Durch die Zeit

Monat: November, 2016

Hard work

Fünf Stunde später bin ich gerade elf Einträge weiter. Weiß auch nicht, was los ist, aber mir will für den Adventskalender kaum was einfallen. Mit kaum einen Foto bin ich auch nur annähernd zufrieden, kein Text will mir aus der Feder (sprich: aus den Fingern) springen und jetzt nur auf youtube verlinken ist auch arg mäßig.

Aber die erste Woche ist gesichert, morgen habe ich auch nochmals Zeit … der Rest wird sich schon noch finden.

Dazwischen coache ich ja noch P., der für seine Tochter auch so einen Blog-Adventskalender machen will – aber noch nie in seinem Leben sich auch nur für fünf Minuten mit Blog an sich und WordPress im Besonderen beschäftigt hat. Und da er in diesen Dingen echt wenig Nerven hat, kostet es mich Nerven ihn per Telefon zu coachen und zu erklären, wo er jetzt zu klicken hat, wenn er ein Bild …

 

At home

Komisch, da kommt man nach vier Tagen nach Hause und … eine gute Stunde später ist schon wieder irgendwie Alltag. Und wenn ich daran denke, dass ich morgen … aber ich denke nicht daran. Morgen dann. Ist früh genug.

Immerhin ist das Theme für den Adventskalender schon ausgesucht (immer die schlimmste Nervaufgabe) und die wichtigsten Parameter gerichtet. Das ersprart mir morgen dann einige Nerven, wenn ich mich hinsetze und beginne ihn zu füllen. Ideen habe ich gerade genau eine, ein zweite scheint sich im Hinterkopf zu verstecken … nun ja, selbst gewählte Elend, keine/r zwingt mich das zu machen (auch wenn zumindest zwei darauf warten).

 

# 367 – Irgendwie schief

Durch die Blasen gestern habe ich beim Gehen eine Schonhaltung eingenommen, die heute dazu geführt hat, dass ich überall Schmerzen hatte und irgendwie komplett ’schief‘ war.

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Daher bin ich nur 10 Kilometer ganz langsam durch die Sonne geschlurft und zum ersten Mal ‚Flut‘ erlebt. War komplett fasziniert, wie kleine Wellen immer mehr Besitz vom ‚Strand‘ nehmen. Und da das noch niemand gesehen hat, musste ich das natürlich ausführlich fotografisch dokumentieren – dauerte also, bis ich die Kilometer hinter mir hatte, da ich zwischen drin noch einen Tee kippte.

HP

Aus einer wie auch immer gearteten Eingebung habe ich, als ich das Hotel buchte, gleich die Halbpension dazu genommen. Gute Entscheidung, denn hier ist restaurantmäßig abends komplett tote Hose. Im Sommer tobt hier der Bär und um Weihnachten wohl auch wieder, aber derzeit …

Heute wählte ich zum Abendessen den Burger des Hauses.

Es war der erste, der mit unter einer Glosche serviert wurde.

Aus der Lobby

Ich glaub, ich könnte mich daran gewöhnen durch die Welt zu reisen, in Hotellobbys abzuhängen um, wie jetzt, Tee zu trinken, vorher Sauna, nachher Abendessen, dazwischen  ein Nickerchen. Sicherlich nicht auf richtig lange Zeit, denn irgendwann wird selbst Luxus öde.

Was natürlich an so einer Lobby etwas hinderlich ist, dass man nicht alleine ist und daher nicht jede Internetseite aufschlagen will. So müssen meine nackte Jungs auf Tumblr heute noch etwas warten und auch flickr schaue ich lieber auch ohne andere ungebetene Zuschauer. Ich will ja auch nicht, dass man mir Nacktes aufdrängt, was ich nicht unbedingt sehen will (ich war ja schon in der Sauna und hatte genug davon – einschließlich mich selber. Echt, bin ich häßlich geworden!)

Immerhin heute weniger Nebel, aber schönes Wetter ist was anderes. Egal, trotzdem wieder los, aber nach 7 oder 8 Kilometer war klar, dass ich den Bus zurücknehmen werde, denn ich habe mir doch tatsächlich zwei Blasen gelaufen, und zwar schmerzhafte. Jetzt fünf Euro in Blasenpflaster investiert. Bin gespannt, wie es morgen wird, denn da wollte ich so ne richtig große Runde gehen. Über Alternativen mache ich mir aber erst morgen Gedanken.

