Durch die Zeit

Monat: Februar, 2017

# 380

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Nette Idee

Vorstandssitzung Verein 1. Ich stelle den mehrfach bearbeiteten Haushalt in Höhe von 180.000 Euro vor, erkläre verschiedene Änderungen bei verschiedenen Kostenstellen, setze in Bezug, verweise auf feste und weiche Zahlen … und frage dann, ob es noch Fragen gibt. U. meldet sich: „Was verdienst Du denn dabei?“ Nach kurzer Irritation stellt sich heraus, dass sie nicht nur wissen will, was ich für meine ehrenamtliche Arbeit im Verein verdiene – selbstverständlich nix bis auf die 5 Euro Fahrtkosten je Sitzung wie alle anderen auch -, sondern fordert, der Verein möge mich adäquat bezahlen. Zugegeben, nette Idee und ich könnte es auch gut gebrauchen, aber als Schatzmeister musste ich dann schon aus vereinsrechtlichen Gründen, ihre Forderung rundum ablehnen.

Eine leicht skurrile Situation, denn die Geschäftsführung hatten den Spagat zu bewältigen, meine Arbeit zwar anzuerkennen aber auch deutlich zu machen, dass da kein Geld fließen kann, da ich ja Ehrenamtler bin und es nur Geld für die gibt, die Hauptamtlich sind und die das natürlich auch verdient haben weil sie mehr machen als die Ehrenamtler aber deren Engagement ja nicht zu unterschätzen …

Ich habe dann mal darum gebeten, über den Haushalt abzustimmen.

Gerade U. noch ne Mail geschrieben und mich dafür bedankt, dass sie mein Engagement sieht.

4 3 2 1

Den ein oder anderen Roman von Paul Auster habe ich letzten Jahren gelesen. Aber wie die meisten Amerikaner – mit Ausnahme von Philipp Roth und zwei, drei anderen Romanen – bleibt mir von ihnen nicht wirklich viel hängen. Es ist eben meist der eher sachliche Stil, die meist eher chronologische Erzählweise und – nicht zuletzt – der „american way of life“, der mich überwiegend nicht interessiert.

Auch „4 3 2 1“, der aktuelles Roman von Auster, stand auf meiner Leseliste recht weit hinten. Ich wollte so lange warten, bis ich ihn irgendwo in elektronischer Form ‚bekommen‘ kann, denn die Idee fand ich nun nicht gerade prickelnd: Man nehme einen Protagonisten, in diesem Fall einen mit Namen Archibald Ferguson, gebe ihm eine Vergangenheit, d.h. bei den Amerikanern ja meist eine Biographie, die drei, vier Generationen zurückreicht und spiele dann vier verschiedene Variationen durch. Der Titel hätte also genauso gut „Was wäre wenn …“ lauten können. Es ist schließlich eine Binsenwahrheit, dass wenn das und das nicht gewesen wäre oder doch gewesen wäre oder anders gewesen wäre, dass das Leben (ganz) anders verlaufen wäre. Jede/r kennt Situationen, von denen im Nachhinein klar war, dass es Weichenstellungen waren. Wäre ich also damals nicht auf die Fete gegangen und hätte ich mich nicht damals abschleppen lassen, dann … . Aber meist beginnt es ja noch früher: Wenn ich den und den nicht kennen gelernt hätte, dann wäre ich nicht auf dessen Fete gegangen und … . Aber den habe ich ja nur dann kennengelernt weil … . Will heißen, der eigentliche Abzweig liegt oft früher oft wenn nicht meist, in einem Graubereich, der so richtig nicht mehr zu bestimmen ist.

