Ersatz(bank)

von Bert

Es dauert bei mir meist ein bisschen, bis ich kapiere, dass ich (mal wieder) als Ersatz(partner) fungiere.

Vor Jahren schon mit R. Immer, wenn er keine Freundin hatte, war ich eine wichtige Person. Wir sind in Urlaub gefahren, haben uns stundenlang unterhalten, waren ‚dicke‘ … und dann, wenn er wieder in einer Beziehung war, dann war ich nicht mehr „echt“, da fehlte es an „Authentizität“ und was auch immer. Jedenfalls Stress. Jetzt ist er schon seit Jahren verheiratet und seitdem haben wir keinen Kontakt mehr. Letztes Jahr ‚flammte‘ er etwas auf, als ich von seiner Krebserkrankung erfuhr, wir haben mehrfach gemailt. Gegen Ende seiner Genesungszeit hat er mal geschrieben, es wäre schön, würde man den Kontakt intensivieren können bzw. wiederaufleben. Mit etwas Verzögerung habe ich dann darauf geantwortet – zurück kam dann eine eher problematisierende Mails mit dem Inhalt: „Wie soll man sich denn über Mail wieder annähern? Ist das Projekt nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt?“ – Reagiert habe ich bisher nicht, vermute, dass ich es auch sein lasse.

Derzeit bin ich mal wieder gefordert. Nicht von R. Heute waren es so Themen wie: Welche Bettbreite ist ok? Lohnt sich ein Dampfdrucktopf? Und irgendwas wegen Handy. Gespräche, die man ’normalerweise‘ mit seiner Partnerin / seinem Partner führt.

Ich geb‘ zu, mir ist es manchmal etwas zuviel, zwei ‚Beziehungen‘ parallel zu führen – wie es mir dann auch zu wenig ist, wenn ich wieder zurück auf die Bank geschickt werde.

Aber immerhin – ich seh‘ es jetzt und kann es thematisieren bzw. oralisieren.