Durch die Zeit

Monat: April, 2017

April

Morgens mit Handschuhe und Mütze bei 0 Grad frierend auf dem Fahrrad – nachmittags mit Proust und Luther nackt in der Sonne.

Zwischen Aperol und Grappa

Die Schwester auf Besuch. Muttern gibt ihr Geld mit für ein Abendessen. Also heute beim wirklich guten Italiener.

An einem der Nachbartische zwei Männer. Ich würde sie älter als mich schätzen, daher dürften sie gerade so mein Alter haben. Der eine sitzt ähnlich verknotet am Tisch wie ich es auch gerne tue und hört dem anderen zu. Sein Gegenüber ist am Reden, als würde er Geld dafür bekommen. Mich erinnert die Szene dann sehr an P. und mich. Von der Intensität die uns verbindet, sieht der Betrachter also nichts.

Etwas später nimmt Großvater und Enkel am Nachbartisch Platz. Ein Blick reicht und ich bin in den ca. 10-jährigen Enkel verliebt, da er mich an B. erinnert, den ‚kleinen‘ Bruder meiner Patentochter. Und er ist wie B. Mit ausgesuchter Höflichkeit fragt er beim Großvater nach, ob er die Pizza „mit den Händen“ essen darf (er darf selbstverständlich) und beginnt eine Anti-Liebesgeschichte aus der Schule zu erzählen, so dass Großvater und ich danach in lautes Lachen ausbrechen. Mir ist das im ersten Moment peinlich, aber danach weicht weder er noch ich den gemeinsamen Blicken aus und ich hab‘ das Gefühl: Ist OK.

Zwei Tische weiter ein Freundinnen-Pärchen. Die eine kennt über geschätzt 17 Ecken meinen Mann und tut aber so, als ob sie dicke Freunde wären und nur durch das Unbill des Schicksals nicht am selben Tisch sitzen würden (was mich veranlasst hätte, spontan unwohl zu sein). Jedenfalls kommentiert sie übergriff was wir und was sie auf dem Teller bzw. in den Gläsern haben.

Die türkische Servicekraft (ein exellenter Meister seines Faches) macht wie immer eins auf italienisch und nennt mich permanent „Dottore“. Keine Ahnung warum erst heute, aber jetzt ist er eben der „Professore“. Ehre, wem Ehre gebührt.

Wer redet ist nicht tot

Kommunikation ist – glaube ich – viel schwieriger, als man gemeinhin denkt. Mir fällt nach wie vor auf, wenn man interessiert zuhört, dann kommt man zu 98 Prozent der Fälle gar nicht in die Lage, selber etwas reden zu müssen, mal abgesehen von den Fragen die man stellt.

Mir will es bei den allermeisten wirklich so scheinen, dass sie unter einem Rededefizit leiden und daher jede Gelegenheit wahrnehmen, von sich und ihrer Welt und ihren Wahrnehmungen zu berichten.

Auffallend dabei, dass es dem größten Teil überhaupt nicht aufällt, dass es monologisiert und der das Gegenüber nichts sagt. Es scheint, dass der Wunsch (von sich) zu erzählen wesentlich größer ist, als vom Gegenüber etwas zu erfahren.

Nur mal so notiert, weil ich vorgestern Stress mit meinem Mann hatte, der nicht einsehen will, dass er ruhig auch mal die Klappe halte kann / soll und wir heute bei einer Freundin waren, in derem Verlauf von zwei Stunden ich insgesamt vielleicht 10 bis 14 Sätze gesagt haben, was den beiden nicht näher aufgefallen ist.

Was ich mich fragen, ob das ein gesamtgesellschaftliches Problem ist oder ob es im Wesen des Menschen liegt.

 

# 418

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Strafe muss sein – erbarmungslos!

Es bleibt dabei! Alle, aber auch wirklich alle Stadtplaner*innen, Radfahrwegverantwortliche, Radfahrwegschilderaufsteller*innen und wer sonst noch etwas mit dem deutschen Radnetz zu tun hat: Zuerst mal für nen Tag nackt an den Pranger, dann teeren und federn und dann so lange die Strecken, die sie zu verantworten haben, hin und her fahren lassen, dass sie zugeben, dass sie ihr Arbeit nicht nur schlecht, nicht nur sehr schlecht und auch nicht hundsmiserabel gemacht haben, sondern ohne Sinn und Verstand etwas in die Wege geleitet haben, dass jeglicher Beschreibung spottet.

