müsste sie etwas sein.

Explosion in der Kathedrale ist mir immer noch gut in Erinnerung, Le Sacre du Printemps war heftig und genial zu gleich.

Am Besten erinnere ich mich noch an eine Kurzgeschichte – ich!, der keine Kurzgeschichten mag, d.h. auch keine Erzählungen und daher das nur aus Not liest (noch nicht vorgekommen) oder aus Verehrung, siehe Carpentier – in der er einen Lebenslauf beschreibt – aber rückwärts und das als Entwicklung sieht. D.h., endlich mal wieder ungeniert und befreit auf den Teppich pissen und dann mit den Händen das nasse Etwas zu bearbeiten und interessante nasse Flocken zu formen. Und unter dem Gesichtspunkt ist übrigens der Tod sehr warm und hat was Heimliges an sich.

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Arbeitsessen

Ich glaube R. fühlt sich etwas angepisst, dass ich zu den Arbeitsessen nie eine Flasche Wein mitbringe oder so. Jedenfalls hat er uns heute bei der einen dann verdursten lassen. Aber ich finde Gastgeschenke einfach doof. Wenn ich einlade, dann lade ich Leute ein, weil ich sie mag und weil ich Zeit mit ihnen verbringen will und weil ich will, dass es uns derweil gut geht. Da muss dann doch nicht die obligatorische Flasche Wein überreicht werden, die dann doch meist in den Kochtopf wandert, weil sich der Gast aber sowas von vergriffen hat.

OK, wenn man es geschickt anstellt, ist das mit den Gastgeschenkweinflaschen ein Null-Summen-Spiel, wenn man immer die weiterschenkt, die man bekommen hat – aber das torpediert dann den Sinn von „Geschenk“.

Wenn wir einladen, erwarten wir nichts und sagen dass auch immer äußerst deutlich, denn, so meine Begründung: Dass die Leute kommen und mir / uns ihre Zeit schenken, das ist Geschenk genug.

Aber seine eigene Einstellung sollte man nie als allgemeingültig betrachten.

Women only!

Lieber Diesen-Blog-Leserinnen!

Mal ganz ungeschminkt gefragt: Ward ihr mit 14 auch so eigenartig? Und wenn ja: Warum?

Hintergrund. Die Nichte meines Mannes ist heute Abend (das erste Mal) alleine hier. Mein Mann musste noch länger arbeiten, also hatte ich das Mädchen, 14, für drei Stunden alleine. Abendessen war angesagt. Ich schon frühzeitig angefragt, ob Spaghetti und Tomatensoße OK gehen. Antwort: Gehen im Grunde OK, die Nichte isst bloß abends nichts, oder kaum etwas und meist nur einen Apfel. Habt Ihr auch das Essen so verweigert? (Das Frühstück bei ihr besteht übrigens auch aus einem Apfel – aber das kümmert mich jetzt nicht.)

Ich hab‘ trotzdem gekocht, ich robbte heute wieder ein paar Stunden durch den Garten, da reichte mir ein Apfel nicht. Und ich hab noch meinen geliebten Radieschensalat dazu gemacht. Immerhin war sie so höflich und hat mündlich – und nicht über WhatsApp oder so – gefragt, ob sie mir helfen kann.

Dann steht das Essen auf dem Tisch. Die Nichte – wußte gar nicht, dass Mädchen soo mutig sein können – schöpft sich unter dem Auferbieten aller Kräfte vier (in Ziffern: 4) dünne Radieschenscheiben und verkostet sie. Fazit: „Die schmecken zu sehr nach Radiesichen!“ Aha!

Dann darf ich ich 4,5 Spaghetti auf den Teller legen und sie nimmt sich einen halben Teelöffel meiner Tomatensoße. Vorsichtige Verkostung: „Die  Tomantensoße schmeckt mir zu sehr nach Tomate.“

Nun gut, sie wollte ja eh nichts essen. Doch – ja, ich erinnere mich, Pubertät macht einen nicht gerade gradlinig – fragt sie: „Gibt es Ketchup“. Oh ja, zwei Sorten sogar, ich bringe sie ihr – anschließend testet sie beide Sorten mit den Spaghetti so lange, bis es keine mehr gibt (und ich habe gut 400 gr. gekocht, auf das ich morgen noch welche habe).

