Durch die Zeit

Monat: Mai, 2017

Wenn Männer Klamotten einkaufen

Ich stehe an der Straßenbahnhaltestelle. Schaue auf die Uhr. 10 Minuten noch, bis die Bahn kommt. Gegenüber ist ein C&A. Vor wenigen Tagen ist mir ein T-Shirt-Notstand aufgefallen, fünf für den Sommer finde ich dann doch etwas wenig. Ich durchquere den Platz, arbeite mich ganz nach hinten in die Abteilung durch, die die Session-Ware für Männer bereit hält. Ein erstes T-Shirt ist sofort gefunden, auch das zweite findet sich überraschend schnell. Ich schaue mich weiter um, aber nichts will mir gefallen, doch, da, Nr. 3. Auf dem Weg zur Kasse fällt mir Nr. 4 in die Hände – bestens. An der Kasse kurz warten, bezahlen, wieder quer über den Platz zurück zur Straßebahnhaltestellte. Wieder ein Blick auf die Uhr. Ich werde noch fünf Minuten warten müssen.

Nachtrag: Notfall

Aus Gründen, die gleich verständlich werden, bleibe ich etwas kryptisch, woher ich die Person kenne. Sie ist weiblich, 16 Jahre alt und ich kürze sie hier mal mit L. ab. Mit ihr zu tun habe ich so gut wie nichts, mit ihren Eltern ein bisschen, aber auch da sind wir nicht wirklich dicke.

Daher hat es mich schon verwundert, als die Mutter von L. letzten Mittwoch abend anrief und fragte, ob sie L. vorbeibringen könne. Noch mehr verwundert hat mich die Begründung: L. hätte nämlich Lust, mich zu besuchen. Ha!

Die Vorgeschichte von L. bewog mich dann aber zuzsagen und zu harren was da kommt. Sie saß dann im Wohnzimmer und fabulierte in den ersten Minuten so durch die Gegend, warum sie unbedingt zu mir wollte, weil hier „was los sei“ und überhaupt. Da es schon recht spät war, habe ich dann Tachelese geredet und sie direkt gefragt, was der eigentliche Grund sei, denn wir seien ja nicht dicke miteinander und mehr als „Hallo“ hätten wir ja auch noch nie miteinander gesprochen.

Da brach es aus ihr heraus. Nach dem Ende letzten Jahres herausgekommen war, dass sie sich ritzt und sie notfallmäßig ins Krankenhaus musste, weil die eine Ritzung dann doch etwas mehr als Ritzung war, hat sie zwar aufgehört, sich selbst zu verletzen – besser ging es ihr aber nicht. Dann wurde Klartext geredet – auch wenn es ihr wohl manchmal weh tat. Andererseits hatte sie die Möglichkeit mal über all das zu sprechen, worüber sie zu Hause nicht sprechen kann. Wie es scheint, ist es mir zumindest gelungen, ein paar Dinge / Verhaltensweisen in einen Zusammenhang zu bringen, ihr es ermöglicht zu haben, Bestimmtes auch aus einer andere Perspektive mal sich anzuschauen. Gelöst haben wir natürlich nichts – aber es ist nun etwas aufgräumter, das Wichtige ist etwas besser vom Unwichtigen getrennt. In manchen Dingen habe ich sie auch einfach bestärkt, was wohl auch gut tat.

Es herrscht schon viel Schweigen.

Ist ‚t‘ nicht auch die Abkürzung für ‚Zeit‘?

Heute eine lange Mail von T. bekommen, nachdem ich mich bei ihr ‚entschuldigt‘ habe, dass ich nicht, als ich auf Familienurlaub war, bei ihr vorbeigeschaut habe. Aber die Besuche bei Muttern sind zeitlich eh immer auf Kante genäht – denn eine Anstandszeit muss es ja schon sein, aber zu lange will ich dann auch nicht. Dann ‚wollen‘ die Geschwister mich ja noch sehen, eine Rote muss ohne wenn und aber sein … und dann ist die Zeit meist auch wieder vorbei.

Gut, wenn ich ein, zwei Züge vorher genommen hätte – aber ich hatte nachts davor ja noch einen Notfall psychisch zu verarzten (warum habe ich darüber noch gar nicht geschrieben?) – und Muttern gesagt hätte, ich komme ein, zwei Stunden später, wäre schon etwas Zeit gewesen. Aber hätte die gereicht? Nach der Mail heute: Nein. Wenn sie mitgewandert wäre die 20 km, das wäre es gewesen – aber hätte sie sich so schnell einen Tag frei nehmen können?

Ich hatte noch überlegt, wo ich sie reinquetschen könnte – aber dann lief mir die Zeit doch etwas in die Ecke, da ich ja in erster Linie die krebskranke Tante besuchen wollte – denn nichts ist von Ewigkeit.

Jetzt habe ich sie auf das Wochenende eingeladen, wo ich ja reichlich Zeit für vieles habe – und ich würde mich tierisch freuen, würde es so ’spontan‘ klappen, aber bei einer Mutter von zwei halbwüchsigen Kindern mit x Verpflichtungen ist das wenig wahrscheinlich.

Andereseits: Hätte ich mich nicht entschuldigt, hätte sie dann auch das alles geschrieben, was sie geschrieben hat?

