Durch die Zeit

Monat: Juni, 2015

# 188

2015-06-27 16.53.21

Ups

Beim Termin bei meiner netten, jungen, rumänischen und fröhlichen Hautärztin wurde klar, „das da“ muss weg. Nix, über das man sich jetzt Gedanken machen muss, ist vielleicht 3 x 3 Millimeter groß, oberflächlich – kein Ding.

Vorne an der Theke Papiere unterschrieben und dann mal gespannt gewesen, wann denn ich den Termin bekomme. Auf den von heute habe ich ’nur‘ sieben Wochen warten müssen. 7.7. schlug mir dann die Sprechstundenhilfe vor. „In einem Jahr?“ habe ich etwas entsetzt gefragt – da schaute sie mich entgeistert an und meinte: „Nee, nächste Woche! Da ist gerade was frei geworden.“

Ich bitte um erklärende Hilfe!

Ich zitiere aus dem Duden. Ich bin Germanist. Und hab null Plan. Auslassungen habe ich mit „…“ gekennzeichnet, die ganze Regel HIER.

Regel 76:

1. Als Substantive gebrauchte Pronomen (Fürwörter) schreibt man groß <§ 57 (3)>. (Meist steht in diesen Fällen ein Artikel.)

  • jemandem das Du anbieten

2. Sonst schreibt man sie klein, auch wenn sie als Stellvertreter von Substantiven verwendet werden <§ 58 (4)>.

  • Kommst du?

3. Possessivpronomen (besitzanzeigende Fürwörter) in Verbindung mit dem bestimmten Artikel können auch großgeschrieben werden <§ 58 E3>.

  • Er sorgt für die Seinen oder seinen.
  • Wir haben das unsere oder Unsere zur Finanzierung des Projekts geleistet.

Wo ist da die Logik? Der Sinn? Die nachvollziehbare Erklärung?

Solidarität – ein schwacher Versuch

Nein, einen „Grexit“ darf es für Europa einfach nicht geben. Das wäre weltweit ein extrem schlechtes Fanal und würde – und da braucht man sich echt keine Gedanken machen – früher oder später ganz Europa treffen. Man kann jetzt sicher hunderte von Stunden diskutieren, wer an was warum wie schuld oder nicht schuld ist – aber in Hinsicht auf die Zukunft Europas ist das aus der Reihe: „Wir spielen Kindergarten“.

Wenn es da bis Dienstag keine Einigung gibt, dann können wir ja alle schon mal auf unsere eigenen Konten schauen, was wir denn demnächst so spenden können, wenn in Griechenland die ersten verhungern oder Kinder nicht operiert werden können oder …

Es ist ein wirklich extrem schweres Thema und ich würde auch nicht behaupten, da wirklich durchzublicken – aber wenn die europäischen Staaten wieder beginnen, die eigene Nationalitäten über die europäische Gemeinschaft zu stellen, dann ist das klar der Weg zurück in die Kleinstaaterei mit allen negativen Konsequenzen. Jeder ist sich selbst der nächste … das ist mit Sicherheit nicht die Lösung (auch nicht in Hinsicht auf die Flüchtlinge, die übers Meer kommen).

Daher von meinem Mann und mir eine vollkommen hilflose Solidaritätsbekundung für Griechenland und Europa: Er hat Mezze gemacht, also viele verschiedene kleine ‚griechischen‘ Gerichte, die ihren Ursprung in verschiedenen europäischen Nationen haben.

War’s das?

Zuerst Island, jetzt die USA. Mal per Volksabstimmung, mal per obersten Gerichtsbeschluss. Müsste ich nicht jubeln?