Ist dieses Verhalten erklärbar oder kommt jetzt einfach nur die Antwort: Ach, weißt Du, die Hormone! Und waren wir Jungs nicht einfacher zu nehmen in dem Alter?

Für jeden Hinweis / für jede Erklärung / für jede Aufklärung dankbarst

B.

Unausgewogen

Immer wieder schön zu spüren, dass man doch noch ein paar Muskeln hat – wenn auch die untrainierten gerade die Mehrheit bilden.

Schon irgendwie komisch

Da robbe ich auf Knieen durch einen Garten und reiße in der Sonne Girsch aus, grabe nach dessen Wurzeln, mache mich schmutzig, schwitze, bekomme Durst – und freu‘ mich, dass ich morgen weiter machen kann.

Bedürftigkeit

Ist schon interessant zu sehen, wie die Leute auf meine längere Arbeitslosigkeit und -suche, sowie mit dem Wissen, dass ich von meinem „Privatvermögen“ lebe, reagieren.

H. und S. greifen meine Idee für die Verpflegung der Veranstaltungsteilnehmer Suppe zu kochen gerne auf und vergüten das großzügig (bekommen aber auch ne echte Suppe! Eine Teilnehmerin wollte von mir wissen, welches Suppenpulver ich denn nehmen würde, dass das so nach „echter“ Suppe schmecken würde. Und sie war dann etwas arg verwundert, dass man den Suppengeschmack mit Suppengemüse wie Karotten, Petersilienwurz, Sellerie etc. hinbekommt.)

M., die durch ihren Mann einfach so wirklich genug Geld hat, findet den Mut, mich einfach zu fragen, ob ich gegen guten Stundenlohn ihr im Garten helfe.

H. bringt die angebrochenen Weinschläuche einer Veranstaltung vorbei mit der Begründung, er würde ja eh kein Rotwein trinken. Was er für die knapp vier Liter denn haben wolle, frage ich ihn: „Ein Espresso – das fände ich gerecht.“

To be continued.

Der Tag

Etwas später aufgestanden, da der Mann früh weg musste und erst abends wieder kam. Bei dem Wetter auf eine Hose verzichtet und den ersten Tee mit Grass in der Sonne auf dem Balkon. Ganz wenig Internet zwischendurch, dafür rechtzeitig das „Studio“ aufgebaut. R. kam auf die Sekunde pünktlich. Hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass er so jung ist, so muskulös und so zuvorkommend. Vor der Kamera machte er so, als täte er das täglich – es war sein erstes Mal. Oben rum sich ausziehen war null Problem, mal sehen, ob er beim nächsten Mal es auch untenrum tut. Danach weiter in der Sonne gesessen, bis unerwartet erst B. und dann H. aufschlugen, die Küche bevölkerten und das Abendessen um fast zwei Stunden nach hinten verschob.

Und dann – Trommelwirbel – der erste Spargel in diesem Jahr mit der zweifelsfrei weltbesten Sauce Hollandaise!

Jetzt im Strampelanzug im Spargelkoma auf dem Sofa.

Die Woche kann kommen.

Also, geht doch!

Schon vor längerer Zeit R. gefragt, ob er mal mir vor der Linse steht. Aber gerne doch. Dann nie wieder was von ihm gehört.

Letztens ihn über seine Schwester nochmals angefragt.

Gestern hat er gemailt, morgen kommt er.

