Durch die Zeit

Monat: Dezember, 2015

2015

Dieser Tage mir dann auch im Fernsehen einer dieser „Jahresrückblicke“ angetan. Normalerweise nicht mein Ding. Aber ich wollte in einer Art ‚Zeitraffer‘ überprüfen, ob meine These, die ich mal so geäußert hatte, Bestand hat.

Die These lautete grob: „Dieses Jahr war ein verdammt schlechtes Jahr, denn die überwiegend schlechte Meldungen waren menschengemacht und  keine Naturkatastrophen.“

Das Erdbeben in Nepal war dann – zumindest in dem Rückblick, den ich gesehen habe – die einzige Naturkatastrophe von besonderem Ausmaß. Alles andere waren Terroranschläge der verschiedenen Art (alleine Paris zwei), war Korruption (FIFA bzw. Fußball bzw. Sport an sich), waren Kriege (Syrien, ….) und der ‚Folgen‘, sprich: Menschen, die in Europa Sicherheit und Zukunft suchen. Dazu kamen Nettigkeiten wir die Griechenlandkrise (sehr diskussionswürdig) und solche Veraschereien wie der VW-Skandal (der sich überraschend für mich noch nicht auf die anderen Automarken ausgewirkt hat).

Es war in meiner Rückschau echt kein gutes Jahr. Natürlich gab es auch schöne Dinge und mit Sicherheit sind Sachen erfunden worden, die helfen werden und und und … aber insgesamt war es sehr, sehr angestrengt und es hat mich ganz schön Kraft gekostet, auch immer das Gute / Schöne sehen zu können.

Möge 2016 einfach einen Tuck besser werden.

Mit Krönchen

Ich bin ja echt nicht der Sylvestertyp. Mag auch dieses Geböllere nicht. Und überhaupt, ich habe schon mal zuversichtlicher auf das nächste Jahr geschaut. Kein Grund also, heute etwas besonderes zu machen.

Und was ist? Wir sind auf eine Hochzeit eingeladen (was ich eine einzige Unverschämtheit finde – und wäre es nicht der beste Freund meines Mannes, ich hätte gnadenlos abgesagt)! Und um dem noch das Krönchen aufzusetzen: Mein Mann hat dann auch noch gleich zugesagt, dass ich Fotos mache!

Das verspricht also einen richtigen Scheiß-Sylvesterabend zu geben – dann kann es nächstes Jahr wenigstens nur besser werden.

+ 1926: Rainer Maria Rilke

Winterliche Stanzen

Nun sollen wir versagte Tage lange
ertragen in des Widerstandes Rinde;
uns immer wehrend, nimmer an der Wange
das Tiefe fühlend aufgetaner Winde.
Die Nacht ist stark, doch von so fernem Gange,
die schwache Lampe überredet linde.
Lass dichs getrösten: Frost und Harsch bereiten
die Spannung künftiger Empfänglichkeiten.

Hast du denn ganz die Rosen ausempfunden
vergangnen Sommers? Fühle, überlege:
das Ausgeruhte reiner Morgenstunden,
den leichten Gang in spinnverwebte Wege?
Stürze in dich nieder, rüttle, errege
die liebe Lust: sie ist in dich verschwunden.
Und wenn du eins gewahrst, das dir entgangen,
sei froh, es ganz von vorne anzufangen.

Vielleicht ein Glanz von Tauben, welche kreisten,
ein Vogelanklang, halb wie ein Verdacht,
ein Blumenblick (man übersieht die meisten),
ein duftendes Vermuten vor der Nacht.
Natur ist göttlich voll; wer kann sie leisten,
wenn ihn ein Gott nicht so natürlich macht.
Denn wer sie innen, wie sie drängt, empfände,
verhielte sich, erfüllt, in seine Hände.

Verhielte sich wie im Übermaß und Menge
und hoffte nicht noch Neues zu empfangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
und meinte nicht, es sei ihm was entgangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
mit maßlos übertroffenem Verlangen
und staunte nur noch, dass er dies ertrüge:
die schwankende, gewaltige Genüge.

Rainer Maria Rilke, Dezember 1913

Küssen kann man nicht alleine

Es gibt Menschen, die küsse ich zur Begrüßung.

