Durch die Zeit

Monat: September, 2015

30?

gerade in den nachrichten zum tod von helmuth karrasek einen beitrag gesehen, in dem mit vollkommen bewundernster stimme verkündet wurde, dass er dreißig (in Zahlen: 30) bücher pro jahr gelesen hätte.

ein literaturkritiker liest 30 bücher im jahr? das jahr hat 56 wochen. da liest doch ein anständiger literaturkritiker pro woche doch zwei, wenn nicht drei. wie will er denn sonst über aktuelle literatur sprechen können?

aber das ist wohl jetzt im nachhinein die erklärung, warum ich auf karraseks urteil nie auch nur einen halben cent gegeben habe.

mittagsschlaf

vergessen den wecker zu stellen und daher ewig gwschlafen. d.d. die hände hatten zusätzliche ruhe, dass das tippen mit einem finger mal kurz geht. auch vorhin mir so ne daumen-hand-bandage gekauft – fleischfarben!!! – die echt etwas vom schmerz nimmt.

Out of Order

Jetzt tucken beide Handgelenke rum wie nix. Also alles an Salbe und Verbände drauf, was ich kriegen kann, um arbeiten zu können. Alle privaten Hand-Aktionen muss ich jetzt einfrieren, d.h., tippen wie hier ist für die nächsten Tage nix.

Die Ex (II) – (im Grunde aber 1)

Die Ex versucht anzurfen – am Wochenende Klassentreffen nach 30 (!!!!) Jahren, und in den 30 Jahren zu ihr übrigens regelmäßigen Kontakt gehabt – um zu klären, ob wir uns schon im Zug treffen etc. pp.

Ihr Sohn, 13, am Telefon. Zweimal hat er mich bisher gesehen, beim ersten Mal hatten er und seine ältere Schwester schlichtweg Angst vor mir, weil sie aufgrund eines Photos dachten, ich sei verrückt und würde in einer psychiatrischen Anstalt leben. Wir kommen ins plaudern! D.h. ich plaudere ohne vorgehaltene Waffe und ein 13-jähriger plaudert ohne Androhung von Internetenzug auch.

Am Ende erfahre ich, dass meine Ex gar nicht da ist.

Dann rufe ich halt morgen nochmals an – denn wenn S. nicht da ist, plaudere ich halt weiter mit J. (er nach Aussagen seiner Mutter, ca. 1 Jahr nach seiner Geburt, der Überzeugung ist, dass er schwul wird und ich doch bitte frühzeitig ihm klar mache, dass das klar geht. Na, dann kann ich ja berichten, dass wir heute Abend schon mal begonnen haben, eine Vertrauensebene aufzubauen).

Die Ex (I) – (im Grunde aber 2)

Meine Ex – die zweite von zweien übrigens, ist ja nicht so, als wäre ich nur auf ein bestimmtes Geschlecht beschränkt – hat nach gefühlten zwei Jahrzehnten (könnte sogar hinkommen) letztes Jahr wieder den Kontat zu mir aufgenommen (den ich, zugegeben, in den letzten zwei Jahrzehnten auch nicht gerade mit Prio eins gesucht habe).

Sie macht gerade eine recht heftige Lebensphase durch (nennen wir es mal vereinfacht „Neuausrichtung“) und lässt mich daran in Form von monatlichen Mails teilnehmen. Für deren Beantwortung brauche ich dann locker mal ne Stunde, weil ich bei Ihrer Gemengenlage immer überlegen muss, was ist jetzt wichtiger zu beantworten, was kann warten, wo sehe ich einen Knackpunkt und ist da aus ihren Augen überhaupt einer oder spiegele ich mich da gerade selbst ….

