Durch die Zeit

Monat: April, 2015

Vom Schweigen.

Als ich das erste Mal mit einem Mann Sex hatte, taten wir am nächsten Tag so, als sei nix passiert. Und am nächsten Tag taten wir auch so, als hätten wir am Abend uns nur unterhalten.

Als ich X. vor zwei Jahren mal einen geblasen habe, rief ich zwei Tage später an um zu fragen, ob es da Gesprächsbedarf gäbe. Immerhin ist X. hetero, lebt in einer eher problematischen Beziehung und hat ein Kind. Gab es von seiner Seite aber nicht, von meiner auch nicht, denn schließlich ist er ein verdammt hübscher Kerl mit einem verdammt hübschen Schwanz – wie ich damals dann feststellen konnte. Einmalige Geschichte.

Dachte ich. Erst letztens wieder passiert. Wieder dieser ultraharten Ständer, wieder diese Eruptionen. Ich hab mal nicht angerufen. Bin am überlegen, ob das gut ist, was ich da mache bzw. er machen lässt, denn an eine ‚Gegenleistung‘ ist nicht zu denken? Ob ich mich da nicht vielleicht nur prostituiere? Oder ist es einfach ein besonderer Freundschaftsdienst, weil er gerade hoch unter Druck steht? Macht das ein wie auch immer geartetes Gefälle in der Freundschaft?

Heute rief er an. Aber mit keinem Wort hat er die Nacht erwähnt (ich aber auch nicht). Schämt er sich? Nimmt er es nicht ernst? War ich soo schlecht? Hat er es schon vergessen?

2015-04-09 13.27.05

* 1911: Luise Rinser

Schon eigenartig, wie einem die Literatur übe die Jahre verloren geht. Im Netz gesucht, was es mit „Ich bin Tobias“ auf sich hat. ich weiß nur noch, dass es mich total fasziniert hat damals – aber wenn ich jetzt die wenigen Beschreibungen lese: Habe ich das Buch überhaupt je in der Hand gehabt? Gut, das ist jetzt auch 29 Jahre her – aber es gibt andere Bücher aus dem Jahr, die habe ich noch ‚komplett‘ auf dem Schirm. „Mars“ von Fritz Zorn oder „Der Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen. Dann die autobiograhpischen Klein-Romane von Thomas Bernhard, die „Orestie“ von Aischylos … Spannendes Lesejahr gewesen, aber hallo.

Und immer mehr reift die Überlegung, mal eine Sabbath-Lesejahr einzuführen und nur nochmals das wieder zulesen, auf das man Lust hat.

Morgen ist der 30. April

Na und? Eben: Na und!

Wohl für richtig viele Menschen – nur u.a. für mich nicht, und für meine Mutter nicht und für meine Geschwister auch nicht. Denn das war der Tag, an dem mein ältester Bruder vor 30 Jahren ums Leben gekommen ist. Schnöder Verkehrsunfall, unachtsamer Rentner, der ihn dann vollends platt gefahren hat. Der einzig Trost nach wie vor: Er hat nicht leiden müssen. Hat damals zumindest der Arzt gesagt. Was halt Ärzte so sagen in solchen Fällen. Nach der OP meines Vaters hatten sie auch gesagt, es sei soweit OK – zwei Monate später war er dann auch tot.

Ist so ein Tag, der sich eingebrannt hat. Nachdem nichts mehr so war, wie davor. Der Tag damals hat mir einiges an Zuversicht, an Zukunft etc. pp. genommen. Er hat mich verängstigt, er hat mich vorsichtig werden lassen, er hat mich unvernünftig werden lassen. Ich möchte nicht davon sprechen, dass er mich ‚traumatisiert‘ hat, aber locker aus dem Handgelenk: geprägt hat er mich das dann schon.

