Durch die Zeit

Monat: August, 2017

Deutsches Vereinswesen – Die Soap

Heute gemeinsame Vorstandssitzung von Verein 1 (V1) und unserem Förderverein (FV). Wir danken ihm für die finanzielle Unterstützung der letzten Jahre – und ich als Schatzmeister erläuterte, was wir alles nur durch den FV ermöglichen konnten und wie wichtig es für unseren auf Kante genähten 180.000-Euro-Haushalt ist, notfalls auch auf ein paar Tausender zurückgreifen zu können. Man nimmt es mit huldvollem Nicken entgegen.

Dann purzeln aus dem Mund des Vorstandes vom FV Begriffe wie „Doppelstruktur aufheben“, „Synergieeffekte schaffen“, „einheitliches Auftreten“, „Konzentration von Man-Power“ und weiteres mehr aus dieser Begriffswolke. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass der FV gerne mit uns fusionieren würde, würde aber die Arbeit dann selbstverständlich unter unserem Dach natürlich fortführen. Warum aber betont der Vorsitzende FV aber die ganze Zeit von „Luft raus“, „nur noch rudimentäre Aktivitäten“, „Nachwuchssorgen“?

Und so ergibt sich das Bild: FV will fusionieren, möchte ein paar Vorstandsposten besetzen, um noch mitreden zu können, möchte aber nicht mehr aktiv mitarbeiten.

Ich bin richtig sauer geworden, dass sie uns für dumm verkaufen wollen – als würden wir das nicht merken. Also gab es zumindest von mir heftigen Gegenwind und die Wortgefechte mit dem ehemaligen Staatsanwalt waren echt nicht übel – immerhin habe ich es mit ihm zu einem Patt geschafft.

Ich werde gegen ein paar Ideen von FV, wie die Fusionierung sein könnte, mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln vorgehen, denn sich nur die Rosinen vom Brot zu nehmen ist einfach nicht drin. Denn der Vorwurf, wir hätten zu wenig Geld von ihnen abgenommen und daher hätten sie ihre Aktivitäten herunterfahren müssen, ist Humbug. Wir hätten ohne Probleme das Mehrfache gerne genommen, um endlich eine notwendige halbe Stelle zu schaffen – aber so …

Der Sommer war nicht sehr groß.

Finde ich. Das Gefühl, kaum Sonne gehabt zu haben. Umso genussvoller heute den Nachmittag nackend in Wohnung und auf Balkon. Mich würde es nicht wundern, wenn es der letzte für dieses Jahr gewesen ist.

Schade eigentlich

Ich hatte es schon einmal hier, dass der Lesekreis mit der „Ästhetik des Widerstandes“ von Peter Weiss schwächelt. Die verschobenen Termine ziehen sich weiter durch die Monate (wenn wir so weiter machen, werden wir gut drei Jahre (!) brauchen, da durch zu kommen – das ist mir definitv zu lang) und so richtig anmachen tut der Text uns auch nicht. Mir ist vieles zu veraltet, vieles zu dokumentarisch, vieles zu pseudoautobiographisch – oder vereinfacht ausgedrückt: Das erzählt sich einfach nicht.

Schon schade – aber das wird sich nicht ändern, ich bin da eindeutig in der Minderheit.

Von vor ein paar Tagen – oder so

Auf dem Heimweg. Ein Radfahrerin grüßt mich. Reflexartig grüße ich zurück – wenn sie mich kennt, müsste ich sie wohl ja auch kennen. Nach wenigen Metern steigt sie in die Bremsen und fährt zu mir zurück. OK, ja, ich kenne sie – aber woher? Sie fällt mir freudig um den Hals – hallo? Waren wir mal schon soweit? Ein paar Minuten Smaltalk, den ich überraschenderweise recht gut zu führen weiß. Dann eine nette Verabschiedung mit dem Versprechen, in einer bestimmten Kneipe demnächst Ausschau nacheinander zu halten.

Auf den restlichen drei Kilometern zu Fuß komme ich jedenfalls zum Schluss, dass ich sie aus dem universitären Kontext kennen muss. Recherchen im Internet bestätigen das auch – und es dämmert nur ganz langsam, dass es ja A. war, die Assi vom schärfsten Linguisten-Prof. gewesen ist, die mir bei meiner schriflichen Prüfung dann noch was falsches (!) diktiert hatte – es war dann doch kein doppelter Akkusativ. (War aber auch egal – der Prof. hat ja nie ne 1 gegeben, da konnte ich mir auch ein paar Fehler erlauben.)

# 439

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Ja, nein, vielleicht?

Nachher kommt überraschend U. Und wie immer muss die Frage offen bleiben, ob sie Lust auf Sex hat oder doch nicht.

