+ 1935: Fernando Pessoa

von Bert

Lesen! Lesen! Lesen!

Und zwar „Das Buch der Unruhe“. Früher für viel Geld bei Amann, jetzt gibt es eine preisgünstige Taschenbuchausgabe (die aber naturgemäß nicht so schön sein kann, wie die Ausgabe bei Ammann, für die man heute um die 30 Euro hinlegen muss).

Pessoa ist Verantwortlich für Zitate wie:

Könnte das Herz denken, stünde es still.

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Zwei Menschen sagen „ich liebe dich“ oder denken und fühlen es gegenseitig, und doch verbindet jeder damit eine andere Vorstellung, ein anderes Leben, vielleicht sogar eine andere Farbe, ein anderes Aroma oder einen anderen Duft innerhalb der abstrakten Summe von Eindrücken, die das Seelenleben ausmacht.

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Ein wahrhaft sensibler und vernünftiger Mensch versucht naturgemäß, wenn ihn Übel und Ungerechtigkeit der Welt bekümmern, zunächst dort gegen sie anzugehen, wo sie am deutlichsten zutage treten, nämlich bei sich selbst. Und damit wird er sein Leben lang beschäftigt sein.

Und mein absolut-absolutes bestes Lieblings-Knutsch-Zitat:

„Jede Straße, sogar diese Straße von Entenpfuhl trägt dich ans Ende der Welt.“ Doch das Ende der Welt ist, sobald man die Welt vollständig umkreist hat, das gleiche Entenpfuhl, von dem man ausgegangen ist. In Wahrheit ist das Ende der Welt wie ihr Anfang unsere Auffassung von Welt. In uns sind die Landschaften Landschaft. Deshalb erschaffe ich sie, indem ich sie mir vorstelle; wenn ich sie erschaffe, sind wie; wenn sie sind, sehe ich sie wie die anderen. Wozu reisen? Wo wäre ich in Madrid, in Berlin, in Persien, in China oder an beiden Polen ander als in mir selbst und in Typ und Art meiner Wahrnehmung?

Sicher kein Buch, was man wie einen Roman so runter liest, dafür ist es einfach zu schwer, zu heftig, erfordert zu viel Aufmerksamkeit. Aber immer mal wieder einen Abschnitt – herrlich, weil man oft „Ja“ schreit, „endlich sagt es mal jemand“ oder weil man stumm davor sitzt und denkt „Wie meinen Herr Pessoa?“.

Von was ich übrigens bei Pessoa abrate sind seine Briefe. Es ist unglaublich, wie einer das „Buch der Unruhe“ schreiben kann und dann in seinen Briefen eine Einfachheit und Navität an den Tag legt, vor der man einfach nicht lesen will.