Ich tue es irgendwie nicht. OK, nix dagegen, wenn mein Mann und ich dereinst in Deutschland (d.h., wir müssen die Nach-Merkel-Zeit abwarten) ‚heiraten‘ können, und uns nicht ‚verpartnern‘ müssen, denn Mensch ist Mensch und Liebe ist Liebe. Aber diese Freundentaumel der Schwulen und Lesben kann ich nicht nachvollziehen. Wir Schwulen (und davon kann ich nur sprechen, die Lesben und Transgender und die … mögen es mir verzeihen, dass ich es nicht einzeln nachvollziehen kann) sind erst vor gut einer Generation aus unseren dunklen Ecken gekrochen und haben berechtige Ansprüche gestellt (bspw. nicht als „krank“ zu gelten). Aber müssen wir Gängelungsinstrumente wie die Ehe als ein Ziel erklären, das wir erreichen müssen, um uns ‚gleich‘ zu fühlen?

Sorry, aber die Mehrheit ist nun mal hetero – müssen wir, die das nicht sind, kopieren? So tun als ob?

Was waren wir Schwule mal stolz darauf, nicht in in engen, beengenden Konzepten zu leben. Klar, es gibt auch Heten, die ‚frei‘ leben, mal hie und mal da ihre Lust haben. Gut so. Aber ist es wirklich erstrebenswert eine „Ehe“ einzugehen, die auf Prinzipien beruht, die im 19. Jahrhundert wohl ihre Berechtigkeit gehabt haben mag? Äh, wir schreiben gerade den Beginn des 21. Jahrhunderts – nur mal so als Marke.

Ich zumindest bin von den ganzen schwulen offiziellen Organisationen enttäuscht, dass sie mit der „Ehe für alle“ letztendlich in ein konservatives Horn stoßen anstatt das Tor zur ’neuen‘ bzw. ‚freien‘ Lebensformen zu öffnen (und das nicht für Lesben, Homos, Transgender und was weiß ich, was es da in der Zwischenzeit alles gibt …. sondern einfach für „sich liebende Menschen“).

Mein Mann und ich reden – zugegeben – immer mehr über diesen Schritt. Aber nur deswegen, weil wir uns gegenseitig ggf. die mögliche „Witwer-Rente“ sichern möchten, also ein Akt der Absicherung, nicht der Liebe. Und daher … Ehe, Dich gibt es doch schon gar nicht mehr.

Feststellungen

  • Fast einen ganzen Tag in der Sonne macht müde
  • Ich bin ein Mann: Zum Kauf für die neuen Schuhe brauchte ich sieben Minuten. Bei den Schuhen, die ich dabei hatte, löste sich von einem der Absatz und die Sohle des anderen hörte auf eine Sohle zu sein.
  • Ich sollte meine sexuellen Erwartungen einem „Reality-Check“ unterziehen
  • Zwei Jungs, nun ja, so wohl Anfang 20, beim Baden gesehen, die tatsächlich enganliegende Badepants anhatten, damit auch umherliefen und nicht nur schwammen, später sogar Federball spielten. Sollten das die ersten beiden Vorboten des Anti-Schlapper-Hosen-Looks gewesen sein?
  • Und so ganz habe ich wohl noch nie verstanden, warum es Badeanzüge und -hosen gibt.

Feststellung

Schifffahren macht ganz schön müde.

„Sonst spring ich aus dem Fenster!“

Paul, so Lisa, sei dann einfach nicht mehr gekommen.

Erste Sätze eines Romanes halte ich ja für extrem wichtig. Und den da, finde ich mal gar nicht soo schlecht. Immerhin stellt der Aussagesatz viele Fragen: Wer ist Paul? Wer ist Lisa? Und wohin ist Paul nicht mehr gekommen? Oder ist Paul nicht mehr in ihr, Lisa, gekommen? Oder wie?

E. bekommt jetzt wohl das Grinsen nicht so richtig aus dem Gesicht, denn dieser Romananfang stammt, nein, nicht von ihm, sondern von mir. Lang, lang ist’s her. Es war an meinem ersten Computer. Da blinkte ein weißer Cursor auf blauem Hintergrund. Ich war am Fernsehen, da fiel mir dieser Satz einfach ein und dann hat er mich so genervt, weil ich die Fragen beantwortet haben wollte und ich habe dann tagelang geschrieben. Alles in indirekter Rede aus der Sicht von Lisa, wie Lisa selber sagte, als sie erzählte warum er, Paul, dann nicht mehr gekommen sei, einfach so, ohne einen Grund zu nennen und sie, also Lisa, sich lange überlegte, ob es überhaupt einen Grund gegeben haben könnte, das er, Paul, nicht mehr gekommen sei. Also in dem Stil eng bedruckte 180 Seiten oder so.

