Durch die Zeit

Monat: Juni, 2017

Zur aktuellen Frage

Nachdem ich jetzt mehrfach gefragt worden bin, was ich denn davon halte, dass am Freitag wahrscheinlich die „Ehe für alle“ entschieden werden soll.

Hier meine beiden Kurz- und Langantworten:

Kurzanwort 1: Geschickt.

Kurzanwort 2: Was soll das?

Langantwort 1: Ohne jede Frage war es ein geschickter Schachzug der Kanzlerin, das Thema noch vor der Sommerpause zu den Akten zu legen. Sie nimmt damit der Opposition das einzige (!) Thema, mit welchen die versuchten zu punkten. Man muss sich das mal bewusst machen! Kinderarmut? Arbeitslosigkeit? Rentendebakel? Europakrise? Kriegseinsätze? Wirtschaftliche Falschausrichtung? Freibriefe für Großkonzerne? Armutsrisiko? Nein – alles kein Thema weder für die Regierungsparteien noch für die Oppositionsparteien. Dieses Land ist in guter alter Kohl-Manier von seiner (Ur-)Enkelin Angela eingeschläfert worden mit einem „Wir schaffen das!“. Das hört sich positiv an, das zeigt Durchsetzungsstärke, das zeigt Wille, das zeigt Entschlusskraft. Was wie und warum ‚geschafft‘ werden soll – das ist kein Thema und niemand fällt anscheinend auf, dass bleierner Stillstand herrscht. Geschickt, geschickt!

Langantwort 2: Auch wenn das Thema meinen Mann und mich derzeit beschäftigt bleibt meine Grundhaltung die selbe. Was soll das mit der Ehe? Wenn ich richtig gerechnet habe, kostet eine Eheschließung an Gebühren so in etwa um die 150 Euro. Dafür kommt man automatisch in eine bessere Steuerklasse. Will heißen, die 150 Euro sind recht gut investiert. Legt man jährlich auch noch ein paar Kröten auf die Seite, so ist nach einigen Jahren auch die Scheidung schon bezahlt. Was soll dieses Konstrukt? Nur weil man sich vor dem Staat mehr oder weniger ‚verpflichtet‘, aber jetzt nur noch hauptsächlich mit der gleichen Person zu vögeln gibt es Geldgeschenke? Auch die Krankenkassenbeiträge werden quasi halbiert. Glaubt man denn, nur weil man verheiratet ist, würde man sich weniger mit Herzinfarkt, Autounfällen und Knochenbrüchen anstecken? Was geht es denn überhaupt den Staat an, mit wem ich zusammenleben will, wer mein bevorzugter Mensch zum Samenaustausch ist? Das Konstrukt Ehe ist eine überkommene Gängelinstitution aus dem Mittelalter – und feiert nach wie vor fröhliche Urstände. Aufgeklärte Gesellschaft, wo bist Du? Wer sich freiwillig gängeln lassen will – dem bleibt ja immer noch der Gang zu Kriche.
Meiner Meinung nach gehören sämtliche finanziellen Vorteile die Ehepartner haben ohne Wenn und Aber abgeschafft. Entscheiden sich dagegen Menschen ein Kind in die Welt zu setzen oder sich um ein oder mehrere Kinder im Sinne einer Erziehung zu kümmern, so ist das finanzielle Füllhorn über diese auszuschütten: kostenloser Kindergarten, kostenlose Vereine aller Couleur (Sport, Musik, Tanz, Theater, …), Ganztagsschulen mit kostenloser Verpflegung, Zuschüsse für Urlaube, Unterstützung (Nachhilfe) in Schule und Ausbildung, Förderung von individuellen Begabungen und und und …

Wenn mein Mann und ich wohl bald eine „Lebenspartnerschaft“ von Amtswegen begründen, dann wirklich nur aus rein finanziellen Gründen. Nichts mit Romantik und der schönste Tag des Lebens, sondern eine von Staatswegen erzwungene Anzeige, um das schmale Salär etwas zu verbessern, weil es diesem Staat ja nicht gelingt, für ausreichend vollwertige Arbeitsplätze zu sorgen oder eine gerechte Alterssicherung zu installieren. Und bei genauem Hinsehen heißt es daher nicht „Wir schaffen das“ sondern „Wir schaffen nichts“.

Wie viel ist das?