#366 – wie man sieht …

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… sieht man nicht viel. Nebel, dichter. Keine 100 Meter Sichtweite. Dennoch war ich gut und gern 12 Kilometer unterwegs, habe das Meer mehr erahnt, errochen und gehört, als dass ich es gesehen habe.

Und trotz des dichten Nebels bin ich mir nun fast sicher, dass ich schon mal hier war. Als vor Jahren meine BahnCard 100 First ablief, bin ich für zwei oder drei Stunden hier hoch gefahren, um das Meer zu gucken. Auf der Rückfahrt habe ich dann alle restlichen Genussgutscheine im Speisewagen verprasst und bin ganz schön angeschickert aus dem Zug.

# 363-365 – Endlich am Meer

Jetzt gibt es gleich ein ‚Feierabend’bier, am Meer war ich auch schon, Bibel ist gelesen, … es lässt sich jedenfalls gut an, auch wenn es ab morgen etwas kälter und nicht so sonnig werden soll wie heute. Was’s soll’s, ich habe warme Sachen dabei, hier gibt es ne Sauna …

Schnaps ist angesagt, > 1!

Meine Nerven liegen gerade komplett blank!

Denn heute die zweimonatliche Gremiensitzung in der großen Besetzung (max. 16 Menschen). Wie immer wird zuerst – komplett unnötig, aber die Tradition verlangt es – das Protokoll verlesen. (Und seit die neue Sekretärin sich etwas bremst, sind es auch keine fünf Seiten mehr.) Danach – man ist ja ein deutscher Verein – die Frage nach Änderungen bzw. die Frage nach Genehmigung. Und genau da hat es begonnen!

T. meldet sich und nimmt Bezug auf einen Brief unseres Fördervereins an dessen Spender und hätte gerne ein paar inhaltliche Änderungen und vor allem den Bezug auf die politische Forderung, dass Einsamkeit auch mit Armut einhergehen kann, aber nicht muss, wenn auch … . Didaktisch aufbereitet, immerhin ist T. aktiver Lehrer, dauert diese Einwendunge mehrere Minuten. Und ich frage mich: Wir sind beim Thema ‚Genehmigung Protokoll‘, was soll das mit dem Brief des Fördervereins der zudem seit gut zwei Wochen schon versandt ist?

U. möchte auf die Einlassung von T. sofort reagieren, man gibt ihr das Wort. Ich mag U., aber nicht immer. Zum Hintergrund: Der Verein ist, wie eigentlich alle Vereine, wenn es nicht gerade der ADAC ist, auf Ehrenamtliche angewiesen. Daher nun U. zu T. hinsichtlich Genehmigung Protokoll (die drei Pünktchen geben die Pausen an): „Ich habe mich gestern eingelesen … und mir dann notiert … also dass der Mensch … der Mensch an sich … also der reine Mensch … dass … das wurde  mir so richtig klar gestern … dass … wenn man bedenkt … dann muss man doch sehen, dass eine Würdigung … und ich meine jetzt beim echten Menschen … also das eine Würdigung … vor allem … also vor allem wenn man jetzt auch an das Ehrenamt denkt … also dass man würdig auch würdigen muss … auch das Ehrenamt … und dass habe ich mir gestern … aufgeschrieben … genau!“

Der Vorsitzende verzichtet dann auf jegliche Form einer Abstimmung und gibt der Geschäftsführung das Wort. Die beginnt mit einer bundesweit vorgegebenen technischen Sache (die ich nicht ausführen kann und will) worauf natürlich C. erstmal in die Bresche springen muss und, übertragen ausgedrückt, ausschweifend erklärt, dass die deutschen Wähler an der Wahl von Trump nicht beteiligt worden sind, was aber letztendlich zu hinterfragen wäre, da ja viele Deutsche nach Amerika ausgewandert sind, so dass die Wahl von Trump daher als ungültig zu erklären ist.

Nun reagiert auch K. darauf – hatte mich schon gewundert. Er möchte, mit Bezug auf seinen Vorredner, wissen, welcher Dienstplan nun maßgeblich gilt: der eingeführte elektronische oder der abgeschaffene papiernerne. Und, bitte, glaubt es mir, ich übertreibe nicht! Das war so. Denn aus Übersichtsgründen wird jede Woche der elektronische Dienstplan ausgedruckt, dass man nicht erst im Computer ihn suchen muss – und das schon seit bald einem Jahr!

Und so geht es einfach nur weiter. Die Geschäftsführung sagt etwas zu den Fortbildungsmaßnahmen, darauf hin fordert mein ‚geliebeter‘ H., dass man aus den Ehrenamtlichen doch ein Parlament formen sollte, die dann zu solchen Fragen demokratisch Stellung nehmen kann.

