Durch die Zeit

Monat: Juli, 2015

per pedes – # 192-203

Irgendetwas um die 16 km werden es dann wohl schon gewesen sein. Und man merke sich: Wenn man schon Tee mitschleppt, sollte man ein bißchen Zucker rein machen – schmeckt bei einer Rast wesentlich besser!

* 1818: Emily Brontë

„Wuthering Heights“ bzw. „Sturmhöhe“ von 1847 letztens mal aus Neugierde gelesen (und weil es hier noch so rumfuhr). Der Aufbau ist etwas eigen, denn der Ich-Erzähler lässt zu gut 90 Prozent eine Haushälterin erzählen. Das Personal zu Beginn etwas unübersichtlich – hätte ich keine Legende am Ende des Romanes gehabt, ich wäre wohl bald gescheitert. Ansonsten ein Psychodrama vom Feinsten. Würde man die Story in die Jetzt-Zeit übertragen – ich wäre mir sicher, dass das ein Renner würde.

# 191

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Wen man nicht vom Fach ist

Man sollte sich ja über andere nicht wirklich lustig machen. Aber letztens kam eine Freundin von mir mit einem Zettel und wollte wissen, ob ich die folgenden drei „Dinger“ kennen würde, mit denen man Homepage „basteln“ könne:

  • Woltpress
  • Wix.com
  • Jimdoo

15

Im ersten Moment hat es mich schon so ein bisschen gebissen, als die Bibliothekarin meinte: „Die 15 Euro Jahresgebühr werden jetzt fällig.“ 15 Euro!

Aber als ich dann mit den fünf Hörbüchern und drei Reiseführern im Wert von mindestens 150 Euro wieder an der Ausleihe stand …

Das Motzen hat ein Ende!

Also das Motzen meines Mannes. Den hättet ihr in den letzten Monaten vor dem Fernseher hören sollen! Da der Kabelbetreiber einen Sender nach dem anderen abgeklemmt hat, war ja schon genug Potential da. Jetzt gab es ARTE dann aber nur noch nach 20 Uhr, davor irgendein Kinderdoofzeugs. Mir ist das ja nicht so wichtig, ich schau zwar auch, aber ich brauch es nicht wirklich.

Der Mann einer seiner Arbeitskolleginnen ist Fernseh- und Rundfunktechniker (oder wie sich das heute nennt). ARTE war weg, da war der lange schon überlegte Termin innerhalb 24 Stunden gemacht.

Jetzt steht leihweise ein Digitalreciver (oder wie das Zeugs heißt) auf dem Boden, wir empfangen nun 56 Programme und alles ist dabei, was das Herz begehrt. Also, was zwei Herzen begehren. Denn während mein Mann ja ein Tierfilm nach dem anderen sehen kann bin ich manchmal vollkommen von Sendern fasziniert, die unsinnige Küchengeräte für 970 Euro an den Mann bzw. die Frau bekommen will.

Also ganz zu Ende ist das Motzen nun doch noch nicht.

P.S. Der neue Fernseher ist auch schon bestellt und kommt wohl noch vor dem Urlaub. Also ich wasche meine Hände in Unschuld!

Gebucht! / Zu buchen / Buch

Zwei Flüge nach Kavala (Griechenland) und zurück.

Was noch fehlt: Eine Unterkunft. (Scheint wohl ein Camping-Platz zu werden.)

Was auch noch fehlt: Wie bewegen wir uns dort von Fleck zu Fleck? (Scheint ein (teurer) Mietwagen zu werden.)

Und die allergrößte Frage: Was nehme ich an Lektüre mit? Platon bietet sich an, Aristophanes, Sophokles usw., aber das kann man ja nicht nur lesen. Die Online-Bibliothek gibt auch kaum was her, kaufen ist ja nach wie vor nicht. Bleibt das eigene Bücherregal (und das Fluggepäcklimit). Das wird jetzt echt ne Herausforderung.

+ 2011: Agota Kristof

Da fällt mir „Das große Heft“ ein. Das einzige was ich von ihm gelesen habe. Aber einen brutaleren Bruder hat es in der Literaturgeschichte wohl selten gegeben. Was mir damals so gefallen hat, war das Lakonische, die kurzen, klaren, harten Sätze, diese Direktheit.