Anstrengend, spannend und irgendwie auch schön (selbst mit einem rechten Handgelenkt, dass berechtigt schreit: Lass das Tippen! Lass die Maus! Ein Buch umblättern geht auch mit links! Und überhaupt, so müde wie Du bist, häng Dich doch vor die Glotze und lass uns beide Handgelenke mal in Ruhe! – Ich folge dem Ruf … äh, gleich …)

Alle Jahre wieder

  • Theaterfest zur Spielzeiteröffnung
  • Auch ohne offizielle Anfrage (wie in den letzten vier oder fünf oder gar vielleicht sechs Jahren) erkläre ich mich bereit, wieder zu fotografieren.
  • Und zwar kostümierte Kinder vor Hintergrund. Dieses Jahr eine Sänfte (zum reinsitzen) vor Waldhintergrund mit Plastikbaum.
  • Der Andrang gewohnt enorm.
  • Die Ausnahme in diesem Jahr: Um 13:33 Uhr gibt es für vier Minuten nichts zu tun. Zeit, um eine Kollegin meines Mannes bitten zu können, uns einen Kaffee zu holen. (Denn mein Mann hat die Aufgabe, die gemachten Bilder auszudrucken und wer weiß, wann das nächste Kind kommt. Nach vier Minuten.)
  • Gegen 14 Uhr frage ich meinen Mann, ob noch genug Geld da ist, für einen weiteren Kaffee. Seine Antwort: „Es reicht für eine Kanne – die Frage ist, wer sie holt!“ Er am ausdrucken, ich am photographieren, alle anderen am an- oder auskleiden (und mit Kindern ist das nicht ganz soo einfach).
  • „Kann ich Ihnen gerne gleich holen. Einfach nen Kaffee oder was anders?“ Eine Mutter! Zwei der drei Kinder habe ich schon abgelichtet. “ Wenn die Dritte durch ist, hole ich es Ihnen.“ Mein Mann greift zum Geldbeutel. „Lassen Sie das bloß stecken!“ Zehn Minuten steht der Kaffee da, die Spenderin schon über alle Berge.
  • Nach drei Stunden Kind einrichten, auf den Boden knien, Foto machen, hochkommen, Speicherkarte übergeben, andere Speicherkarte nehmen, Kind einrichten, auf den Boden knien … werde ich tierisch müde.
  • Offiziell dauert das Shooting vier Stunden. Wie immer werden es fünf.
  • Die Abteilungschefin duzt mich. Das gab’s noch nie.
  • Die Pressefrau, die mich sonst gefragt hat, ob ich … schaut nicht einmal vorbei.
  • Die Tageszeitung findet, wie immer, gefallen an der Aktion. Ich nenne meinen Namen und werde gebeten zwei Kinder zu fotografieren und zwar so, dass es für den Tageszeitungsfotografen gut aussieht, von meiner Position aber unmöglich wäre, auch nur eins der Kinder zur Hälfte aufzunehmen.
  • Die Thunfisch-Tramezzinis meines Mannes schmecken wie jedes Jahr zu diesem Zeitpunkt einfach nur geil.
  • Ich trinke – entgegen aller meiner Gewohnheiten – zwei Flaschen Wasser, pinkeln muss ich dennoch nicht.
  • Einige Mütter machen sich die Mühe, auf mich zuzukommen und sagen „Danke“ oder „Schöne Aktion“ oder sowas.
  • Eine Mutter kommt auf mich zu und sagt: „Danke, dass Sie sich mit der Inszenierung so viel Mühe geben. Ich hätte nie gedacht, dass ein Handhaltung soviel ausmachen kann.“
  • S., J., und V. überraschen mich mit jeweils einer Umarmung – dass ich nach Schweiß stinke, müssen sie halt in Kauf nehmen.
  • Wir haben gerade versucht zu rekonstruieren. Über 225 Bilder ausgedruckt, entspricht, da Mehrfachdruck, min. 150 Kindern, d.h. im Durchschnitt zwei Minuten pro Kind. Will ich gerade selber nicht glauben … aber wir sind das gerade nochmals die Abläufe durchgegangen … der Durchschnittswert ist realistisch. Denn es gibt Kinder, die stehen wie eine 1 und da braucht es dann 20 Sekunden um 4 gute Fotos zu machen, bei andern braucht man 3 Minuten, bis sie überhaupt die Füße auf dem Boden haben.
  • In dem Moment, als ich zu Hause war, und ich die Hose ausziehen wollte, klingelt es an der Tür. Unter die Dusche kam ich dann erst ne gute Stunde später.
  • Und nach der Dusche hieß es: in einer Stunde kommen 4 Gäste … aber geplant ist geplant: Sekt – Salat mit geräucherter Forelle – Rindergulasch mit Pilzen und Knöpfle (natürlich selbstgemacht) – Tarte Tartin / diverse Getränke.
  • Morgen nach den Abwasch … da lege ich mich in die Badewanne … oder so … oder was anderes …

ZDF: Neo Magazin Royale mit Jan Böhmermann

Schon krass, wie im ZDF der 2. WK beziehungsweise der Nationalsozialismus als Witz erhalten darf in dem Sinne von: Sooo schlimm war das ja alles gar nicht.