2015-04-16 22.04.24

Für 15

So langsam verstehe ich, das zwischen kochen und kochen echt ein Unterschied besteht. Ich habe schon wieder die Möglichkeit für eine Gruppe ein kleines Mittagessen zu kochen (Kartoffelsuppe mit extra Wurst, Crutons, Salat, Brot und Schokowürfel als Nachtisch). Sollte ich das Gleiche für vier oder sechs Personen kochen, wäre das kein Problem, die Mengen hätte ich sicher ganz gut im Griff. Aber für 15 oder 16 – da wächst echt die Unsicherheit. Und ich will das es a) reicht und b) mein Wareneinsatz aber auch nicht exorbitant ist, denn schließlich bekomme ich einen (recht guten) Festbetrag pro Person. Und so langsam wird mir klar, warum das ein oder andere Essen in einer Kneipe teuer ist – auch wenn bei manchen Gerichten es nach wie vor eine Unverschämtheit ist, denn da ist Wareneinsatz und Zubereitungszeit wirklich äußerst gering.

Egal, ich putz jetzt noch die Salate, mache noch ein paar geschmelzte Zwiebeln für die, die es zur Kartoffelsuppe als Extra mögen und rühr dann auch schon mal das Dressing an. Schokowürfel sind schon im Ofen, die zweierlei Crutons mache ich dann morgen vor Ort frisch, damit es auch gut riecht.

Ich glaub’s doch nicht

Wußte ich es doch, dass man mit C. richtig geilen, kreativen Sex haben kann. Mir was das schon immer klar, dass er da verdammt phantasievoll ist. Dass zwar die ein oder andere Stellung und Verknotung anatomisch dann gar nicht möglich waren, lag wohl einfach daran, dass in Traumwelten vieles möglich ist. Hat aber dem Ganzen überhaupt kein Abbruch getan –  hätte ruhig noch andauern können.

P.S.: Ich weiß jetzt auch, wie man ein Lagerfeuer unter Wasser anzündet!

+ 1986: Jean Genet

Seine Romane, bis auf den letzten glaub ich, habe ich alle gelesen. Meist mit leichtem Befremden, denn das war nicht meine Welt, da war oft etwas zu viel Brutalität, in gewisser Weise zu viel Klartext. Und der Sex war auch ganz schön rau, geradlinig, kaum erotisch. Manchmal hat er mir Angst gemacht, denn als ich Genet las, war ich jung, schwul und ungeoutet. So sah die schwule Welt damals aus? Hatte sich daran groß was geändert?

Heute ist Genet ein kleine Ikone für mich, denn er hat sich dem Literaturbetrieb nicht wirkilich unterworfen, hat seine Texte quasi herausgerotzt, hat sich um irgendwelche Befindlichkeiten nicht gekümmert und schrieb eben das, was man heute als „Klartext“ bezeichnet. Weder die Welt-, noch die Geistes- oder gar die Literaturgeschichte hat es ihm wirklich gedankt.

Aber ein kleines Denkmal hat er dann doch bekommen, von Josef Winkler: Das Zöglingsheft des Jean Genet. Lest das und dann noch „Querelle“ sowie „Notre-Dame-des-Fleurs“ … und ihr werdet reicher sein.

Gegen Ende

Die gestrige Laberrunde war – oh Wunder oh Wunder – richtig gut. Nicht nur, dass es mal zur Sache ging, sondern dass es nahezu das ganze Gefühlsspektrum abdeckte. Wir haben T. gedacht und im Grunde fast geheult und am Ende haben wir einfach nur gelacht, weil U. meinte auf ihre alten Jahre noch eins auf Sexberaterin zu machen und da kein Blatt vor dem Mund nahm, was M. total schockierte. Dazwischen gab es ein sehr schräges Sex-Thema, ein richtig schweres Thema zu gewaltsamen Tod und Trauer und noch so eins wo uns allen mal wieder klar wurde, in welcher Spannbreite wird agieren. In dieser speziellen Runde war es bisher noch nicht möglich gewesen, all das neben- und nacheinander zulassen zu können.

Ab Morgen findet die Einwahl in die neuen Gruppen statt.

Meinem E.