Ich mach‘ das echt seit fünf Jahren mit – heute habe ich zum ersten Mal die Veranstaltung früher verlassen. Ich müsse pünkltich gehe, aber der Sekretärin raunte ich noch vorher zu, dass ich es nicht aushalten würde.

Bin ich denn so übermerksch, dass nur ich kapiere, dass auf die Frage nach Genehmigung des Protokolls der Brief des Fördervereins nicht passend ist? Habe ich nicht die Nerven wie der Vorsitzende, der die Sache leitet? Oder hört der einfach gar nicht mehr zu? Und was denken eigentlich die anderen? Oder bin ich – als Sohn eines Beamtens – überkorrekt? Was fehlt mir, was die andren haben? Was fehlt den anderen, was ich habe? Was habe ich nicht, was die anderen haben? Mensch, das ist doch alles Lebenszeit und gerade in der Runde haben wir echt ganz andere Themen. Ist das Scheu? Oder sind die alle schon so vereinsamt, dass sie einfach reden müssen, weil sie sonst keine Gelegenheit haben? Werde ich auch so werden, wenn ich dann mal alt und einsam bin? Und warum waren meine Nerven heute so dünn, schließlich mache ich das ja seit fünf Jahren sechs mal im Jahr mit?

Morgen bin ich an der Nordsee!

Es ist mal wieder soweit

Dieses Jahr war es Lila, die mich indirekt, aber um so deutlicher, darauf hinwies, dass, wenn man einen Adventskalender machen will, so richtig viel Zeit man nicht mehr habe, vorallem dann, wenn man noch fünf Tage weg ist.

Also habe ich mir den nächsten Dienstag gebloggt, um dann meinen Blog-Adventskalender zusammen zu bauen, was immer echt ein Stück Arbeit ist, aber in den letzten Jahren auch gut angekommen ist.

Was an Inhalten reinkommt, kann ich mir ja ab jetzt schon mal überlegen und Fotos werden sich auch noch finden.

Immer diese Panik

Jetzt fahre ich vier Tage an die Nordsee, an einen von Menschen belebten Ort mit Geschäften, darunter sicher auch einer Buchhandlung, nehme meinen Laptop und meinen E-Reader mit, werde dort Internet haben und auch eine Kreditkarte dabei, habe mir gestern fünf (!) Bücher runtergeladen (kostenfrei), eins kann ich morgen im Buchladen nebenan abholen, zwei ungelesene liegen noch neben mir – und ich mache mir ernsthaft Gedanken, ob das reicht!

Wäre da mal nicht einfach mehr Coolness angesagt?

Von der Leichtigkeit des gemeisamen Seins

Das Schöne an / mit A. ist eine Form der Leichtigkeit. Er sichert seine gesamten (!) Daten auf meinen Labtop und weiß, dass ich nicht gucken werde. Ich gebe ihm, kurze Zeit später, den Labtop füßr ein paar Wochen mit, worauf sich natürlich auch Daten von mir befinden, vorwiegend Fotos. Und die Leichtigkeit besteht schon einmal darin: Wenn er sie guckt, soll er sie gucken, wenn er sie nicht guckt, guckt er sie eben nicht, es spielt einfach keine Rolle.

Und als er mich fragte, ob ich noch die eine Pornoseite (hetero!) hätte und ich verneinte und klar machte, dass ich sie wieder gerne hätte … dann grinst man vielleicht noch und er tut, was zu tun ist. Jetzt bin ich jedenfalls wieder mal ausreichend versorgt (und ich weiß mal wieder, warum ich diigo zwar benutze, nur nicht ausreichend genug).

Und da passt es insgesamt auch, dass ich in dieser vergangenen Scheiß-Nacht immerhin mal für ein, maximal zwei Minuten von ihm ‚träumte‘ – ich denk‘ ja manchmal, dass es mir träumt – und er mir in diesem Traum einfach nen Kuß gab.

Heute war er mal wieder da, schön war das, auch wenn es zu dritt eine andere Qualität hat.