Fundstück

Selbst ein schlechter Film hat manchmal etwas zu bieten, und wenn es auch nur ein einziges Wort ist, nämlich: „Daseinserschöpfung“.

Das ist einfach nur – naturgemäß – bernhardisch. Traun für wahr.

Was man nicht alles aus Verzweiflung und Vergesslichkeit tut!

Gerade für einen Kommentar hier ne gute halbe Stunde gesucht und überlegt, wer dieses geile schwule Buch geschrieben hat, von dem ich nach wie vor so total begeister bin (dass ich darüber eben Autor wie Titel vergessen habe. Mit nem Ständer in der Hand (eigen oder fremd), denkt es sich irgendwie nicht gut).

Aber jetzt auch hier die Empfehlung für das beste schwule Buch des lezten Jahrhunderts. 1997 (oh!) schrieb ich dazu:

Hans Scherer – Remeurs Sünden – Eichborn Verlag Frankfurt, 1997

J. schickte mir, mit zwei anderen Büchern, dieses Buch einfach zu. Es kommt ja auch aus ‘seinem’ Verlag, wird ihm wohl auch nichts gekostet haben – er sagte jedenfalls nichts. Begann am gleichen Abend noch etwas darin zu lesen und bekam fast einen Schreianfall, als ich an folgende Stelle kam. Remeur, ein schon wohl etwas älterer Schwuler hat sich einen Jungen aufgegabelt, einen 17jährigen um genau zu sein, schlicht, ein ‘Hasenkind’, wie ich es vor ein paar Wochen auch hatte. Sie gehen miteinander ins Bett, treiben es heftig. Und dann:

Ein zauberhafter Liebesappart, der ablief wie ein aufgezogenes Uhrwerk, sich in der Erschöpfung von neuem aufzuziehen schien und von neuem ablief, bis sie beide lachend unter dem Bett lagen, prustend darunter hervorkrochen. „Das glaubt uns kein Mensch“, sagte Remeur, „Schwule erleben mehr, sag’ ich ja immer. Wie heißt du eigentlich?“ „Alexander“, sagte der Junge, der gar nicht aussah wie ein Alexander, eher wie ein kleiner, genußsüchtiger Gabriel. (21)

Das ist die literarische Begründung, warum ich vor zwei, drei Jahren wieder mein G. in den Namen genommen habe.

Es ist ein geiles Buch, in mehrfacher Hinsicht. Einerseits steht einem der Schwanz, bis auf die letzten Seiten, beständig steif und hart steil aufragend vom Körper weg und will ‘genommen’ werden, andererseits ist es wirklich eine ehrliche, unverblümte Sittenschilderung. Das ist mehr oder weniger schwules Leben, zwar auch nur in Auszügen und ein klein wenig, wie immer im Roman, geschönt – aber so ist es nun eben mal. Von der treuen Beziehung bist über Stricher, Klappen, Parks und Saunen. Kein Deckmäntelchen, in welcher Art auch immer, wie ausgebreitet, aber schwanzfixiert ist das Ganze dann auch wieder nicht.

Die Episoden aus Remeurs Leben werden im Krankenhaus erzählt. Der eine Zimmernachbar erzählt es dem anderem. Das ist der Aufbau. Die Binnengeschichten kommen dann entweder als eine Art auktorialer Erzählung oder als Ich-Erzählung daher. Abwechslungsreich gestaltet und mit recht gutem sprachlichem Niveau. Manchmal heißt ein Schwanz eben Schwanz, dann Penis oder Latte – es kommt auf die Zusammenhänge an.