Und damit ist „4 3 2 1“ an sich erklärt. Denn Auster gelingt es weitgehend aufzuzeigen, welche Faktoren, Einflüsse, Zufälle, Entscheidungen zu dem oder dem geführt haben. Und es zeigt sich, wie eine einfache Entscheidung sich zu einer richtigen Geschichte ausweiten kann. Beispiel: Einer der Archibalds lässt sich in seiner sexuellen Not als 15-jähriger von einem 18-jährigen einen runterholen, findet das ganz OK, ist dennoch etwas verwirrt, ob er vielleicht jetzt doch schwul ist bzw. sein könnte oder nicht. Aber als er dann erfährt, dass er auch bei Frauen problemlos kommen kann, legt er die Wichsaffaire unter ‚jugendliche Erfahrung’ ab. Schätzungsweise ist Archibald da nicht der einzige. Doch diese Erfahrung, diese Unsicherheit prägt ihn nachhaltig, da er beginnt, mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger beständig Konventionelles zu hinterfragen. Seine Erkenntnis etwas später: „Ungeheuerliche, inakzeptable Verstöße gegen gesellschaftliche Regeln waren offenbar nicht immer ungeheuerlich und inakzeptabel“. Das führt zu einer ganz anderen Lebenseinstellung, zu ganz anderen Lebensentscheidungen, zu ganz anderen Lebensproblematiken – und wie das Auster im Vergleich aufzeigt, das ist Kunst.

Diese vier Archibalds von Auster funktionieren wohl auch deswegen nur, weil Auster das Korsett eng belässt. Zwar stirbt bei einem der Vater, mal ist die Familie reich, mal eher arm, mal bleiben die Eltern zusammen, mal gibt es eine Scheidung. Doch das weitere Personenfeld, die Schwester der Mutter, die Freundin der Mutter, die Cousine, … bleibt in allen vier Geschichten das gleiche, auch wenn in Variationen. Und es funktioniert wohl auch deswegen so brillant, weil Auster auf dem Boden bleibt, nicht beginnt den ‚amerikanischen Traum‘ zu träumen, sondern in den Niederungen des alltäglichen Lebens bleibt.

Mir tut der Roman in der Hinsicht gerade gut, weil er zeigt, dass man zwar für seine Entscheidungen im Leben verantwortlich ist, aber dass man für die Umstände, die zu diesen Entscheidungen geführt haben bzw. führen, wenig oder gar nicht verantwortlich ist, sondern ‚Opfer‘ der Zeitumstände ist.

Selten eine so eindeutige Leseempfehlung ausgesprochen.

2 x 40

Ein langer Tag. Der begann um 6. Bis 7 hatte ich Zeit für mich und musste mit niemanden reden, ab 7 bis 12 hatte ich Vertretung am Empfang und stand daher in der ‚Öffentlichkeit‘, die aber dann doch so groß nicht war, so dass ich weiter in dem echt richtg guten Auster „4 3 2 1“ lesen konnte (über den ich mal was bloggen sollte). Dann nach Hause gelaufen, wieder 40 Minuten für mich, kurzes Mittagessen und statt Proust- und Luther-Lektüre das Installieren von Apps auf dem neuen Wischhändy meines Mannes, dessen Betriebssystem ich nun auch nicht kenne, dann die nächsten 40 Minuten Fußweg zu Verein 1, erst eine Besprechung, dann Dienst. Mit der Straßenbahn zurück, kurz Nachrichten und von da ab bis jetzt eben noch den Haushalt für Verein 1 nochmals feinjustiert, da ich den 180.000-Euro-Brocken morgen im Vorstand zur Genehmigung vorlege … Und dennoch ging der Tag, wie gestern, etwas an mir vorbei, auch wenn ich auf den Fußwegen die Wärme der Sonne wirklich genossen habe.

Vielleicht gehe ich mit irgendwas schwanger? Oder etwas mit mir?

Ein bisschen von allem

Seit Minuten versuche ich diesem Tag irgendwie eine kleine Geschichte abzugewinnen, die ich hier aufschreiben könnte. Eine kleine Begebenheit, ein eine kleine Besonderheit hätte; eine kleine, neue Erkenntnis; eine kleine, neue Erfahrung … irgendwie so etwas.