Kurz gesucht, hier ein Beispiel:

Der Junge öffnet seinen Hosenlatz und sagt:
– Lutsche! Wenn du ihn mir lutscht, lassen wir dich deinen Eimer füllen.
Hasenscharte hockt sich hin. Der Junge weicht zurück:
– Glaubst du, ich stecke meinen Pimmel in deinen dreckigen Mund? Schlampe!

Und ja, auch nach 28 Jahren auf alle Fälle lesenswert.

verso l’orïente

Auf der Suche, was wir denn heute Abend im Fernsehen sehen könnten, stoße ich in der Programmzeitschrift auf die Bezeichnung „Antikfantasy“. Für mich eigentlich eine Unmöglichkeit, denn „Fantasy“ verbinde ich mit Zukunft … aber ja, bei genauerem Nachdenken …

Nachgedacht habe ich heute Mittag auch auf dem Balkon. Derzeit lese ich ja „Die Göttliche Komödie“ von Dante in einer neuen, zeitgenössischen und kommentierten Übersetzung. OK, manche Kommentare sind schon arg altbacken, konservativ und überwiegend arg, arg bildungsbürgerlich, die meisten aber hilfreich, einige unverständlich (da wird dann einfach auf Latein zitiert) und die eine – bisher – für mich ein wirkliches Aha-Erlebnis:

verso l’orïente: Das Beten nach Osten, Richtung Jerusalem respektive Mekka, war Christen und Muslimen des Okzidentes bzw. des Maghreb gemeinsam. Auch Kirchen waren vielfach nach Osten ausgerichtet, „orientiert“ (es kann nichts schaden, sich ab und zu in Erinnerung zu rufen, dass „nach Westen orientiert“ ein Widerspruch ist …).

(Dante Alighieri: La Commedia – Die Göttliche Komödie, II Purgatorio; In Prosa übersetzt und kommentiert von Hartmut Köhler; Reclam Verlag Stuttgart 2011, S. 139, FN 11)

* 1905: Elias Canetti

Einer der ‚Großen‘ sagt man. Einer von denen, die man gelesen haben ‚muss‘.

Ich hab mir erst letztens „Die Blendung“ von ihm als Hörbuch reingezogen und war komplett überrascht, wie witzig das war. Und genauso überrascht war ich, dass ich den Roman vor Jahren schon mal gelesen haben sollte. Was spricht nun für / gegen ihn bzw. mich?

So wie früher

Eßtechnisch machen wir heute eins auf „heimatliche Kindheit“. Jetzt gleich gibt es „Kirschenplotzer“ (weil ich an den Kirschen auf dem Markt nicht vorbeigehen konnte) und heute Abend dann „Gaisburger Marsch“ (weil wir unsere Tiefkühle etwas leeren wollen und Fleischbrühe fanden).

Der Tag der Entscheidung

Also, der war gestern. Wie, besser auf wen die Entscheidung nun gefallen ist – keine Ahnung. Bis jetzt weder einen Anruf, noch eine Mail, noch eine sonstige Nachricht – auch der Briefkasten bleibt leer.

Ich gehe mal davon aus, dass das keine Zusage wird.

Und ich gehe gar nicht mal davon aus, sondern ich bin es: stinksauer und wütend. Dem Laden hätte ich etwas mehr Professionalität im Umgang mit Bewerbern schon zugetraut. Aber anscheinend reicht bei denen das Verständnis nur bis zum Rand der eigenen Fingernägel.

Irgendwie reicht es mir gerade komplett mit dieser Woche. Ob Koma-Saufen ne Alternative ist?

If you want to sing out sing out

Jeder der Supervisionsgruppensitzungen beginnt mit dem immergleichen Ritual: Jede/r muss auf die Frage antworten: ‚Wie bin ich heute hier?‘ Nach drei Jahren war es heute unsere letzte Gruppensitzung, ab September werden wir neu verteilt und ich brauche nur noch 10 mal im Jahr hin anstatt 18 mal wie in den letzen drei Jahren. Es fügte sich heute so, dass ich der letzte war, der auf diese Frage zu antworten hatte. Die anderen waren alle „gut“ da, viele waren etwas „traurig“, dass es in der Runde das letzten Treffen sei und alle hatten überraschend viel zu erzählen.

