Blei fühlt sich dagegen leicht an

von Bert

In Zeiten der Kohl-Ära (1) waren Wahlkämpfe ja – bis auf den letzten – ja schon eher eine eher langweilige Veranstaltung. Aber in Zeiten der Merkel-Ära wird das ja an Langeweile und Beliebigkeit und Inhaltsleere getoppt.

Der CDU-Kandidat hier bspw. wirbt mit: „Für Sie im Bundestag“ und wird den SPD-Kandidaten, der mit so etwas wie einer Ahnung von einem Thema wirbt, ganz schön unter Druck setzen. Und schaut man über den Tellerand hinaus aufs Land, wird es ja auch nicht besser.

Es gibt in diesem Land eine nicht wirklich kleine Reihe von Themen, über die man kontrovers streiten kann (und muss). Aber keine der etablierte Parteien („Die Linke“ gehört mittlerweile auch schon dazu) greift auch nur ein einziges Thema wirklich und kontrovers auf.

Dieselskandal – von „Bündnis 90 / Die Grünen“ sind Töne zu hören wie von CDU / CSU. Die SPD bemüht sich zu einem „geht so eigentlich nicht“, Die Linke schafft es zu einem „geht so eigentlich echt nicht“ und die FDP – der liebe Gott hatte sie schon selig – haut ein indirektes „muss aber“ raus.

Altersarmut? Flüchtlingsfrage? Stromversorgung? Umgang mit Atombetreibern? Strafvollzug? Steuergerechtigkeit? Ärztemangel? Arbeitslosigkeit? Medizinische Versorgung für NICHT Privatversicherte? Gentechnologie? Sterbehilfe? Haushalt? Rüstung? Kriegseinsätze? … – alles KEIN Thema der ach so volksnahen Parteien. Es gibt – ohne jede Frage – Abgeordnete die sich echt um das bemühen, was sie stemmen können (Respekt!), aber die große Linie der Parteien ist auf „Ich-will-Macht-haben-daher-bin-ich-korrumpierbar“ ausgerichtet.

Mir tut das richtig weg, dass vorallem die, die sich das „Soziale“ auf die Fahnen geschrieben haben (und damit meine ich NICHT (!!!) diese rückwärts gewandte und reaktionäre CSU) keine Arsch mehr in der Hose haben, auch nur eins der Themen anzuflüstern.

Und die Scheiße ist: Wenn ich versuche im Freundes- und Bekanntenkreis mal ne Diskussion zu entfachen … (sollte ich vielleicht nicht besser  ’nen Bestseller schreiben mit dem Titel „Merk’stel was?“ Dann könnte ich wenigsten in die Südsee auswandern und das Elend hier nackend am Strand mit dem E-Book in der Hand vergessen.

Akuteller Nachtrag: blindefoldewoman (derzeit aus mir nicht bekannten Gründen nicht zu verlinken) hat mich auf diesen schweizer Artikel aufmerksam gemacht, der es echt auf den Punkt bringt. Man beachte vor allem das Zitat am  Ende!


(1) Für Jüngere unter uns hier: Zu Kohl’s Zeiten (der war mal für ein halbes Leben Bundeskanzler, wie die Merkel jetzt ein halbes Leben Bundeskanzlerin ist) gab es ein Buch mit dem Titel „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel García Márquez.