Durch die Zeit

Monat: September, 2017

Zeitreise

Jut, ich bin dann mal für vier Tage wieder im Mittelalter. Als Koch. Frühstück und Mittagessen für jeweils 15 Reckinnen und Recken. Abendessen hängt dann in vielfältiger Form von Wurst, Käste und Brot so in der Gegend rum.

Es gibt die bewährten Kohlrouladen, heute ne einfache Pilzpfanne (ggf. mit Pfannekuchen), Sonntag dann schon etwas die Herausforderung: Rehgulasch mit Semmelnknödel und einer Art Bigosch – das über offenem Feuer (maximal zwei Kessel nebeneinander …). Die Linsensuppe am Montag ist dann Erholungsprogramm.

in progress

Mich lässt das gestrige Gespräch nicht los. OK, es war schon richtig krass, das ist das eine – das ander ist, dass ich das Gefühl habe, dass ich für ihn als „alter Mann“ eine gewisse Rolle habe / bzw. er sie mir zuschrieb.

Auch wenn K. jetzt wirklich nicht viel jünger ist als ich (wohl fünf oder sechs Jahre, mehr defintiv nicht) kenne ich schon den Wunsch, einen älteren Mann zu haben, mit dem man(n) sich austauschen kann, der so ein bisschen auch Vater ist – aber bloß nicht Vater ist.

Der Wunsch nach dem „väterlichen Freund“, so wird es meist genannt. Einer, der Erfahrung hat, der Ruhe hat aber eben weiß, was Mann so auszustehen hat, was Mann so beschäftigt, was Mann will, was Mann …

Das ist alles komplett unausgegoren, durcheinandrig, unüberlegt, … aber es lässt mich nicht los.

Soviel zur Abteilungsstimmung

Verabschiedung einer Kollegin, die einen anderen Job gefunden hat. Sie hat zum Schnitzel-Essen eingeladen. Es gibt Geschenke. Der Abteilungsleiter sagt nette Worte. Sie antwortet darauf naturgemäß lang und wortreich – aber eine persönliche Note in Hinsicht auf die Kolleg*innen fehlt nahezu vollständig. Nur am Schluss zählt sie auf, warum sie mit wem in Kontakt bleiben will – jeweils aus inhaltlichen Gründen.

K. & Förderverein & Tod

Treffen mit K. Ziel: Ich möchte ihn als Mitarbeiter für den Förderverein von Verein 1 gewinnen. Es gibt echt schwerere Aufgaben. Er sagt nicht zu, aber hat eine Reihe von Ideen, die nur gut sind und die vorallem ihn auch interessieren. In welcher Form auch immer: Den haben wir.

Ich kenne ihn kaum, seine Frau nur ein kleinwenig besser, zusammen habe ich sie zweimal kurz erlebt – und das war ein Fest. Dennoch gestaltet sich das Gespräch mit ihm irgendwie schwer, die Pausen werden lang.

Als wir uns verabschieden sind gefühlt gut vier Stunden vergangen – der Blick auf die Uhr zeigt: 93 Minuten.

Nach dem ofiziellem Teil sind wir über in paar Umwege zur eigenen Biographie gekommen und plötzlich beginnt er über Dinge zu erzählen – grausame Dinge – von denen gerade noch seine Frau und der Therapeut weiß. Irgendwann hat er auch Tränen in den Augen – und ich merke, dass ich mit meinen Fragenn / Anmerkungen / … im Zentrum bin.

Auf der einen Seite ein Vertrauensbeweis – auf der anderen bin ich (mal wieder) die Müll-/ Schutthalde.

Aber – fällt mir gerade ein: Meine erste Freundin hat mich damal mal als „Müll- UND Problemkind“ bezeichnet. So genau habe ich es nie verstanden, wo da der Unterschied bestand (besteht?), für sie war ich damals jedenfalls das erste Exemplar, dass beide Kriterien erfüllte.

Für mich das Fazit: K. hat – warum und wie auch immer – Vertrauen zu mir. Seien Frau hat es ebenfalls schon ausgetestet. Wir sind in ‚Verhandlungen‘ wann es endlich mal einen Termin gibt, wo sie zum Essen kommen.

Reingefallen!

Als Schüler habe ich, ich würde nach wie vor schwören, dass es bei Satre war, den Satz gefunden: Nulla dies sine linea. Und als einer der letzten Menschen, die noch das große (!!!) Latinum haben – wer mich fragt, mit welcher Note, bekommt mit Sicherheit keine Antwort, zu peinich das – habe ich das natürlich formvollendet übersetzt mit: Keinen Tag ohne Zeile. Und mit Zeile war die Buchzeile gemeint. Worüber ich schon etwas unklar war, ob jetzt damit gemeint war, die Zeile zu schreiben oder zu lesen. Ich entschloss, dass ‚lesen‘ eine gerechtfertigte Interpretation ist (Satre hat wohl ’schreiben‘ gelesen) und macht das Motto zu einem meiner Lebensmotti.