#362 – Lust

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Eine Lüge ist eine Lüge ist eine Lüge

Das Schlimme an der Wahl von Trump ist nicht, dass es Trump geworden ist, sondern das es jemand geworden ist, der im Wahlkampf (und danach) ungestraft weitere Lügen verbreiten kann. Das Gefährliche ist, dass nicht mehr Argumente und Fakten zählen, sondern Meinungen und Stimmungen. Mir könnte das ja eigentlich egal sein, Amerika ist weit weg (und soll es auch bleiben), aber das gleiche Muster findet sich auch in Deutschland (siehe AfD), in Ungarn, in Österreich, in den Niederlanden, in Frankreich, in … es ist scheinbar ein ‚demokratisches Phänomen‘.

In der SZ stand in der Samstag-Ausgabe ein wirklich guter Artikel von Evelyn Roll dazu (hier kostenpflichtig zu lesen), dessen einfache Zusammenfassung sich dann so liest:

Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten. Es wird überlebenswichtig sein für die Demokratie, eine Lüge wieder eine Lüge zu nennen. Wenn jemand behauptet, die Erde ist eine Scheibe, darf die Schlagzeile eben nicht sein: „Streit über die Form der Erde“.

SZ, Nr. 268, 19./20 November 2016, S. 49

Scheiß drauf!

Ab Donnerstag feiere ich bis Montag Überstunden ab.

Und zwar an der Nordsee!

Kostet mich zwar was, aber scheiß drauf!

Doofes poofen

Während ich nachts ja eher schlecht schlafe und durchaus Stunde für Stunde mit der Matratze kämpfe, mich ausziehe, über die Matratze robbe und auch schon mal begonnen habe, die Bettwäsche abzuziehen – kurz, während ich nachts oft enorm unruhig schlafe, um es  mal nett auszudrücken, schlafe ich Nachmittags wie ein Stein. Wenn ich wegknacke, dann aber anscheinend gleich so, dass außer Atmung nix mehr groß funktioniert.

Warum wenigstens nicht zur Hälfte mal andersrum? Dann würde ich es auch mal wieder erleben, morgens ausgeschlafen aufzustehen.

Keine 10 %

Der Mensch spricht, so war erst letztens in der Süddeutschen zu lesen etwas mehr als 16.000 Wörter pro Tag. Frauen nur unbedeutend mehr als Männer.

Aber an Tagen wie heute, komme ich – mal wieder – nicht einmal auf zehn Prozent. Etwa 20 Sätze bei der Arbeit, 1 Satz beim Bäcker, 2 Sätze in der Bibliothek – der Rest des Tages wird Schweigen sein, denn der Mann kommt wohl erst spät abends zurück und wird, alkoholseelig, realtiv schnell das Bett aufsuchen.

Wenigstens mal etwas sinnvoll

Langer Urlaubstag gewesen. Haushaltsplanung 2017 für den Verein am Vormittag ausbaldowert, also erster Entwurf. Knapp 180.000 Euro groß – da frag‘ ich mich als Schatzmeister dann schon mal für ne halbe Minute, welches Eigenrisiko ich da eigentlich eingehe.

Dann Mittagessen. Ich brauch echt auch eine Soz.Päd.-Ausbildung, um bei dem angeblich vorgeseztem Essbaren noch etwas Positives zu finden – den anderen gelang es jedenfalls mühelos, ich dagegen war einfach nur noch sprachlos und kaute mutig weiter.

Dann mir mal wieder das Ohr abkauen lassen, spät heimgekommen.

Jetzt noch ein paar Mails – und dann der Krimi!

Dinge gibt’s, …

… von denen ich schon gar nicht mehr wusste, dass es sie gibt. Weihnachtsgeld zum Beispiel. Wunderte mich gerade sehr, warum das Konto so übermäßig gefüllt ist, wie es gar nicht gefüllt sein könnte. Aber der Stand stimmt.

Es ist zwar nur ein Bruchteil dessen, was ich früher mal als „Gratifikation“ bekommen habe – aber man wird ja mit der Zeit dann doch bescheiden.

Und ich geb‘ zu, ich glaub, ein bisschen werd‘ ich abzwacken. Bräuchte ein paar Handschuhe und – Luxus, Luxus! – zwei, drei Bücher.