Es gibt Menschen, die küsse ich nicht zur Begrüßung.

Es gibt Menschen, die küsse ich zum Abschied.

Es gibt Menschen, die küsse ich nicht zum Abschied.

Und es gibt Menschen, die würde ich ja gerne zur Begrüßung (bzw. Abschied) küssen und traue es mich nicht. Denn wie kommt das an, wenn so eine alte Schwuchtel wie ich nen jungen Mann küsse (weil ich ihn einfach mag)?

Und ‚küssen‘ wäre hier im Rahmen von „küssen“ und nicht  von „knutschen“.

Schwierig zu beschreiben. Mit P.,ner Hete, kann ich richtig gut knutschen, mit anderen Heten geht nicht mal so ein angehauchter Kuss.

Und A. ist so einer, bei dem ich für mich denke / fühle, ein Kuss zur Begrüßung / Abschied wäre echt  OK und angebracht – für mich, weil es einfach stimmt. Aber er ist nun mal hetero – und das hat man dann auch zu tolerieren.

Und das ist so ein Moment, der mir extrem wichtig ist. Wir Homos fordern immer und immer wieder Anerkennung / Akzeptanz / Toleranz / etc. und vergessen leider echt gerne, dass das für die anderen auch gilt.

Probleme gibt es …

Und weiter geht’s

Am Abend „Familienessen“ (erklär ich demnächst) in abgespeckter Form aber mit U. als Gast, die ich etwas vom Sehen kenne. Ich mochte schon immer an ihr die roten Haare und ihren etwas ausgefallenen aber durchdachten Kleidungsstil. Wir treffen uns zufällig an der Haltestelle bei der Hinfahrt, haben einen schönen und themenreichen und lustigen und interessanten und lebendigen und wissensreichen und überraschend schmackhaften Abend  (denn L. & U. sind jetzt nicht gerade die begnadeten Köche) und als uns der Hausherr U. nach Hause fährt und ich ihr in den Mantel helfe kommt von ihr ein: „Du bist aber ein interessanter Mensch!“

Ist das wirklich so, dass ich gerade ne Menge an Anerkennung abbekomme oder ist es so, dass ich es höre / wahrnehme / annehme?

Fleißig, fleißig

Die Bilder für morgen sind gemacht, wenn auch nicht so gute, aber „Janus“ war jetzt auch nicht so ein ganz einfaches Thema. E. wird es wohl toppen, da er sich einige Zeit mehr lässt und mehr Aufwand betreibt … wenn er bei seiner Idee bleibt.

Dann noch eine Stunde nackt vor der Kamera rumgesprungen, um ein anständiges Portrait für die Sylvesterpost hinzubekommen, bei dem klar ist, dass ich nackt bin aber man dennoch nicht alles sieht, denn es gibt da so die ein oder andere Schenante – und aus dem Alter, unbedingt provozieren zu müssen, bin ich definitiv raus.

Ansonsten fleißig das gemacht, was ich machen wollte: liegen & lesen.

Alle zwei Jahre wieder

Stress! Um 12 Uhr – und keine Minute später – gibt es Mittagessen. Vor dem Nachtisch muss aber die Küche gemacht werden. Um Punkt 18 Uhr dann Abendessen, auch wenn es den Nachmittagskaffee erst um 17 Uhr gab. Küche natürlich danach auch. Dann nicht zu spät ins Bett, denn um 9 gibt es Frühstück für Langschläfer. Und natürlich müssen mein Mann und ich kochen, aber natürlich nicht so, wie wir es uns vorstellen, sondern so, wie Muttern es will und natürlich ohne all die Dinge, die meine Schwester einfach nicht isst.

Mein Bruder verpisst sich schon seit Jahren zu seiner Freundin – die es offiziell übrigens nicht mehr gibt – und meine Schwester macht an diesen Tagen eins auf … egal.

Irgendwie so ein blöder Familienwahnsinn, gegen den ich einfach nicht ankomme.