Gestern finde ich hier das:

Der Satz „Nulla dies sine linea“, den angeblich Plinius dem berühmten griechischen Maler Apelles in den Mund gelegt hat, der aber in Wirklichkeit so formuliert erst aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt, gehört zusammen mit der „Line of beauty“ von William Hogarth (1753) zu den immer wieder beschworenen Charakteristika der Zeichenkunst.

Hä? Zeichen-Kunst?

Tageslektüre

Letztes Jahr habe ich – aus reinem Interesse und nicht aus irgendwelchen religiösen Anwandlungen – die Bibel gelesen. (Einen Blog dazu gibt es auch – verwaist, den Text würde ich auch als pdf zur Verfügung stellen, falls es interessieren würde.) Von Freunden bekam ich die „Jahresbibel“ geschenkt, die die gesamte Bibel über 365 Tage in Häppchen aufteilt. Das war der Garant, dass ich da auch durchgekommen bin.

Ganz bald nach Ende der Bibellektüre ist mir aufgefallen, dass mir das tägliche, feste Lesen fehlt. Also hab‘ ich, auch etwas durch Zufall bedingt, begonnen die Briefe von Proust zu lesen und zugleich auch eine Biograhie zu Luther.

Jetzt ist es so, dass ich in einem Fachbuch pro Tag zehn Seiten und in einem philosophischen oder lyrischem Werk drei Seiten lese. Und zu meiner Überraschung – es funktioniert richtig gut. Wenn ich dann zudem noch auf die Liste schaue, was man dan so weg liest … Respekt.

Es gibt dann immer Tage, an denen ich mir Sorgen mache, was ich denn danach lesen soll, kann, will, … . Und hin und wieder werde ich richtig nervös. Aber das brauche ich echt nicht, denn es ergibt sich. Bis heute las ich eine neue Papstgeschichte, vor zehn Tage stieß ich auf Biogrpahie zu Karl Marx, mit der ich dann morgen beginne. Noch lese ich eine Lyriksammlung, danach kommt Nietzsche und dann, wie mir vor einer Stunde im Internet so vor die Füße fiel, die Sonette von Shakespeare.

Krude Mischung – aber das machts aus.

Nachtrag zum Wandern

zu Fazit II:
Hördauer Hörbuch: 17:15 Stunden
Gesamtdauer Hörbuch: 23:32 Stunden
Anzahl Toter (bisher): mehrere Hundert
Persönliche Anmerkung: Don Winslow ist echt mehr als ein Thriller-Autor, auch wenn er das Genre beherrscht. Aber das eine muss ja das andere nicht ausschließen.

Überrascht?

Von der Wahl?

Nicht im Geringsten.

Immerhin hat es die SPD verstanden und geht in die Oppostition – ansonsten stände sie bei der nächsten Wahl nicht mehr zur Wahl.

Etappe 6 – 35.000 – # 448f

Wahrlich nichts Neues: Nebel motiviert mich nicht. Und weil es so halbnackt in der Küche heute morgn auch nicht wirklich gemütlich war, bin ich einfach eine Stunde früher los – was sich als perfekt herausstellte, denn als ich viereinhalb Stunden später wieder im Bus saß, zog der Himmel endgültig zu.

Die ersten zehn Kilometer gehörten zu den schönsten, mäandernd unter Laubbäumen an einem Bach entlang – leider aber auch so mies ausgechildert bzw. ich so verpennt, dass ich noch querfeldein musste, um die Richtung zu halten.

Dann unsinnige, nervige Umwege, um ja nicht nah genug an Wohnbebauung heranzukommen – und wenn, dann weit und breit kein Bäcker, bei dem ich mir hätte einen Kaffee schießen können, auf den hatte ich die ganze Zeit Lust.

Zu Beginn des zweiten Teils eine Neuerung auf dem Weg: Wanderer! Erst zwei, dann nochmals drei, alle in meine Richtung. Doch den Vorsprung, den sie durch meine Mittagspause erarbeitet hatten, war schnell aufgebraucht, auch wenn ich schnittmäßig heute langsam unterwegs war …

Dann heftig einen Berg hoch (den ich mir im Bett noch vorgenommen hatte zu ignorieren) und von dort eine theoretisch fantastischen Ausblick.

2017-09-23 12.19.21

Das Reizvolle daran: Wenn man sich auskennt, weiß man, von wo ich gestartet bin. Sei’s drum.

Dann die restlichen sieben Kilometer mit wirklich müden Beinen abgespult, aber immerhin ohne Jacke und – bis auf die fernen Autobahngeräuschen – eigentlich auch ganz idyllisch.

