Durch die Zeit

Monat: Dezember, 2015

2015

Dieser Tage mir dann auch im Fernsehen einer dieser „Jahresrückblicke“ angetan. Normalerweise nicht mein Ding. Aber ich wollte in einer Art ‚Zeitraffer‘ überprüfen, ob meine These, die ich mal so geäußert hatte, Bestand hat.

Die These lautete grob: „Dieses Jahr war ein verdammt schlechtes Jahr, denn die überwiegend schlechte Meldungen waren menschengemacht und  keine Naturkatastrophen.“

Das Erdbeben in Nepal war dann – zumindest in dem Rückblick, den ich gesehen habe – die einzige Naturkatastrophe von besonderem Ausmaß. Alles andere waren Terroranschläge der verschiedenen Art (alleine Paris zwei), war Korruption (FIFA bzw. Fußball bzw. Sport an sich), waren Kriege (Syrien, ….) und der ‚Folgen‘, sprich: Menschen, die in Europa Sicherheit und Zukunft suchen. Dazu kamen Nettigkeiten wir die Griechenlandkrise (sehr diskussionswürdig) und solche Veraschereien wie der VW-Skandal (der sich überraschend für mich noch nicht auf die anderen Automarken ausgewirkt hat).

Es war in meiner Rückschau echt kein gutes Jahr. Natürlich gab es auch schöne Dinge und mit Sicherheit sind Sachen erfunden worden, die helfen werden und und und … aber insgesamt war es sehr, sehr angestrengt und es hat mich ganz schön Kraft gekostet, auch immer das Gute / Schöne sehen zu können.

Möge 2016 einfach einen Tuck besser werden.

Mit Krönchen

Ich bin ja echt nicht der Sylvestertyp. Mag auch dieses Geböllere nicht. Und überhaupt, ich habe schon mal zuversichtlicher auf das nächste Jahr geschaut. Kein Grund also, heute etwas besonderes zu machen.

Und was ist? Wir sind auf eine Hochzeit eingeladen (was ich eine einzige Unverschämtheit finde – und wäre es nicht der beste Freund meines Mannes, ich hätte gnadenlos abgesagt)! Und um dem noch das Krönchen aufzusetzen: Mein Mann hat dann auch noch gleich zugesagt, dass ich Fotos mache!

Das verspricht also einen richtigen Scheiß-Sylvesterabend zu geben – dann kann es nächstes Jahr wenigstens nur besser werden.

+ 1926: Rainer Maria Rilke

Winterliche Stanzen

Nun sollen wir versagte Tage lange
ertragen in des Widerstandes Rinde;
uns immer wehrend, nimmer an der Wange
das Tiefe fühlend aufgetaner Winde.
Die Nacht ist stark, doch von so fernem Gange,
die schwache Lampe überredet linde.
Lass dichs getrösten: Frost und Harsch bereiten
die Spannung künftiger Empfänglichkeiten.

Hast du denn ganz die Rosen ausempfunden
vergangnen Sommers? Fühle, überlege:
das Ausgeruhte reiner Morgenstunden,
den leichten Gang in spinnverwebte Wege?
Stürze in dich nieder, rüttle, errege
die liebe Lust: sie ist in dich verschwunden.
Und wenn du eins gewahrst, das dir entgangen,
sei froh, es ganz von vorne anzufangen.

Vielleicht ein Glanz von Tauben, welche kreisten,
ein Vogelanklang, halb wie ein Verdacht,
ein Blumenblick (man übersieht die meisten),
ein duftendes Vermuten vor der Nacht.
Natur ist göttlich voll; wer kann sie leisten,
wenn ihn ein Gott nicht so natürlich macht.
Denn wer sie innen, wie sie drängt, empfände,
verhielte sich, erfüllt, in seine Hände.

Verhielte sich wie im Übermaß und Menge
und hoffte nicht noch Neues zu empfangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
und meinte nicht, es sei ihm was entgangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
mit maßlos übertroffenem Verlangen
und staunte nur noch, dass er dies ertrüge:
die schwankende, gewaltige Genüge.

Rainer Maria Rilke, Dezember 1913

Küssen kann man nicht alleine

Es gibt Menschen, die küsse ich zur Begrüßung.

Es gibt Menschen, die küsse ich nicht zur Begrüßung.

Es gibt Menschen, die küsse ich zum Abschied.

Es gibt Menschen, die küsse ich nicht zum Abschied.

Und es gibt Menschen, die würde ich ja gerne zur Begrüßung (bzw. Abschied) küssen und traue es mich nicht. Denn wie kommt das an, wenn so eine alte Schwuchtel wie ich nen jungen Mann küsse (weil ich ihn einfach mag)?

Und ‚küssen‘ wäre hier im Rahmen von „küssen“ und nicht  von „knutschen“.

Schwierig zu beschreiben. Mit P.,ner Hete, kann ich richtig gut knutschen, mit anderen Heten geht nicht mal so ein angehauchter Kuss.

Und A. ist so einer, bei dem ich für mich denke / fühle, ein Kuss zur Begrüßung / Abschied wäre echt  OK und angebracht – für mich, weil es einfach stimmt. Aber er ist nun mal hetero – und das hat man dann auch zu tolerieren.

Und das ist so ein Moment, der mir extrem wichtig ist. Wir Homos fordern immer und immer wieder Anerkennung / Akzeptanz / Toleranz / etc. und vergessen leider echt gerne, dass das für die anderen auch gilt.