Immerhin der Geschenkewahnsinn konnte dieses Jahr so richtig deutlich eingeschränkt werden. Hier mal ein Taschenbuch, da mal eine Flasche Schnaps, da mal Duschgel, da mal etwas Geld … alles im Sinne von „kleine Aufmerksamkeit“ … womit ich bis auf einen Moment gut leben konnte. Dazu muss man wissen: Mein Großvater väterlicherseits, den ich nicht kennengelernt habe, war ein wichtiger Mann in einem damals wichtigen Verlag. Und von ihm stammen noch ein paar sehr aufwändig gesetzten Bücher vom Beginn das 20. Jahrhunderts, die ich als Kind immer schon gerne durchblätterte.

Und diesmal ist mir aufgefallen, dass darunter ja auch Dante ist – was meine Mutter zum Anlass nahm, ihn mir dann auch noch auf den Gabentisch zu legen (und die vorgesehen beiden Falschen Wein dann auf den Balkon zum kühlen zu stellen).

Und so freue ich mich auf nächstes Jahr, denn dann bleiben wir turnusmäßig hier und feiern Weihnachten in erster Linie: entspannt.

* 1904: Alejo Carpentier

Meiner Meinung nach hätte er ohne jede Frage den Literaturnobelpreis bekommen sollen, denn er war nicht nur ein mächtiger Erzähler sonder auch ein politische Romancier, der gerade die südamerikansichen Verhältnisse mit dem Blick des Aufklärers durchleuchten konnte.

Dass ‚die Südamerikaner‘ eh ein Talent zum Erzählen haben, ist nichts neues, aber Carpentier konnte es besonders.

Daher empfehle ich einfach mal alles, was auf deutsch erschienen ist:

  • Das Reich von dieser Welt
  • Die verlorenen Spuren
  • Hetzjagd
  • Explosion in der Kathedrale
  • Die Methode der Macht
  • Barockkonzert
  • Le Sacre du Printemps
  • Die Harfe und der Schatten
  • Mein Havana

Und wer je noch ein Exemplar von „Barockkonzert“ bekommen sollte – ok, ok, ZVAB listet ne Menge zu niedrigem Preis an: Kaufen! Lesen! Es ist wohl die musikalischste Novelle der Literaturgeschichte und macht einfach nur Spaß, denn es ist zugleich ein Zeitreise: zu Beginn hat man es noch mit Händel  und Konsorten zu tun, die mitternachts in einem Mädcheninternat (!) ein Spontankonzert veranstalten, am Ende tönt dann Louis Amstrong.

+ 1989: Samuel Beckett

Was soll ich zu dem bloß sagen? Für mich nicht nur einer der größten Autoren überhaupt sondern mit Abstand auch der schönste.

Und da ja alle im Weihnachtsstress sind und nicht zum lesen kommen, nur noch soviel von ihm:

Die Sonne schien, weil sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues.

Samuel Beckett: „Murphy“

Es war einmal

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Weiteres HIER.

* 1917: Heinrich Böll

Es hat damals ein Jahr gedauert, bis ich realisierte, dass ich ja in der gleichen Stadt wohne wie Heinrich Böll, der damals aber schon tot war. Mit einem alternativen Stadtführer war die Wohnung von ihm schnell gefunden. Natürlich bin ich da hingepilgert, auch wenn es außer einem Wohnhaus nichts zu sehen gab.

Letztens habe ich mir sein Skandalroman „Ansichten eines Clowns“ nochmals angehört und die ganze Zeit darauf gewartet, was das Skandalöse sein sollte – denn ich fand einfach nichts. Ich habe echt nachlesen müssen, über was die sich damals so aufgeregt haben: Der Clowon lebt ohne Trauschein mit einer Frau zusammen (und wird wahrscheinlich sogar noch Sex mit ihr haben).

„Gruppenbild ohne Dame“ fand ich damals das beste von ihm – aber ich vermute ganz stark, es würde heute nicht mehr wirken. Der große Böll ist ganz schön aus der Zeit gefallen.

WA TB

Thomas Bernhard lässt sich auch nicht lumpen. Gerade hat man die Werkausgabe bei Suhrkamp abgeschlossen. Gegenüber AS will man aber nur schmale ca. [sic!] 711,80 Euro.

Boa, juckt das in den Fingern.

