Nachtrag: Notfall

von Bert

Aus Gründen, die gleich verständlich werden, bleibe ich etwas kryptisch, woher ich die Person kenne. Sie ist weiblich, 16 Jahre alt und ich kürze sie hier mal mit L. ab. Mit ihr zu tun habe ich so gut wie nichts, mit ihren Eltern ein bisschen, aber auch da sind wir nicht wirklich dicke.

Daher hat es mich schon verwundert, als die Mutter von L. letzten Mittwoch abend anrief und fragte, ob sie L. vorbeibringen könne. Noch mehr verwundert hat mich die Begründung: L. hätte nämlich Lust, mich zu besuchen. Ha!

Die Vorgeschichte von L. bewog mich dann aber zuzsagen und zu harren was da kommt. Sie saß dann im Wohnzimmer und fabulierte in den ersten Minuten so durch die Gegend, warum sie unbedingt zu mir wollte, weil hier „was los sei“ und überhaupt. Da es schon recht spät war, habe ich dann Tachelese geredet und sie direkt gefragt, was der eigentliche Grund sei, denn wir seien ja nicht dicke miteinander und mehr als „Hallo“ hätten wir ja auch noch nie miteinander gesprochen.

Da brach es aus ihr heraus. Nach dem Ende letzten Jahres herausgekommen war, dass sie sich ritzt und sie notfallmäßig ins Krankenhaus musste, weil die eine Ritzung dann doch etwas mehr als Ritzung war, hat sie zwar aufgehört, sich selbst zu verletzen – besser ging es ihr aber nicht. Dann wurde Klartext geredet – auch wenn es ihr wohl manchmal weh tat. Andererseits hatte sie die Möglichkeit mal über all das zu sprechen, worüber sie zu Hause nicht sprechen kann. Wie es scheint, ist es mir zumindest gelungen, ein paar Dinge / Verhaltensweisen in einen Zusammenhang zu bringen, ihr es ermöglicht zu haben, Bestimmtes auch aus einer andere Perspektive mal sich anzuschauen. Gelöst haben wir natürlich nichts – aber es ist nun etwas aufgräumter, das Wichtige ist etwas besser vom Unwichtigen getrennt. In manchen Dingen habe ich sie auch einfach bestärkt, was wohl auch gut tat.

Es herrscht schon viel Schweigen.