fünfundzwanzig in viervierzig

von Bert

Der Busfahrer wünscht dem Ehepaar, das mit mir aussteigt „Eine schöne Wanderung dann!“ Da dreht sich der weit in den Siebzigern stehende Ehemann um, bedankt sich und meint trocken: „Wird eh nur ein Spaziergang heute“. Damit hängt also der Hammer da, wo er bei dieser Wanderveranstaltung hingehört. Denn die Strecke, die das Ehepaar, ich und vielleicht noch 30 weitere Leute laufen, steht auf der Liste der Angebote recht weit unten, fast über dem Bambinilauf von drei Kilometern. Die Liste beginnt mit einer Wanderung von 111 km (am Stück, ohne Übernachtung!), dann folgt eine von 87 km … und so geht es weiter bis zu den mageren 25.

Mal abgesehen, dass ich viel zu früh bin (dank der schlechten Info auf der Website), ist alles bestens organisiert. Alle sieben Kilometer gibt es eine gut organisierte Verpflegungsstation, bei denen selbst an Blasenplaster und Magnesiumtabletten gedacht wird. Schnell nach dem Start zieht sich das Feld auseinander, die ersten Kilometer läuft man quasi als Teil eines Lindwurmes mit, mit jedem Kilometer werden aber die Abstände größer. Obwohl perfekt ausgeschildert verlaufe ich mich, denn ich trotte für eine Weile einer Schwuppengruppe hinterher, die mal wieder mehr Augenmerk auf sich haben, als auf die Ausschilderung. Der Umweg kostet uns vielleicht einen Kilometer – geschenkt.

Ich bin baff erstaunt, wie viele deutlich übergewichtige Frauen sich auf den Weg machen, denen man sonst keine zwei Stockwerke Treppe zutrauen würde. (Ich sehe auch ein paar ankommen – nehme aber gleich den nächsten Bus zurück.)

Mit nicht geringem Respekt überhole ich die mit den zweistelligen Rückennummern, denn die haben selbst bei meinem ersten Kilometer schon das Meiste hinter sich – 111 am Stück, ich kann’s mir nicht vorstellen (auch wenn ich auf dem Weg überlege, ob ich das nächste Mal nicht vielleicht die 40 …).

Kilometerangaben fehlen fast auf dem ganzen Weg, erst stört es mich, dann interessiert es mich nicht, irgendwie bin ich im Flow, auch wenn die Beine merklich schwerer werden. Bei der letzten Verpflegungsstation die Info: noch sieben Kilometer, also ein Klacks, auch wenn der noch eine Stunde dauert. Ab dem Schild mit 3,5 km löse ich mich von einer sportlichen Gruppe, der ich hinterhergeschlappt bin weil mich plötzlich der Ehrgeiz packt, ob ich die Stecke unter fünf Stunden hinbekomme (auf die Uhr habe ich nicht einmal geschaut) – die vier Pausen haben jeweils maximal fünf Minuten gedauert (und müssten daher von der Zeit eigentlich abgezogen werden), um mehrere Becher Wasser, Cola und Magnesiumgetränke in mich hineinzuschütten. Kuchen, Bananen und Äpfel kann man ja auch im Gehen essen.

Die Strecke ist lang nicht so anspruchsvoll wie die vom letzten Samstag – auch nicht so schön, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn es ist ja keine Steinwüste oder ähnliches – das Wetter so, wie es kaum perfekter sein kann.

Zieleinlauf mit Medaille, Händedruck und Lob, danach zwei komplett überforderte Mithelferinnen, die 15 Minuten lang versuchen die Urkunde auszudrucken (da musste dann echt erst der Mann ran, dann ging’s) – derweil ein Weizen.

2017-06-24 15.53.16-2

Jetzt bin ich definitiv: müde!