‚Zuhause‘

von Bert

Vor drei, vier Wochen fiel einem Bekannten auf, dass ich mit „Zuhause“ wirklich noch die ‚Elternwohnung‘ meine, also nicht den Ort, an dem ich seit so und so vielen Jahren lebe. Hat mich übrigens sehr verwundert. Denn ich war dieses Wochenende ‚Zuhause‘ und bin 43 Stunden mit kaum noch ein paar Nerven wieder (zumindest planmäßig) in den Zug gestiegen.

Mein Mann konnte mich dieses Mal nicht begleiten und ich habe daher die geballte (Alt-)Familiendynamik mitbekommen. Meine Mutter beruft sich auf ihr hohes Alter und daher muss alles so laufen, wie sie es will. Meine Schwester beruft sich auf den anstrengenden Job und daher muss jeder auf sie Rücksicht nehmen. Mein Bruder beruft sich auf einen noch anstrengenderen Job und daher muss ihm zugehört und an entsprechender Stelle gehuldigt werden.

OK, es gab noch die Pflichtfragen an mich – aber es ist mal wieder erstaunlich zu sehen, mit wie wenigen Informationen die anderen zufrieden sind (ok, da unterscheidet sich die Familie eh von den Meisten nicht).

Ich fand es einfach nur eins: anstrengend. Da gibt es nichts Einfaches, nichts Freies. Alles ist Minenfeld. Und ohne besonderen Anlass hat es mich dieses Mal wirklich aggressiv werden lassen (OK, natürlich nur im absolut gemäßigten Rahmen, schließlich ist das ein durch und durch katholischer Haushalt, da gibt es ja sowas nicht …) was auch zu einer Reihe von Tadeln geführt hat, die mich wiederum ….

Irgendwie habe ich kein ‚Zuhause‘. Aber da, wo ich gerade bin, bin ich gerne. OK, Köln wäre mir nach wie vor lieber, aber wie sagt mein Mann immer: Die Ziege wollte auch nen langen Schwanz.