Der Beginn meiner Sexualität (0)

von Bert

Gerade von Carolin Emcke ihren eher autobiographischen Essay mit dem Titel „Wie wir begehren“ gelesen. Sie schildert darin ihren Weg in die Homosexualität  und versucht zu analysieren, was sie hinderte. Immer wieder wechselt sie den Blick und sinnt darüber nach, inwieweit sie im Ausland – wo sie ja als Journalistin immer mal tätig ist – mit ihrer Homosexualität umgehen darf und kann bzw. auch andersrum, ob sie Homosexuelle in diesen Ländern darauf ansprechen kann.

Insgesamt ist das ein recht lesenswerter Essay, gut, er hat so ein paar Längen und so ganz ohne Pathos kommt sie dann auch nicht aus, aber er ist echt lesenswert, vor allem für Heten. Mir als Schwuler gefielen ein paar prägnante Formulierungen, ein paar Zusammenfassungen von Ereignissen, die Kernaussagen jedoch, das habe ich selbst erlebt (sind Emcke und ich ja ähnlichen Alters). Was ihr wirklich gelingt ist aufzuweisen, wie scheißegal es ist, wer wen liebt und warum. Dass es nur ein Aspekt eines Menschen ist, denn ein Schwuler kann genauso ein Arschloch im Beruf sein wie eine Hete und eine Hete genauso einfühlsam sein kann wie eine Lesbe und ein Transgender kann genauso gut analysieren wie … So was scheint schwer in die Köpfe zu gehen, aber wie sie das macht, das ist wirklich beachtenswert.

Aber immerhin ist mir durch die Lektüre ein Licht aufgegangen. Es ist sicherlich nicht spektakulär, aber es befriedet so ein bisschen.

Es sind jetzt bisher sechs Seiten Text geworden, die in etwa aufzeigen, warum es bei mir solange gebraucht hat, dass ich sagte: Ich bin schwul. Die meisten Heten stellen sich die Frage, warum sie Heten geworden sind, ja dann doch nicht so.

Ich werde diese sechs Seiten nochmals in Ruhe durchgehen – und wenn es dazu keinen Aufschrei gibt, dann auch in zwei, drei Etappen hier hochladen. Vielleicht fühlt sich ja die ein oder der andere ‚berufen‘, Stellung zu nehmen.

Teil I