Weg des Begehrens (6)

Teil V

Der Weg in’s Bewusstsein, dass es so etwas wie Homosexualität einfach nur gibt – abgesehen von jeglicher gesellschaftlicher oder moralischer Bewertung – dauerte nach Erwachen der Sexualität über ein Jahrzehnt. Und erst dann konnte ich beginne mich damit auseinanderzusetzen, wo ich – sexuell gesehen – eigentlich hingehöre. Für zwei, drei Jahre begann eine nahezu asexuelle Zeit. Die Treffen und Nächte mit M. – die räumliche Entfernung war durch meinen Studienort noch weiter gewachsen – wurden seltener, es gab zudem mal die ein oder andere von einer Frau ausgehenden Vereinigung. Ansonsten war Onanie angesagt – und mir reichte das, denn: Es war vielleicht so etwas wie ein Brütezeit. Ich musste mich nicht für ein Geschlecht entscheiden, ich konnte mir Zeit lassen bzw. nahm sie. Das war bewusst so nicht gedacht und geplant gewesen und bewusst damals auch so nicht erkannt, denn ich sehnte mich, wie die anderen auch, nach Nähe, nach Wärme, nach Sex – aber irgendwo im Inneren war etwas, was mich warnte, mich auf irgendetwas einzulassen – es wäre eh eine Katastrophe geworden.

Die Uni-Mensa zeigte mir dann erneut, dass es auch hier Schwule gab, dooferweise war der schwule Mensatisch hauptsächlich von kreischenden und zu allem Überfluss noch übergewichtigen Tunten besetzt – und zu denen wollte ich nun wirklich nicht gehören. Aber die Augen, die Sinne und vor allem der angeblich ‚schwule Sinn’ waren geschärft. Eines abends beim wichsen stellte ich fest, dass ich am besten komme, am weitesten spritze, am lautesten stöhtne, es die größte Lust mir bereitete, wenn ich mir in der Wichsphantasie eben keine Frau mit einem Mann und mir als Dreier – eine alleinige Frau war schon länger von einem Paar abgeschafft worden – vorstelle, sondern die Frau schon aus dem Bett geschubst hatte und es allein mit dem Mann trieb … Das war der Moment, an dem sich eine Menge Puzzleteile wie von selbst sortierten, viele Dinge plötzlich einen Sinn gaben, offene Fragen sich in Antworten verwandelten. Von da ab bis zum meinem ersten ‚echten‘ Freund und kurz danach zu meinen Coming-Out waren es dann nur noch wenige Wochen.

Ich bin mir sicher, wäre ich in einer freieren Familie, in einer freieren d.h. aufgeklärteren Gesellschaft, in einem nicht so verkrampften CDU bestimmten Schulsystem aufgewachsen, vor allem ohne jene unverschämten und manipulierenden Fragen des Beichtspiegels, hätte es in meinem Umfeld auch nur einen Menschen gegeben, der erzählt hätte, dass es nicht nur Heten auf der Welt gibt … der Weg wäre nicht unbedingt einfacher gewesen, aber ein paar Jahre hätte ich schon sparen können.

Und auch wenn es ein bisschen pathetisch klingen mag: Bevor ich aber anfange mich aufzuregen, mich zu bemitleiden, denke ich an die schwulen Männer und Frauen vor mir, die noch weniger Hilfestellungen als ich hatten. Die für ihre Liebe bestraft wurden, in KZ’s kamen und ermordet wurden. Und ich denke an die Menschen, die nicht nach der ‚gesellschaftlichen Norm‘ lieben, die heute nach wie vor in bestimmten Ländern verfolgt, bestraft und getötet werden.

Aufklärung tut nach wie vor Not, nicht nur die sexuelle.

Wir brauchen Themen!

Wer eine Idee zu einem Thema hat, gerne abstrakt, der kann ja über den vierten Reiter ne Mail schicken – oder einfach hier posten. Einfach HIER KLICKEN.

# 361 – Fliegende Bäume

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Weg des Begehrens (5)

Teil IV

Was danach folgte, ist dann wirklich kaum meiner Umgebung, meiner Familie, meinen Freunden, meiner Schule, ‚meinem’ Bundesland bzw. der Gesellschaft anzulasten – denn als ich nach dem Abitur für den Zivildienst in eine andere Stadt zog, eröffneten sich neue, andere Horizonte. Und das Licht der Erkenntnis schimmerte durch die ein oder andere Gehirnwindung bzw. traf die Seele, erreichte die Gemütserfahrung und die Gefühlswelt – wenn auch chaotisch.