Als ich den Text schrieb, kannte ich E. nur vom Namen her. Ein großer Name an der Uni damals, weil, der schrieb immer für die ASTA-Zeitschrift, der hatte ne Meinung, der hatte Grips, der stellte was dar. Das war nicht so ein blasser Student wie ich, ungeoutet und strebsam in den Seminaren. Aber dann trafen wir uns in der Fachschaft Germanistik und bei einer abendliche Fachschaftssitzung bei ihm an einem großen runden Tisch (die waren damals super modern in der Politik – heute gibt es ja nur noch Agenden) haben wir tierisch viel geplant, wie Fachschaftswochenende mit dem Thema: „Einübung der Zentralen Geschäftsordnung der Gesamthochschule“, ne Uni-Fete (die gigantisch wurde) und unter anderem halt auch gleich mal ne Anthologie mit Texten der Studierenden.

Ein knappes Jahr später lag die dann auch in einer Auflage von 1.000 Stück vor. War natürlich ein hartes Stück Arbeit gewesen, die ca. 300 Texte, die letztendlich uns überschwemmten, zu lesen und zu ‚bewerten‘. Und wir von der Fachschaft haben damals in stundenlangen Diskussionen, kommt dieser Text in die Anthologie oder nicht, verdammt viel darüber gelernt, was einen Text als guten Text ausmacht bzw. ausmachen kann, welche Regeln wie gebrochen werden können, damit es dennoch stimmig ist etc. pp. Da ging es manchmal extrem hoch her aber jede und jeder von uns durfte einen (aber auch wirklich nur einen) Text durchdrücken, selbst dann, wenn alle dagegen war. Man musste halt eben nur sagen: „Sonst spring ich aus dem Fenster“.

Der ASTA war übrigens damals so nett bzw. so komplett unbedarft und durcheinander gewesen, dass er uns eine Ausfallsbürgschaft über die gesamten Druckkosten genehmigte.

Wie darauf komme? Heute Abend hat sich ein anonymer Kontakt den Mut genommen, und den wahren Vornamen verraten: Lisa – sie ist also nicht länger nur ein Produkt meiner Phantasie.

# 187 – Kontrastprogramm

An den Bodensee eingeladen worden. Heute morgen mit ultradickem Kopf hingefahren. Im See schwimmen gewesen! Sonne genossen! Ne Portion Spaghetti genossen (musste sein). Und jetzt noch leicht bekleidet bei einem Glas Weißwein und einem ultraspannenden Tatsachenkrimithrillerwahnsinn.

2015-06-24 19.32.36

Gut Ding will Weile haben

Dann warten wir mal jetzt schön. Das Gespräch heute morgen ist wirklich gut gelaufen. Frau B., die ggf. zukünfige Vorgesetzte, war mir wirklich sehr freundlich zugewandt, mit dem Personalchef schien ich auch auf der gleichen Wellenlänge zu sein. Die Frauenbeauftragte schaute überraschenderweise rechtfreundlich aus der Wäsche, die Vertreterin der Behinderten interessierte die ganze Veranstaltung gar nicht und nur die eine Frau, auch aus dem Personalbereich, die schaute so was von giftig, echt, dabei hatte ich ihr doch gar nichts getan.

Und – ich erwähnte es bereits ein bisschen – ich habe mich bei einer Verwaltung beworben, aber bei einer richtigen Verwaltung, mit Gremien und Obergremien und Nebengremien und weiß ich was. Ob es was mit der Stelle wird erfahre ich – tamtam: in einem Monat!

