WMDEDGT 3/17

von Bert

Mach‘ ich wieder mit. Frau Brüllen fragt – wie jeden Monat am 5.: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

8:15 – Der Wecker klingelt. Mag er das tun. Ist ja seine Aufgabe.
8:25 – Der Wecker hat scheinbar auch die Blase geweckt, also nix mit rumgammeln im Bett.
8:31 – Sonntägliche Katzenwäsche und das an Wäsche neu an, was ich mitgenommen habe, also Boxershort, T-Shirt und Strümpfe.
8:44 – ‚Frühstück‘: Das heißt für mich und meinen Mann ein paar Tassen Schwarztee.
9:09 – Lektüre verschiedener (wahlweise ‚erz-‚ oder ‚konservativer‘) katholischer Wochen- und Monatsdruckerzeugnise meiner Mutter. Und wie immer stellt sich mir die Frage: Wer lebt eigentlich in welcher Welt?
9:35 – Sonntägliches Rumgegammele in der elterlichen Wohnung und Warten bis es Zeit wird, in der Küche die Hähnchenschlegel mit Reis und Salaten zu machen.
10:35 – Immerhin führte das Gammeln dazu, endlich mal wieder ein Bild bei Instagramm zu posten:

2017-03-04-10-29-23

10:45 – Auftritt der Schwester – jetzt gilt es mit den Worten etwas vorsichtiger zu sein, daher:
10:48 – Flucht in die Küche – aber da es zu wenig zu tun gibt, komme ich sogar noch ein bisschen zu meinem Krimi.
11:45 – Ein sehr frühes Mittagessen, aber das ist der Abfahrtzeit um 12:57 geschuldet.
12:15 – Kaffee.
12:35 – Aufbruch. Die Schwester ist so nett und fährt uns zum Bahnhof.
12:57 – Überraschung bei der DB. Der Zug ist pünktlich!
13:23 – Keine Überraschung: Vor dem ersten Halt werden wir schon 15 Minuten Verspätung haben. D.h. ich kann länger schräg links beobachten, wie eine ca. 25-jährige Frau, schlank, strenge Kleidung, Kniee sittsam geschlossen, zuerst in die ein Tüte greift um Stücke von der geschälten Karotte zu entnehmen, die sie dann akurrat zerkaut, um daraufhin aus einer zweiten Tüte Erdnussflipps zu nehmen, um diese dann ebenfalls akurrat zu zerkauen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Missophoniker bin?
15:33 – Was bin ich froh über meinen IPOD, denn dann muss ich mir Frau zwei nicht anhören, eine Asiatin, die seit Begin der Fahrt lautstark in ihrer Heimatsprache telefoniert – und dafür abwechselnd zwei Handy benutzt.
15:49 – In der Luther-Biographie habe ich gelesen, den schlechten Krimi habe ich auch fertig gelesen, jetzt will ich mich an Kirchhoff machen, aber so ein bisschen mal die Augen zu …
16: 49 – Ankunft. Nur noch 12 Minuten Verspätung – das kann man bei der Bahn dann schon als ‚Gute Leistung‘ durchgehen lassen.
17:07 – Gleich wieder Aufbruch, denn wir müssen unserer staatsbürgerlichen Pflicht noch nachkommen.
17:16 – Ich mache das Kreuz beim Kandidaten meines Herzens, aber es ist klar, dass er nicht einmal den Hauch einer Chance hat ggf. in die Stichwahl zu kommen. Ich wette eh, dass der SPD’ler OB wird und der schweinsäugige CDU’ler das Nachsehen haben wird  (der nicht der Kandidat meines Herzens entspricht!).
17:33 – Am Rechner. Verschiedenes. Beantworte sogar zeitnah zwei Mails!
18:20 – Endlich was zu essen: Cima di rapa und Pasta, dazu „Lindenstraße“, „Bericht aus Berlin“ und „Weltspiegel“.
19:58 – Stoße mit einem Schluck Weißwein auf den Sonntagabend an.
21:03 – Wie erwartet: Der SPD’ler ist es geworden – die Wahlbeteiligung genauso bescheiden wie der „Tatort“.
22:15 – Ich bin doch multitaskingfähig, wenn auch nacheinander. Also schaue ich fern, chatte mit einem schwulen Fremdling, gucke Bilder, schreibe noch ne Mail, unterhalte mich mit meinem Mann, trinke noch einen Wein, plane etwas die nächste Woche, überlege, welches Buch ich gleich mit ins Bett neheme …
22:31 – Ich nehm‘ mir jetzt „Eros und Asche“ (von Bodo Kirchhoff) und ein Glas Rotwein mit ins Bett und beschließe einfach mal den Tag.