Zur aktuellen Frage

von Bert

Nachdem ich jetzt mehrfach gefragt worden bin, was ich denn davon halte, dass am Freitag wahrscheinlich die „Ehe für alle“ entschieden werden soll.

Hier meine beiden Kurz- und Langantworten:

Kurzanwort 1: Geschickt.

Kurzanwort 2: Was soll das?

Langantwort 1: Ohne jede Frage war es ein geschickter Schachzug der Kanzlerin, das Thema noch vor der Sommerpause zu den Akten zu legen. Sie nimmt damit der Opposition das einzige (!) Thema, mit welchen die versuchten zu punkten. Man muss sich das mal bewusst machen! Kinderarmut? Arbeitslosigkeit? Rentendebakel? Europakrise? Kriegseinsätze? Wirtschaftliche Falschausrichtung? Freibriefe für Großkonzerne? Armutsrisiko? Nein – alles kein Thema weder für die Regierungsparteien noch für die Oppositionsparteien. Dieses Land ist in guter alter Kohl-Manier von seiner (Ur-)Enkelin Angela eingeschläfert worden mit einem „Wir schaffen das!“. Das hört sich positiv an, das zeigt Durchsetzungsstärke, das zeigt Wille, das zeigt Entschlusskraft. Was wie und warum ‚geschafft‘ werden soll – das ist kein Thema und niemand fällt anscheinend auf, dass bleierner Stillstand herrscht. Geschickt, geschickt!

Langantwort 2: Auch wenn das Thema meinen Mann und mich derzeit beschäftigt bleibt meine Grundhaltung die selbe. Was soll das mit der Ehe? Wenn ich richtig gerechnet habe, kostet eine Eheschließung an Gebühren so in etwa um die 150 Euro. Dafür kommt man automatisch in eine bessere Steuerklasse. Will heißen, die 150 Euro sind recht gut investiert. Legt man jährlich auch noch ein paar Kröten auf die Seite, so ist nach einigen Jahren auch die Scheidung schon bezahlt. Was soll dieses Konstrukt? Nur weil man sich vor dem Staat mehr oder weniger ‚verpflichtet‘, aber jetzt nur noch hauptsächlich mit der gleichen Person zu vögeln gibt es Geldgeschenke? Auch die Krankenkassenbeiträge werden quasi halbiert. Glaubt man denn, nur weil man verheiratet ist, würde man sich weniger mit Herzinfarkt, Autounfällen und Knochenbrüchen anstecken? Was geht es denn überhaupt den Staat an, mit wem ich zusammenleben will, wer mein bevorzugter Mensch zum Samenaustausch ist? Das Konstrukt Ehe ist eine überkommene Gängelinstitution aus dem Mittelalter – und feiert nach wie vor fröhliche Urstände. Aufgeklärte Gesellschaft, wo bist Du? Wer sich freiwillig gängeln lassen will – dem bleibt ja immer noch der Gang zu Kriche.
Meiner Meinung nach gehören sämtliche finanziellen Vorteile die Ehepartner haben ohne Wenn und Aber abgeschafft. Entscheiden sich dagegen Menschen ein Kind in die Welt zu setzen oder sich um ein oder mehrere Kinder im Sinne einer Erziehung zu kümmern, so ist das finanzielle Füllhorn über diese auszuschütten: kostenloser Kindergarten, kostenlose Vereine aller Couleur (Sport, Musik, Tanz, Theater, …), Ganztagsschulen mit kostenloser Verpflegung, Zuschüsse für Urlaube, Unterstützung (Nachhilfe) in Schule und Ausbildung, Förderung von individuellen Begabungen und und und …

Wenn mein Mann und ich wohl bald eine „Lebenspartnerschaft“ von Amtswegen begründen, dann wirklich nur aus rein finanziellen Gründen. Nichts mit Romantik und der schönste Tag des Lebens, sondern eine von Staatswegen erzwungene Anzeige, um das schmale Salär etwas zu verbessern, weil es diesem Staat ja nicht gelingt, für ausreichend vollwertige Arbeitsplätze zu sorgen oder eine gerechte Alterssicherung zu installieren. Und bei genauem Hinsehen heißt es daher nicht „Wir schaffen das“ sondern „Wir schaffen nichts“.