Augurentätigkeiten

Morgen also Vorstellungsgespräch. Deren Webseite kenne ich jetzt fast auswendig, hab‘ aber trotzdem die wichtigsten Fakten in mein Buch geschrieben. Ausschreibung, Bewerbung, Lebenslauf und ein wichtiges Zertifikat liegen ausgedruckt auch im Buch. Zu den bekannten Bewerbungsfragen habe ich mir schon was überlegt. Meine Fragen an die sind notiert. Morgen gehe ich definitv nicht mit Anzug hin, aber dann doch mit Krawatte. Ich habe das Gefühl, dass ich gut vorbereitet bin. Das gefordete Profil bringe ich zu 96,17 Prozent mit (Typo 3 ist meine Schwachstelle, dass kenne ich nur vom Drüberfliegen, aber dafür kenne ich andere CM-Systeme, das dürfte wohl nicht entscheidend sein).

Aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass in ein „Stabsstellen“-Team, dass aus fünf Frauen besteht, ein Mann integriert wird? Ich denke, die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null. Und ob die Homo-Karte gegen die weiblichen Bewerberinnen wirklich wird stechen überzeugen können? Als ich einen Bekannten letztens auf meine Bewerbung ansprach, da er die Chefin der „Stabsstelle“ persönlich kennt (und wie ich heute bei den Recherchen festellen konnte: im gleichen Haus wohnen), meinte er nur, dass er das wisse. Also von mir jedenfalls nicht. Hat das was zu bedeuten? Und wenn ja was? Und wenn nein, wieso?

Morgen um 9 ist der Termin, das ist meinem Nachnamen geschuldet (also wohl Schicksal) und ich bin mir nicht sicher, ob das ein guter Startplatz ist.

Ich werde sehen!

Und ja! Schuhe sind geputzt, Fingernägel geschnitten, beim Friseur war ich letzte Woche, das Hemd ist gebügelt, die Krawatte geknotet, kein Fleck auf der Hose, die Brille geputzt, der Bart gestutzt, …

Nur Mut, oder?

Gestern konnten wir A. mit einem Spargelessen für heute Abend ködern. Er kam und brachte „Heiligen Kaffee“ aus Rom mit. Vor Tagen hatte mich mal angetickert, wo es denn den gäbe – aber ich hab‘ natürlich nicht geschaltet, dass da jemand in Rom sein könnte, den er kennt. (Es war sein Vater.) Um so schöner die Überraschung!

Warum lassen sich die Heten immer so schwer küssen? (Will heißen, ich trau mich nach wie vor nicht wirklich, denen mal einen Schmatz auf die Wange zu geben.)

* 1905: Jean Paul Satre

Klar hab‘ ich den gelesen. Sicher nicht alles und auch eher die Romane und Theaterstücke. Aber ich scheine aus einer anderen Zeit zu sein. Denn Satre – er ist kein ‚Gott‘ für mich, er ist keine ‚zentrale Figur‘, keine ‚Erweckung‘. Ich weiß, gerade von Älteren, die sich an ihm abgearbeitet haben, die noch heute mit Zitaten von ihm um sich werfen, als gäbe es kein Morgen mehr … mich hat er nie wirklich erreicht.

OK, das kann einfach daran liegen, dass ich ein bisschen dumm bin oder so, das kann aber auch einfach daran liegen, dass die Früchte, die er mit seinen Thesen und Diskussionen ermöglicht hat, von mir als selbstverständlich geerntet worden sind … oder aber auch das ich / wir / die Gesellschaft in der Zwischenzeit schon so abgestumpft sind, dass wir, wenn wir Satre lesen, denken: ach, noch einer.

Wäre jedenfalls mal eine abendliche Diskussion wert, was Satre heute noch zu sagen hat oder auch nicht. Frage ich mich: Finde ich noch drei, die Satre gelesen haben und gerne französischen Wein trinken?

Hip

Heute Abend waren wir – richtig knorke – auf einer „Release Party“ eines jungen Fashion-Labels. Da gab es „Fingerfood“ – also totgebratenes Huhn, totgebratenes Rind, total hippe Tomaten-Mozarella-Spieße und absolut affentittengeile in Schokolade getunkte Bananen – und natürlich Musik. Im Einzelnen: „Future Lounge Music“, „Electro Swing“, „Balkan Beat“ und „Special Guests“. Bei den ersten drei kann ich mir irgendwie gerade noch etwas vorstellen, aber bei „Special Guests“? Wie soll das klingen? Für jeden Hinweis dankbar.

