Frau J. S.

von Bert

Frau J. S. sitzt mir in meinem temporären Büro gegenüber. Oder vielmehr ich ihr, denn es ist ja ihr Name, der an der Tür steht – und ich bin ja Gast. Also verhalte ich mich dementsprechend. „Stört es Sie, wenn ich kurz mal lüfte?“ frage ich jeden Morgen. Nein, es stört nicht. Überhaupt, so erfahre ich wortreich, wäre dieser Raum eh immer mit schlechter Luft gesegnet. Und im Sommer erst. Eine Katastrophe. Und im Winter erst. Eine Katastrophe.

Habe ich den Raum also auf einen sauerstoffreichen und termperaturangemessenen Zustand gebracht passiert – ohne mein Dazutun – genau das Gegenteil. Es wird immer stickiger, immer heißer.

Dieser Zustand klärt sich dann gegen kurz vor 12, wenn Frau J. S. bemerkt: „Ich glaube, wenn ich in die Mittagspause gehe, dann mache ich die Heizung aus und wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann kippe ich auch das Fenster.“

Es sei angemerkt, dass Frau J. S. nach der Mittagspause in einem anderen Zimmer sitzt.