Anspielungen auf Proust und weitere Literatur, einige wirklich gute Reflexionen – absolut nicht schlecht das Ganze.

Als er den Jungen kennen lernt beschreibt er ausführlich, was dieser an hat. Dann:

Entweder hat der Junge Geschmack und Geld oder eine Mutter, die ein Faible für Mode hat, vielleicht hat er auch alles, Geld, Geschmack und Mutter, dachte Remeur, ich möchte wetten, erträgt auch eine lindgrüne Unterhose. Dazu das Lachsrot der Haare, Remeur fing an, sich auf den späteren Nachmittag zu freuen.
Der Junge trug eine weiße Unterhose. (18)

Nein, dieses Buch ist wirklich gut und absolut empfehlenswert. Kann mir zwar gut vorstellen, wie so manche Hete rote Ohren bekommt, aber die Lust, die in den Texten mitschwingt, wird wohl auch eine Hete spüren.

Das Gute an dem Buch, daß es nicht einseitig ist. Alles bekommt seinen Raum, sein Maß, nichts wird übermäßig übertrieben oder weggelassen. Es ist eine Lebenswirklichkeit von Schwulen, die hier geschildert wird – und das ohne Erklärungs- oder Bekenntnischarakter. Es ist nun halt mal so, basta.

Es wird wohl für die nächste Zeit neben meinem Bett liegen.

Die Folgen des ersten Kapitels: Es war spät, ich legte mich schlafen und träumte eine ganze Nacht lang das Buch weiter, hatte in meinen Träumen ein erotisches Abenteuer nach dem anderen, einen Orgasmus nach dem anderen. Es war sozusagen die geilste Nacht, die ich je erlebte. Blieb lange im Bett liegen, schlief immer wieder ein, um ein nächstes Kapitel im ‘Traumbuch’ zu lesen und zu erleben.

13. Dezember 1997

Später der Text für lexikon homosexuelle belletristik:

Überraschend wäre es nicht, wenn sich „Remeurs Sünden“ von Hans Scherer zu einem ‘schwulen Bestseller’ entwickelt, überraschend wäre es auch nicht, wenn er in wenigen Jahren als ‘schwuler Klassiker’ angesehen wird. Scherer gelingt es nämlich, schwules Leben, Lieben und Leiden ohne Verklärung oder hymnische Überhöhung, ohne falsche Scham oder Auslassungen und ohne Bekenntnis-bzw. Erklärungs-Triaden darzustellen: Ein schwules Leben hat seine eigenen Formen und Probleme, basta.
Zwei Männer liegen im Krankenhaus. Einer, Herr Mellenthin, beginnt über Tage hinweg seinem namenlosen Zimmernachbarn eine Geschichte zu erzählen, und zwar Episoden aus dem Leben Remeurs, der z.T. selbst zitiert wird. Ein selbstbewußtes schwules Leben ohne jede Frage, was da Remeur führt, eines, das nur wenig ausläßt. Und so handeln die einzelnen Episoden von den ersten sexuellen Erfahrungen am Düsseldorfer Rheinufer, von Erlebnissen in Saunen oder Parks, von der Anmache auf der Straße oder in der Klappe, von Strichern etc. Dazwischen die achtjährige Beziehung, die plötzlich vorbei ist, die spezifischen Probleme des alternden Schwulen.
Das alles kommt nicht nur selbstbewußt daher, sondern mit einem hohen Maß an Echtheit und Ehrlichkeit, auch wenn es nicht das ganz typische Leben Homosexueller ist – wie sollte es auch möglich sein. Die Besonderheit des Romans liegt darin, daß die Erzählungen aus der schwulen Welt sich nicht nur auf sexuelle Episoden beschränken, oder nur auf Liebesleid / Liebesglück, sich auch nicht nur mit Seelenqualen des Coming-outs herumschlägt und auch nicht sich in Erklärungs- und Verteidigungsmodelle verliert, sondern allem seinen berechtigten Raum gibt.
Ein schwules Leben – und das vielleicht mit einem allgemeineren Anspruch – zwischen zwei Buchdeckeln zu bekommen, ist wahrlich kein leichtes Unterfangen. Scherer kann man aber problemlos zugestehen, daß er eine gelungene Lösung gefunden, sprachlich wie erzähltechnisch eine hohes Niveau durchgehalten hat. Spricht der Buchumschlag von „brillante[r] Sittengeschichte“, so könnte man noch das ein oder andere Kapitel an- und einfügen. Aber ein Anfang ist gemacht und: An „Remeurs Sünden“ werden die schwulen Romane der nächsten Jahre sich messen lassen müssen.