 

Wohlan denn

Ich bin ja nun jetzt wirklich nicht am Wasser gebaut, auch wenn in den letzten Jahren wieder gelernt habe, auch mal loszuheulen, wenn es gar nicht geht.

Aber das war schon mehr als rührend, als der Abteilungsleiter, der mich ja gegen Widerstände in diesen Job gebracht hatte, und ‚mein‘ Projektleiter M. plötzlich in ‚meinem‘ Zimmer standen und zur einer chorischen Hymne ansetzten. Dazu gab es zwei ordentliche Flaschen Wein („Soviel bekommt man bei uns, wenn man 15 Jahre dabei war.“) und der Hinweis, dass der Hauptgeschäftsführer noch meinen Abschiedsbesuch erwartet.

M. war jetzt auch nicht so ganz unberührt: „Als die Dich mir wie eine Katze im Sack vor die Füße geworfen hatten, war ich ja schon arg, arg skeptisch. Aber nach dem ersten Tag war klar: Das kann nur super werden – und so war es dann ja auch.“

Und irgendjemand ist noch im Haus rum und hat Unterschriften gesammelt!

Der HGF in seiner Art sehr zurückhaltend, aber auch der mit einem ausgesprochenen Dank, was bei ihm, wie man mir sagte, extremen Seltenheitswert habe. Und er würde sich freuen, wenn ich auf die ein oder andere Stellenanzeige, die es nächstes Jahr geben würde, reagieren würde.

Nun gut denn …

+ 1775: Jane Austen

Äh, was soll ich zu ihr sagen: Lesen.

Gilt gemeinhinlich als „Frauenliteratur“. Interssanterweise spricht nie jemand von „Männerliteratur“.

Und Austen muss man echt lassen: Die war in ihrer Schreibe, in ihren Charakterisierungen, im Aufbau aber sowas ihrer Zeit vorraus. Sie ist ne Zeitgenössein vom total übeschätzten Göthe. Und man lese einfach mal 15 Seiten von ihm und 15 Seiten von ihr (in freier Auswahl) – und jede/r Laie/in (nee! – ich werde einfach keine gendergerechte Geschreibserei machen, denn es gilt nach wie vor: Genus ist nicht Sexus!) wird auch ohne Studium merken, wie modern, wie geschmeidig, wie intelligent, wie psycholgisch sie geschrieben hat.

Manche, überwiegend für mich weibliche, Figuren von ihr (ha, Gott sei Dank habe ich gerade dem gernderInnen gerechten schreibweisen*innen abgeschworen, sonst müsste ich jetzt wohl auch nocht „Figurinen“ bzw. „FigurInInnen“ schreiben!) sind echt Topos.

Gehört zu der Autorenschaft (das ist gendergerecht), von der es viel zu wenig zu lesen gibt.

GA AS

Die Gesamtausgabe von Arno Schmidt kostet – in Leinen, Halbleder habe ich erst gar nicht nachgeschaut – schlappe 1.431,40 Euro. (Warum suche ich mir immer die teuersten Autoren aus?)

Da ich zwei Bände schon habe, verringert sich das notwendige Kapitel für die restlichen Bände auf 985,40 Euro – was sich nicht ganz soo schlimm anhört.

37,8

Grad Fieber haben mich gestern etwas außer Gefecht gesetzt.

Jetzt muss ich aber noch der Chronistenpflicht nachkommen, sonst ist die Speisefolge vom vergangenen Samstag ganz vergessen, da es dieses Jahr auch keine Bilder gibt.

  • Kleiner Krabbenburger
  • Feldsalat mit Walnussdressing und Fasanenterrine
  • Pastinackesuppen mit Pinienkerne und roter Beete
  • Gebratener Saibling auf einer Art Bigos
  • (Limoncello)
  • Rehrücken mit Steinpilzsoße, Kartoffel-Maronenpürre mit Speck, gestockte Rosenkohlblätter
  • Maronentörtchen mit Organenzabaione

Das Menü vom letzten Jahr HIER.

Tatort entfällt – # 270

M. meinte gestern noch über unseren neuen (!) Fernseher fallen zu müssen, dessen Bildschirm jetzt dieses durchaus interessante aber leider auch sehr statische Bild zeigt:

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Erkenntnisse

Die Erkenntnisse des heutigen Tages – bisher.

