Nachtrag zu gestern

von Bert

Meine Vorstellung meiner Hochzeit war mal eine ganz andere. Damals bin ich aber auch noch davon ausgegangen, dass ich eine Frau ehelichen werde.

Geplant waren die Feierlichkeiten auf einem Berghaus im Schwarzwald. Das hätte für 50-60 Menschen Betten geboten, Platz für Zelte wäre auch noch ausreichend gewesen. Geplant, so stellte ich es mir immer vor, wäre die Anreise für Freitag gewesen, abends dann Wein, Gesang und geselliges Beisammensein bis ca. 1 Uhr oder so. Und dann wäre etwas eingetreten, was wohl für viele die Herausforderung geworden wäre, nämlich das: Silentium (= Stille). Will heißen: Von 1 Uhr morgens bis zur eigentlichen Trauung sollte niemand (!) auch nur ein Wort sprechen. Von Vorteil wäre es gewesen, dass die Trauung bei Sonnenaufgang hätte stattfinden sollen. Man hätte schon einen guten Tag auswählen müssen, sonst wäre das mit dem Aufstehen arg früh geworden. Also Aufstehen im Silentium, kurz Kaffee / Tee, ne Kleinigkeit in den Mund, dann eine gute halbe Stunden den Berg hoch, dort die Trauung mit Blick ins Rheintal durch einen katholischen Priester. (Der blieb übrigens auch im Programm, als klar wurde, neben mir würde ein Mann stehen. Denn ich kannte einen, der – entgegen der kirchlichen Lehre – kein Problem gehabt hätte, auch zwei Männer zu trauen.) Danach wieder Gesang, Wein, Weib und Mann und Fete bis Sonntag. Wer schließlich noch hätte bleiben wollen, hätte bleiben können.

Eine Besonderheit hätte es zudem noch gegeben. Denn zum Geschirrspülen hätte ich mich mit meinem besten Freund P. in die Küche eingeschlossen. Er vor (!) der Spüle, ich mit einer Flasche Champagner auf (!) der Spüle. Ich hätte ihm zugesehen, wie er Berge um Berge abwäscht – einfach nur als Wiedergutmachung der Berge, die ich schon für ihn abgewaschen habe. Da hat er aber jetzt Glück gehabt.