Im Auge

Kommendes Wochenende habe ich ‚frei‘. Da mein Mann danach gleich kommt und ich jedes zumindest vorbeigschaut habe … . Bei einigen hatte es geheißen, man(n) sollte das Wochenende „ins Auge fassen“. Aber nach dem Kommunikationsmarathon heute Abend steht fest: Alle haben schon was andere ins Auge gefasst und ich werde das WE wohl alleine verbringen. So richtig recht ist mir das, ehrlich gesagt, nicht.

Die einzige Idee, die ich jetzt noch habe ist, E. (die Schwester von E.) zu fragen, ob sie mich für einen Nacht aufnimmt, dann würde ich knapp 30 km hinwandern und am nächsten Tag zu einem Ort, wo ich mit dem Nahverkehr wieder zurückkomme ebenfalls wandern. Am Montag könnte ich dann mich den Schmerzen ergeben und hier posten, wie heldenhaft ich mal wieder war.

 

# 421

2017-05-26 12.18.43

Zauberberg light

Bei meinem Mann auf Besuch in seiner Kur. Ich frühstücke heute mit und mir fällt natürlich sofort Szenen aus Manns‘ „Zauberberg“ ein. Zwar finde ich keine Frau Stöhr (so heißt die doch?) und auch Clawdia ist nicht zu identifzieren (es gibt keine Türen, die man zuknallen könnte) und dennoch … das ist anders als im Früstücksraum eines Hotels. Ich gucke unendlich viel und überlege mir Geschichten zu den einzelnen Typinnen und Typen – kann eigentlich nicht genug bekomme.

Da fällt mir auch ein, dass ich früher als Student in der Mensa auch immer so andere angestiert habe, da ich eine Theorie entwickelte die an Hand des Essverhaltens den Charakter beschreiben sollte. Wenn ich das mal systematisch angehen würde … wie auch immer, wirklich spannend war das und ich habe selten so viel gefrühstückt.

Ich, der Schisser

Seit ein paar Tagen so unklare Zahnschmerzen beim Radfahren (!) und beim Essen. Heute morgen fühlte es sich etwas anders an und da morgen ja Feiertag ist … . Ich nehme also allen Mut zusammen, den ich habe, und rufe an. Die Zahnarzthelferin quetschte mich in den vollen Plan rein, warten musste ich dann aber doch nicht. Die Zahnärztin stochert rum, während ich schon wieder völlig runter mit den Nerven auf dem Stuhl hänge. Irgendwann gelingt es ihr die Schmerzen zu erzeugen – hat aber nicht die geringste Ahnung woher sie kommen, denn – und das ist bei meinen Zähnen echt eine Besonderheit – es sei alles wirklich Bestens. Auch ein Röntgenbild bringt nichts zu Tage. Schließlich tippt sie auf eine Überempfindlichkeit, empfiehlt eine neue Zahnpasta, schmiert mir irgendeine Paste auf die Zähne und entlässt mich.

Irgendwie bin ich ja schon froh, dass sie nicht gebohrt hat – ich bin in diesen Dingen echt kein Indianer – aber unklare Schmerzen mag ich auf die Dauer auch nicht.

Ich kann’s auch alleine

Eigentlich dachte ich, wenn mein Mann so lange weg ist, dann wird es hier auch nicht so dreckig werden, so dass unsere Putzhilfe einmal weniger kommen muss. Aber gestern habe ich mich in der Wohnung so umgeschaut … Dreck machen kann ich alleine auch ganz gut.

Schlaflied

Mit den Faltern, mit der Nacht
laß mich ein in deinen Schlummer:
über dir bin ich ein stummer
Atemzug der wacht,

daß der Spiegel nicht zu spät
deine Stunde krönt und kündet,
Mond dir dein Haar nicht entzündet,
wenn er kommt und weht,

unter deine Lider sieht,
was für Fremde sie verschweigen –
über dich muß ich mich neigen,
wenn er weiterzieht …

Wenn du dann die Hände hebst
und das Dunkel feierst, freier,
bin ich der flüsternde Schleier,
dem du fremd entschwebst.

Paul Celan

Ich mag es sehr, auch wenn ich nicht wirklich alles verstehe. Aber ich kann mir das Gedicht immer als einen kleinen Film vorstellen, denn zu fast jeder Zeile fällt mir ein Bild ein. Wie der Übergänge sich gestalten lassen … ok, das steht auf einem anderen Blatt.

Was mir daran besondes gefällt, sind die Enjambements, die jede Zeile mit der anderen  verbinden aber derart, dass ich immer und immer wieder neue Lesarten ergeben, weil Celan es doch recht oft offen lässt, was sich auf was eigentlich konkret bezieht.

Und natürlich mal die Frage aller Fragen: Wer ist denn das ‚Du‘?

Ich hab‘ es auch mal versucht auswendig zu lernen, aber das ist echt schwer.

Konfi

Konfirmation. Im Gottesdienst 21 Strophen (ohne die ganzen Kehrverse) und eine aufdringliche Kirchenvorsitzende. Mittagessen verspätet aber überraschend gut, da nicht nur wirklich heiß sondern so gut wie keine Fertigprodukte. Hab‘ mich bemüht Konversation zu betreiben, aber so richtig funktioniert hat es dann doch nicht – mir ist das anscheinend einfach nicht gegeben und ich sehe wohl auch so aus, dass man mir (besser?) keine Fragen stellt. Aber ich war ja auch als ‚Fotograf‘ ‚angestellt‘ – und mir dürfte es mal wieder ‚gelungen‘ sein, auf nicht einem Foto zu sein. Der anwesende Unsichtbare sozusagen – und das ist in Zeiten von all den Handys fast schon eine (kleine) Leistung.

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