Das Label stellt u.a. aus alter Bettwäsche Boxershorts her. Nette Idee in meinen Augen und mein Mann war so nett und hat mir auch gleich ein Unikat gesichert. Auch wenn etwas teuer im ersten Moment. Aber wenn ich denke, was ich sonst für meine Teile ausgegeben habe sind die echt ein Schnäppchen. Wenn die erste sich bewährt, wird es nicht die letzte sein.

Netter Nebeneffekt: Ich habe noch nie so viele Männer über Boxershorts bzw. Unterwäsche diskutieren hören. Und man brauchte kein absolutes Gehör um zu kapieren, dass sie sich sonst darüber einen feuchten Dreck kehren.

2015-06-20 20.58.32

Erzählte ich früher immer mit einem besonderem Grinsen, dass ich den Altersdurchschnitt um soundsoviele Jahre gesenkt hätte – stelle ich fest, dass ich dies Grinsen nicht einstellen will, wenn man bemerkt, dass man den Altersdurchschnitt um soundsoviele Jahre gehoben hat.

Bleiben die Fragen: Warum tragen so gut wie alle Männer zwischen 20 und 30 ausschließlich Turnschuhe? Und warum tragen über 2/3 der Männer (also auf dieser knorken Release Party zumindest) Vollbärte? Ist das eine Art Talibanisierung? Oder machen die das als Schutz, weil irgendjemand ihnen verraten hat, dass ich Männer mit Vollbärten nicht nur von der Bettkante schubse, sondern sie erst gar nicht so weit kommen lasse?

P.S.: Den Luftballon habe ich spontan adoptiert. Jetzt schwebt er an die Margeriten gebunden im Wohnzimmer.

# 186 – Na sowas

Gestern oder vorgesten über tumblr ne Nachricht bekommen, dass die Bilder gefallen würden. Gut, das kommt alle drei bis vier Monate vor. Ich hatte sie schon weggeklickt, da lies mein Hirn mich doch stutzen. Also wieder zurück, nochmals in Ruhe und genau gelesen. Und was war? Der Schreiber meinte gar nicht die Bilder die ich auf tumblr reblogge, sondern die von meiner eigenen HP verbunden mit dem Wunsch, sich auch mal von mir ablichten zu lassen.

Hab‘ dem natürlich gleich zugesagt – denn sollte der wirlich den Weg von New York zu mir finden, ist mir egal, wie er aussieht.

ZIBIB

Mein Mann war heute so nett und hat mich spontan zum Essen eingeladen. Natürlich hatte er Hintergedanken. Waren daher eben nicht bei einem Italiener oder so, nein, es musste die abessinische Küche sein.

Fazit: Schmeckt – gerne wieder.

Als er die Rechnung verlangte gab es die Frage, ob wir einen Ouzo auf Haus wollten. Klar nehmen wir. Er kam dann auch und mein Mann blickte mich fragend an: „Ozuo? Oder habe ich mich verhört?“ Nee, hatte er nicht und wir rätselten. Die Bedinung kam ein weiteres Mal, mein Mann fragte: „Das war Ouzo?“ Daraufhin bekamen wir einen spannenden Kurzvortrag über die wechselvolle Geschichte von Abessinien (heute Eritrea und Äthiopien) der mit den Worten eingeleitet wurde: „Scheint Euch geschmeckt zu haben, ich bringe Euch noch einen.“ Und der Ouzo erklärt sich, dass Abessinien irgendwann mal auch unter griechischem Einfluss war. Der italienische scheint sich irgendwie nicht niedergeschlagen zu haben.

Auch der zweite Ouzo schmeckte und als es dann wirklich ans Zahlen ging, wollte ich mir das Etikett der Flasche anschauen was dazu führte, dass ich noch einen dritten eingeschenkt bekam. ZIBIB nennt er sich und wird wirklich in Erirtrea hergestellt, wie ich mich gerade hier versicherte.