Gestern bescheinigte mir jemand, ich hätte ihr „halbwegs ein bisschen“ das Leben gerettet.

Ist das nun mehr oder weniger als wenig?

„Blomski“: # 426 – 434

Von oben nach unten und von links nach rechts (OK, manchmal etwas schwierig, weil es sich ja ändert – ansonsten mit der Maus aufs Bild und die letzten beiden Ziffern hier zuordnen): Akelei 06 – Türkenbund 10 (Der Name ist nicht von mir! Alles mir von einem Fachmann diktieren lassen.) – rundblättrige Glockenblume 37 – Ackerwitwenblume 55 (eigentlich ein hübscher Name, da fallen einem gleich Geschichten ein) – Schwarze Königskerze 64 (warum die gelb sein muss?) – Bienenfreund 76 (von der ich meine, die noch nie zuvor gesehen habe) – Wicke 80 (die ich hiermit zu meiner Liebelingsblume 2017 erkore / erküre?) – Vogelwicke 83  – Ackertrichterwind 85 (die ich postum zur Lieblingsblume 2016 erkore / erkürt haben werde?)

Gut Ding‘ …

Von meinen Chefs bin und war ich es durchaus gewohnt, Aufgaben zugeteilt zu bekommen. Und bei allen Chefs gab es dazu dann eine mehr oder weniger große Erlärung, Ansage oder Hinweis. Bis auf meinen letzten Chef war das überwiegend kollegial und vollkommen im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses. Am Ende natürlich dann die Frage / oder Ansage, bis wann es erledigt werden sollte. Meist der einzig heikle Punkt, denn schließlich will man ja nicht als Faulenzer dastehen, andererseits aber nicht vor lauter Aufgaben im Stress untergehen. Auch hier habe ich eigentlich, bis auf den letzten Chef, eher gute Erfahrungen gemacht.

Ganz neue mache ich mit meinem jetzigen Chef. Er gab mir heute seine fachlichen Korrekturen / Ergänzungen zu einer Aufgabe zurück mit dem Hinweis, das jetzt alles bloß nicht übers Knie zu brechen, man hätte jetzt schon so lange damit gearbeitet, da müsste man also jetzt nicht gleich …

Also habe ich heute alle Änderungen eingearbeitet, Dokument zwei wie vorgeschlagen neu strukturiert. Morgen werde ich mich dann um ein neues Deckblatt für zwei (!) Dokumente kümmern, dann kann ich es ihm am Donnerstag geben damit er es vor seinen Ferien den Kollegen weiterleiten kann.

Also soviel Ehrgeiz muss dann schon sein!

Klappe

Ich habe gerade echt nicht viel zu sagen. Ist auch nicht schlimm. Es steht nicht nur mit heute gut: Einfach mal die Klappe halten.

E-Reader trifft auf Mittelalter

Das Gute an einem E-Book-Reader unter anderem ist, dass er sich sehr gut in der mittelalterlichen Umhängetasche nicht nur verstauen lässt, sondern man ihn dort auch sitzend so drapieren kann, damit man, mit aufgestüztem Kinn und so für die Besucher anscheiendend schlafend aussehend, in ihm gut lesen kann, ohne das gemerkt wird, dass man liest, geschweige denn in was.

fünfundzwanzig in viervierzig

Der Busfahrer wünscht dem Ehepaar, das mit mir aussteigt „Eine schöne Wanderung dann!“ Da dreht sich der weit in den Siebzigern stehende Ehemann um, bedankt sich und meint trocken: „Wird eh nur ein Spaziergang heute“. Damit hängt also der Hammer da, wo er bei dieser Wanderveranstaltung hingehört. Denn die Strecke, die das Ehepaar, ich und vielleicht noch 30 weitere Leute laufen, steht auf der Liste der Angebote recht weit unten, fast über dem Bambinilauf von drei Kilometern. Die Liste beginnt mit einer Wanderung von 111 km (am Stück, ohne Übernachtung!), dann folgt eine von 87 km … und so geht es weiter bis zu den mageren 25.