Als ich an der Reihe war kam der Satz: „Ich war heute Nachmittag auf einer Beerdigung“ noch einigermaßen gerade raus – der vorbereitete zweite blieb mir dann schon im Hals stecken und etwas unklar konnte ich noch mitteilen, weil ich alle Kraft aufwenden musste, um nicht loszuheulen, dass mir die beiden Jungs so verdammt leid täten und ich von Abschied heute einfach genug hätte.

Niemand würde behaupten können, das K. und ich wirklich ‚dicke‘ gewesen seien. Er war der Schwager eines meiner engsten und besten Freundes: einmal Radotur mit ihm, einmal – wenn auch intensive und tolle vier Tage – Istanbul mit der gesamten Großfamilie auf Hochzeitsfeierlichkeiten, viel mehr Kontakt hatte ich zu K. direkt nicht.

Gestern Abend habe ich noch lange an einem Blogeintrag rumgeschrieben. Ich wollte irgendwie beschreiben, dass ein Tag vor der Beerdigung von K. auch A. am Tisch saß, dessen Bruder im Grunde genau vor einem Jahr tödlich verunglückt ist und dass das mich überraschend heftig traf, weil das nicht so sehr den Unfalltod meines Bruders wachrief, sondern vielmehr die ungelebte Trauer und der Aufbruch dieses Trauerpotentials vor zwei Jahren.

Und während ich das formulierte und immer wieder korrigierte, klingelte S. an der Tür, die E. schon vor Stunden erwartete hatten. Etwas später war dann E. mit F. (16) hier, dem ältesten Sohn von K., der heute beerdigt wurde. Und das wurde dann ein lebendiger, fröhlicher Abend noch, der war so leicht.

Ich hatte dann Gelegenheit mit F. ein bisschen unter vier Augen zu sprechen, konnte mich nach seinem jüngeren Bruder T. (14) auch erkundigen, der mir seit Istanbul wirklich ans Herz gewachsen ist. T. trägt den gleiche Vornamen wie mein verunglückter Bruder und damals in Istanbul war das eine Herausforderung für mich, ihn mit diesem Namen auch anzusprechen. Und auch sein Spitzname war der meines Bruders. Irgendwann werde ich T. das noch erzählen, dass er mir da arg geholfen hat, etwas anzunehmen. Und als er abends im Bus plötzlich anfing über die Frage eines Gottes zu philosophieren – und das mit hoher Intelligenz und echt scharfem Verstand – da hatte er mein Herz erobert.

T. hat es heute bei der Beerdigung seines Vater vor Weinen fast zerrissen. Er und sein Bruder haben vom Pastor bei der Trauerfreier ihren „Brief an den Vater“ verlesen lassen. Das hat mich fast zerrissen – denn das waren die ehrlichsten und klarsten Worte überhaupt. Morgen will ich ihnen einen kleinen Brief schreiben und sagen, dass das echt großartig war und echt tröstend.

In der Supervisionsgruppe heute haben wir die letzten drei Jahre nochmals Revue passieren lassen – interessant, wie wenig man sich erinnert, was 2012 politisch oder gesellschaftlich gewesen war. Dann sollten wir drei Fragen beantworten und kommentierend vorstellen: Was wünscht Du Dir für die Zukunft? Nen Job! An was wirst Du Dich von dieser Gruppe erinnern? „Intensitäten“ hatte ich es dann genannt und erläutert, dass es dann doch hin und wieder Treffen gab, die richtig wertvoll und  fördernd waren (über den Rest legte ich den Mantel des Schweigens). Was war das wichtigste Erlebnis / Erfahrung in den letzten drei Jahren. Bei Frage eins musste ich nicht nachdenken, bei Frage zwei schon eher und bei Frage drei hatte ich die Antwort, bevor die Frage überhaupt gestellt war. „Trauer zulassen“ habe ich dann auf den blauen Zettel geschrieben, es aber nicht großartig erläutert. Angemerkt habe ich dann aber schon, dass ich damit aber noch nicht umgehen kann.

Nachdem ich ein paar Blütenblätter in das Urnengrab habe fallen lassen – ich habe das bei der Beerdigung meiner Großmutter kennengelernt und möchte das unbedingt auf meiner Beerdigung auch haben, denn es ist bunt, hat was Leichtes an sich, ist so … ist halt wunderbar – K. für die Stunden mit ihm gedankt hatte, bin ich dem Ausgang entgegen. Seltsames, was dann mit mir passierte … und … irgendwie hört da das nennbare Denken auf. Minutenlang habe ich jetzt „ich will“ und “ ich möchte“ bzw. „ich will nicht“ und „ich möchte“ nicht formuliert, aber nichts stimmte.