Tja, …

… es gibt grad nichts zu berichten.

Nochmals vier

Nochmals vier Stunden zuhören. Diesmal ein Mann. Lange nicht so gut wie die am Dienstag. Er konnte weitaus mehr lernen als sie, also theoretisch.

Andererseits war es schon spannend zu hören, wie er sich an einem Thema abarbeitete, während ich ein ganz anderes Thema hörte, das versteckte, um das es eigentlich ging. War schon überrascht, wie viele Signale ich bei solchen Gesprächen raushöre – klar, das macht die Erfahrung – und welche Varianten ich dann zur Verfügung habe.

Hoffe, das hört sich jetzt nicht angeberisch an – aber, so anstrengend es dann auch war – es hat einfach gut getan indirekt vermittelt zu bekommen, dass ich doch noch irgendetwas anderes kann als nur Bewerbungen zu schreiben, die zu nichts führen.

* 1812: Iwan Alexandrowitsch Gontscharow

Nun, was schreiben?

Gontscharow = Oblomow = genial

Also, der nächste Winter kommt bestimmt. Und dann ab auf’s Sofa, nen Tee, nen Kaffee, was zum Knabbern, wie auch immer und dann:

In der Gorochowaja-Straße, in einem der großen Häuser, dessen Bewohnerschaft für eine ganze Kreisstadt ausgereicht hätte, lag Ilja Iljitsch Oblomow eines Morgens in seiner Wohnung im Bette.

Er war ein Mann von zwei- oder dreiunddreißig Jahren, von mittlerer Statur und angenehmen Äußern, mit dunkelgrauen Augen; aber seine Gesichtszüge zeigten einen Mangel an jeder bestimmten Idee und an jedem regen Interesse. Ein Gedanke flog wie ein freier Vogel über sein Gesicht, flatterte in den Augen umher, setzte sich auf die halbgeöffneten Lippen, versteckte sich in den Falten der Stirn, ging darauf ganz verloren, und dann verbreitete sich über sein ganzes Gesicht die warme, gleichmäßige Helle der Sorglosigkeit. Von dem Gesichte ging diese Sorglosigkeit auf die Haltung des ganzen Körpers über, sogar auf die Falten des Schlafrocks.

Manchmal verdunkelte sich sein Blick durch einen Ausdruck von Müdigkeit oder Langerweile; aber weder die Müdigkeit noch die Langeweile vermochten auch nur für einen Augenblick von seinem Gesichte die Weichheit zu verscheuchen, die der herrschende Zug, der Grundzug nicht nur seines Gesichtes, sondern auch seiner ganzen Seele war; seine Seele aber leuchtete hell und offen in seinen Augen, in seinem Lächeln, in jeder Bewegung des Kopfes und der Hände. Auch ein kühler, flüchtiger Beobachter würde, wenn er Oblomow im Vorbeigehen angeblickt hätte, gesagt haben: »Das muß ein guter Kerl, eine treue Seele sein!« Ein Mensch mit tieferem Blicke und wärmerem Herzen würde ihm lange ins Gesicht geschaut haben und, in angenehmes Sinnen versunken, mit einem Lächeln auf den Lippen weitergegangen sein.

Ilja Iljitschs Gesichtsfarbe war weder frisch und rot, noch auch gebräunt, noch auch geradezu blaß, sondern von unbestimmtem Charakter, oder wenigstens machte sie diesen Eindruck, vielleicht weil Oblomow in einer seinen Jahren gar nicht entsprechenden Weise aufgedunsen war: sei es infolge des Mangels an Bewegung, sei es infolge des Mangels an frischer Luft, vielleicht auch aus beiden Gründen. Überhaupt schien sein Körper, nach der matten, übermäßig weißen Farbe des Halses, den kleinen fleischigen Händen und den weichen Schultern zu urteilen, für eine Mannsperson gar zu sehr verzärtelt zu sein.

