Reden hilft – den anderen

von Bert

Im Augenblick ist es irgendwie extrem.

Die Menschheit hat anscheinend einen Redebedarf, der den Zuhörbedarf bzw. die Zuhörbereitschaft bei weitem übersteigt. Und ich stelle gerade (mal wieder) fest, dass man sich dann gerne an mich wendet, denn anscheinend ist bekannt, dass ich zuhöre.

Heute Nachmittag rief meine beste Freundin an, der es nachvollziehbar nicht richtig gut geht. Wir hatten am Sonntag schon zwei Stunden telefoniert, d.h., ich habe eine Stunde und fünfzig Minuten zugehört. Heute waren es dann um die eineinhalb Stunden bei gleicher Verteilung. Aber sie ist wenigsten eine, die sich bedanken kann und mir heute eigentlich überwiegend nur „schnell“ erzählen wollte, was das „Gespräch“ am Sonntag bei ihr ausgelöst, was es „gebracht“ hat.

In der Badewanne am Abend habe ich meinen besten Freund angerufen, weil er sich schon seit vier Tagen nicht mehr gemeldet hat – was derzeit Anlass zu Bedenken gibt. Auch eineinhalb Stunden.

Irgendwie mache ich das schon gerne – aber irgendwie ärgert es mich auch, dass es so ausgenutzt wird und man selbst aktiv so tun muss, als hätte der / die am anderen Ende Leitung gefragt: „Und? Wie ist Dir so?“

Und das sagt einer, der von sich sagt, dass er „maulfaul“ ist und der von seinem Mann derzeit „Miso“ genannt wird, da angeblich „Misantrop“ (echt nicht! – ich red‘ halt nicht immer so viel!), da (zu gaaaaanz kleinen Teilen) wohl wirklich Misotrop … egal. Hab‘ derzeit eh nix groß zu erzählen.