So richtig brutal finde ich immer mal wieder meine Mutter. Wenn die von freundlichen Menschen gefragt wird, wie es denn ihrer Familie gehe (oder wie auch immer diese Frage lautet), dann erzählt sie gerne von ihrer Tochter, noch viel mehr von ihrem Sohn, der einen Doktor-Titel hat und beim Erzbischof arbeitet (hallo Leute: das bin nicht ich!), ich komme dann auch irgendwie vor, aber der Knaller ist immer mein ältester Bruder. Denn meine Mutter beendet die Erzählung dann immer mit dem Satz: „Und mein Ältester liegt auf dem Friedhof.“ Ich hab‘ das jetzt mehrfach mit bekommen – und es war keiner darunter, der darauf reagieren konnte, wozu ich bestes Verständnis habe.

Letzter Satz dazu: Nicht nur ich habe erfahren müssen, dass der Tod eines Sohnes / einer Tochter (in jungen Jahren) mit enormen Mitleid für die Eltern einhergeht. Aber eben auch damit einhergeht, dass die (jungen) Geschwister einfach übersehen werden. Bei mir hieß es immer: „Jetzt musst Du lieb / fleißig / ruhig / gut in der Schule / nett / … sein und Deine Eltern stützen, sie haben einen Sohn verloren.“ Wenn ein Sohn / eine Tochter als Kind / Jugendlicher stirbt – mein Bruder war damals 24 – dann stirbt auch ggf. eine Schwester / ein Bruder! Leid kann man nicht aufwiegen oder abwiegen – aber es verlieren nicht nur die Eltern einen Sohn / eine Tochter, sondern die Geschwister verlieren eine Schwester / einen Bruder – und das ist, wie ich finde, ähnlich brutal.

30 (!) Jahre (!) ist das morgen her – und zum ersten (!) Mal ist es irgendwie OK, darüber zu reden / bloggen.

Notstand

Der Supermarkt, bei dem wir unter der Woche Salat, Gemüse und Obst kaufe – falls es das auf dem Markt nicht gegeben hat oder dann doch nicht über eine Woche lagerfähig ist – hat, wegen Umbau, knapp zwei Monate geschlossen. In der näheren Umgebung gibt es noch zwei Billig-Discounter und einen Ökoladen. Aber die bescheidene Auswahl (im Vergleich zum Markt, nicht zum Supermarkt) und die schlechte bis minderwertige Qualität unterscheidet sich bei allen drei Läden wirklich nur im Preis.

Scanne gerade die Umgebung nach einem weiteren Supermarkt ab, aber der einzige, der mir einfällt von dem ich ausgehen kann, dass er einigermaßen Qualität hat, ist gut vier Kilometer entfernt. Nun ja, ich hab ja Zeit.

Seltenheitswert

Schalter der Deutschen Bahn. Die Angestellte ist nicht nur freundlich und kompetent, sondern gibt ohne Geld zu verlangen neben den Fahrscheinen auch gleich noch 50 Cent extra raus. Lag aber nur daran, dass ich einen Gutschein vom Geburtstag einlöste.

Also wer mich mal gucken kommen will, bin ab 18. Mai zu finden zwischen Flensburg und Lübeck. – Ich bin übrigens der mit dem Rad!

Einfach klasse!

Seit gestern mache ich so gut wie nur eins: lesen. Das hier.

Auf dem Markt gibt es keine Nerven zu kaufen

Wie immer erst zum Fleisch. Zwei hinter der Theke. Sie packt für einen Käufer Wurst ein. Von der 100 Gramm, von der 75, von der 125, von der 200 … Hat der eine Großfamilie zu versorgen? Der Metzger selber ist mit einem anderen Kunde beschäftigt, der mal gerade so locker für 75,45 Euro Fleisch kauft. Und das dauert, bis 20 gleichgroße Rouladen geschnitten und ausgesucht sind. Und geizig wie dieser Metzger ist, er besteht auf die 45 Cent. In meiner Heimatstadt auf dessen Markt hätte der Metzger nicht nur eine Wurst dazugelegt sondern auch noch ein ordentliches Stück Speck – aber hier …

Rüber zum Fisch. Die Frau vor mir fällt in einen Kaufrausch. 62,77 Euro für Fisch. Bei jedem fragt sie, ob man ihn auch einfrieren könne. Die 15 Jakobsmuscheln muss sie also heute oder morgen machen. Die Verkäuferin rundet auf 60 Euro ab und legt noch einen Fischsalat zum probieren dazu. Das gefällt mir schon besser.