P. lernte ich Ende 1985 kennen, M. zwei drei Monate später im Januar 1986. Zu beiden fühlte ich mich in einer überwältigenden Art hingezogen, wie es mir noch nie zuvor geschehen war. Bei beiden gab es im Laufe von 1986 ausreichend Situationen, bei denen ich nur hoffte – mir aber nicht mehr dabei dachte – dass sie mir nun endlich an den Schwanz gehen sollten. Taten sie aber nicht – es tat nur einer. Aus unterschiedlichen Gründen. P. ist heterosexuell und hatte von sich auch überhaupt kein Verlangen mir an den Schwanz zu gehen. Und M. traute sich lange nicht, mir zu gestehen, dass er schwul sei und dann doch gerne mal bei mir … . Als es ‚raus‘ war, stand ich auf, ging zur Toilette, pisste und hoffte, dass, wenn ich zurück käme, er nackt auf dem Bett läge. Was er dann aller Hoffnungen zum Trotz nicht tat. Dennoch: Die Folge war, dass es mit M. zu einer mehr als nur sexuellen Affäre kam. Er brachte mich u.a. dazu, dass ich mit ihm in Tübingen auf meinem ersten CSD ging, wenn auch total verschämt. Dafür lernte ich in seiner Schwulen-WG, dass es auch irgendwie ganz ’normale‘ Männer gibt, die schwul sind. Dass man weder im Fummel noch im Leder auftreten muss, dass enge Jeans auch OK sind. Das man einfach mit anderen Schwulen Spaß haben kann, gute Gespräche möglich sind, dass … ja dass es Menschen sind wie die anderen eben auch. Das Besondere war nur, das der Sex mit einem ‚Gleichgesinnten‘ viel mehr Spaß machte, als einfach gemeinsam zu wichsen. Sex war plötzlich auch ein Beziehungselement. Und diese Art von Sex war etwas, was man nicht nur praktizierte, sondern ausführlich zelebrierte und erlebte, nicht unter der Decke, sondern bei Licht und mit allen Sinnen. Wenn man im anderen Zimmer etwas hörte, dann hörte man halt etwas. Man musste nicht so tun, als hätte man nichts getan, sondern ggf. wurde das auch kommentiert – und ich grinste ohne Ende mit vermeintlichem hochrotem Kopf, wenn die Kommentare nicht spitz ausfielen. Was habe ich mich mit M. in Tübingen und in der WG wohlgefühlt.

Blöderweise lebten wir ca. 150 Kilometer voneinander getrennt, Treffen fanden daher äußerst selten statt, denn als Zivildienstleistender hatten wir nicht gerade ausreichend Geld, um jedes Wochenende sich mit dem Zug befahren zu können, mal abgesehen von den unterschiedlichen Dienstplänen, familiären und sonstigen Verpflichtungen. Aber mir was das ja auch irgendwie recht, denn: Ich war ja nicht schwul! Das betonte ich in jedem Gespräch, in jedem Brief, in jedem Telefonat. Betonte, das das, was da passiert wäre, eben ein Ausrutscher gewesen sei, eine Ausnahme, eine Art Zufall. Betonte es über den Zivildienst hinaus bis zu Beginn meines Studiums. Ich versäumte aber nie hinzuzufügen, dass ich mich auf den nächsten Besuch freue, vor allem auf die Nacht … .

Teil VI

Das ist doch mal was

Um dem (Spieß)Bürgertum in mir Raum zu geben, spielen mein Mann und ich jeden Abend beim Quizduell mit. Wirklich! Und weil ich die Zugangsdaten vom letzten Jahr verschlampt hatte, musste ich mich wieder neu anmelden. Und daher hat es gedauert bis wir unter die einhundertausend Marke kamen. Mit gestern sind wir nun auf Platz fünfundneuzigtausendundvierhundertachtundsiebzig bei einem Punktestand von fünfmillionensiebenhundertneunzehntausendundachtundneunzig. Das bedeutet, wir haben einemillionenachthundertfünfundsechigtausendundzweihundertneunundneunzig Plätze gut gemacht und erraten durchschnittlich zweihundertvierundachtzigtausendneunhundertfünfundzwanzig Punkte.

Versprechen, amerikanischer Art

Jetzt bin ich heißer, ähh: heiser, hab‘ einen dicken Kopf und werde nie wieder Alkohol trinken!

Kommunikation plus

Gerade mit meinem Mann fast drei Stunden bei Frau B. zum Tee gewesen.

In gut einer Stunde zu S. auf einen Kneipenabend.

Wenn ich zurückkomme, werde ich mit Sicherheit mehr gesprochen haben als in den letzten beiden Wochen zusammengenommen. Es kratzt jetzt schon im Hals.

RIP – Leonard Cohen

Der war mir schon immer wichtiger als der jetzige ‚Literatur’nobelpreisträger.

