Projekt/hindernis

von Bert

Manchmal überlege ich nahezu ernsthaft, mit einem Buch zu beginnen, dass diesen ganzen Wahnsinn der Nahrungsmittelindustrie, der Nahrungsmittelpreise und der Umgang damit beinhaltet. Ich bekomme regelmäßig die Krätze, wenn ich sehe, was sich Leute in den Mund und in den Körper schieben und behaupten, es sei nicht nur gesund sondern gut. Und ich bekomme Pickel, wenn die leichenblasse Leute in ökologisch mehr als fragwürdigen SUV’s vor den Bioladen vorfahren sehe, die dann im Laden nach „veganen Schnitzeln“ zu fragen.

Und da bläst die SZ heute natürlich genau in mein Horn:

Der Deutsche lässt sich seine Küche so viel kosten wie keiner sonst in Europa (im Schnitt 6200 Euro). Darin verkocht er ein Olivenöl, das billiger ist als das Öl für den Motor seines Autos. Bei Stiftung Warentest liest er dann, wie mies das Öl gepanscht war, um sich nun am Stammtisch über Lebensmittelskandale zu ereifern. Reiches Deutschland, Arme-Leute-Essen.

Und während ich das lese, klopfe ich mir auf die Schulter. Unsere Küche hat mit den beiden Geräten (Herd, Kühlschrank) vielleicht 1.200 Euro gekostet (und außer einem Zauberstab gibt es kein weiteres elektrisches Küchengerät), das derzeitge Olivenöl haben wir aus Griechenland mitgeschleppt, gestern stand ich lange in der Küche, um eine Fleischbrühe zu machen, einen Linseneintopf und – ich lob mich ja echt selten, aber heute muss das sein – ein echt klasse Rindergulasch für heute (mit Knöpfle!).

Und dann schneide ich noch schnell eine Zwiebel für den Rindfleischsalat (den ich immer aus dem Suppenfleisch mache – denn ich will so wenig wie möglich wegwerfen) und komme ins Grübeln. Ich, der ich freitags auf den Markt in den Kaufrausch verfalle und bei Gemüsestand gerne mal 30 Euro liegen lasse und überhaupt in Sachen Nahrung im Ruf der Heiligkeit stehe, bekomme feuchte Augen, wenn ich im Supermarkt den 5-kg-Sack Zwiebeln für 1,79 Euro entdecke – und ihn ohne Wenn und Aber nach Hause schleppe. D.h., die Zwiebel für den Salat hat uns 3 Cent (!) gekostet.

Könnte der Grund sein, warum ich das Buch nie ernsthaft angehe.