Kurz: …

Gestern, auf dem Fest von Verein 1 nur für die Internen, also „entre nours“, begrüßte ich u.a. auch natürlich den Ehemann von M. Mit M. bin ich, da ich eine gewisse Funktion habe und sie die Buchungen vornimmt, regelmäßig im Gespräch – kurz, wir mögen uns wirklich, liegen auf einer Wellenlänge … . Ihren Mann, F., sah ich gestern zum zweiten Mal und nach der der eben zweiten Begrüßung und dem kurzen Smal-Talk war für mich klar: Der mag dich nicht – wir können nicht miteinander. Bei dem ersten Treffen war ich total neugierig auf ihn – wurde aber eine echt steife Angelegenheit, die mich in die Flucht trieb.

Heute das nächste Fest von Verein 1, diesemal für die Externen, also total offiziell und richtig mit lokalen Prominenten, so dass selbst die Zeitung meinte da sein zu müssen (oh Wunder!) ebenfalls zuerst M. begrüßt (Umarmung), dann ihren Mann (männlicher Händedruck). Anschließend hat er (!) mich mit einer Charm-Offensive belegt, dass mir richtig schwindlig wurde und ich nicht wußte, wie ich reagieren soll (aber das ist ja so selten nicht). Mich hat das dann doch sehr gefreut, denn diese Offensive hatte eine ähnliche hilflose Qualität, wie wenn ich um jemanden ‚buhle‘. Kurz: Morgen bekommen sie ne Mail, wann sie zum Essen hier vorbeikommen wollen.

Gestern dann (sehr bewußt) auch an einen der ganz hinteren Tischen Plazt genommen – obwohl meine ‚Stellung‘ in Verein 1 „naturgemäß“ mich an Tisch Nr. 1 hätte zum Sitzen bringen mögen / „müssen“ – und dort zufällig neben B. zum sitzen gekommen. Ich bin im Schätzen vom Alter eh schlecht, aber wer B. sieht und schätzen soll, liegt, egal wie gut man ist, grundsäztlich total daneben – denn B. ist eine gestandene Frau, die aber einfach min. 15 Jahre jünger aussieht als sie ist. Das führt hin und wieder zu total absurden Dialogen. Ihr Mann, C. hat sie begleitet, den ich bis dahin einmal für drei Minuten gesehen hatte. Wir sind gesten dann zu dritt echt gut ins Gespräch gekommen und heute waren sie ebenfalls da und bei den einzigen zehn Minuten, in denen ich nicht als ‚Verantwortlicher‘ für den Empfang mit Trullalla in Action war, hatten wir uns einfach gut unterhalten – sehr gut möchte ich sogar sagen, denn was B. und C. da zu Sprache brachten ging schon in Richtung intim.

Und ich hab mir dann geschworen, jetzt verdammt noch mal in diesen Dingen auf meinen Bauch zu hören und ihm auch zu vertrauen – denn als ich B. das erstmal sah und kurz sprach (ist jetzt wohl gut drei Jahre her), war offensichtlich, dass wir in verschiedenen Welten leben – aber etwas von uns dann doch im Gleichklang ist (so der etwas arg undeutlich nuschelnde Bauch). Kurz: Morgen bekommen sie ne Mail, wann sie zum Essen hier vorbeikommen wollen.

Und wenn ich schon dabei bin: K. bekommt auch noch eine. Wir kennen uns irgendwie aus dem Studium (aber nur vom Sehen, echt nicht mehr) und haben uns dann 29 Jahre später (sieht besser aus als 30) eben in Verein 1 wieder getroffen und seit dem, wenn wir uns dort sahen … sagt(e) der Bauch: „Hey Du, das ist echt eine Nette, die ist nicht falsch, die ist nur so vorsichtig wie du … “

Meine Sorge gilt jetzt echt, dass ich die alle auch dieses Jahr noch hier zu einem Abendessen sehe.

„I will survive“

Ich müsste einen neues Blog aufmachen, ich müsste mindestens ein Jahr Dinge posten, damit man den Witz kapiert.

Heute große Geburtstagsfeier von Verein 1. Tolle Location, Büffet war halt Büffet, Stimmung trotz Verabschiedung der langjährigen, guten und beliebten Geschäftsführerin entspannt und locker. Und irgendwann kam eben das hier:

Ich saß an einem Tisch mit ein paar anderen Leuten, beugte mich dann zu B. hinüber und meinte: „Ist schon mutig, dass bei ‚unserer‘ Geburtstagsfeier‘ zu spielen“ – woraufhin B. erst stutzte und dann fast das Weinglas hat fallen lassen vor Lachen.

Ja, sorry, das ist ein Insider, ein totaler, und ich vermute, die zwei, die das hier kapieren könnten, kapieren es auch nicht so richtig, aber mir ist es wichtig, das festzuhalten, denn wenn ich die Aufgabe von Verein 1 in einem Song zusammenfassen müsste, dann der hier. Denn genau das versuchen wir zu vermitteln.