Heut mal so

Die Termine liegen blöd, mein Mann ist auch unterwegs, Lust ist auch keine da. Also gab es neben den 1,5 belegten Broten von heute morgen zum Frühstück einen Chees-Burger zum Mittagessen, und das Abendessen wird dann gegen halb neun, wenn ich zu Hause sein werde, aus einem Döner bestehen (mit ohne Tomate und nur wenig Tzatziki).

Weg des Begehrens (4)

Teil III

Meine Patentante, Tante G., lebt seit wohl bald 60 Jahren mit meiner Nenn-Tante A. zusammen. Weder Tante G. noch Tante A. sind mit mir verwandt, es sind „Gruppenkinder“ meiner Mutter aus Vorkriegszeit. G. und A. sind ausdrücklich ‚Tanten‘. Es sind definitiv keine Freundinnen im familiären Sprachgebrauch. Und meine Mutter betont immer und immer wieder, dass die Tanten nicht alles gemeinsam unternähmen, um damit aufzuzeigen, dass es zwei Einzelpersonen sind und kein Paar. Mir geht es im Grunde am Arsch vorbei, ob sie nun nur Tanten sind oder ein lesbisches Paar oder eben beides – aber aufgefallen ist es mir dann doch (und wenn es so wäre, ich wäre echt stolz auf die beiden). Jetzt verstärkt durch die Emcke-Lektüre erkenne ich, wie durch den Sprachgebrauch ein möglicher Fakt so umgedeutet bzw. ‚umgesprochen‘ werden kann, dass alles ‚gut‘ ist und man moralisch sauber bleiben kann. Der dazugehörige Gedankengang geht dann eben so: „Da sie nicht alles zusammen machen, können sie nicht lesbisch sein, und daher kann ich mit ihnen ohne moralische Bedenken verkehren“. Selbstbetrug hat eh die größte Chancen. Anmerkung: Beide kommen aus dem pädagogischen Bereich. Als ich mein Coming-Out mit Mitte zwanzig hatte war es Tante G., die von allen am coolsten reagierte, als sie sinngemäß schrieb, schwul-sein wäre schon was anderes als hetero-zu-sein, aber das sei halt auch nur so ein Aspekt des Lebens und für sie würde sich nichts ändern …

Ich schätze, dass ich mit 13 meinen ersten Orgasmus hatte. Bis zu meinem 21. Lebensjahr hatte ich nur mit einem Mädchen / einer Frau ‚Sex‘ gehabt. Gegenseitige Befriedigung mit Jungs dagegen kommen ausgeprägter daher. Denn mit drei Jungs hatte ich mehr oder weniger ausgeprägte sexuelle Beziehungen. Die meisten Orgasmen in der Anwesenheit mit anderen hatte ich mit Jungs – aber auf die Idee, dass ich anders-sein sein könnte … Fehlanzeige, woher denn auch?.

1983 / 84 kam der Begriff Homosexualität zum ersten Mal für mich konkret vor. Und zwar in den Nachrichten. Da ging es einerseits um General Kiesling, der aus der Truppe entfernt werden sollte, weil er in Schwulenlokalen verkehrt haben sollte und damit ein Sicherheitsrisiko darstellte. Es stellte sich als falsch heraus, aber zeigt, dass der Verdacht, homosexuell zu sein, damals vollkommen ausreichte, um komplett diskreditiert zu werden. Es wundert mich nach wie vor, dass es der damalige Bundeskanzler Kohl war, der einen positiven Schlussstrich zog, indem er Kiesling komplett rehabilitierte. Und dann gab es aber vor allem noch die vier großen Buchstaben: AIDS. Die Schwulenseuche! Die trifft die, die einfach Sex haben, einfach so und das noch mit verschiedenen Typen außerhalb von Beziehungen, einfach mal so, dann mal hier, dann mal mit dem. Die einfach Lust mit ihren Schwänzen hatten und auch mit denen Dinge taten, die … unaussprechlich waren… anfänglich. Schwulsein, so prägte es sich damals durch die Bilder für mich ein, war schrill, bunt, laut – man zog im Fummel durch die Welt, kreischte und nannte alles, was einen Schwanz hat „Schwester“. Schwulsein war voller bärtigen Muskeltypen, die in Lederklamotten rum liefen und einen auf dicken Max machten, die Bierdose in der Hand zerdrückten während sie herzhaft rülpsten. Schwulsein bestand auch aus dandyhafte Typen, die nur Mode im Kopf hatten, nach Parfüm stanken, den kleinen Finger beim Teetrinken wegstreckten und ausschließlich ansonsten nur über Derrida zu reden wussten. Kurz, jeder Schwuler konnte man sofort an seinem Auftreten erkennen, jeder Schwuler tat alles, um als ein Zugehöriger einer (definierten) Randgruppe dazustehen.