Seine Bewegungen wurden, selbst wenn er erregt war, durch eine gewisse Weichheit und durch eine einer eigenartigen Anmut nicht entbehrende Lässigkeit gemäßigt. Wenn eine Sorgenwolke aus seiner Seele über sein Gesicht dahinlief, so umflorte sich sein Blick; auf der Stirn erschienen Falten; Zweifel, Trauer und Besorgnis spielten auf seinem Gesichte; aber nur selten verdichtete sich diese Unruhe in Form einer bestimmten Idee, noch seltener verwandelte sie sich in einen Vorsatz. Die ganze Unruhe endete mit einem Seufzer und erstarb in Apathie oder in einem Zustande des Halbschlafs.

Kostenlos Hier und Möglichkeit zur Umwandlung als E-Book dann wie gehabt HIER.

1 von 9

Früher hätte ich mich sicher etwas eingebildet, in einer Sitzung neben dem ehemaligen Polizeipräsidenten zu sitzen (der vom konservativen Ministerpräsidenten dieses Bundeslandes geschasst worden ist – was jetzt ausschließlich für den ehemaligen Polizeipräsident spricht).

Heute hat es mich einfach nur gefreut, zumindest einen in der Runde zu wissen, der realistisch denkt und strukturiert argumentiert. Ich schien ihm auch nicht voll-doof zu sein, denn gegen Ende machten wir uns einen kleinen Spaß, und haben uns die Argumente gegenseitig zugeworfen.

Kunst04_17

Verlegen

Vorhin mal kurz zum Entspannen aufs Bett gelegt.

Ein bisschen eingeschlafen.

Wenn ich jetzt die rechte Schulter hoch ziehe, zieht es quer den Rücken durch in der linken Arschbacke.

Nichts als Vorurteile

Ich habe mir lange überlegt, ob ich bei Dir hospitieren soll, da Du sicher furchtbar streng bist. Aber dann dachte ich mir, ich wage es einfach, denn ich könnte ja noch was von Dir lernen.

Echt, was die Leute so über mich denken! Dabei bin ich doch ganz lieb. OK, manchmal etwas kritisch, aber dennoch lieb!

Alles, aber auch wirklich alles!

Immerhin konnte ich vor Wochen U. davon überzeugen, dass so gut wie kein Arbeitgeber es verdient hat, dass man seinen Resturlaub ihm schenkt. Sind in ihrem Fall ’nur‘ drei Tage, aber es sind eben drei Tage!

Da ich ja gerade Zeit genug habe, habe ich ihr angeboten, wenn es nicht teuer ist, verbringe ich die Tage mit ihr auf dem Rad mit Zelt an einem Fluss … wie auch immer.

Also wurde heute diskutiert, ob man in Rom Rad fahren kann und wie weit es zum Meer ist. Bzw, ob an der Ostsee ähnlich viel Kulturelles ist wie in Rom, aber mit weniger Menschen und mehr Schwimmbädern. Oder könnte man nicht nach Holland ans Meer fliegen, um dort Kulturelles zu erleben? Und wirklich ideal wäre es, wenn Rom nur 300.000 Einwohner hätte bei gleichem kulturellem Gehabe, direkt in Ostia liegt, autofrei ist und Übernachtungen soviel kosten, wie ein Campingplatz in Nord-Nord-Rhein-Westfalen.

Die Nerven liegen gerade etwas blank ob dieser konsequenten Missachtung von gegebenen Realitäten. Nichts gegen Träume, nichts gegen Traumurlaube – aber Wunder dauern halt immer etwas länger als mal in zwei Wochen schnell …

Andersrum

Wann wir uns denn mal wieder zum Essen treffen könnten, fragten H. und S. unabhängig voneinander. OK, die Terminfindung mit ihren jeweiligen Partner gestaltete sich etwas kompliziert, aber nun stehen die Termine.

Warum das wert ist hier Eingang zu finden`

Weil wir eingeladen sind!