  • Wenn man den Gürtel seiner Jeans nicht schließt, sollte man sich nicht wundern, dass die Hose auf die Kniekehlen rutscht, während man wie doof in der Küche am kochen ist.
  • Meine Frikadellen schmecken jetzt richtig gut.
  • Die Frikadellen aus Garnelen mit Dill aber im Grunde noch besser.
  • Ralf König macht gute Comics nach wie vor.
  • Sieben Gänge für neun Personen macht nach wie vor Arbeit – und Spaß!

Weiteres folgt wohl morgen erst.

+ 1769: Christian Fürchtegott Gellert

Und, alle mal die Hand heben und hier „Hier“ tippen, die schon was von ihm gelesen haben. So richtig viel hat er nicht auf seiner Liste, aber allein der Titel „Die Betschwester“ hat es verdient, das er weiter genannt wird. „Die zärtlichen Schwestern“ habe ich mir mal reingezogen und natürlich „Das Leben der schwedischen Gräfin von G.“.

Wenn man so die Titel liest, könnte man meinen: Ein unbekannter de Sade. Aber weit gefehlt! Sehr weit sogar. Die ersten beiden Titel sind „Lustspiele“, was aber mit Sex so gar nix zu tun hat, und die „Schwedeische Gräfin“ ist ein zweibändiger Roman, dem die Ehre anheim fehlt, dem deutschsprachigen Roman eine kräftigen Schubs gegeben zu haben.

Und weiter geht’s

Ich hatte ja HIER schon geschrieben, dass ich von positiven, wertschätzenden, anerkennenden, … Rückmeldungen derzeit nur so überflutet werde. Und weiter geht es damit. So konnte ich heute lesen:

Weißt du, ich mag an dir so, dass du zu den wenigen Menschen zählst, denen gegenüber ich ohne Scham offen sein kann.

Gebe zu: Geht runter wie Öl.

Was ist denn los?

Heute Abend kurz C. getroffen wg. Fotoprojekt. Er wollte noch kurz eine rauchen, ich fragte: „Und? Wie geht’s Dir so?“ Wumm hatte ich den nächsten Redeschwall vor den Füßen.

Ich kenn ihn ja nur wenig – sieht man mal davon ab, dass er meist nackt ist, wenn wir uns sehen – aber bei seinem Thema habe ich das gute Gefühl, keine Lösung zu haben, aber dafür paar gute Fragen.

Mein Angebot ist raus – es ist seine Entscheidung, ob er es annimmt oder nicht.

o.B.

Schulterzucken des Arztes. Erklären kann er sich das nicht wirklich. Sich verstärkendes Aufeinandertreffen zweier Symptome?

Abwarten und beobachten ist nun angesagt. Ist jedenfalls besser als das andere.

Reden hilft – den anderen

Im Augenblick ist es irgendwie extrem.

Die Menschheit hat anscheinend einen Redebedarf, der den Zuhörbedarf bzw. die Zuhörbereitschaft bei weitem übersteigt. Und ich stelle gerade (mal wieder) fest, dass man sich dann gerne an mich wendet, denn anscheinend ist bekannt, dass ich zuhöre.

Heute Nachmittag rief meine beste Freundin an, der es nachvollziehbar nicht richtig gut geht. Wir hatten am Sonntag schon zwei Stunden telefoniert, d.h., ich habe eine Stunde und fünfzig Minuten zugehört. Heute waren es dann um die eineinhalb Stunden bei gleicher Verteilung. Aber sie ist wenigsten eine, die sich bedanken kann und mir heute eigentlich überwiegend nur „schnell“ erzählen wollte, was das „Gespräch“ am Sonntag bei ihr ausgelöst, was es „gebracht“ hat.

In der Badewanne am Abend habe ich meinen besten Freund angerufen, weil er sich schon seit vier Tagen nicht mehr gemeldet hat – was derzeit Anlass zu Bedenken gibt. Auch eineinhalb Stunden.