Ranwanzen

Beim Gespräch heute mit dem Projektleiter fallen gelassen, dass ich ja Typo-3-Kenntnisse habe und ich die Texte ja auch selbst einstellen könne. „Gute Idee, das würde uns ja echt entlasten.“

Montag noch ne Kurzschulung und dann kann ich in zwei Wochen zu B. gehen, etwas stöhnen und dann einen Fürsprecher haben, entweder die Stunden zu erhöhen oder das Engagement zu verlängern.

Oder ich wanze mich morgen beim „Hoffest“ an beide ran und frage ganz unschuldig, ob die Stelle, die sie da ausschreiben wollen, nicht etwas für mich sein könnte – noch haben sie mich nicht auf dem Plan. Muss ich mir aber noch überlegen, ob das taktisch klug ist.

Frau J. S.

Frau J. S. sitzt mir in meinem temporären Büro gegenüber. Oder vielmehr ich ihr, denn es ist ja ihr Name, der an der Tür steht – und ich bin ja Gast. Also verhalte ich mich dementsprechend. „Stört es Sie, wenn ich kurz mal lüfte?“ frage ich jeden Morgen. Nein, es stört nicht. Überhaupt, so erfahre ich wortreich, wäre dieser Raum eh immer mit schlechter Luft gesegnet. Und im Sommer erst. Eine Katastrophe. Und im Winter erst. Eine Katastrophe.

Habe ich den Raum also auf einen sauerstoffreichen und termperaturangemessenen Zustand gebracht passiert – ohne mein Dazutun – genau das Gegenteil. Es wird immer stickiger, immer heißer.

Dieser Zustand klärt sich dann gegen kurz vor 12, wenn Frau J. S. bemerkt: „Ich glaube, wenn ich in die Mittagspause gehe, dann mache ich die Heizung aus und wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann kippe ich auch das Fenster.“

Es sei angemerkt, dass Frau J. S. nach der Mittagspause in einem anderen Zimmer sitzt.

Dante

Mehr als drei Gesänge sind anscheinend an einem Abend wirklich nicht zu schaffen. Dann sind auch gut 2,5 Stunden rum und die Konzentration im Eimer. Es ist zwar reizvoll, dass wir mit fünf unterschiedlichen Übersetzungen arbeiten, aber das erhöht den Klärungsbedarf dann meist ungemein.

Das wirklich Schöne daran ist, dass wir uns gegenseitig bereichern und nicht belehren. Jede/r erzählt, was ihm gefallen hat. Jede/r fragt, was nicht verstanden wurde. Und dann setzt irgendwie doch so etwas wie Schwarmintelligenz ein, auch wenn wir nur zu fünft sind.

Der anschließende ’sozialen‘ Teil macht E. dann wirklich sehr erträglich, weil er gleich mal den Wein auf den Tisch stellt.

Wenn ich richtig rechne: Sollten keine Unterbrechungen vorkommen, dann sind wir Anfang / Mitte  2017 damit durch. Aber da gibt es Weihnachten, Ostern, Sommer, Herbst und Winter … Ende 2017 ist daher schon fast sportlich.

Wieder was gelernt

Wenn ich bei dem einem Programm auf „Logout“ klicke, dann logt sich das System auch out – aber sofort und ohne jeden Zweifel.

Gemeingefährlich

Auf dem Geburtstag von S. Kleine Einladung. Zwangloses Rumstehen. Kleinigkeiten zum Essen (80 Prozent aus dem Öko-Glas für teuer Geld, der Rest eine lauwarme Kürbissuppe und einen Maissalat, der nach der ersten Verkostung eines Gastes tiefsinning auf den Namen „Barrack-Obama-Friedensnobelpreis-Salat“ getauft wurde). Weißwein gab es auch. Gekauft bei einer renommierten Weinhandlung hier. Auf Empfehlung, denn S. hat weder von Wein noch von Maissalat eine wirkliche Ahnung.

