Überforderung

von Bert

Auf unserem straßenseitigen Balkon – Achtung, ich mach jetzt einen auf dicke Hose! – von dem man genau genommen auf eine Allee (!) blicken kann (unser zweiter Balkon dagegen blickt in den ruhigen Hof und hat Sonne, so dass er sich überhaupt als der einzige Balkon eignet, mit dem man etwas mehr anfangen kann, als ihn als ausgelagerte Werkstatt zu nutzen) hängt seit wir hier vor Jahren eingezogen sind eine Kerzenampel (also so ein Ding, in das man eine Kerze stellen kann und die dann nicht vom Wind ausgepustet werden kann, so ein Friedhofsding halt, keine Ahnung, wie das genau heißt).

Anfänglich war das einfach nur ne schräge Idee von mir, denn ich dachte, so ein Kerzenlicht auf dem Balkon ist doch ganz nett. Relativ schnell hat sich aber daraus ein Erinnerungsort ergeben. Immer dann, wenn ich ein Grablicht anzünde, dann ist das für jemanden, egal ob tot, gerade gestorben oder ’nur‘ in einer schwierigen Situation oder manchmal auch einfach ’nur so halt‘.

Aber heute wußte ich zum ersten Mal nicht für wen. Da sind die Anschläge in Paris, da sind die Toten bei alle den anderen Anschlägen, da sind es Freunde, denen es gerade echt nicht gut geht … wer wiegt mehr? Wer hat es nötiger?

Klar, das ist eine rein theoretische Frage, denn ob das Licht nun brennt oder nicht,  dass ändert für die, die es nicht wissen, nix.

Also ist es jetzt einfach für „alle, die es brauchen“.