Durch die Zeit

Monat: Oktober, 2016

Weg des Begehrens (1)

Intro

Im Gegensatz zu Emcke bin ich in einem sehr katholischen und damit auch sehr konservativen Elternhaus aufgewachsen. Dort war das Thema Sexualität, wen wundert’s, ein absolutes Tabu-Thema. Kam es dann doch, natürlich nur am Rande, zur Sprache, dann hatte Thema sofort einen negativen Beigeschmack, wurde flux quasi mit Scham übergossen. Keine Ahnung wie das genau funktionierte. Ich kann mich nur blass erinnern, dass meine Mutter, alles was auch nur andeutungsweise mit Sexualität zu tun hatte, negativ kommentierte. So gab es auch für verschiedenen Sendungen Fernsehverbot, denn dort gäbe es schamlose Inhalte. Und dieses schamlose Verhalten fing bei uns ja schon mit dem Küssen an von Leuten, die nicht verheiratet sind. Als Kind, auch als Jugendlicher (und eigentlich immer noch) wendete ich mich ab, egal ob real oder Fernsehen oder Kino, wenn sich zwei Menschen länger als drei Sekunden küssen. Nicht, weil ich meine, in ihre Intimität einzudringen, sondern weil es mir unangenehm ist, ich Scham verspüre. Das ist ein richtig langer Arm aus der Vergangenheit.

Und natürlich dann die gewissen bohrenden Nachfragen im Beichtspiegel (das ist eine Art Fragekatalog, den man vor der Beichte durcharbeiten soll, um auch bloß keine Sünden zu vergessen oder als zu gering zu erachten). Ab einem gewissen Alter wurde da gefragt, ob man „unkeusch“ gewesen sei „mit sich oder anderen“. Damit wurde ich konfrontiert, als ich noch gar nicht wusste, dass man mit dem Ding zwischen den Beinen außer pinkeln noch etwas anderes machen kann – aber es schwebte schon etwas über mir, was noch schlimmer sein musste, als lügen oder stehlen. Das Erschrecken war nicht gerade klein, als ich merkte, dass dieses Ding da unten seine Größe ändern konnte, ein unabhängiges Eigenleben führte. Mir war das für einige Zeit mehr als unangenehm, es war schlichtweg beängstigend, weil ich nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Ich war einem Teil meines Körpers willen- und hilflos ausgeliefert. Und dieses Nicht-Wissen, um was es sich da handelt war allemal schlimmer, als in den Jahren danach einen Ständer zu den unpassensten Situationen zu bekommen. Aber da ich schon damals mit der Mode ging und nur engste Hosen trug … . Und als man mir dann unfreiwillig beibrachte, was man mit diesem lebendigen Ding denn alles so anstellen kann, war jeder Orgasmus ebenso von Lust wie von Scham und Sünde belegt. Es hat Jahre gebraucht, dass ich mich nach einem Orgasmus eben nicht mehr schlecht fühlte. Dass es menschenfremd ist, die sexuelle Lust eines Pubertierenden durch Worte einschränken zu wollen kann nur von Verfassern stammen, die ihre eigene Sexualität (und ich spreche da bewusst jetzt mal nicht von Lust) verdrängt haben. By the way: Ich habe in der Beichte nie zu meinem ‚unkeuschen‘ Verhalten Stellung bezogen – und ich würde mich erinnern, wenn ich danach gefragt worden wäre.

Teil 2

Hat jemand Ahnung?

Ich bin am überlegen, vom kostenlosen Account auf ein Zahlaccount („Persönlich“) umzusteigen, um die Werbung los zu werden.

Weiß jemand, ob das Auswirkugen auf die LeserInnen hat (außer dass die Werbung fehlt)? Weil dann doch die Adresse geändert wird und ich befürchte, nicht mehr für die ‚alten‘ LeserInnen auffindbar zu sein.

Oder ist das alles problemlos?

 

Hauptsache kompliziert

U. mal wieder über Nacht da. Sie lebt ganz im Süden, macht aber eine Ausbildung ganz im Norden, da liegen wir in etwa auf der Hälfte, sie bekommt gekocht (und ißt sei mehren Monaten in rauhen Mengen, was sie sonst nie tat), ein Bett und etwas Unterhaltung.

