Erbe

von Bert

Mein Vater wäre heute 88 geworden. Wie gesagt wäre. Bald sind es 20 Jahre, dass er nicht mehr ist.

Über diese letzten Monate seines Lebens könnte ich wohl einen Roman schreiben, denn sie gehörten zu meinen intensivsten, schwierigsten, erkenntnisreichsten, sonnigsten, schwersten, konsequentesten, z.T. auch klarsten und ehrlichsten Monaten überhaupt.

Aber wer liest schon Romane im Internet?

Aber die eine Geschichte für die digitale Welt, die nichts vergisst.

Als Halbwüchsiger – den Begriff wähle ich bewusst, denn Kind war ich nicht mehr, Jugendlicher noch nicht – habe ich meinem Vater bei einem Abendessen im bittersten Tone vorgeworfen, er solle doch in ein Trapistenkloster gehen, da könne er dann ohne Störung der Familie schweigen. Meine Mutter hat mich danach nachdrücklich aufgefordert, mich bei ihm zu entschuldigen, da es ihn schwer getroffen haben muss. Ob ich das getan habe, erinnere ich mich nicht mehr.

Nicht nur mein Mann wirft mir immer öfters vor, ich solle doch endlich mal den Mund aufmachen und was sagen / erzählen / beantworten. Und von ihm höre ich echt oft: „Habe ich da ein Nicken gehört?“