Irgendwie mache ich das schon gerne – aber irgendwie ärgert es mich auch, dass es so ausgenutzt wird und man selbst aktiv so tun muss, als hätte der / die am anderen Ende Leitung gefragt: „Und? Wie ist Dir so?“

Und das sagt einer, der von sich sagt, dass er „maulfaul“ ist und der von seinem Mann derzeit „Miso“ genannt wird, da angeblich „Misantrop“ (echt nicht! – ich red‘ halt nicht immer so viel!), da (zu gaaaaanz kleinen Teilen) wohl wirklich Misotrop … egal. Hab‘ derzeit eh nix groß zu erzählen.

 

# 269

2015-11-30 20.24.25-2

* 1901: Ödön von Horvath

Bin mir nicht ganz sicher, ob das auch so ein Pubertätsautor ist. Also einer, den man in der Pubertät verschlingt, auswendig kann und mit dem Alter schlichtweg vergißt. Seine Theaterstücke („Glaube, Liebe, Hoffnung“ wohl das bekannteste – ich hätte geschworen, es sei ein Roman, gut wenn man im Zweifel mal nachschlägt) wreden ja noch gespielt, und „Jugend ohne Gott“ oder „Der ewige Spießer“ sagt dem ein oder anderem auch noch was … aber er ist auch so einer, der ein bißchen aus der Zeit gefallen ist und wohl in 100 Jahren erst richtig wiederentdeckt werden muss.

Präsent ist er mir vorallem durch eine Sendung, die mal im HR2 lief. Ist schon Äonen her. „Musik schwarz weiß“ oder „Musik mit anderem Vorzeichen“ hieß sie und ein paar wenige Moderatorinnen und Moderatoren stellten zu einem Thema Musik aus alle Epochen zusammen. Da rockte Pink Flyod schon mal nach einer Partita von Bach, Janis Joplin röhrte vor Schubert … richtig krass geil war das.

Und da gab es eben eine Sendung die abmoderiert wurde mit dem Satz: „Der rote Faden, der heute ein schwarzer war.“ Denn es gab nur Musik von Leuten die eines nicht natürlichen Todes umgekommen sind. Horvath hat jetzt nicht komponiert, aber er wurde auch erwähnt, denn, als er endlich nach der Annektion Österreichs in Paris angekommen war, erschlug ihn am ersten Abend der Ast einer Kastanie auf der Champs-Élysées.

In Abwesenheit

In Abwesenheit wird man ja gerne mal (zum Tode) verurteilt oder als persona non grata erklärt.

Ich dagegen bin am Samstag in Abwesenheit – wie ich heute erfuhrt – in den Vorstand eines literarischen Vereins gewählt worden.

Man hatte mich vorher aber gefragt und wenn ich den Termin in meinen Kalender auch eingetragen hätte, hätte ich am Samstag …

Ganz anders

Danach reicht er mit ein Tuch mit der Aufforderung, die Glitsche vom Bauch zu wischen. Davor hat er eine Zeitlang an mir rumgemacht – aber die Sonographie hat nichts ergeben. Jetzt hat er einen Verdacht, der, wenn er sich bestätigt, mir so gar nicht gefallen wird. Blut ist abgenommen, Donnerstag weiß ich mehr.

Nach der Badewanne – ein Credo

U. hatte sich heute wegen ausgefallener Chats ‚beschwert‘ und man merkte der letzten Mail deutlich an, dass sie etwas sauer auf mich war, da ich auch heute Abend nicht zu ihren Zeit ‚on‘ war. Aber der Geburtstag meines Mannes geht da vor.

Zuerst habe ich nur kurz und knapp und rational geantwortet und alles vermieden, um es zu keiner Konfrontation kommen zu lassen. Aber in der Badewanne, genauer beim Abtrocknen, entstand im Kopf folgende Mail, die ich so auch abgeschickt habe. (Eine unerhebliche Streichung, mit (…) kenntlich gemacht, war vorzunehmen.)

