Auf dem Markt gibt es keine Nerven zu kaufen

von Bert

Wie immer erst zum Fleisch. Zwei hinter der Theke. Sie packt für einen Käufer Wurst ein. Von der 100 Gramm, von der 75, von der 125, von der 200 … Hat der eine Großfamilie zu versorgen? Der Metzger selber ist mit einem anderen Kunde beschäftigt, der mal gerade so locker für 75,45 Euro Fleisch kauft. Und das dauert, bis 20 gleichgroße Rouladen geschnitten und ausgesucht sind. Und geizig wie dieser Metzger ist, er besteht auf die 45 Cent. In meiner Heimatstadt auf dessen Markt hätte der Metzger nicht nur eine Wurst dazugelegt sondern auch noch ein ordentliches Stück Speck – aber hier …

Rüber zum Fisch. Die Frau vor mir fällt in einen Kaufrausch. 62,77 Euro für Fisch. Bei jedem fragt sie, ob man ihn auch einfrieren könne. Die 15 Jakobsmuscheln muss sie also heute oder morgen machen. Die Verkäuferin rundet auf 60 Euro ab und legt noch einen Fischsalat zum probieren dazu. Das gefällt mir schon besser.

Zwischendurch noch zum Spargel. Davon haben die hier Null Ahnung. Den dicken, fetten Spragel, der meist strohig ist, verkaufen die hier zu Höchstpreisen – und Bruchspargel ist dann genauso teuer! Mein Spargel muss einen Durchmesser von 20 bis max 25 mm haben, dann ist er perfekt. Den findet man auch auf dem Markt, frisch aus der Region für unter 8 Euro, denn den kauft anscheinend niemand. Vor mit eine Kundin die genau acht Stangen will. Nach dem gefühlt 70 Stangen begutachtet worden sind, komme ich endlich dran.

Dann Gemüse. Ich packe ein: 3 x Radieschen, 3 x Salat, 2 x Rucola, 1 x glatte Petersilie, 1 kg. Zwiebeln, eine Handvoll Möhren. Der Bauer rundet auf 12 Euro ab. Ich habe gerade den Rucksack geschultert, da fällt mir ein: Petersilienwurz! Also die rausgesucht, wieder hinten angestellt. Der Bauer sieht das, nimmt mir sofort die beiden Wurzel ab, wiegt sie und sagt dann „1 Euro“. Ich winke mit einem 5-Euro-Schein, darauf er: „Ach lass, zahlste dann halt nächste Woche!“ So kenne ich das aus meine Heimat.