‚Willkommenskultur‘, bürokratisch

von Bert

M. aus Syrien heute Mittag zu Gast. Mein Mann kümmert sich etwas um ihn, vor allem bei den ganzen Amtsdingen. Durchblick wer wann für was wie zuständig ist gibt es wohl auf theoretischer Basis. Praktisch ist es ein beständiges Rätselraten, welches Amt – bzw. welche Außenstelle – mit welchem Vorgang nun zu tun haben könnte. Will man eine bestimmte Nachfrage stellen, sitzen zwei Deutsche mit Notebooks eine Stunde hinter dem Rechner, um im Internet Möglichkeiten zu recherchieren. Immerhin, schon der 7. Anruf zeigt sogar – tata! – Erfolg. (D.h. konkret: M. weiß jetzt, dass der Vorgang noch in Bearbeitung ist – aber das weiß er schon seit Monaten.)

Davor fragte ich M., ob er irgendwelche Unterlagen hätte, denn ich hoffte auf eine Art Aktzenzeichen oder gar aufgedruckter Telefonnummer. Was an Papierkam M. dann auf den Tisch wuchtete, spottet echt jeder Beschreibung. Da ist ein Handbuch für die Steuererklärung eine Art Schullektüre für die 1. Klasse. Wenn ich mir vorstelle, ich würde in einem mir fremden Land mit einer mir fremden Sprache und Schriftbild soetwas serviert bekommen, ich fühlte mich einfach nur verarscht. (Zur Ehrenrettung der Ämter: Es gab bei den über 100 Seiten immerhin zwei in arabischer Sprache und Schrift.)