Ich hab da so einen Freund, so einen guten, so einen richtigen guten, E. Das Doofe ist, der lebt gar nicht in Europa. Das Doofe ist, ich geb‘ ja derzeit überhaupt keine Geld aus. Aber für Geschenke natürlich dann schon, gar keine Frage. Und da ich E.’s Musikgeschmack nur stellenweise teile, wir aber beide Leser sind, wäre natürlich ein Buch ein ideales Geschenk, keine Frage. Und gar keine Frage besteht auch in welchem – den Link dürfen jetzt alle gucken, nur E. natürlich nicht, soll ja dann ne Überraschung sein -: dem hier.

Jetzt fangen nur die Probleme an. Schicken ist vollkommener Quatsch (und – wie kommt’s eigentlich? – ich hab‘ ja nicht mal ne Adresse von ihm). Vorlesen … na, ich weiß nicht, ob er da meine Stimme über 900 Seiten auf dem Ohr haben will? Scannen fände ich noch ne richtig gute Möglichkeit, jeden Tag eine Seite oder so, da hätten wir drei Jahre Spaß (und Stress). Oder aber, ich kauf es schon mal, und er bekommt es dann, wenn er mal wieder auf Heimaturlaub ist, kann es dann hier lesen oder mitnehmen oder weiterschenken oder was auch immer …

Und weil wir ja uns gut sind, darf ich sicher auch mal vorher reinschauen ins Buch, und wenn ich ganz vorsichtig blättere und es nicht knicke und so … dann darf ich es doch lesen, oder,  E.?

Fühl Dich mal so richtig gefeiert!

Royalistisch

Mein Mann rief vorhin an und wollte wissen, was es denn Neues im schwedischen Königshaus gäbe. Ich war ob dieser Frage etwas arg irritiert, denn Königshäuser gehen uns beiden aber sowas am Arsch vorbei. Es stellte sich dann heraus, dass ich heute morgen, als er kurz kam, um sich zu verabschieden, ihm im Halbschlaf die Ohren vorllgeschwallt haben muss, dass ich gerade bei der schwedischen Königin sein und jetzt keine Zeit für ihn hätte.

Leider kann ich mich da gar nicht daran erinnren, denn jetzt würde es mich schon interessieren, was ich da wollte – oder meinte zu wollen – oder wie auch immer.

109ter

Zwei Kurzfilme zum 109ten von ihm, dann Torte, Brezeln und irischen Whiskey für umme. Bloß: Meine Lust ist arg beschränkt, einen nehme ich, dann würde ich mich gerne verdrücken. Ich nehm den einen, stelle das leere Glas auf den Tisch, da spricht mich von links jemand an. Welche Funktion ich denn hier habe, und wie ich das mit der Kamera machen würde und überhaupt …

Eine 3/4 Stunde später mache ich mich dann nach mehreren Gläsern dann doch auf, da nimmt mich E., wohl Ende 60, wir duzen uns in der Zwischenzeit, nochmals zur Seite und bedankt sich für das interessante, unterhaltsame, offene Gespräch (dem ich einfach nur zustimmen kann)  mit den Worten: „Ach übrigens, ich war auch einige Jahre arbeitslos, Scheiß-Zeit, keine Frage, Daher: Gib alles, dass Du nicht an dir zweifelst.“

Das von einem Fremden zu hören, mit dem man sich einfach mal so unterhalten hat – Hallo!: ich rede einfach so mit einem fremden Menschen?! – hat einfach gerade so richtig gut getan.

Und was mich zudem freut. Er hat damit angefangen, dass man sich ja mal wieder sehen könnte …

Heute, wann sonst?

Gibt es einen besseren Zeitpunkt mit den „Hundejahre“ zu beginnen als heute?

out of the box

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Irgendwie schon pervers

Eine Hose ist jetzt dann doch in die Brüche gegangen und ich habe meinen Ausgabestopp für eine neue kurzfristig unterbrochen.

