… nicht nur außergewöhnlich, sondern auch einzigartig …

von Bert

Marcel Proust war 17 Jahre alt, als er diesen Brief am 17. Mai 1888 an seinen Großvater schrieb. Wer würde heute einen inhaltsgleichen Brief als SMS oder wie auch immer an seinen Großvater schreiben? Und die Mutter wüsste davon? Und der Herr Papa hätte da auch noch eine Nachfrage?

Ich bitte Dich, so nett zu sein mit 13 France zu geben, um die ich eigentlich Monsieur Natahn angehen wollte, aber Mama zieht es vor, dass ich Dich darum bitte. Und das ist der Grund: Ich hatte ein so starkes Bedürfnis, eine Frau aufzusuchen, um mit meiner schlechten Gewohnheit des Maturbierens aufzuhören, dass Papa mir 10 Francs gegeben hat, um ins Bordell zu gehen. Aber 1. habe ich in meiner Aufregung einen Nachttopf zertrümmert, 3 Francs; 2. habe ich bei dieser Aufregung nicht beischlafen können. So stehe ich also da wie zuvor und warte stündlich dringender auf 10 Francs, um mich entleeren zu können, und dazu noch die 3 Francs für den Topf. Aber ich traue mich nicht, so bald schon wieder Papa um Geld zu bitten, und ich hatte gehofft, dass Du mir in dieser Angelegenheit zu Hilfe kommen könntest, die, wie Du weißt, nicht nur außergewöhnlich, sondern auch einzigartig ist: es kommt im Leben nicht zweimal vor, dass man zu verwirrt ist, um beischlafen zu können.

(Marcel Proust: Briefe 1819-1922, hrgs. von Jürgen Ritte, Suhrkamp Verlag Berlin 2016, Band 1, S. 98)