Immer noch nicht da – Burg II

von Bert

Es ist eine kleine Truppe von ca. 15 Personen, die auf der Burg für mittelalterliche Lebendigkeit sorgen. Pfingsten ist immer großes Treffen mit Wanderung – natürlich in Gewandung und diesmal auch mit modernen Schuhen – und einem großem Festmal. Das kocht der ‚Koch‘ der Truppe. Letztes Jahr durfte ich ja schon Zeuge sein, dieses Jahr war ich dann der erschütterte Zeuge.

Mit großem Tamtam und großem Trara wird erstmal die Küche aufgebaut, bei der natürlich alle mithelfen müssen, die Tausend Dinge aus dem Anhänger (und der Anhänger ist groß und voll) in den Burghof zu schleppen, was der ‚Koch‘ selber nicht kann, wegen der Schulter oder so.

Dann wird mit noch größerem Tamtam und noch größerem Trara die Küche aufgebaut, anschließend bewundert, gewürdigt und bestaunt.

Und schließlich werden für die zwölf (12) Leute neun (9) Stunden lang sechs (6) Gänge mit acht (8)-jähriger Kompetenz gekocht und gesotten und geschnippelt und geknetet und … Weil das ja sehr aufwändig ist, war ich so nett, und habe acht (8) Stunden lang für gutes Feuer in beiden Schalen gesorgt. Da ich das selber nicht mag, habe ich mich mit guten Ratschlägen komplett zurückgehalten, denn dieser ‚Koch‘ hätte es eh besser gewusst.

Der war aber dann leicht irritiert, warum Kabeljau (zu insgesamt 75 Euro, da der ‚Koch‘ für jede Person gut 300 Gramm veranschlagt hatte) nach vier (4) Stunden kochen „plötzlich“ zerfällt; warum Hackbällchen ohne Bindemittel nach gut einer Stunde im Wasser keine Bällchen sondern Brei ergeben; warum Zucker auch anbrennen kann und kandierten Nüssen dann einen gewissen Beigeschmack geben.

Der Pfeffer-Pothas dagegen war OK.

Einige Fragen blieben offen: Warum statt der sechs Gänge nur drei? Wohin waren die Beilagen verschwunden? Warum wurde das Feuer unter den Kessel eine Stunde davor abgestellt, so dass es lauwarm wurde? Warum wurde nicht einmal etwas Brot gereicht? Hat der ‚Koch‘ den in 12 Meter Entfernung liegende Kräutergarten in den letzten Jahren übersehen – bzw. hatte man ihn ihm nicht gezeigt? Und wie schafft man für so wenig so eine große Welle?

Die Stimmung bei Tisch war jedenfalls dann bombig. Zwölf Leute aßen mit langen Zähnen die drei Gänge, machten ein angestrengt freundliches Gesicht dazu und behaupten höflicherweise, es würde schmecken, während der Koch in der Mitte trohnte und einen hymnischen Lobgesang nach dem anderen auf sein Essen anstimmte. Im wahren Mittelalter hätte diese Tafel sicher anders geendet.

Im Herbst sind dann A. und ich dran mit dem Kochen, ebenfalls für ca. 12 Leute, vier Tage lang. Respekt habe ich schon davor, weil ich keine Erfahrungswerte für offenes Feuer habe, aber das ändert ja nichts daran, dass ich eine gewisse Erfahrung habe, wie man etwas würzen könnte.