Fazit I
Hat Spaß gemacht – ich sollte nur wirklich lernen, richtige Pausen zu machen, denn dann wäre ich in sieben Tagen durchgekommen, denn jetzt fehlen vielleicht noch ca. 15-18 Kilometer. Doch morgen ist definitiv Ruhetag. Die Lücke ist hier schön zu sehen:

Screenshot (3)

Fazit II (in Zahlen)
Gesamtlänge: 139,6 Kilometer
Durchschnittliche Etappenlänge: 19,9 km
Gesamtzeit: 28:54:00 Stunden
Durchschnittliche Etappendauer: 4:07:43
Durchschnittlich km/h: 4,83 (max 5,19, min 4,33)
Höchster Punkt: 590 mNN
Tiefster Punkt: 111 mNN
Höhenmeter insgesamt: 11.832
‚Tiefen’meter insgesamt: 11.963
Durchschnittliche Höhenmeter/km: 88,6 (max. 110,9, min 53)

Fazit III
Mein Respekt für E., der ja mal nach Santiago gelatscht ist (wer nachlesen will: hier), war ja schon immer hoch – aber jetzt ist er angemessen hoch. Wenn ich alleine bedenke, dass der da ein paar Kilo mehr auf dem Rücken hatte und dass er nicht unbedingt ein bequemes Bett gefunden hat. Und überhaupt: Absolut Hut ab!

Etappe 5,25 – 33.000 – # 446f

Wie gestern: Der erste Blicka aus dem Fenster: dichter Nebel. Wie gestern: verschiedene Partien das Körpers sind unlustig, sehr unlustig. Ich auch – und irgendwie denke ich mir: Morgen, morgen läufste dann halt nicht.

Die Verlagerung des Starts um eine weitere Stunde nach hinten zeigt Wirkung – auf dem ersten Kilometer. Dann das altbekannte Bild:

2017-09-22 11.04.29

Aber die kleine Pause gestern hat gut getan, es läuft sich recht gut, was auch daran liegt, dass Steigungen eigentlich keine wirklich zu verzeichnen sind. Dafür ein Reiher, ein Stück gesperrter Weg, den ich intuitiv dadurch umgehe, indem ich mich davor verlaufe und, man will es nicht glauben, wieder keine Wanderer sondern nur Hundebesitzerinnen.

Die verordente Pause nach 12 Kilometer fällt wieder recht kurz aus – macht kein Spaß in der Suppe rumzusitzen. Außerdem wirds mir dann doch kalt und zugig, also nur schnell ein Brötchen, etwas Tee, etwas Schokolade und dann in gemächlichem Tempo weiter. Dann das nicht mehr Erwartete: Sonne!

2017-09-22 13.53.00

Ich komme sogar über meine Lieblingsbrücke und hab auf den letzten Kilometer die dicke Jacke aus. Ist schon unglaublich, wie die Stimmung mit der Sonne steigt. Und kurz überlege ich mir, vielleicht doch 25 zu laufen, aber da ich morgen jetzt doch noch laufen will, bin ich – selten genug in meinem Leben – vernünftig und belasse es bei den 22.

Bis auf den Schluss ein eher unspektakulärer Weg meist am Waldrand entlang, in der Ferne immer mal wieder das Wahrzeichen, bei dem ich gestartet bin und es ist schwer zu glauben, dass es bis dort nur noch 40 Kilometer sein sollen. Sieht immer viel weiter und dann wieder viel näher aus.

Zurück fahre ich mit der Linie, mit der ich auch am ersten Tag zurück gekommen bin, bloß halt die andere Richtung. Schon lustig zu beobachten, mit welchen Linien ich quasi sternförmig weg- und zurückgefahren bin.

Zu Hause noch weitere Sonne auf dem Balkon – statt Erholungsschlaf dann doch lieber nackt noch die Tageslektüre bevor ich mir ein Muskelerholungsbad gönne.

 

Erotischer Adventskalender - der Test

Du wolltest schon immer wissen, was die teuren erotischen Adventskalender taugen? Ich habe den Test für dich gemacht ...

Rummelschubsers Blog

Ein Rummelschubser im Kampf vs Glioblastom

Tanne's lyrische Lichtungen

Einsame Insel. Tosende See. Peitschender Wind. Finsterer Nadelwald. Lichtungen. Ewige Stunde null? Willkommen.

Geschichten aus der Großstadt

aus dem Leben eines Singles.

Confidentcontradiction

aus dem Leben eines Twentysomething-Mädchens

Depressiver Optimist

Textrovertierter Vorstadt-P(r)o(l)et.

stefan mesch

Literature. TV. Journalism.

MARKUS JÄGER #DasguteBuch

Bücher und Begeisterung

Der Feind in mir.

Ein Protokoll.

HALLO WELT!

Mein Auslandsblog für alle in der Heimat

... ach, nichts.

Fachmagazin für depressive Landschaftsfotografie und allgemeinen Kulturpessimismus