Und klar gibt es mir zu denken, warum ich F. und T. in ihrer Trauer sehe, aber sehr wenig die Ehefrau E., die ich echt mag. Denn der Unfall damals von E. verbindet uns schon so ein kleinbisschen.

„Harold und Maude“kommt mir wieder in den Sinn. Als Jugendlicher habe ich diesen Film geliebt, mindestens 40. mal auch gesehen, verbotenerweise mit Casttenrecorder im Kino gesessen, um die Tonspur aufzunehmen, mühseelig abzutippen und auswendig zu lernen.

Trauer scheint ein größeres Thema zu sein, als ich dachte.

Nein, …

… im Kondolenzbrief schreiben bin ich immer noch nicht gut.

Eigenlob

Als ich meinen Mann am Freitag fragte, was er denn bei seiner Rückkehr heute essen wolle, murmelte er irgendetwas von Ricotta, Basilikum und Ravioli. So hab ich das jedenfalls verstanden. Und da ich ja nett bin (siehe hier) stand ich dann also am späten Nachmittag in der Küche und bastelte Ravioli mit einer (selbsterfundenen) Ricotta-Basilkum-Nuss-Füllung. Dazu gab es eine stark reduzierte Tomatensoße aus Dattel-Tomaten mit Chili – ebenfalls ’selbsterfunden‘.

Das war nicht nur besser als gedacht, das war sogar richtig gut.

* 1922: Georg Kreisler

Ich gestehe, ich kenne von ihm echt nur das hier:

Und eins und zwei …

Gestern bei der Affenhitze 40 kleine Quiches für das Sommerfest gebacken. Als M. davor steht will sie aufgeregt wissen, ob ich das gemacht hätte. Als ich bejahte kam sofort die Frage, ob ich die gleichen ihr nicht für Sonntag machen könnte, für ihre Einführung. OK, ich bin ja nett.

Heute morgen kam eine SMS, ob ich dann nicht auch gleich noch Fotos von der Einführung und dem anschließenden Empfang machen könnte. Bin ich nett?

Da ist es!!! – Endlich!!!

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Das erste Gänseblümchen in unserem Balkonkasten! Ein schwere, eine sehr schwere Geburt (und dann noch unscharf)!

Beim ersten Versuch gab es nur Rasen und Pilze (!), bei zweiten Versuch Rasen und Löwenzahn. Schon wollte ich aufgeben, da meinte mein Mann: „Abwarten!“. Er hatte – ausnahmsweise – Recht oder einfach nur Glück. Jetzt wird das „Rasenmähen“ im Balkonkasten echt eine Herausforderung – aber der stelle ich mich gerne.

Wer wissen will, warum ich gerade so jubiliere, der kann wegen der Bedeutung hier klicken, das ‚Projekt‘ findet sich (sehr kurz) hier und besondere Auswüchse dann hier.

Wiederverwendung

Weil ich gerade so überhaupt nicht kreativ bin und in meinem Leben derzeit ödeste Langeweile herrscht, hier die Antworten auf Fragen, die mir Ivy schon vor Tagen HIER gestellt hat. Da ich das mit den „Stöckchen“ – und immer noch kann mir niemand erklären, warum das ausgerechnet „Stöckchen“ heißen muss – eher ungern mache … wer die Fragen für sich nehmen will: Aber gerne doch!

1. Warum bloggst du?
Weil ich, wie wohl alle BlogerInnen, etwas exhibitonistishes an mir habe. Einfach zeigen, dass es mich in meinen so sein gibt, dass ich an irgendeiner Ecke doch anders bin als die anderen und weil ich über das Blog andere kennen lerne, es eine zweite Beziehungsebene gibt. Da ich nicht nur blogge, sondern auch Blogs lese, erfahre ich einfach mehr von den anderen. Lasst uns – mehr oder weniger – ehrlich sein und erkennen: Wir sind alle anders und doch gleich.

2. Hast du dich irgendwann erwachsen gefühlt? Wann war das?
Als ich so ca. 15 war. Da hat mein Vater einem Kapitän, aber das ist jetzt sowas von unwichtig, ein Buch gezeigt. Einen Tag davor hatte ich einer Schulkameradin einen LP gezeigt. Da war mir klar … jetzt bist Du alt, denn die Art und Weise war die selbe.