Die Frage, die ich mir stelle ist: Kann man die Weinhandlung ob des Verkaufes von Salzsäure verklagen?

# 207

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Wanted: Kochpoetin

So nicht ganz langsam beginne ich die Kochpoetin wirklich zu vermissen.

Da will ich einfach mal ganz stark hoffen, dass sie im Urlaub ist und eine schöne Zeit hat.

Kann man dem widerstehen?

bist du noch wach und sprechsam
dann ruf mich an
bin zwar nicht einsam
doch hab ich Lust
auf einen Mann
zum sprechen

Premiere

Nachdem Nummer eins und Nummer zwei in der Zwischenzeit ‚abgearbeitet‘ sind, stand heute also Nummer drei auf dem Plan.

Da es das erste Mal war, habe ich es mir einfach gemacht

  • Gefüllte Wachteleier
  • Bunter Salat mit gebratenen Pilzen und Fenchel-Dressing
  • Ravioli mit Ricotta, Nuss und Basilikum + Zitronenbutter
  • Saltimbocca alla romana (ok, wurden den Involtinis, weil die Fleischfachverkäuferin den Rekord im dünn schneiden von Kalbsschnitzel aufgestellt hatte) mit Kartoffeln und Bohnen
  • Creme Carmel mit kandierten Mirabellen

Ravioli und die Creme habe ich mittags schon zu Hause gemacht und dann halbfertig / fertig mitgenommen. Der Rest dann vor Ort.

Was habe ich gelernt:

  1. Mit den Gastgebern einen Zeitplan ausmachen, wann welcher Gang in etwa serviert werden soll. So war alles auf Abruf, was gewissen Garzeiten nicht wirklich bekam. Zudem schwätzen sich Leute wohl tierisch fest.
  2. Nicht davon ausgehen, dass Mehl in einer Küche vorhanden sein könnte. Kurz: Noch mehr mitnehmen, vor allem die Kleinigkeiten, die man zur Garnierung oder für das gewisse Extra braucht.
  3. Nicht neidisch werden, dass andere eine so große Anzahl von Luxus-Töpfen (ca. 20) und Luxus-Pfannen (ca. 12)  haben, von denen man nur träumen kann.
  4. Es ist im ersten Moment gar nicht so einfach, die Gerichte nacheinander zu kochen. Denn beim Salat muss man schon schauen, was das Wasser für die Ravioli machen und bei den Ravioli muss man schon mal die Bohnen im Auge haben. Aber das würde sich vereinfachen, wenn 1) geklärt ist.
  5. Wenn man nur in der Küche steht, kann man das ‚Lob‘ der Gäste wirklich nur von den leergegessenen Tellern lesen. Im Moment gerade etwas unsicher, ob mir das reicht.
  6. Man sollte Visitenkarten dabei haben.

Nächste Stufe?

Mal wieder auf „Wein und Käse“ bei R. Der ist etwas über 70, hat eine recht bewegte, interessante Vergangenheit. Schwuler Aktivist der ersten Stunde (mit damals Noch-Ehefrau und zwei Söhnen). Normalerweise sprechen wir über ein bestimmtes Thema, bei dem wir beide auf unterschiedlicher Weise engagiert sind und dass Gespräch eher „dienstlich“ ist. Aber heute? Heute gab es dazu nicht den geringsten Anlass und wir haben einfach so geplaudert ohne dass einer die Rolle des Zuhörers zu übernehmen hatte. Und ihm war es sehr wichtig, dass wir uns diese Woche sehen, denn er ist viel unterwegs. Mich hat diese Dringlichkeit etwas überrascht und ich bin mal wieder … es erklärt sich mir gerade nicht wirklich. Egal.

Jedes Mal wenn ich bei ihm bin, inspiziere ich seinen Büchertisch, auf dem all das liegt, was eben so auf einem Büchertisch zu liegen hat, wenn man auf der Höhe der Zeit sein will. Heute kam – tata: Premiere – der Satz: „Nimm Dir ruhig was mit!“

Für den Rest des Monates habe ich jetzt also ausreichend Lektüre: „Das achte Leben“ von Nino Haratischwili – knapp 1.300 Seiten.