Ich find’s schade, dass wir den Montag-Termin nicht mehr haben können, aber da haben sich die Leben eben verändert.
Ich kann aber – vielmehr: Ich will aber andererseits nicht jeden freien Abend am Rechner sitzen und warten, ob Du Zeit hast und derweil meine Lebenszeit damit zu vertun. Mir wird nämlich immer mehr bewußt, wie verdammt endlich das hier alles ist.
Ich hatte schon mal geschrieben, dass wir uns einfach besser verabreden müssen, wann jede/r Zeit und Raum hat.
Denn wenn ich bspw. kurz nach 20 Uhr von einem (…) komme, bin ich zwar da, gucke auch in meine Mails, auf meine Blogs, gucke bei flickr, fc und tubmlr vorbei, bin aber noch lange nicht genug ‚da‘, um zu reden / chatten. Und wenn da dann eine Anfrage von Dir ist, muss ich sie irgendwie ignorieren / ablehnen, denn ich bin einfach noch zu sehr in den anderen verhaftet.
Ich versuche zudem ganz bewusst viel weniger hinter diesem Rechner zu sitzen (wie du ggf. auf das Fernsehen verzichtest) – so dass ich viele Nachrichten erst Stunden später lese – um mich mehr dem zu widmen, was mir nicht die Zeit stiehlt (wie bspw. tumblr, nackte Männer gucken, langweilige Nachrichten lesen, langweilige Blogs verflogen, sinnlos Sinnlose suchen …) sondern wieder mehr zu lesen (und dazu Anmerkungen zu schreiben, zu reflektieren, meine privaten Buchkritiken ’sauber‘ zu verfassen), mehr Musik aufmerksam und konzentriert zu hören, mir Wissen aneignen, konkreten Fragen nachzugehen und auch die Scheu vor dem Telefon wieder zu verlieren.
Ich möchte insgesamt (mit allen) wieder zu mehr Verbindlichkeit kommen und nicht auf dieses „schauen wir mal“ zu vertrauen, was nach meiner Erfahrung nach immer mehr in allgemeine Beliebigkeit abdriftet.
Ich möchte einfach wieder mehr definierte Mitmensch-Zeiten und Ich-Zeiten haben, ich möchte einfach nicht mehr zu jeder Zeit alles machen / können / leisten / hören müssen.
Das hat was mit Achtung und Respekt vor den anderen und vor mir zu tun. Ich bin einfach nicht gut, wenn ich nur mit einem halben Ohr jemanden zu höre, nur mit einem halben Hirn argumentiere, nur mit einer halben Leidenschaft leidenschaftlich bin, nur mit einem halben Herz dabei bin, …
Das alles schließt Zufälle / Spontanität nicht aus – macht aber Zufälle und Spontanität nicht zum beherrschenden Prinzip.

 

Von der „unabänderlichen Zeitwand“

Mein Mann hat heute Geburtstag. Nachdem wir indisch essen waren, habe ich mich dann doch in die Badewanne verfrachtet, denn da irrlichtert irgendwie ein Hexenschuss in meinem Körper rum und morgen soll ich ne 4-stündige Schulung  (TYPO3) geben.

In der Badewanne mal nur mit mir und in den Händen den von mir hoch geschätzten Georges-Arthur Goldschmidt – für das absolut besondere Weihnachtsgeschenk empfehle ich von ihm „Die Absonderung“ – mit seiner zuletzt erschienen Erzählung „Der Ausweg“. Und darin auf Seite 34f

Er saß gerne neben der dicken und freundlichen Köchin, ihr Köper schützte ih, beruhigte ihn, sie roch nach französischer Frau, nach Schuhgeschäft und Schönheitscreme. Die Tochter hieß Lucienne, und wenn er sie so anschaute, fragte er sich jedesmal, was denn seine zukünftige Frau wohl gerade machte, wo sie war, sie war bestimmt schon geboren, da er selbst damals doch schon fünfzehn war, vielleicht war sie irgendwo ganz in seiner Nähe oder sehr weit weg, aber unweigerlich waren sie dabei, einander zu begegnen, Sekunde für Sekunde, ohne daß der eine auch nur das Geringste vom anderen wüßte, nur die unabänderliche Zeitwand trenne sie voneinander.

Outing

Heute 18:50 Uhr. Lindenstraße live. Und ich war dabei! Also vor dem Fernseher und dem Rechner. Wie (fast) immer seit ca. 20 Jahren.

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

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