Mal abgesehen, dass ich viel zu früh bin (dank der schlechten Info auf der Website), ist alles bestens organisiert. Alle sieben Kilometer gibt es eine gut organisierte Verpflegungsstation, bei denen selbst an Blasenplaster und Magnesiumtabletten gedacht wird. Schnell nach dem Start zieht sich das Feld auseinander, die ersten Kilometer läuft man quasi als Teil eines Lindwurmes mit, mit jedem Kilometer werden aber die Abstände größer. Obwohl perfekt ausgeschildert verlaufe ich mich, denn ich trotte für eine Weile einer Schwuppengruppe hinterher, die mal wieder mehr Augenmerk auf sich haben, als auf die Ausschilderung. Der Umweg kostet uns vielleicht einen Kilometer – geschenkt.

Ich bin baff erstaunt, wie viele deutlich übergewichtige Frauen sich auf den Weg machen, denen man sonst keine zwei Stockwerke Treppe zutrauen würde. (Ich sehe auch ein paar ankommen – nehme aber gleich den nächsten Bus zurück.)

Mit nicht geringem Respekt überhole ich die mit den zweistelligen Rückennummern, denn die haben selbst bei meinem ersten Kilometer schon das Meiste hinter sich – 111 am Stück, ich kann’s mir nicht vorstellen (auch wenn ich auf dem Weg überlege, ob ich das nächste Mal nicht vielleicht die 40 …).

Kilometerangaben fehlen fast auf dem ganzen Weg, erst stört es mich, dann interessiert es mich nicht, irgendwie bin ich im Flow, auch wenn die Beine merklich schwerer werden. Bei der letzten Verpflegungsstation die Info: noch sieben Kilometer, also ein Klacks, auch wenn der noch eine Stunde dauert. Ab dem Schild mit 3,5 km löse ich mich von einer sportlichen Gruppe, der ich hinterhergeschlappt bin weil mich plötzlich der Ehrgeiz packt, ob ich die Stecke unter fünf Stunden hinbekomme (auf die Uhr habe ich nicht einmal geschaut) – die vier Pausen haben jeweils maximal fünf Minuten gedauert (und müssten daher von der Zeit eigentlich abgezogen werden), um mehrere Becher Wasser, Cola und Magnesiumgetränke in mich hineinzuschütten. Kuchen, Bananen und Äpfel kann man ja auch im Gehen essen.

Die Strecke ist lang nicht so anspruchsvoll wie die vom letzten Samstag – auch nicht so schön, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn es ist ja keine Steinwüste oder ähnliches – das Wetter so, wie es kaum perfekter sein kann.

Zieleinlauf mit Medaille, Händedruck und Lob, danach zwei komplett überforderte Mithelferinnen, die 15 Minuten lang versuchen die Urkunde auszudrucken (da musste dann echt erst der Mann ran, dann ging’s) – derweil ein Weizen.

2017-06-24 15.53.16-2

Jetzt bin ich definitiv: müde!

 

Satt, aber richtig

Ich glaub‘, ich werde für den Rest des Jahres aufhören, mich / meine Hilfe / meine Unterstützung / mein Wissen / mein Know-How / mein … anzubieten. Wer was will kann ja fragen – aber ob ich dann Ja sage steht auf einem anderen Blatt.

Mir ist heute dann klar geworden, dass selbst in Verein 1 meine Mitarbeit / Unterstützung (oder wie man das auch immer nennen will) irgendwie / warum auch immer nicht gewollt wird, auch wenn dauernd Not an Frau / am Mann  ist. So sehen dann manche Ergebnisse auch aus, auch wenn ich es mit sehr vertretbarem Aufwand (für den ja eh nichts gezahlt wird) hätte deutlich besser / geschickter / schöner / eleganter / effizienter … machen können.

Ich bin es gerade einfach satt mich anzupreisen / anpreisen zu müssen – und dann doch immer stehen gelassen zu werden.

Und ja: Ich schiebe gerade richtig Frust.

Ungut

Erste Sitzung vom Vorstand von Verein 1 mit neuem Vorsitzendem und einem neuen Mitglied im Vorstand. Alle anderen sind vom letzten Jahr. Jetzt gibt es zu Beginn einen „Spirituellen Impuls“, das Protokoll wird nicht mehr verlesen, dafür wird ein Themenspeicher angeschafft, ansonsten das übliche Durcheinander und Ich-will-auch-noch-was-sagen-Geschwätz.

Bemerke während der langen Sitzung, wie ich mich immer einsamer fühle, weniger zugehörig als sonst. Kann es aber an nichts Realem festmachen.