# 206

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me by Jürgen Buch

So ist’s recht

Wenn ich aus meinem derzeitigen Büro schaue – es liegt im 1. Stock eines Gebäudes in der Innenstadt – dann präsentiert sich mir gegenüber ein schöner Jüngling in seiner ganzen virilen Nacktheit.

„etwa“

Beim Arzt. Er studiert die Werte fast sätmlicher Flüssigkeiten und Ausscheidungen, die so ein Körper nun mal hergeben kann. „Mhm … joo … also … aha … mhm … so so …“ geht es gefühlte 20 Minuten. Dann hebt er den Kopf zu mir und fragt, als könne er es nicht glauben: „Trinkst Du Alkohol?“ Es fehlt nur noch das „etwa“ in der Stimme und der sofortige Verweis aus der Praxis. Ob es einen Schauspieler gibt, der in dieser Situation überzeugend lügen könnte? Ich versuche es erst gar nicht und nicke. Er studiert wieder eine Zeitlang die Zahlen. „Mach einfach mal halblang, dann hab‘ ich es wieder schön auf dem Bildschirm.“

Macht

Heute morgen rauschte kurz der Abteilungsleiter zu mir rein. Er sah das kleine Notebook auf dem sonst leeren Schreibtisch stehen und meinte: „Das nennt man hier technische Ausstattung?“ Und ehe ich fragend oder bejahend oder wie auch immer blicken konnte, war er wieder draußen.

Wenige Minute später stand einer von der Technik vor mit, bepackt mit Maus, Tastatur und ’nem schicken Bildschirm.

Alles war gerade wenige Minuten installiert, als der Abteilungsleiter wieder reinrauschte und fragte: „Ah, vorhin ganz vergessen: Guten Start gehabt?“

Arbeit macht müde

Ja. Was für eine Erkenntnis. Aber immerhin nach zwei Jahren …

Die Einstellung war wohl für viele etwas überraschend. Den Computer gab es erst um 12, die Zeit- und Eingangskarte dann wohl erst morgen. Davor Geplänkel mit dem Projektleiter, dem man ansah, dass er gerne etwas anderes machen würde und der mit der Materie auch nur oberflächlich vertraut ist. Dann – nach Jahren mal wieder – eine Abteilungssitzung. Neun Menschen von denen wechselnd immer vier zuhörten, um was es gerade ging. Die Erleichterung war jedenfalls zu spüren, als verkündet wurde, ich würde nun schreiben, sie müssten nur noch das Material bereitstellen oder mir alles erzählen.

Die restliche Zeit versucht, eine erste Struktur einzuphasen, denn da ist noch vieles ungeklärt und offen. Die Herausforderung besteht für alle wohl darin, Abteilungsübergreifend die Texte zu schreiben / gestalten / erarbeiten und nicht auf die Befindlichkeiten einzelner zu achten.

Auf den vier Kilometern nach Hause fragte ich mich, ob irgendwie am Rad was kaputt wäre. Denn das war alles so schwerfällig, nach Hause zu kommen. Aber als ich dann eine halbe Stunde später tief und fest schlief war klar, dass solch eine Erkenntnis eben ihren Tribut haben will.

Trafic

Da es bei dem Halbtagsjob für zwei Monate ab morgen um das Internet geht, dachte ich mir bei dem Gespräch am Freitag eben keine klassische Bewerbungsmappe auf Papier mitzubringen, sondern nur einen kleinen Lebenslauf sowie die Internet-Adresse mit den entsprechenden Passwörtern für meine Bewerbungsseite.

Gerade mal nachgeschaut, was ich damit an Trafic erzeugt habe: „Keine Daten für diesen Zeitraum.“ (Letzten drei Monate!)

Ist irgendwie schon lustig. Die stellen, wenn auch nur kurz zugegeben, jemanden ein, der behauptet, er könne schreiben und hätte Ahnung von Websiten usw. etc. pp., aber nehmen sich nicht einmal für fünf Minuten Zeit, um sich Zeugnisse oder Textproben anzuschauen.