Aber es war irgendwie einfach nur ein ganz normalter Tag, der so vor sich hin lief. Ein bisschen arbeiten (also wie immer ein bisschen wenig), ein bisschen durch die Sonne zurück gelaufen, ein bissen gegessen, geschlafen, gelesen, ein bisschen in den Verein gelaufen, ein bisschen geredet und ein bisschen mehr zugehört, ein bisschen wieder zurück und ein bisschen Abendessen, ein bisschen Chat und ein bisschen Fernsehen.

Ich sollte wohl mal meine Sinne schärfen.

Kompromiss

Ich kauf‘ mir eine Wochenkarte und richte derweil das Rad.

Einmal komplett (2)

Eigentlich wird erst heute Abend gefeiert, wenn wir fünf zusammen sitzen und die letzten drei Gesänge diskutierten, dennoch jetzt schon: Mit der Commedia von Dante bin ich nun auch durch.

Zwar gibt es dazu jetzt keine 200 Seiten Zusammenfassung aber immerhin ein halbes Moleskin voll von Anmerkungen, Überlegungen, Hinweisen und allen anderen Arten von Notizen.

Und auch wenn das Paradiso etwas trocken daher gekommen ist – man muss sich immer und immer wieder vor Augen führen, dass der Text über 700 Jahre alt und an vielen Stellen mit Ideen und Vorschlägen aufwartet, die beispielsweise erst in der Reformation aufkommen.

Aber neben diesem besonderem Text war und ist das Besondere ihn eben in einem Kreis von insgesamt fünf Menschen zu lesen und vor allem zu besprechen, zu diskutieren, die sich eigentlich nur lose kennen und denen es in erster Linie um Textarbeit geht. Und die Ergebnisse waren teilweise schon wirklich erstaunlich.

Der Lesekreis hat mich in den vergangenen eineinhalb Jahren schon verdammt gut getan.

Soll ich …

… mir morgen nochmals ne Monatskarte für den ÖPNV besorgen oder soll ich nicht?

Mit ohne

Gestern und heute ist mir schon recht stark aufgefallen, dass mir die Bibellektüre ‚fehlt‘. Es ist jetzt echt nicht so, dass ich Entzugserscheinungen hätte, aber das tägliche: „Ich muss noch Bibel“ war mal Anker, mal Zäsur, mal Pflicht, mal Entschuldigung.

Und die Freiheit jetzt ist sowohl Freiheit wie aber auch ein „Was kann ich tun?“.

Finde es schon arg spannend, wie ich mich an dieses Ritual der täglichen Lesung gewöhnt habe, auch wenn es in den letzten Wochen eher langweilig-anstrengend war. Die täglichen drei Briefe Proust sind ein nur geringes Gegenwicht.

Aber schätzungsweise werde ich am Montag mit einer regelmäßigen Pflichtlektüre einer dicken (nun ja, 530 Seiten) Luther-Biograhphie beginnen und die dicke Proust-Biographie (900 Seiten) sowie die von Joyce (880 Seiten – jeweils ohne Anmerkungsapparat) stehen ja schon ewig aus. Ich steh halt mehr auf Primär- als auf Sekundärliteratur.

Oh, Immanuel!

Gerade „Neues aus der Anstalt“ geschaut. Diesmal echt nicht schlecht, da alle Beiträge auf gutem Niveau und sehr kreativ.

Am Ende trat dann auch noch Immanuel Kant auf, der sich mit den neuen Medien etwas auseinandersetzen musste. Etwas verschwurbelt machte er aber dann klar, dass die Kommentarfunktionen in den neuen Medien im Grunde das sind, was er ja forderte: Benutze deinen eigenen Verstand. Denn wer kommentiert, muss ja auch lesen, analysieren, sich damit auseinandersetzten, abwägen, Gegenargumente finden, diese formulieren und begründen …

 

Anton Weyrother

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