Heute morgen hat sie sich angeboten Brötchen zu holen. Was wir denn wollen? Zwei Roggenbrötchen und ein normales Rundes. Sie brachte, klar, vier Roggen und drei Runde für uns, für sich zwei Runde und ein Croissant. Ob ich denn das Croissant wolle? Nein. Sie würde auch etwas anderes essen. Nein danke. Ob ich mir sicher sei? Das gleiche Spiel mit meinem Mann, leicht getoppt von: Ich esse dann was anderes, vielleicht habt ihr ja noch Brot übrig?

Dann macht sie sich etwas für die Fahrt. Ob sie das Messer benutzen dürfe? Ob sie sich etwas Butter nehmen könne? Ob sie etwas von dem Aufschnitt nehmen können? Ob sie etwas von der Salami nehmen könne? Sie würde aber auch von der Lyoner nehmen, wenn uns das lieber sei. Sie könne aber auch Käse nehmen. Aber es wäre ja noch Zeit genug, etwas Salami zu kaufen, wenn wir nicht wollten, das sie von der Salami nimmt, die da ist. Wenngleich ja auch noch Lyoner da ist, die sie nicht so gerne ißt, aber auch davon nehmen könne. Und so weiter und so weiter. Höhepunkt: Ob sie eine halbe (!) Essiggurke aus dem Glas nehmen könne? Nein! Die gibt es nur ganz oder gar nicht!

Und die Teesorten im Schrank werde ich umgehend auf zwei reduzieren – das spart sicherlich dann auch gute 10 Minuten!

Coming soon

Neun Seiten hat der Text nun und ich werde ihn in sechs Teile aufspalten. Einerseits, weil ich kaum Menschen kenne, die am Internet mal so schnell neun Seiten lesen, andererseits, weil ich nicht unbedingt will, dass man die neun Seiten überfliegt und sich nur die interessantesten Brocken rausliest (wenn es denn welche gibt).

Ich muss noch bei zwei, drei Sätzen überlegen, ob ich sie so veröffentlichen will. Aufmerksame LeserInnen könnten Fragen stellen – auf die ich dann aber defintiv keine Antwort geben werde und damit den halbaufmerksamen LeserInnen einen deutlichen Hinweis gebe, wo der Hund bei mir noch begraben liegt. Und natürlich deswegen, weil es ja ein paar Leute hier gibt, die mich real kennen, denen dann auszuweichen wäre noch schwieriger.

Da das WE mir jetzt wenig Zeit bieten wird, werde ich erst Anfang kommender Woche den ersten Teil hochladen und dann in Abstand von jweils drei, vier Tagen die restlichen Teile.

#340-343: Vor der Tür

Kleiner Gruß von Hypnos

Wie glücklich muss man eigentlich sein, wenn man  so richtig schlafen kann?

Heute Mittag hingelegt und seit Monaten das erste mal wieder für knapp drei Stunden wirklich tief und fest geschlafen. Kein Rumgeträume, kein Rumgerammele, keine Sachen ausziehen, kein Aufschrecken, kein … – nichts von alledem, nur geschlafen!

3:0

Fünf Stunden heute mit meinem Zimmerkollegen unterwegs. Der Chef hatte erlaubt, dass ich ihn auf zwei Außentermine mal begleite und ihm ein paar Tipps gebe, wie er bessere Fotos machen kann. Von den fünf Stunden saßen wir drei im Auto.

Jetzt weiß ich zwar nicht alles von ihm – aber er von mir genauso viel wie gestern.

Der Beginn meiner Sexualität (0)

Gerade von Carolin Emcke ihren eher autobiographischen Essay mit dem Titel „Wie wir begehren“ gelesen. Sie schildert darin ihren Weg in die Homosexualität  und versucht zu analysieren, was sie hinderte. Immer wieder wechselt sie den Blick und sinnt darüber nach, inwieweit sie im Ausland – wo sie ja als Journalistin immer mal tätig ist – mit ihrer Homosexualität umgehen darf und kann bzw. auch andersrum, ob sie Homosexuelle in diesen Ländern darauf ansprechen kann.