In dem Outlett war die Neue schon um 20 Euro reduziert und der Laden warb mit weiteren 20 Prozent Nachlass, wenn man sich noch ein Oberteil dazu kaufen würde. Kurz gerechnet, mit ein einfaches T-Shirt gegriffen. Erfolg: Die Hose war nun nun nochmals billiger und das T-Shirt gab es quasi kostenlos dazu.

Gebühren sparen einfach gemacht

Parkstreifen in einer kleinen Stadt am Bodensee.

Die Fahrerin von Auto 1 steuert es gerade an und zeigt anstalten, mit ihm wegfahren zu wollen. In diesem Moment parkt hinter Auto 1 das Auto 2. In dem Moment, wo der Fahrer von Auto 2 seine Tür geschlossen hat, ist die Fahrerin von Auto 1 im Begriff ihre zu öffnen. In dem Moment dreht sie sich zu Autofahrer 2 um:

Fahrerin 1: „Brauchen Sie einen Parkschein?“

Fahrer 2: „Wenn Sie so was übrig haben, warum nicht?“

Fahrerin 1 kramt im Auto herum: „Hier, bei mir ging es doch wesentlich schneller als gedacht, gute 25 Minuten kann ich Ihnen noch schenken.“

* 1877: Alfred Kubin

Manche mögen jetzt überrascht sein, dass Kubin (auch) unter die Literaten fällt. Ist aber so. Denn er hat einen – bitte doppeldeutig lesen – phantastischen Roman geschrieben: Die andere Seite.

Es ist ein phantastischer, im Sinne von SF Roman und gehört damit zu jenem Genre, mit dem ich so überhaupt nicht kann. Und daher darf sich Kubin ‚rühmen‘, dass ich ihn gelesen habe, denn es gab in meinem Leseleben nur noch einen zweiten Ausrutscher. Der ist Andrej Tarkowskij geschuldet. Wegen ihm habe ich „Picknick am Wegesrand“ der Brüder Strugatzki gelesen, was Grundlage für den absolut genialen Film „Stalker“ war.

Zurück zu Kubin. Bei Suhrkamp gibt es D“ für komplett unverschämte 25 Euro – auch eine Taktik, einen Autoren zu unterdrücken, sich aber mit tollen Namen zu schmücken.

Man besorge es sich also antiquarisch (ZVAB da gibt es zwar Ausgaben für einen dreistelligen Betrag, aber auch unter 20 Euro) und lasse sich darauf ein. Denn neben den 51 Zeichnungen von Kubin gibt es einen intensiven, vestörenden Text, der zwar schon phantastisch ist, aber eben nicht fabuliert sondern vielmehr ein (philosophisches) Gedankenexperiment transportiert. Und wie Kubin das macht ist phantastisch. Ich mag keine Phantastik, da sie meist extrem unlogisch ist oder man sich auf ein Grundsystem ein lassen muss, das unlogisch ist un dann so tut, als sei alles ableitbar. Deswegen haue ich auch den Griechen eins auf die Nuss, wenn dann mal kurz ein Gott einschwebt, meinetwegen auch eine Göttin, die dann alles richtet. Literatur ist Leben – Leben ist nicht immer logisch – aber einfliegende Götter, selbstverwaltende Orgasmusmaschinen oder aus der Fingerspitze generierte Lasertransporter gehören nicht dazu. Und das macht eben diesen Kubin für mich so besonders – denn das könnte so sein, durchaus.

Nachtrag: Blick in meinen Bücherschrank. Zwei Ausgaben sogar da. Einmal Taschenbuch von Edition Spangenberg (die jetzt bei Droemer sind und eins auf Kochbuch machen – was für eine Schande) und aus der gleichen Edition ein Gebundenes. Jeweils das Reprint der Orginalausgabe von 1909, wobei das Gebundenes wohl dem Original gleicht. Mag die Technik machen was sie will, aber ein Ebook wird an das Erleben nie rankommen.

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

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