Oder war ich einfach nur so überzeugend? Oder bin ich einfach zu mitßtrauisch? Oder hatten die andere Info?

„Sauerstoffmehrwert“

Den Tag über auf der Burg. Überwiegend rumgegammelt und dem Feuer beim brennen zu geschaut. Und was ist? Ich bin tot  müde als hätte ich den ganzen lieben langen Tag Holz gestapelt.

Mein Mann erklärt das immer mit seiner Theorie des „Sauerstoffmehrwertes“. Denn, so seine Theorie, wenn man sich im Freien aufhält, bekommt man mehr Sauerstoff ab, als in einer Wohnung. Und ich versuche ihm immer klar zu machen, dass der Sauerstoffgehalt im Freien und in der Wohnung womöglich unterschiedlich sein könnten (glaube ich nicht wirklich dran), aber die Lunge eh nur einen begrenzten Sauerstoffanteil aufnehmen kann, egal, wie viel davon in der Atemluft drinn ist.

Müde bleibt auch mit oder ohne Erklärung müde

# 205

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Den Fuß in der Tür

Der Ehemann von S., B., hat ja dafür gesorgt, dass ich heute bei deren beider Oberchef mal vorstellig werden konnte. Ich bin davon ausgegangen, dass das so ein Informationsgespräch wird, dann saßen aber noch zwei andere im Raum und eine Stunde später war klar:  ab Montag arbeite ich für die nächsten beiden Monate dort nun halbtags und darf für die Texte deren nicht geraden kleinen HP sorgen.

Immerhin.

Stellt sich die Frage: Wie macht man sich dort unentbehrlich? Denn der Laden wäre in Größe und Ausrichtung schon was, mit dem ich kann – und auffallend war bei der ersten Runde schon, dass das ne freundlich-offene Stimmung ist. Und dass Frau Pressesprecherin mich dann sogar kannte …

Laberrunde, neue

Heute Beginn der neuen dreijährigen Laberrunde. Immerhin nur noch 10 mal im Jahr für mich. Überraschend muntere Runde. Vor allem die Generation 70+ sorgt für Heiterkeit. Ist fast schon schade, dass ich das nächste mal nicht kann.

Ein kleines Manko dann doch

Nach über einem Jahr ‚Werbung‘ scheint es langsam anzulaufen. In den nächsten zwei Wochen habe ich einen Termin zum Fotografieren, werde einmal für vier Personen fünf Gänge kochen – ohne mitessen zu müssen!!! – und einmal werde ich für die essbaren ‚Kleinigkeiten‘ bei einem Geburtstagsempfang sorgen.

Das ‚kleine‘ Manko ist, dass ich in keinem der drei Fälle als ‚Lohn‘ mehr verlangen kann als eine Flasche Wein, oder, wenn ich dann so richtig zuschlage, was ich mir ernsthaft überlege, jeweils ein Buch (im Wert so um die 20 Euro, na ja, vielleicht auch ein Tucken darüber).

Irgendwie ist es nämlich das Dilemma: Hätte ich einen Job, hätte ich die drei Dinge auch getan, ohne jede Frage. Und ohne jede Frage wären die anderen auf die Idee gekommen, mir dafür ne gute Flasche Wein (oder auch zwei) in den Arm zu drücken. Aber da sie wissen, dass ich eben keinen Job habe, fangen alle sofort an zu fragen, was das denn kostet, wie viel ich verlangen würde für die Stunde … Und in allen drei Fällen sind das Leute, die jetzt nicht gerade so total richtig gut bzw.  üppig verdienen. Und ich weigere mich einfach für eine Freundin – die mit den 5-Gängen – für einkaufen und kochen (und etwas abspülen) um die 200 Euro zu verlangen, was ich eigentlich müsste, wenn ich von einem einfachen Stundenlohn von 20 Euro ausgehe und Warenkosten von um die 60 Euro.

Egal. Ich mach’s jetzt einfach, dann hab‘ ich was zu tun, ich kann weiter Erfahrung sammeln und in der Zeit bin ich auch nicht alleine. Zudem: Meine Buchliste ist nicht gerade kurz.

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