Bitter

Ich hab‘ es schon zweimal erlebt, dass Chefs mir das Berufsleben so vergällt haben, dass ich gegangen bzw. gegangen worden bin. Und das letztendlich nur, weil meine Nase nicht mehr passte oder ich „zu gut“ war oder … egal, ich möchte das echt nicht mehr aufrühren. Ich hab‘ mir geschworen nie wieder in einem unternehmergeführten Betrieb zu arbeiten. Bin daher froh, quasi im öffentlichen Dienst untergekommen zu sein mit Betriebsrat, Dienstvereinbarungen und all solchen Segnungen.

Mein Mann ist im öffentlichen Dienst – und ihm passiert nun das gleiche wie mir. Der Chef, mit dem er über Jahre gut bis mittelmäßig auskam hat irgendeine Pflaume an oder in den Kopf bekommen – bei dem heutigen Krisengespräch wurde jedenfalls klar, dass der Chef an einer irgendwie gearteten Lösung nicht interessiert ist. Das ist jetzt echt bitter für meinen Mann, der seinen Job da sehr gerne und vor allem sehr, sehr gut gemacht hat. In der Kur hat er verschiedene Szenarien erarbeitet, was er wie anbieten könnte, wo er mitmacht, auf was er bereit ist zu verzichten und und und … aber davon will der Chef nicht auch nur einen Ton wissen – und das, wie gesagt, ohne ersichtlichen rationalen Grund.

Das ist einfach so bitter – vorallem wenn man weiß, dass dieser Chef meinen Mann vor Jahren extra auf diesen Posten geholt hat.

Jetzt mal sehen wie er gut da ‚raus‘ kommt, eine gute Alternative findet / entwickelt / sich aufstellt / einstellt …

Never ending Vodafone

Schon erwähnt, dass wir „dank“ Vodafone immer noch kein Telefon haben. Egal wie oft wir da anrufen – dort weiß mit Sicherheit nicht, was die rechte und was die linke Hand macht. Nach den ersten drei (hilflosen) Standardantworten der „Berater“ gibt es nur noch hilfloses Gestammel. Und egal was sie bisher versprochen haben: Gehalten haben sie davon genau: NICHTS!

documenta 14

Fazit nach sechs Stunden: Enttäuschend.

Vielleicht bin ich zu sehr Rationalist, aber dieses Jahr hat mich nichts, aber wirklich gar nichts angesprochen. Ich finde vieles recht plakativ, offensichtlich und vordergründig, nicht eine Überraschung sondern eher so ein Abnicken. Nichts, bei dem ich stehen geblieben und ins Überlegen gekommen bin, auch sinnlich nichts, was mich angetan hätte.

Bei den letzten gabe es immehin immer mindestens ein Werk, das mich in den Bann gezogen hat und an einige kann ich mich heute noch erinnern. Aber ob von dieser documenta etwas hängen bleibt, wage ich zu bezweifeln.

# 423 – Auf meinem Liebelingsberg

 

Ich hoffe mal, dass ein Klick auf ein Bild sich lohnen könnte. (OK, jetzt nicht so wie gewünscht, aber auf die Schnelle bekomme ich es nichts anders hin – die Gäste warten.)

Heute die Wanderung nachgeholt, die ich vor drei Wochen machen wollte. War einfach klasse! Kaum Leute unterwegs, ein wirklich toller Weg (und die eine Stelle, an der ich mich verlaufen habe, die bekomme ich beim nächsten Mal auch hin). Nicht ganz unanstrengend, denn 26 Kilometer bei einigen Höhenmetern gehen dann schon etwas auch in die Beine. Derweil ein Teil der Menschheit mit einer spontan ins Leben gerufenen WhatsUp-Gruppe ‚unterhalten‘. Ich vermute, sie werden weiter leiden müssen, wenn ich Teil 2 bis 5 laufe.