Zwischendurch noch zum Spargel. Davon haben die hier Null Ahnung. Den dicken, fetten Spragel, der meist strohig ist, verkaufen die hier zu Höchstpreisen – und Bruchspargel ist dann genauso teuer! Mein Spargel muss einen Durchmesser von 20 bis max 25 mm haben, dann ist er perfekt. Den findet man auch auf dem Markt, frisch aus der Region für unter 8 Euro, denn den kauft anscheinend niemand. Vor mit eine Kundin die genau acht Stangen will. Nach dem gefühlt 70 Stangen begutachtet worden sind, komme ich endlich dran.

Dann Gemüse. Ich packe ein: 3 x Radieschen, 3 x Salat, 2 x Rucola, 1 x glatte Petersilie, 1 kg. Zwiebeln, eine Handvoll Möhren. Der Bauer rundet auf 12 Euro ab. Ich habe gerade den Rucksack geschultert, da fällt mir ein: Petersilienwurz! Also die rausgesucht, wieder hinten angestellt. Der Bauer sieht das, nimmt mir sofort die beiden Wurzel ab, wiegt sie und sagt dann „1 Euro“. Ich winke mit einem 5-Euro-Schein, darauf er: „Ach lass, zahlste dann halt nächste Woche!“ So kenne ich das aus meine Heimat.

+ 1980: Alejo Carpentier

Jedes Jahr schreie ich: Philip Roth muss den Literaturnobelpreis bekommen. Aber das tue ich erst seit 1980. Denn bis dahin – ok, war kurz, ich geb’s zu, schrie ich immer: Alejo Carpentier muss den Literaturnoblepreis bekommen. Und eigentlich schreie ich das heute irgendwie noch und fordere daher, dass der Literaturnobelpreis auch posthum vergeben werden kann.

Und warum schreie ich das? Weil dieser Mann eine kleine Erzählung geschrieben hat, meinetwegen auch einen Mini-Roman, die / der etwas verbindet, was kaum möglich ist: Literatur und Musik. Ich kenne jedenfalls kein Werk, in dem Musik so berschrieben wird, dass man sie hören kann und ich kenne kein Werk, in dem Musik ins Wort findet, das Wort, der Satz selbst Musik ist: Barockkonzert. Und das Ganze als eine Zeitreise, in der klar wird, das Amstrong von Händel gar nicht so weit weg ist.

Egal was von ihm – die Liste ist nicht sehr lang – es ist pure und lebendige Literatur, die sich immer den Menschen und den menschlichen Ideen verschrieben hat, die ehrlich daher kommt und nicht tut, als müsste sie etwas sein.

Explosion in der Kathedrale ist mir immer noch gut in Erinnerung, Le Sacre du Printemps war heftig und genial zu gleich.

Am Besten erinnere ich mich noch an eine Kurzgeschichte – ich!, der keine Kurzgeschichten mag, d.h. auch keine Erzählungen und daher das nur aus Not liest (noch nicht vorgekommen) oder aus Verehrung, siehe Carpentier – in der er einen Lebenslauf beschreibt – aber rückwärts und das als Entwicklung sieht. D.h., endlich mal wieder ungeniert und befreit auf den Teppich pissen und dann mit den Händen das nasse Etwas zu bearbeiten und interessante nasse Flocken zu formen. Und unter dem Gesichtspunkt ist übrigens der Tod sehr warm und hat was Heimliges an sich.

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