(Und beide beteuerten mehrfach, es gäbe aber nur was „Einfaches“, „Schlichtes“, „Unaufwändiges“. Und ich war immerhin so schlagfertig zu antworten: „Wenn’s schmeckt.“)

Familienessen

Relativ spontan (drei Tage Vorlauf) heute wieder Familienessen. D.h., drei Paare, sechs Männer, ein Tisch, x Flaschen Wein und natürlich ein Abendessen. Das kann eine Suppe sein, das kann auch ein fünf gängiges Menü sein – je nachdem wer kocht und wer welche Lust hat. Und das in dieser Konstellation jetzt schon seit gut 15 Jahren. Anfänglich jeden Sonntag, jetzt ist es etwas sporadischer geworden – und dennoch mit einer gewissen Regelmäßigkeit.

Heute bei L. im Garten zum Grillen. Das bevorzugen L. und U., denn mit Kochen ist es bei beiden eher nicht so bestellt. Aber einen Grill anwerfen funktioniert mit vereinten Kräften, das eigentliche Grillen übernehmen eh mein Mann oder ich, um auch was zu bekommen, was nicht nur schwarz ist. Zu Beginn einen guten Sekt, danach einen guten Salat dann eben Gegrilltes und, nun ja, ca. 350 gr. gebratene Kartoffeln – für alle.

Um so lebhafter dafür die Diskussion um / über Griechenland.

# 184

2015-06-13 17.02.46

Warum nicht gleich so?

Überraschenderweise dann doch gestern noch Abend lange beim Italiener draußen sitzen können, dann ein dunkler Heimweg auf verschlungenen Wegen durch den nicht beleuchteten Park, noch eine weitere Flasche Weißwein und nicht nur überraschende Bekenntnisse sondern auch Handlungen.

Minus 10 Prozent

Nach über sechs Wochen hat der Supermarkt um die Ecke wieder offen. Als Eröffnungsangebot gibt es 10 Prozent auf alles. Der Laden ist gerammelt voll und die Leute kaufen, als gäbe es am morgen für fünf Tage nichts mehr. Hauptsächlich Dinge, die sich gut aufbewahren lassen oder in die Tiefkühle passen, beispielsweise tiefgekühlte Scheiben vom Rindfleisch für Burger. Der übergewichtige Herr vor mir hat gleich mal 15 Packungen auf das Band gewuchtet.

Da wir ja seit Jahren auch in diesen Supermarkt gehen, kennt man den ein oder anderen Miteinkäufer zumindest vom Sehen. Ich war vorgestern dort, heute … aber da waren nur Menschen, die mit Sicherheit nicht aus der Gegend, nicht einmal aus dem Viertel kommen. Für 10 Prozent fährt man halt gerne mal auch aus anderen Stadtteilen an.

An der Kasse erkennt mich die Kassiererin und eine gewisse Freude ist ihr wirklich an zusehen. Sie beginnt sofort ein Gespräch mit mir, so als täte es ihr gut, endlich auch mal ein bekanntes Gesicht zu sehen.

So kommt’s. Aber muss das?

Für morgen Vormittag und frühen Nachmittag hatte ich einiges zu tun. Aber je länger der heutige Tag dauerte, desto mehr Änderungen gab es. Und so steht mir morgen der Tag bis zum späten Nachmittag als Strohwitwer zur freien Verfügung. Und um die Falten wegzubekommen reifte minütlich der Plan: Yeah – dann morgen mal ausführlich Schweinebucht! *freu*

Gerade die Wettervorhersagen gesehen. Gut dass ich vorgestern in der Bibliothek war und zwei interessante Bücher besorgt habe.

brigwords

Leben berührt - Gedichte und Geschichten

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

weyrother.net

Mijonis chaotische Welt

Leben, Lieben, Queerbeet, Gedanken, Alles in einem

AISTHESIS

Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

Kritzelkomplex

Just another WordPress.com site

heat'n'eat

The way I cook/Wie ich koche

wirbelwind68

ich lebe intensiv und reflektiert

Musil lesen

"Der Mann ohne Eigenschaften" in weniger als 123 Wochen

Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)

KenterKönig

und anderes aus der weiten Welt

winterlichtblog.wordpress.com/

Jedes Bild ein Selbstbildnis

herschelmann fotoblog, bestpixel-photowerkstatt-hamburg.de

einige mehr oder weniger tolle Ideen um die Fotografie und die Bildbearbeitung