Über die schreibende Schulter geschaut

So genau weiß man es nicht, aber Marcel Proust soll in seinem 51-jährigen Leben an die 50.000 Briefe geschrieben haben (und die waren alle länger als eine WhatsUp-Nachricht!). Diese ungeheure Zahl ist, schaut man sich dessen Leben und Arbeiten an, nicht wirklich unwahrscheinlich, denn der Mann verbrachte Jahre seines Lebens in seinem Zimmer und schrieb – u.a. auch seinen fetten geilen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Seit Januar habe ich 572 von ihnen in den beiden neuen Briefbänden gelesen und bin nach wie vor fasziniert. Proust als Type ist schon recht eigenartig, eine verklemmte Schwester (der Zeit geschuldet), wohl auch einen Tuck hypochondrisch und in gewisser Weise auch immer mal wieder versessen. Andererseits muss das ein kluger, liebenswerter Kerl gewesen sein, der vor Empathie nur so gestrotzt haben muss. Und so eigen er wohl gewesen war – eitel, trotz auch des späten übergroßen Erfloges, war er nicht.

In geschätzt über der Hälfte der Briefe erwähnt er zwar seine schlechte Gesundheit mit einem Satz – um sich dann anderen Themen zu widmen. Dass kann enervierend ausfühlich sein, wenn es um die Möbel, die Teppiche, die Stühle, die Vorhänge, die Tische, das Bett, der Schrank, das … für die neue Wohnung geht, andererseits schreit es nach mehr, wenn er zur seinen literarischen Arbeiten Stellung nimmt. Aus den Briefen spricht etwas ‚Herzensgutes‘ – was mich vermuten lässt, dass es genau das, was die anderen an ihm nicht verzweifeln ließ, denn er konnte auch durchaus penetrant sein, wenn sein liebendes Herz verbotenerweise mal wieder höher schlug.

Mich freut’s, dass ich auch heute am Bloomsday fertig geworden bin, denn – oh Wunder, oh Zeichen – Marcel Proust und James Joyce sind sich einmal bei einem Abendessen begegnet. Im Jahr seines Todes 1922 am 18. Mai im Hotel Ritz auf Einladung des Mäzenenpaars Sydney und Violet Schiff. Mit dabei – und das muss man sich mal vorstellen – waren noch Igor Strawinsky und Paplo Picasso. Daraus müsste man doch mal einen Film oder ein Theaterstück machen (und etwas von der Wahrheit abgehen, denn nach unterschiedlichen Berichten hatten sich Joyce und Proust nichts oder nur Nichtigkeiten zu sagen).

Und hier noch ein Brief an Emmanuel Berl vom 26. Oktober 1919 der mir deswegen so gut gefallen hat, weil, hätte ich mit Proust eine handschriftliche Korrespondenz geführt, er mir das wohl (auch) geschrieben hätte:

Cher ami,

Ich bin außer Stande, zwei Zeilen zu schreiben. Ich will Ihnen aber doch sagen, dass ich heute Morgen einen Brief von Ihnen erhalten habe, der mir das größte Vergnügen bereitet hat, denn ich habe darin die mysteriösen Arabesken wiedererkannt, die Sie ironischerweise als Ihre Schrift bezeichnen. Aber dieses Mal habe ich, entweder liegt es an meinen Augen oder Sie haben sich selbst übertroffen, kein einziges Wort entziffern können. Ich weiß sogar nur deshalb, dass der Brief von Ihnen stammt, weil ich jede ganz besondere Form der Unleserlichkeit wiedererkannt habe, die die Ihre ist. Aber ich habe sie wiedererkannt wie man aufgrund der Manier sagt „diese Zeichnung stammt von jenem Künstler“, ohne dass man die Signatur gesehen hätte. Wenn Sie ihre Briefe an mich nunmehr diktieren wollen, berauben Sie mich des Vergnüngens, diese Zeichen bar aller rationalen Bedeutung zu betrachten, die in meinen Augen aber ihre Gesichtszüge nachzeichnen. Aber immerhin wüsste ich, was Sie mir sagen wollten.

Ihr ergebener

Marcel Proust

Eine 8 zum Bloomsday

Es gibt andere, die haben heute schon ausführlich zur „Ulysses“ von James Joyce geschrieben (bspw. hier und hier). Daher halte ich mal lieber meine Klappe und werde nachher noch etwas durch die Stadt streifen und versuchen eine 8 zu laufen. Denn Lepold Bloom tut es ja am 16. Juni in Dublin ebenalls. Auf die Einnahme alkoholischer Getränke werde ich aber bis heute abend verzichten, aber so ein Gorgonzola-Sandwich? Denn das Mittagessen Bloom’s besteht aus Gorgonzola-Sandwich mit Senf und einem Glas Burgunder in der Ormon-Bar.

