Wem kann der gut sein?

von Bert

Ich steh‘ ja wirklich nicht auf diese Besinnungstexte und so Zeugs wie „Jede Zelle meines Körpers …“. Und mit Bäumen umarmen habe ich es auch nicht (auch wenn ich es sogar ein bisschen ‚gelernt‘ habe, zwangsweise). Und mit diesen ‚klugen‘ Sprüchen – „Ratschläge sind auch Schläge“ – kann man mich meilenweit jagen. Aber das hier, vom guten alten Bernhard von Clairvaux (1090-1153), das lasse ich mal ungeschränkt gelten (und versuche es mir hinter die Ohren zu schreiben).

Wenn du ganz und gar für alle da sein willst, lobe ich deine Menschlichkeit – aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst du aber voll und echt sein, wenn du dich selber verloren hast? Auch du bist ein Mensch. Damit deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst du also nicht nur für alle anderen, sondern auch für dich selbst ein aufmerksames Herz haben. Denn was würde es dir sonst nützen, wenn du alle gewinnen, aber als Einzigen dich selbst verlieren würdest? Wenn also alle Menschen dich besitzen, besitze auch du dich selbst. Warum solltest nur du von dir selbst nichts haben? Wie lange noch bist du ein Geist, der auszieht und nie wieder heimkehrt? Bist du dir selbst ein Fremder? Wem wärst du dann nicht fremd, wenn du dir selber fremd bist? Ja, wer mit sich selbst leichtfertig ist, wem kann der gut sein? Denke also daran: Gönne dich dir selbst; ich sage nicht: tu das immer: Ich sage nicht: tu das oft. Tu es aber hin und wieder einmal. Freue auch du dich an dir selbst – wenigstens nach allen anderen.