Von der „unabänderlichen Zeitwand“

von Bert

Mein Mann hat heute Geburtstag. Nachdem wir indisch essen waren, habe ich mich dann doch in die Badewanne verfrachtet, denn da irrlichtert irgendwie ein Hexenschuss in meinem Körper rum und morgen soll ich ne 4-stündige Schulung  (TYPO3) geben.

In der Badewanne mal nur mit mir und in den Händen den von mir hoch geschätzten Georges-Arthur Goldschmidt – für das absolut besondere Weihnachtsgeschenk empfehle ich von ihm „Die Absonderung“ – mit seiner zuletzt erschienen Erzählung „Der Ausweg“. Und darin auf Seite 34f

Er saß gerne neben der dicken und freundlichen Köchin, ihr Köper schützte ih, beruhigte ihn, sie roch nach französischer Frau, nach Schuhgeschäft und Schönheitscreme. Die Tochter hieß Lucienne, und wenn er sie so anschaute, fragte er sich jedesmal, was denn seine zukünftige Frau wohl gerade machte, wo sie war, sie war bestimmt schon geboren, da er selbst damals doch schon fünfzehn war, vielleicht war sie irgendwo ganz in seiner Nähe oder sehr weit weg, aber unweigerlich waren sie dabei, einander zu begegnen, Sekunde für Sekunde, ohne daß der eine auch nur das Geringste vom anderen wüßte, nur die unabänderliche Zeitwand trenne sie voneinander.