Und ach ja: Lest‘ es, habt kein Angst! (Wer richtig mutig ist auf englisch.)

Have you a cheese sandwich?

—Yes, sir.

Like a few olives too if they had them. Italian I prefer. Good glass of burgundy take away that. Lubricate. A nice salad, cool as a cucumber, Tom Kernan can dress. Puts gusto into it. Pure olive oil. Milly served me that cutlet with a sprig of parsley. Take one Spanish onion. God made food, the devil the cooks. Devilled crab.

—Wife well?

—Quite well, thanks … A cheese sandwich, then. Gorgonzola, have you?—Yes, sir.

*

-Mustard, sir?

-Thank you.

He studded under each lifted strip yellow blobs.Their lives. I have it. It grew bigger and bigger and bigger.

Mr Bloom ate his strips of sandwich, fresh clean bread, with relish of disgust, pungent mustard, the feety savour of green cheese. Sips of his wine soothed his palate. Not logwood that. Tastes fuller this weather with the chill off.

*müffel*

Ich habe ja wirklich gerne (und viel) geraucht! Und könnte ich es auf sechs oder sieben Zigaretten pro Tag beschränken, dann würde ich nach wie vor rauchen. Doch das kann ich nicht.

Gestern mit S. mal wieder einen trinken, bei dem Wetter nicht in unserer ‚Stammkneipe‘ sondern ein paar Meter weiter, im Freien. Bei dem Wetter waren wir nicht alleine – versteht sich. Und da waren auch Raucher dabei – und zwar, wie ich fand, überraschend viele. Mit der Zeit hat mich das wirklich gestört.

Beim Aufwachen heute morgen roch das T-Shirt aber sowas nach Rauch – boa. Und als es gewechsel war, rochen die Haare.

Gott, was muss ich früher gestunken haben!

Nur all zu männlich

Auf dem Weg zur Arbeit. Der 30 Jahre jüngere Radfahrer überholt mich nicht nur, sondern braust auch davon. Nun gut, dass muss ich mir in diesem Alter einfach langsam gefallen lassen. Ca. zwei Kilometer später überhole ich ihn wieder – während er ganz gemütlich einer Radfahrerin hinterherfährt. Was so ein hübscher Arsch nicht alles bewirkt …

Aus der Nacht

Heute nacht geträumt, mit meiner Ex-Freundin T.  und meinem besten Freund P. Sex zu haben. Die beiden etwas zurückhaltend, da sie sich gar nicht kennen, aber ihnen scheint es Spaß zu machen, dass ich mich abwechselnd um sie bemühe. Überraschend schnell kommt P. zu einem gewaltigen Orgasmus. Ich bin fast neidisch – hä? – ich bin neidisch wie viel und wie weit er sein Sperma auf seinem Körper im Knien verspritzen kann. Andereseits freut es mich wiederum, dass die Situation ihn so geil macht(e).

News

Heute gibt es zu vermelden, dass es nichts zu vermelden gibt.

Der Tag

etwas länger geschlafen (sehr berechtigt) – genossen sich nix anziehen zu müssen und das tee-frühstück auf den balkon einnehmen zu können – krimilektüre beendet (absolut nicht empfehlenswert, aber es war schön die orte, in denen er spielte, fast alle zu kennen) – mal wieder im voskuil weiter gemacht – kleiner ‚workout‘ zur documenta – danach weiterhin nackt mit proust-lektüre und voskuil auf dem balkon – eine gute stunde am rechner wegen beckett u.a. – zwei stunden locker in der küche da abendgäste – a. bezeichnet mich als „nackedei“, dabei habe ich ein t-shirt an – schicklich angezogen begrüße ich den rest der gäste – bei spargel mal wieder die unterschiedlichsten themen, von griechenland bis verpatnerung – das theoretisch gemeinte „wollen wir noch abwaschen?“ (ich) wird praktisch interpretiert (mein „mann“) – jetzt wird geschimmelt …

# 422 – easy

2017-06-10 17.14.04

2,1 zu 2,3

Gestern spontane Einladung zur nachmittäglichen Abi-Grillen des ältesten Neffen von E. Wir also heute kurzerhand auf die Räder (bei mir nach fünf Stunden Schlaf, immerhin mit einem richtig geilen Literaturtraum) und durch die Sonne die 25 km hin. Angenehmes Beisammensein in der Sonne – etwas von Familienleben, wie ich es im Grunde schon gerne hätte.