3. Wenn du dir ein Großbauprojekt aussuchen könntest, in dem du massig Geld verpulvern könntest, was würdest du bauen?
So ein Multi-Theater-Schwimmbad-Kino-Kongress-Zentrum, irgendwo in der holländischen Pampa am Meer mit Hotel und mindestens sechs unterschiedlichen Küchen.

4. Würdest du lieber in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen und warum?
Wenn mir grantiert wird, dass ich weder Zahnschmerzen noch sonstige Schmerzen bekomme, dann gerne um 1895 in Berlin / Paris / Rom / Palermo und anderen Städten. Ein Reisender eben. Und wenn es OK ist, dann bitte 1895 bis 1911.

5. Abgesehen von Alltags- bzw. Gebrauchsgegenständen, gibt es etwas, das du immer Zuhause haben musst?
Nein.

6. Welchen Kurs würdest du im Alter belegen?
Wie es ist, lozulassen. Wie es ist, nicht mehr in der Welt zu existieren. Wie es ist, im Jenseits zu sein. Wie es ist, nicht mehr zu sein.

7. Was muss man können?
Schön wäre es, wenn es das ‘Zuhören’ wäre. Und damit meine ich das aktive, das verständige Zuhören. Aber da das den Weltenbürger nicht gegeben ist, daher: Einfach mal die Klappe halten!

8. Gibt es ein anderes Wort für Synonym?
Muss das?

9. Angenommen du triffst ein höheres Wesen deiner Wahl, was würdest du es fragen?
Warum das alles?

10. Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten? Tu es.
Warum ich gerne nackt bin? Warum ich als Mann Unterwäsche wichtig finde? Warum Proust genauso wichtig wie Joyce ist? Warum die Meisten verbalen Durchfall haben? Warum soviel Zeit verplembert wird? Warum so vieles kompliziert sein muss obwohl es ganz einfach ist? Warum man sich so wenig traut? Warum keiner mein Angebot annimmt, mal für ihn / ihr einfach so zu kochen? Warum …

Na dann! (2)

Im Fernsehen (arte) gerade gelernt, dass sich das menschliche Genom mit dem vom Hefepliz bis zu 40 Prozent gleicht.

Erklärt das nicht vieles?

Na dann!

Heute beim Schichtwechsel sagte die Nachfolgerin zu mir, als ich sie auf etwas angesprochen hatte: „Ich sehe zwar alt aus, weil ich nämlich auch alt bin, aber das heißt noch lange nicht, dass man nicht Du zu mir sagen kann.“

„Schlaf, Kindlein schlaf!“

Irgendwie bin ich schon ganz froh, dass es kein Gerät gibt, was Träume aufzeichnen kann. Und ich bin irgendwie auch ganz froh, dass ich nicht in der Lage bin, das quere Zeugs, was sich mir heute wieder träumte, zu schildern. Es ist, müsste ich eine Überschrift wählen, der Kampf mit dem Unlogischem, den ich jetzt schon einige Nächte schweißgebadet ausfechte. Heute war es besonders schlimm. Froh übrigens deswegen, weil man sonst die Vokabel „verrückt“ wohl schon ernsthaft bemühen müsste.

Broch zitierend, Platon berücksichtigend

Es macht mir schon ein sehr eigenes und arg befremdliches Gefühl, als mein Mann mir am Wochenende mit einer gewissen Art von Erstaunen und Interesse erzählte, dass ich schon wieder mal schlafwandlerisch unterwegs gewesen sein soll. Diesmal sollte ich seinen Aussagen nach mich an einem seiner Schränke zu schaffen gemacht und seine dort gelagerten Aktenordner inspiziert haben. Eine kleine Anrede hätte genügt und ich hätte mich schuldbewusst wieder ins Bett begeben.

Ich mag das echt nicht glauben, denn das hieße ja, dass sowas wie ein platonischer Daimon auch Macht über mich hätte und ich nicht alleine über mich bestimmen würde.

Ich bin extra mit T-Shirt ins Bett, da ich mir irgendwie (und immer noch) den oberen Rücken ‚verzogen‘ habe – aber als ich aufwachte, war nix mehr an meinem Körper und mein Mann meinte zudem, dass er mich des nachts mehrmals hätte zudecken müssen, weil ich sehr kreativ die Decke mal auf die eine, mal auf die andere Seite entledigt hätte.

