Nach der Badewanne – ein Credo

von Bert

U. hatte sich heute wegen ausgefallener Chats ‚beschwert‘ und man merkte der letzten Mail deutlich an, dass sie etwas sauer auf mich war, da ich auch heute Abend nicht zu ihren Zeit ‚on‘ war. Aber der Geburtstag meines Mannes geht da vor.

Zuerst habe ich nur kurz und knapp und rational geantwortet und alles vermieden, um es zu keiner Konfrontation kommen zu lassen. Aber in der Badewanne, genauer beim Abtrocknen, entstand im Kopf folgende Mail, die ich so auch abgeschickt habe. (Eine unerhebliche Streichung, mit (…) kenntlich gemacht, war vorzunehmen.)

Ich find’s schade, dass wir den Montag-Termin nicht mehr haben können, aber da haben sich die Leben eben verändert.
Ich kann aber – vielmehr: Ich will aber andererseits nicht jeden freien Abend am Rechner sitzen und warten, ob Du Zeit hast und derweil meine Lebenszeit damit zu vertun. Mir wird nämlich immer mehr bewußt, wie verdammt endlich das hier alles ist.
Ich hatte schon mal geschrieben, dass wir uns einfach besser verabreden müssen, wann jede/r Zeit und Raum hat.
Denn wenn ich bspw. kurz nach 20 Uhr von einem (…) komme, bin ich zwar da, gucke auch in meine Mails, auf meine Blogs, gucke bei flickr, fc und tubmlr vorbei, bin aber noch lange nicht genug ‚da‘, um zu reden / chatten. Und wenn da dann eine Anfrage von Dir ist, muss ich sie irgendwie ignorieren / ablehnen, denn ich bin einfach noch zu sehr in den anderen verhaftet.
Ich versuche zudem ganz bewusst viel weniger hinter diesem Rechner zu sitzen (wie du ggf. auf das Fernsehen verzichtest) – so dass ich viele Nachrichten erst Stunden später lese – um mich mehr dem zu widmen, was mir nicht die Zeit stiehlt (wie bspw. tumblr, nackte Männer gucken, langweilige Nachrichten lesen, langweilige Blogs verflogen, sinnlos Sinnlose suchen …) sondern wieder mehr zu lesen (und dazu Anmerkungen zu schreiben, zu reflektieren, meine privaten Buchkritiken ’sauber‘ zu verfassen), mehr Musik aufmerksam und konzentriert zu hören, mir Wissen aneignen, konkreten Fragen nachzugehen und auch die Scheu vor dem Telefon wieder zu verlieren.
Ich möchte insgesamt (mit allen) wieder zu mehr Verbindlichkeit kommen und nicht auf dieses „schauen wir mal“ zu vertrauen, was nach meiner Erfahrung nach immer mehr in allgemeine Beliebigkeit abdriftet.
Ich möchte einfach wieder mehr definierte Mitmensch-Zeiten und Ich-Zeiten haben, ich möchte einfach nicht mehr zu jeder Zeit alles machen / können / leisten / hören müssen.
Das hat was mit Achtung und Respekt vor den anderen und vor mir zu tun. Ich bin einfach nicht gut, wenn ich nur mit einem halben Ohr jemanden zu höre, nur mit einem halben Hirn argumentiere, nur mit einer halben Leidenschaft leidenschaftlich bin, nur mit einem halben Herz dabei bin, …
Das alles schließt Zufälle / Spontanität nicht aus – macht aber Zufälle und Spontanität nicht zum beherrschenden Prinzip.