Erinnere mich natürlich gut an mein Abi, vor allem an den Satz meines Vaters: „Vor zwei Jahren hätte ich keine 5 Mark auf Dich gewettet!“

Ja klar!

Ich habe bei meiner ‚Arbeit‘ ja wirklich wenig zu tun. (So wie es aussieht, bin ich in Spitzenmonaten zu etwas über 30 Prozent ausgelastet.) Und wenn dann jemand kommt, und mal doch was von mir braucht / wissen will – kein Thema, normalerweise wird das sofort erledigt.

Da ich dennoch Überstunden habe und meine Laune heute einfach nicht die beste ist, wollte ich heute eine halbe Stunde vorher gehen.

Ich bin gerade beim Einpacken, da steht der Chef in der Tür. OK, dessen Zeit  ist sehr beschränkt, also richte ich mich nach ihm. Wir besprechen eine neue (kleine) Aufgabe für mich – was mit allem hin und her dann doch eine halbe Stunde dauert. Aber gerne investiert, denn jetzt liegt am Montag etwas auf meinem Tisch.

Ich fahre den Rechner runter, räume die letzten Sachen in meine Tasche, da steht die Sekrtärin vor der Tür: „Du, mir ist gestern aufgefallen, da und da ist ein Fehler, kannst Du mal gerade …“

Warum gerade dann, wenn ich gehen will?

Also erledige ich das auch noch – und die halbe Stunde, die ich vom Überstundenkonto eigentlich abbauen wollte, habe ich zustätzlich drauf.

Der nächste Gleittag ist sicher.

Die spinnen, die …

Langsam mache ich mir echt Sorgen um die Klasse der Politiker. OK, dass die Amerikaner unbedingt diesen blonden Frosch haben wollten – ihre Sache (wenn auch leider mit Auswirkungen auf den Rest der Welt). Dass in Deutschland die Liberalen wieder Aufwind bekommen, nur weil die schwarz-weiß Fotos so schön geworden sind, ist auch so ein Ding. Schweigen wir mal von Urban und Erdogan, gucken wir auch nicht mal nach Polen … überall scheinen sich Typen und Typinnen breit zu machen, die das Volk als Stimmvieh betrachtet und es solange zu den Urnen schickt (oder auch nicht), bis es genehm ist.

Was hat sich Frau May eigentlich gedacht, als sie die Neuwahlen ausrief? Und was hat Cameron damals gedacht, über einen Brexit abstimmen zu lassen? Wird auf Kosten von Europa da nicht billigste Parteipolitik betrieben, um an der Macht bleiben zu können? Und warum scheint es gerade in Großbritannien eine nicht kleine Reihe von verantwortungslosen Politikern geben, die – siehe Brexit – es forcieren wie es nur immer geht und dann die politische Verantwortung abgeben.

Und vor allem Frage ich mich, warum das die (europäischen) Völker alle so mitmachen. So dumm? So faul? So gesättigt? So klein gehalten?

Klar, ich weiß auch, dass es auf diese ‚einfachen‘ Fragen keine einfachen Antworten geben kann, aber es scheint derzeit doch eine Entpolitisierung zugunsten einer unreflektierten, egoistischen Ich-Bezogenheit zu geben. Nicht „America first“ sondern „Erst mal ICH“.

Surprise

Ich find’s immer lustig, wenn man morgens in den Spiegel guckt und vergessen hat, dass man am Vortag beim Friseur war. Auch eine Form, wach zu werden, ohne eine kalte Dusche zu benutzen.

plitsch & platsch

Irgendwie plätschert derzeit alles, nicht nur der feine Regen vor dem Fenster. Mein Mann ist wieder zurück, was schön ist, aber der Alltag hat uns irre schnell wieder im Griff. Ich schlafe scheußlich, träume noch scheußlicher, aber lasse mir den Tag nicht wirklich vermießen, auch wenn ich auf der Arbeit Däumchen drehe. Gedanklich kommen auch keine Großtaten vor, meine Fotos bewegen sich im üblichen Bereich schön aber langweilig. Das Aufregendste wird heute wohl sein, dass ich mir die Haare schneiden lasse.

