Alle Jahre wieder

von Bert

  • Theaterfest zur Spielzeiteröffnung
  • Auch ohne offizielle Anfrage (wie in den letzten vier oder fünf oder gar vielleicht sechs Jahren) erkläre ich mich bereit, wieder zu fotografieren.
  • Und zwar kostümierte Kinder vor Hintergrund. Dieses Jahr eine Sänfte (zum reinsitzen) vor Waldhintergrund mit Plastikbaum.
  • Der Andrang gewohnt enorm.
  • Die Ausnahme in diesem Jahr: Um 13:33 Uhr gibt es für vier Minuten nichts zu tun. Zeit, um eine Kollegin meines Mannes bitten zu können, uns einen Kaffee zu holen. (Denn mein Mann hat die Aufgabe, die gemachten Bilder auszudrucken und wer weiß, wann das nächste Kind kommt. Nach vier Minuten.)
  • Gegen 14 Uhr frage ich meinen Mann, ob noch genug Geld da ist, für einen weiteren Kaffee. Seine Antwort: „Es reicht für eine Kanne – die Frage ist, wer sie holt!“ Er am ausdrucken, ich am photographieren, alle anderen am an- oder auskleiden (und mit Kindern ist das nicht ganz soo einfach).
  • „Kann ich Ihnen gerne gleich holen. Einfach nen Kaffee oder was anders?“ Eine Mutter! Zwei der drei Kinder habe ich schon abgelichtet. “ Wenn die Dritte durch ist, hole ich es Ihnen.“ Mein Mann greift zum Geldbeutel. „Lassen Sie das bloß stecken!“ Zehn Minuten steht der Kaffee da, die Spenderin schon über alle Berge.
  • Nach drei Stunden Kind einrichten, auf den Boden knien, Foto machen, hochkommen, Speicherkarte übergeben, andere Speicherkarte nehmen, Kind einrichten, auf den Boden knien … werde ich tierisch müde.
  • Offiziell dauert das Shooting vier Stunden. Wie immer werden es fünf.
  • Die Abteilungschefin duzt mich. Das gab’s noch nie.
  • Die Pressefrau, die mich sonst gefragt hat, ob ich … schaut nicht einmal vorbei.
  • Die Tageszeitung findet, wie immer, gefallen an der Aktion. Ich nenne meinen Namen und werde gebeten zwei Kinder zu fotografieren und zwar so, dass es für den Tageszeitungsfotografen gut aussieht, von meiner Position aber unmöglich wäre, auch nur eins der Kinder zur Hälfte aufzunehmen.
  • Die Thunfisch-Tramezzinis meines Mannes schmecken wie jedes Jahr zu diesem Zeitpunkt einfach nur geil.
  • Ich trinke – entgegen aller meiner Gewohnheiten – zwei Flaschen Wasser, pinkeln muss ich dennoch nicht.
  • Einige Mütter machen sich die Mühe, auf mich zuzukommen und sagen „Danke“ oder „Schöne Aktion“ oder sowas.
  • Eine Mutter kommt auf mich zu und sagt: „Danke, dass Sie sich mit der Inszenierung so viel Mühe geben. Ich hätte nie gedacht, dass ein Handhaltung soviel ausmachen kann.“
  • S., J., und V. überraschen mich mit jeweils einer Umarmung – dass ich nach Schweiß stinke, müssen sie halt in Kauf nehmen.
  • Wir haben gerade versucht zu rekonstruieren. Über 225 Bilder ausgedruckt, entspricht, da Mehrfachdruck, min. 150 Kindern, d.h. im Durchschnitt zwei Minuten pro Kind. Will ich gerade selber nicht glauben … aber wir sind das gerade nochmals die Abläufe durchgegangen … der Durchschnittswert ist realistisch. Denn es gibt Kinder, die stehen wie eine 1 und da braucht es dann 20 Sekunden um 4 gute Fotos zu machen, bei andern braucht man 3 Minuten, bis sie überhaupt die Füße auf dem Boden haben.
  • In dem Moment, als ich zu Hause war, und ich die Hose ausziehen wollte, klingelt es an der Tür. Unter die Dusche kam ich dann erst ne gute Stunde später.
  • Und nach der Dusche hieß es: in einer Stunde kommen 4 Gäste … aber geplant ist geplant: Sekt – Salat mit geräucherter Forelle – Rindergulasch mit Pilzen und Knöpfle (natürlich selbstgemacht) – Tarte Tartin / diverse Getränke.
  • Morgen nach den Abwasch … da lege ich mich in die Badewanne … oder so … oder was anderes …