K. – RIP

Gerade eben von einem meiner besten Freunde eine Blogeintrag gelesen. Der Titel „K. ist tot“. Ich kannte K. auch, nicht wirklich gut, einmal ne Radtour, einmal ne Hochzeit in Istanbul – aber da gab es so einen Männerabend, an dem wir unserer Scheu voreinander haben fallen lassen. Ich glaub schon, dass ich ihm als Schwuler etwas suspekt war – und er war mir etwas suspekt, weil er halt Mann war wie aus dem Bilderbuch. Ab an diesem Abend kamen wir ins Gespräch und da waren auch gemeinsame Themen und die Scheu war weg.

Denke jetzt an die Frau, die beiden Söhne. Wie hart für die.

Und all die anderen Toten ziehen gerade an mir vorbei – einzeln kann ich mich gut an sie erinnern und auch dankbar sein, aber bei so einem Zug ist es eine Demonstration des Verlustes.

Dante

Immerhin ist es ja nun auch langsam zu mir gedrungen, dass man dieses Jahr den 750. Geburtstag von Dante feiert. Und ich gehöre wohl zu den ganz wenigen, die „Die göttliche Komödie“ noch nicht gelesen haben. Im Bücherschrank fand sich sogar eine Ausgabe, und was für eine. Es war das Weihnachtsgeschenk meines Großvaters an meinem Vater 1953.

* 1871: Marcel Proust

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.

Das wird der erste Satz sein, den ich heute Abend bei der Proust-Lesung vorlesen werden. Es ist auch der erste Satz von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Und die, die auch nur etwas Ahnung haben wissen, dass das einer der kürzesten Sätze des Romans sind.

Wie auch immer – ich bin und bleibe Fan dieses gut 4.500 Seiten dicken Romans, den ich bisher zwei mal gelesen habe (und zwei- bis dreimal gehört). Ich kenn nichts vergleichbares, in das man so eintauchen kann, in das man so verschwindet, in das man so mitlebt. Zudem zwingt Proust einen, denn er mag und will und kann einfach nicht gefällig sein. Er drängt sich auf, er bestimmt und man muss über 4.500 Seiten Stellung zu ihm nehmen.

Und so dekadent er auch immer war (wie auch die handelnden Personen) – man nenne mir eine/n Autor/in, die / der auch nur ansatzweise es geschafft hat, mit zwei Sätzen eine Person so zu schildern, dass man genau meint zu wissen, wie die Person denkt, isst, fickt und sich die Zehennägel schneidet.

Nein, nicht jeder Satz von ihm ist für die Ewigkeit bestimmt, es gibt Stellen, die werde ich nie wieder lesen, weil einfach langweilig, Zeilenschinderei und, hätte er es noch erlebt, wohl bei der Korrektur dem Rotstift zum Opfer gefallen wäre.

Proust hat mir auch etwas beigebracht, was mir bei Diskussionen über Literatur dann immer sehr geholfen hat:

Der Leser ist der Leser seiner selbst.

Als ich das kapiert hatte, stürzten eine Menge von mir gehörte Kritiker in die Bedeutungslosigkeit und bei manchem Gespräch über Literatur mit Freunden endete es in hochspannenden Diskussionen über die Stellung zur Lebenswirklichkeit.

Proust lesen braucht Zeit, viel Zeit – aber Proust leben bereichert und bleibt. Das kann man über nur recht wenige Autoren bzw. Autorinnen sagen.

Na dann, auf!

So, ich mach‘ mich dann mal auf und geh‘ ne Runde mit C. Proust lesen.

Aha!

Pflaster findet man links von den Kondomen.

# 190

2015-07-01 19.08.54

Die Probe

C. kommt pünktlich. Ich mache wieder Tee. Wir streichen noch drei Seiten weg. Wir schenken Tee in die Tassen. Wir überlegen, wo man eine Schachuhr herbekommen könnte. Wir denken, wir sollten mal beginnen zu lesen. Wir beginnen. Nach 40 Sekunden brechen C. und ich über dem Text zusammen.

Jetzt trinken wir halt einfach Tee und unterhalten uns noch ein bisschen.

Anton Weyrother

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