WMDEDGT 6/17

Mache ich (nach einer von Vodafone erzwungenen Pause mal)  wieder mit. Frau Brüllen fragt – wie jeden Monat am 5.: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

8:30 – Obwohl ich ausschlafen darf, wache ich auf und kann mich auch nicht überreden, weiter an der Matratze zu horchen, also …
8:45 – … wasche ich erstmal das (wenige) Geschirr ab, bevor ich mir einen Tee koche und meinen nackten Körper der Morgensonne preisgebe (die es mir nicht verübelt).
9:11 – Schicklich angezogen ‚wandere‘ ich mit „Oliver Twist“ auf den Ohren durch die Gegend und genieße die Lichter.
2017-06-05 10.53.50-2
11:15 – Ich gönne mir nach der ganzen Lauferei gegenüber einen Milchkaffee (der überraschenderweise dann doch schmeckt).
12:11 – Toast und Tee mit Lektüre und ohne Klamotten auf dem Balkon.
13:14 – Kurzer Mittagsschlaf
13:50 – Diverse Lektüren (Proust-Biographie von Tadie, Briefe von Prosut, neuster Roman von Edmund White), dazwischen verschiedene Kurznachrichten.
16:00 – Internet-Time – aber alles sehr lust- und ergebnislos, daher …
16:50 – … Restlektüre von White und duschen.
18:05 – Auf zum Griechen, Abschlussessen meines Strohwitwertums mit mir und Bodo Kirchhoff. Gutes Essen, sehr schlechter Service, falsche Rechnung (und so fühle ich mich auf den Wein als Entschädigung für den miserablen Service eingealden).
20:13 – Gerade noch rechtzeitig zum Tatort
20:27 – Familärer Anruf mit einer schreienden Mutter im Hintergrund – ob ich den Tatort noch checke?

Die Alternative

Die Alternative für den heutigen Tag wäre gewesen: Sechs Stunden Bahnfahrt an den Bodensee, vier Stunden Bodensee, sechs Stunden Bahnfart zurück.

Ich habe gestern Abend mit dieser Alternative geliebäugelt, aber:

  • Ich bin nicht frisch verliebt.
  • Mir wurde kein galaktischer Sex versprochen.
  • Es gab kein Gesprächsthema, welches man auch notfalls am Telefon hätte besprechen können.
  • Es gab keine irgendwie geartete besondere Situation.

Verrückt genug wäre ich schon gewesen – aber dann viel mir ein weiteres Argument ein. So eine Aktion hätte ‚Wichtigkeit‘ suggeriert – und das wäre eine Lüge gewesen.

O.T. und nicht o.T.

Ich lese ja nicht gerade wenig und kann mich auch durchaus  zwingen, ein Buch, das „man gelesen haben muss“, auch zu lesen, aber bei paar Werken streike ich bzw. streikte ich. Eins davon war u.a. „Schuld und Sühne“ von Dostojweskij. Allein schon wegen diesem moralinsauren Titel hatte ich mir geschworen, es nie in der Hand zu nehmen, obwohl ich ohne jede Frage ein Dostojewskij-Fan bin. Und so war ich froh, als ich so gut wie alles von ihm durch hatte, doch noch einen dicken Band mit dem Titel „Rodion Raskolnikoff“ zu finden – mit Abstand das beste Werk von Dostojeweskij und eins der besten der Weltliteratur überhaupt, ohne Frage. Das „Rodion Raskolnikoff“ nur die Übersetzung des Originaltitels ist und ansonsten im deutschen mit „Schuld und Sühne“ verlegt wird, fand ich Gott sei Dank erst nach der Lektüre heraus. (Obwohl ich das Buch total verärgert über die Wiese geschmissen habe, als ich mit dem Epilog fertig war. Aber den, das hab ich dann kurz darauf nachgelesen, musste Dostojewskij schreiben, sonst hätte er es nicht veröffentlichen dürfen.)

Ähnlich auch heute: „Oliver Twist“. Nee, bitte, Dickens muss echt nicht sein. Aber auf dem IPOD war sonst an Hörbüchern nicht mehr viel zu finden – und so dachte ich mir: Wenn ich es schon nicht lesen werde, kann ich ja mal reinhören. Bao ist das gut!

# 422

2017-06-01 19.59.48

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

weyrother.net

Mijonis chaotische Welt

Leben, Lieben, Queerbeet, Gedanken, Alles in einem

AISTHESIS

Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

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