Zudem: Ich kenne keine schwule Fete, auf der dieser Song nicht lief. Und es ist im Grunde der einzige Song, der mich auch fast immer auf die Tanzfläche jagt(e) (und das will bei mir was heißen, denn ein Song, der mich noch öfters auf die Tanzfläche gejagt hat, gibt es nicht). Bei ARTE lief vor wenigen Wochen eine richtig gute und auch für Heten sehenswerte zweiteilige Dokumentation über schwule Hymnen, die man HIER nachgucken kann.

 

o.T.

Ich gehöre mal wieder schon längst ins Bett. Nicht, weil ich morgen im Job viel zu tun hätte (nein, das Gegenteil), sondern weil das WE anstrengend wird, da Verein 1 einen runden Geburtstag feiert und verschiedene Festivitäten stattfinden, bei denen ich als Vorstand schon dabei sein muss und andererseits bei zwei Veranstaltungen zwar nicht wirklich den Hut auf habe, aber dann doch irgendwie …

Und das nervt mich gerade extrem: „Irgendwie“. Die eine Veranstaltung habe im Grunde ich geplant, aber „irgendwie“ läuft es jetzt doch anders ab. Im Grunde hatte die andere Veranstaltung ein bestimmte Ausrichtung, aber „irgendwie“ …

Hatte es schon mal hier (oder?), aber meine ‚Wirkmächtigkeit‘ (wie das echt so heißt) ist ‚irgendwie‘ ganz schön gering, denn dauernd rüsselt jemand anders auch noch rein, was an sich nicht schlimm wäre, wenn die Idee, die dahinter steckt, verstanden worden wäre.

Gerade etwas ohne ne echte Strategie.

Blei fühlt sich dagegen leicht an

In Zeiten der Kohl-Ära (1) waren Wahlkämpfe ja – bis auf den letzten – ja schon eher eine eher langweilige Veranstaltung. Aber in Zeiten der Merkel-Ära wird das ja an Langeweile und Beliebigkeit und Inhaltsleere getoppt.

Der CDU-Kandidat hier bspw. wirbt mit: „Für Sie im Bundestag“ und wird den SPD-Kandidaten, der mit so etwas wie einer Ahnung von einem Thema wirbt, ganz schön unter Druck setzen. Und schaut man über den Tellerand hinaus aufs Land, wird es ja auch nicht besser.

Es gibt in diesem Land eine nicht wirklich kleine Reihe von Themen, über die man kontrovers streiten kann (und muss). Aber keine der etablierte Parteien („Die Linke“ gehört mittlerweile auch schon dazu) greift auch nur ein einziges Thema wirklich und kontrovers auf.

Dieselskandal – von „Bündnis 90 / Die Grünen“ sind Töne zu hören wie von CDU / CSU. Die SPD bemüht sich zu einem „geht so eigentlich nicht“, Die Linke schafft es zu einem „geht so eigentlich echt nicht“ und die FDP – der liebe Gott hatte sie schon selig – haut ein indirektes „muss aber“ raus.

Altersarmut? Flüchtlingsfrage? Stromversorgung? Umgang mit Atombetreibern? Strafvollzug? Steuergerechtigkeit? Ärztemangel? Arbeitslosigkeit? Medizinische Versorgung für NICHT Privatversicherte? Gentechnologie? Sterbehilfe? Haushalt? Rüstung? Kriegseinsätze? … – alles KEIN Thema der ach so volksnahen Parteien. Es gibt – ohne jede Frage – Abgeordnete die sich echt um das bemühen, was sie stemmen können (Respekt!), aber die große Linie der Parteien ist auf „Ich-will-Macht-haben-daher-bin-ich-korrumpierbar“ ausgerichtet.

Mir tut das richtig weg, dass vorallem die, die sich das „Soziale“ auf die Fahnen geschrieben haben (und damit meine ich NICHT (!!!) diese rückwärts gewandte und reaktionäre CSU) keine Arsch mehr in der Hose haben, auch nur eins der Themen anzuflüstern.

Und die Scheiße ist: Wenn ich versuche im Freundes- und Bekanntenkreis mal ne Diskussion zu entfachen … (sollte ich vielleicht nicht besser  ’nen Bestseller schreiben mit dem Titel „Merk’stel was?“ Dann könnte ich wenigsten in die Südsee auswandern und das Elend hier nackend am Strand mit dem E-Book in der Hand vergessen.

Akuteller Nachtrag: blindefoldewoman (derzeit aus mir nicht bekannten Gründen nicht zu verlinken) hat mich auf diesen schweizer Artikel aufmerksam gemacht, der es echt auf den Punkt bringt. Man beachte vor allem das Zitat am  Ende!


(1) Für Jüngere unter uns hier: Zu Kohl’s Zeiten (der war mal für ein halbes Leben Bundeskanzler, wie die Merkel jetzt ein halbes Leben Bundeskanzlerin ist) gab es ein Buch mit dem Titel „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel García Márquez.

 

Anton Weyrother

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