Wieder mal 60 Kilometer in Deutschland durch ein Radwegnetz gestochert, dass es nicht schafft die nächste Ortschaft und (!) ein ferneres Ziel anzugeben. Was es aber locker schafft, irgendwelche Orte abwechslungsweise anzugeben, so dass man alle drei bis vier Kilometer sich in einem neuen Bundesland wähnt. Was es auch schafft sind Kilometerangaben, die sich innerhalb Von 500 Metern drei Mal um insgesamt sieben Kilometer ändert. Und all diese Radwegverbrecher#innen müssten mal erklären, warum Kopfsteinpfaster gerade für Radfahrer*innen am geeignesten ist. Und käme auch nur ein „Äh“, gleich mal so ein Pflasterstein auf die Nuss. Und warum müssen Radwege immer Umwege machen? Und warum führen Radwege über Schotter- und Steinpisten? Warum haben Radwege grundsätzlich Schlaglöcher? Und warum sind Radwege grundsätzlich so schmal, dass es bei Gegenverkehr meist kritisch wird? Und warum sind Radwege so ausgelegt, dass man nicht voran kommt, sie mit Fußgängern, Hunden, Kindern und parkenden Autos teilen muss?

Es ist schlichtweg unglaublich, was die Verantwortlichen unter Radnetz und Radweg verstehen. Das sind sicher Leute, die ihren dicken, fetten Arsch gerade noch ins Auto wuchten können und das Radfahren aus dem Fernsehn kennen. Wenn ich jemand mal davon vor die Nase bekomme, der / die kann sich warm anziehen.

Eine auch nur zu einem Prozent vergleichbare Situation auf deutschen Autostraßen würden innerhalb von drei Minuten zur Revolution führen.

Geschickt

Meine freien Tage / Urlaube muss ich ja mit dem Sachbearbeiter absprechen, dem ich zuarbeite. Man kann ihn auch Hr. Superwichtig nennen, denn es gibt nicht auch nur eine Mücke, aus der er keine Elefantenherde macht. Daher ist jeder Urlaubsantrag ein kleines Unternehmen für sich.

Heute ‚gönnte‘ ich mir einen kleinen Zettel, auf dem ich zwei Varianten zweier freier Tage notiert hatte. Den gab ich ihm, damit er sich ein Bild machen könne, wie er mit meiner Abwesenheit denn zurecht käme. (Jeder ’normale‘ Sachbearbeiter würde bei dem, was ich da zu’arbeite‘ nur sagen: „Wo muss ich unterschreiben.) Also großes, aber dennoch schlechtes Theater, dass es ja sehr ungünstig wäre, da ja gerade jetzt … und nach einigem Galama entschied er sich für den zweiten Termin, was ihm aber so super leid täte, dass er mir nicht den ersten genehmigen könne, aber …

Der zweite Termin war selbstverständlich mein Wunschtermin.

Zuviel

Ich glaube, ich bin der einzige Arbeitnehmer, der im Grunde wirklich nichts zu tun hat – und dennoch sich vor Überstunden nicht retten kann.

P.W.

Dann also jetzt Peter Weiss Die Ästhetik des Widerstandes. Ob das ein würdiger Nachfolger von Dantes Comedia werden wird, werde ich ja noch sehen.

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Aber sollten wir es schaffen, können wir uns ein zweites Mal auf die Schultern klopfen, denn dann haben wir ein weiteres Buch gelesen, was in vieler Munde ist, aber im umgekehrten Verhältnis auch gelesen.

Mich würde es freuen, ginge es mit der Gruppe weiter – aber nach dem es so lange gedauert hat einen ersten Termin zu finden, kommen erste Zweifel leise auf. Vor allem gab es auch schon erste kleine Dispute um die 14-tägige Leseleistungen. 20 Seiten seien ausreichend heißt es da – und ich rechne vor, dass wir dann um die 60 Sitzungen bräuchten was locker mal 30 Monate also zweieinhalb Jahre wären (wenn auch nicht nur eine Sitzung ausfällt). Ich kenne vielleicht zwei, drei Bücher, die so eine lange Strecke durchhalten würden – bei der ÄdW bezweifle ich es dann doch schon.

 

Frühling ist’s – # 403-417

Warum nicht öfters?

Volles Wochenende. Gefühlt waren das jetzt auch vier oder fünf Tage und nicht nur zweieinhalb. Gut gegessen auf unterschiedlicher Weise. Viel gelaufen, gestern in einer mir unbekannten Stadt, heute noch drei Stunden im Wald und schon wieder einen Weg gefunden, den ich nicht kannte (und dessen Fortsetzung ich noch nicht kenne). Mal wieder etwas jünger gefühlt, auch wenn die Lautstärke der Musik in der Kneipe dann doch mehr als grenzwertig war. Dann etwas getrunken, was sich „Mexikaner“ nennt und dessen Daseinsberechtigung ich noch ergründen muss, was mir beim Schlehenschnaps dann viel einfacher gefallen ist.

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Eine Menge Fotos gemacht, von denen ich gar nicht weiß, wie und wo und wem ich sie denn eigentlich zeigen kann. Schön eben auch A. zu erleben in dieser komplett anderen Welt als in der, in der ich ihn kennen gelernt habe.

Und jetzt nur eine verkürzte Woche vor mir. Immerhin hab‘ ich schon ausreichend was gefunden, was ich morgen im Job tun kann.

Anton Weyrother

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