Überfluss

von Bert

Eine Freundin, die heute zum Essen da war, arbeitet bei der „Tafel“. So sehr ich mich auch für sie freue, dass sie da einen für sie adäquaten Job gefunden habe, finde ich die Tatsache, dass es in einem Erst-Welt-Land soetwas wie die „Tafel“ gibt, zutiefst beschämend.

Ich frage sie immer, was dort gerade Sache ist, wie sie bspw. mit den Flüchtlingen umgehen, was ja in anderen Städten zu enormen Problemen geführt hat.

Heute erzählte sie, dass sie derzeit Brot im kompletten Überfluss haben. Vorallem ein Discoaunter würde backen wie doof und täglich kistenweise Brot abholen lassen – und zwar soviel, dass die Tafel hier es gar nicht verteilen könnte. Bei der 14-tägige Zuteilung sei man eh schon extrem großzügig was Brot  und Gebäck anginge – aber es sei einfach zu viel. Man stellt schon Überlegungen an, täglich das Brot an die zu verteilen, die dann einfach kommen.

Was ist das für eine Wirtschaft, die sich einfach mal erlauben kann Brot weit über Bedarf zu produzieren? Was ist das für eine Wirtschaft, dass selbst Hilfsorganisationen dem Überfluss nicht mehr Herr werden? Was ist das für eine Wirtschaft, das die „Tafel“ hier glücklich ist, dass das überflüssige Brot wenigstens dann noch an Tiere verfüttert werden kann und nicht auf dem Abfall landet?

Und im Gespräch kam dann zudem noch heraus, dass der hier ansässige ultimative Öko-Gut-Mensch-Bäcker sein überflüssiges Brot ebenfalls der „Tafel“ zur Verfügung stellt. Ich war darob etwas verwundert, denn die Preise sind von denen extrem gesalzen (im Kopf habe ich nur das ’normale‘ Brötchen von denen für 55 Cent, das Rosinenbrötchen liegt dann aber schon über einem Euro und für 500 gr. Brot braucht man Minimum ein 5-Euro-Schein).

Ich muss der Freundin einfach ab jetzt nur noch Bescheid geben, ob ich ein Biot-Gut-Mensch-Brot haben will – das dunkle aber nur – und ich bekomme eins, wenn was übrig ist. Als ich dann fragend schaute, kam von ihr: „Es ist immer davon etwas übrig!“

Und in diesem Fall denke ich: Da geht Mensch vor Tier.