Insgesamt ist das ein recht lesenswerter Essay, gut, er hat so ein paar Längen und so ganz ohne Pathos kommt sie dann auch nicht aus, aber er ist echt lesenswert, vor allem für Heten. Mir als Schwuler gefielen ein paar prägnante Formulierungen, ein paar Zusammenfassungen von Ereignissen, die Kernaussagen jedoch, das habe ich selbst erlebt (sind Emcke und ich ja ähnlichen Alters). Was ihr wirklich gelingt ist aufzuweisen, wie scheißegal es ist, wer wen liebt und warum. Dass es nur ein Aspekt eines Menschen ist, denn ein Schwuler kann genauso ein Arschloch im Beruf sein wie eine Hete und eine Hete genauso einfühlsam sein kann wie eine Lesbe und ein Transgender kann genauso gut analysieren wie … So was scheint schwer in die Köpfe zu gehen, aber wie sie das macht, das ist wirklich beachtenswert.

Aber immerhin ist mir durch die Lektüre ein Licht aufgegangen. Es ist sicherlich nicht spektakulär, aber es befriedet so ein bisschen.

Es sind jetzt bisher sechs Seiten Text geworden, die in etwa aufzeigen, warum es bei mir solange gebraucht hat, dass ich sagte: Ich bin schwul. Die meisten Heten stellen sich die Frage, warum sie Heten geworden sind, ja dann doch nicht so.

Ich werde diese sechs Seiten nochmals in Ruhe durchgehen – und wenn es dazu keinen Aufschrei gibt, dann auch in zwei, drei Etappen hier hochladen. Vielleicht fühlt sich ja die ein oder der andere ‚berufen‘, Stellung zu nehmen.

Teil I

Sag mir, wo die Männer sind

Ich glaube, demnächst werde ich hier mal einen Aufruf starten von wegen: Männer, die ihr blogt, versteckt euch nicht, sondern gebt Bescheid, also mir.

Bloggen, so will mir scheinen, ist frauendominiert. Und nix gegen Frauen, aber ich hätte einfach Lust, auch noch bei ein paar anderen Männern mitzulesen. Ein paar wenige habe ich ja – aber das ist absolut die Minderheit. Wird vielleicht auch immer bleiben … aber ein paar mehr wären echt nicht schlecht.

Wenn aus ‚k‘ dann doch ein ’sch‘ wird

Irgendwie scheint es gerade so eine allgemeine Blog-Schreib-Müdigkeit zu geben. Mein Reader bleibt seit Tagen schon sehr, sehr leer und ich selber habe Mühe, mir etwas aus den Rippen zu leieren, was gerade noch so in das Blog passt.

Es gibt ein paar Themen die mich beschäftigen, aber mir ist das gerade echt zu anstrengend, die Gedanken so zu sortieren, dass ich sie hier aufschreiben könnte.

Ich lese gerade für V. ihre Master-Arbeit Korrektur (was ich ja sehr gerne mache). Als ich den Titel las, in dem das Wort „Charity“ vorkam, war ich erstmal so ein bisschen unsicher. Denn mir ist keine linguistische Theorie bekannt, die sich ‚Kariti‘ ausspricht – und Lust auf irgendeine neue aus dem west-amerikansichen Raum hatte ich echt nicht. Aber schon im Vorwort kam die Entwarung, weil es dann doch die ’schärity‘ heißt, im Zusammenhang mit Feminismus.

Mir fehlt es bei der Arbeit von V. bisher noch etwas an Theorie – ansonsten grundsolide, gut aufgebaut, nahezu gut begründet und argumentiert – aber wenn das so weiter geht, dann halt eher eine Fleißarbeit, als eine wissenschaftliche Arbeit.

(Unter uns: Das ist die Master-Arbeit von V.! Also Abschlussarbeit eines Universitätsstudiums! Hat keine 40 Seiten (mit allem). Zu meiner Zeit war das ein etwas zu groß geratenes Referat oder eine zu klein geratene Hausarbeit. Und ich war nicht auf einer elitären Universität, sondern auf einer der wenigen Gesamthochschulen – mein Glück (na ja, bis auf die Stadt). Meine Abschlussarbeit (Magister) gehörte mit an die 120 (Text-)Seiten zu den kleineren. Jetzt könnte man ja kommen mit ‚Klasse statt Masse‘ und so weiter – das stimmt mit Sicherheit für einfache Gedanken. Aber wenn man eine philosophische Strömung in den literarischen Arbeiten eines nicht ganz einfachen Autoren nachspürt, braucht es einfach etwas Platz. Nach wie vor halte ich die Bologna-Reform für das Schlimmste, was den deutschen Universitäten (und Gesamthochschulen! – denn meine nennt sich nun auch Universität) hat passieren können. Niveau ist keine Handcreme – aber das wissen immer wenigere.)

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