Leer ist nicht gleich leer

von Bert

Es ist ja nun wirklich nicht das erste Mal, dass ich für ein paar Tage alleine hier in der Wohnung bin und der Mann abwest. Aber es ist schon doch gerade irgendwie ‚anders‘. Gestern und heute habe ich noch etwas aufgeräumt und merkte, wie ich verschiedene Dinge einfach in den Schrank stelle, weil klar ist, solange mein Mann nicht hier ist, wird das Kännchen nicht gebraucht. (Und ich fragte mich, wie es all denen geht, die so was auch machen müssen, weil sie wissen, dass der / die PartnerIn gerade gestorben ist.)

Mein sorgenvollster Blick gilt dem Kühlschrank, denn der ist voll – und leider auch voll mit Dingen, die ich nicht so mag, aber er. Jetzt bin ich zwar tapfer dabei, die Vorräte aufzuessen – und ich kann nur hoffen, dass E. am WE kommt und mir dabei hilft.

Den Wäscheständer habe ich auch schon aus dem Flur in sein Zimmer verbannt, im Bad hängt an der Heizung nur noch ein großes Handtuch … so was halt.

Und die ‚Leere‘ in der Wohnung fühlt sich ‚länger‘ an.

Was mir zum ersten Mal auffällt, ist, dass mein ‚Fremdeln‘ wohl ein Ausdruck meines ‚inneren Gleichgewichtes‘, meines ‚inneren Zustandes‘ sein könnte. Denn mit und durch die Nachricht von gestern, müsste ich ja eigentlich auf Wolke 7 tanzen, aber heute im Vorstand von Verein 1 (und auch gestern) hab‘ ich fast so gefremdelt, wie damals, als ich bei der ersten Vorstandssitzung teilnahm.

Jetzt üben wir uns halt in SMS und Skype ein (was wir bisher nur in Ausnahmefällen nutzen), ich werde ihn natürlich auch besuchen. Nun, so eine Kur scheint nicht nur rosig zu sein, das Essen jedenfalls ist schon mal arg bedenklich und die Einrichtung des Zimmers eine kleine Zeitreise. Aber er machte heute eine ganz fidelen Eindruck, hat sogar begonnen, ein Tagebuch zu schreiben … will für mich heißen, er lässt sich darauf ein. Diskussionen wird es aber dennoch geben.