Aber so negativ konnotiert das schwul-sein für mich zu der Zeit auch immer war – ich hatte dennoch eine Idee bekommen, dass es neben Frau, zwei Kindern, ein Haus, ein Auto und einem guten Bausparvertrag noch einen anderen Lebensentwurf geben könnte. Der wartete zwar mit vielen, vielen Fragezeichen auf … aber hieß es nicht Land auf Land ab sich Neuem zu stellen?

Teil V

Gesucht!

Ein Pfannkuchenrezept! Ein gutes natürlich. Ich rühre meinen Teig immer frei Schnauze zusammen – was mal klappt, mal nicht. Aber gerade da hätte ich gerne ein bisschen mehr Kontinuität. Daher:

Wer hat ein gutes Pfannkuchenrezept (und verrät es auch)?

Heute probierte ich eins aus, was sich sehr praktikabel anhörte: 1 Teil Eier, 2 Teile Mehl, 3 Teile Milch plus Salz. Und wenn man Mehl und Milch zuerst verrührt und dann erst die Eier dazu gibt, dann gibt es auch keine Klümpchen. Auszubacken war der Teig sehr schön – aber er schmeckte einfach nicht wirklich, halt arg mehlig. (Und das Rezept stammt von einem Profi-Koch!) Da hat auch die Nuss-Butter nichts mehr reißen können.

Wer mir also helfen kann, der / dem sei heute schon gedankt. Ich würde mich mit einem einfachen (aber total schmackhaften) Nachtisch – Gelato al Café – revanchieren oder mit ’nem Schokokuchen, dem a) niemand wiederstehen kann und der b) Kalorien hat, die man nicht mehr zählen kann.

Trump! Trump! Trump!

Pest oder Cholera? Entscheide ich mich für Pocken+AIDS+Krebs+SMA+Männergrippe = Trump!

Ernsthaft. Möge Trump ‚gewinnen‘. Möge diese Tolle über dem Nichts Präsident werden. Möge die Leere zwischen zwei Ohren eine Weltmacht führen. Und wenn es das kann – dann darf sich der Rest der Welt gerne fragen, was es denn selbst zwischen den zwei Ohren hat.

Insofern ist Trump der ehrlichere der beiden KanditatInnen, denn er zeigt offen, dass er wneig versteht, auf billige Lösungen setzt, kaum Zusammehänge kennt und eben ein Populist ist, wie man ihn in europäischen Ländern schon seit längerem – ohne Aufschrei – findet. Es geht mir nicht darum, dass Politik zur Show geworden ist – das was sie schon im ollen Griechenland – sondern darum, dass die Show nicht einmal von C-Promis bespielt wird, wie hier bei uns, sondern von abgelehnten AnwärterInnen für private Schauspielschulen. Und das spricht für Gesellschaften, die sich als Ich verpflichtet sind, aber schon lange nicht mehr für sich als Gruppe oder gar als Gesellschaft.

Selbst wir Homos gefallen  uns in der Abgrenzung zu den anderen Homos und vergessen aber sowas von gerne, dass alle Homos im gleichen Boot sitzen. Und genauso vergessen die Europäer, dass polnische Europäer bzw. bulgarische oder ungarische oder … Europäer letztendlich auch in einem Boot sitzen. Und wenn man sich das mal einfach mit etwas Abstand anschaut, dann gibt es gerade ein kleines Europa, welches einem Weltgeschehen entgegenschaut – Flüchtlinge – wo es sagen muss: OK, da haben wir soviele Mittel nicht mehr in der Hand.

Und so soll es eben auch den USA ergehen. Wenn diese ihren Schlächter selber wählen wollen, dann sollen sie es, frei und demokratisch. Was aber verdammt noch mal nicht heißen muss, dass alle anderen Ländern diese Entscheidung mit Beifall bekunden oder es gar gutheißen.

Hezter, Populisten, Vereinfacher haben noch nie einer Nation, einer Gesesllschaft gut getan. Wir sollten das eigentlich noch irgendwie wissen / begriffen haben. Dennoch: Möge die USA ihren Hetzer, ihren Populisten, ihren Vereinfacher wählen und darunter leiden, denn das Leiden wird zwar härter sein als unter Clinton, dafür aber kürzer.

Karthasis hat übrigens schon immer weh getan.

Anton Weyrother

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