Probleme gibt es …

Und weiter geht’s

Am Abend „Familienessen“ (erklär ich demnächst) in abgespeckter Form aber mit U. als Gast, die ich etwas vom Sehen kenne. Ich mochte schon immer an ihr die roten Haare und ihren etwas ausgefallenen aber durchdachten Kleidungsstil. Wir treffen uns zufällig an der Haltestelle bei der Hinfahrt, haben einen schönen und themenreichen und lustigen und interessanten und lebendigen und wissensreichen und überraschend schmackhaften Abend  (denn L. & U. sind jetzt nicht gerade die begnadeten Köche) und als uns der Hausherr U. nach Hause fährt und ich ihr in den Mantel helfe kommt von ihr ein: „Du bist aber ein interessanter Mensch!“

Ist das wirklich so, dass ich gerade ne Menge an Anerkennung abbekomme oder ist es so, dass ich es höre / wahrnehme / annehme?

Fleißig, fleißig

Die Bilder für morgen sind gemacht, wenn auch nicht so gute, aber „Janus“ war jetzt auch nicht so ein ganz einfaches Thema. E. wird es wohl toppen, da er sich einige Zeit mehr lässt und mehr Aufwand betreibt … wenn er bei seiner Idee bleibt.

Dann noch eine Stunde nackt vor der Kamera rumgesprungen, um ein anständiges Portrait für die Sylvesterpost hinzubekommen, bei dem klar ist, dass ich nackt bin aber man dennoch nicht alles sieht, denn es gibt da so die ein oder andere Schenante – und aus dem Alter, unbedingt provozieren zu müssen, bin ich definitiv raus.

Ansonsten fleißig das gemacht, was ich machen wollte: liegen & lesen.

Alle zwei Jahre wieder

Stress! Um 12 Uhr – und keine Minute später – gibt es Mittagessen. Vor dem Nachtisch muss aber die Küche gemacht werden. Um Punkt 18 Uhr dann Abendessen, auch wenn es den Nachmittagskaffee erst um 17 Uhr gab. Küche natürlich danach auch. Dann nicht zu spät ins Bett, denn um 9 gibt es Frühstück für Langschläfer. Und natürlich müssen mein Mann und ich kochen, aber natürlich nicht so, wie wir es uns vorstellen, sondern so, wie Muttern es will und natürlich ohne all die Dinge, die meine Schwester einfach nicht isst.

Mein Bruder verpisst sich schon seit Jahren zu seiner Freundin – die es offiziell übrigens nicht mehr gibt – und meine Schwester macht an diesen Tagen eins auf … egal.

Irgendwie so ein blöder Familienwahnsinn, gegen den ich einfach nicht ankomme.

Immerhin der Geschenkewahnsinn konnte dieses Jahr so richtig deutlich eingeschränkt werden. Hier mal ein Taschenbuch, da mal eine Flasche Schnaps, da mal Duschgel, da mal etwas Geld … alles im Sinne von „kleine Aufmerksamkeit“ … womit ich bis auf einen Moment gut leben konnte. Dazu muss man wissen: Mein Großvater väterlicherseits, den ich nicht kennengelernt habe, war ein wichtiger Mann in einem damals wichtigen Verlag. Und von ihm stammen noch ein paar sehr aufwändig gesetzten Bücher vom Beginn das 20. Jahrhunderts, die ich als Kind immer schon gerne durchblätterte.

Und diesmal ist mir aufgefallen, dass darunter ja auch Dante ist – was meine Mutter zum Anlass nahm, ihn mir dann auch noch auf den Gabentisch zu legen (und die vorgesehen beiden Falschen Wein dann auf den Balkon zum kühlen zu stellen).

Und so freue ich mich auf nächstes Jahr, denn dann bleiben wir turnusmäßig hier und feiern Weihnachten in erster Linie: entspannt.

* 1904: Alejo Carpentier

Meiner Meinung nach hätte er ohne jede Frage den Literaturnobelpreis bekommen sollen, denn er war nicht nur ein mächtiger Erzähler sonder auch ein politische Romancier, der gerade die südamerikansichen Verhältnisse mit dem Blick des Aufklärers durchleuchten konnte.

Dass ‚die Südamerikaner‘ eh ein Talent zum Erzählen haben, ist nichts neues, aber Carpentier konnte es besonders.

Daher empfehle ich einfach mal alles, was auf deutsch erschienen ist:

  • Das Reich von dieser Welt
  • Die verlorenen Spuren
  • Hetzjagd
  • Explosion in der Kathedrale
  • Die Methode der Macht
  • Barockkonzert
  • Le Sacre du Printemps
  • Die Harfe und der Schatten
  • Mein Havana

Und wer je noch ein Exemplar von „Barockkonzert“ bekommen sollte – ok, ok, ZVAB listet ne Menge zu niedrigem Preis an: Kaufen! Lesen! Es ist wohl die musikalischste Novelle der Literaturgeschichte und macht einfach nur Spaß, denn es ist zugleich ein Zeitreise: zu Beginn hat man es noch mit Händel  und Konsorten zu tun, die mitternachts in einem Mädcheninternat (!) ein Spontankonzert veranstalten, am Ende tönt dann Louis Amstrong.

+ 1989: Samuel Beckett

Was soll ich zu dem bloß sagen? Für mich nicht nur einer der größten Autoren überhaupt sondern mit Abstand auch der schönste.

Und da ja alle im Weihnachtsstress sind und nicht zum lesen kommen, nur noch soviel von ihm:

Die Sonne schien, weil sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues.

Samuel Beckett: „Murphy“

Es war einmal

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