Durch die Zeit

Monat: September, 2017

Etappe 4,5 – 19.000

Nach dem Aufwachen ein Blick aus dem Fenster: Nebel. Nach dem Aufstehen eine kleine Revolte des Köpres. Achillissehne, Knie und Aduktoren melden sich zu Wort, etwas später Bein- und Rückenmuskulatur. Dennoch, um viertel nach neun bin ich wieder auf der Strecke – und schleppe mich durch den Nebel so dahin. Ich bin einfach, einfach müde.

Anfänglich ist der Weg recht schön, dann geht es lange durch einen Tannenwald – im Nebel noch trostloster. Meine Stimmung ist weder gut noch schlecht – aber Spaß ist etwas anderes. Muß ich mir das unbedingt geben? Was habe ich davon? Worin besteht ggf. eine Notwendigkeit?

Wäre ich wie E. damals auf dem Jakobsweg unterwegs, dann hätten sich die Fragen leicht anders gestellt – aber auch da hätte ich wohl die Etappe dann auch etwas verkürzt. Ich weiß noch gut genug, wie schmerzhaft und vor allem wie langwierig so eine Achillessehnenentzündung sein kann. Daher – und auch wegen der allgemeinen Konsitution – höre ich schon nach 11 Kilometer auf. Damit werde ich bis Samstag die Reststrecke nicht mehr schaffen – aber wen juckts? Mich so ein kleinwenig, zugegeben, wäre schon schön gewesen zu sagen, dass es geklappt hat – aber die 20 Kilometer, die dann fehlen werden, sind echt zu verschmerzen.

Also die nächsten beiden Tagen zwei Mal 15 Kilometer und wenn das Wetter dann mal so ist, wie heute Nachmittag, dann werde ich auch anständige Pausen machen können, da Rumgehocke im Nebel irgendwie nicht mein Ding ist.

Etappe 4 – 32.000 – # 445

Den ersten Teil der Etappe kannte ich ja schon und hab‘ die ersten fünf Kilometer auch richtig Tempo gemacht, weil ich mich erinnerte, dass das ja so eine Flachstrecke ist, auf der man Tempo machen kann. Ja, stimmte – für die ersten fünf Kilometer. Die restlichen 14 waren dan ein beständiges auf und ab. Auch wenn ich am Sonntag ja so richtig einen Berg hoch bin, mehr Höhenmeter wie heute habe ich in den letzten Tagen nicht gemacht. Und das steckte mich am Schluss (und auch jetzt noch) etwas in den Beinen. Morgen muss ich das echt langsamer angehen, denn da liegen 25 Kilometer vor mir.

Wettertechnisch ist es bis heute immer schlechter geworden – zwar für ein, zwei Kilometer Sonnen wie hier …

2017-09-20 09.33.59

… aber das blieb die Ausnahme. Immerhin nicht richtig nass geworden – aber gemütlich ist das Wetter echt  nicht. Gut, morgen soll es ja dann mal was werden.

Reich an Anekdoten heute die Strecke, da durch einen (ehemaligen) Naturpark mit ehemaligen Affenhaus, Mausoleum, Freundesstein und sonstigen Absonderlichkeiten. Im Reiseführer aber nur kurz bei der Rast überflogen – ich kann es mir dann eh nie merken und so eine Heimatpatriot bin ich einfach nicht.

In der Zwischenzeit mehrfach gefragt worden, ob ich das wegen der inneren Stille oder als Meditation oder … mache. Nein! Ich wandere einfach, höre derweil „Das Kartell“ von Don Winslow, lass, wenn ich nicht höre meine Gedanken schweifen – aber das ist wie schon früher beim Sport: Nix tiefgründiges, weltbedenkendes oder gar erkenntnisreiches. Man (und ich) kann einfach ganz doof durch die Natur stapfen.

Etappe 3 – 35.000

Auch der um eine Stunde nach hinten verlegte Start hat nichts am Wetter geändert. Zwar lecke die Sonne etwas öfters durch die Wolken, die ließen aber zum Ausgleich auch immer wieder Tropfen fallen. Jetzt nicht so, dass ich was groß zu berichten hätte, aber Kaputze auf, Kaputze ab war dann schon eine ‚beliebte‘ Beschäftigung.

Auffallend im Gegensatz zu den letzten Tagen, dass ich über keine steinzeitliche Siedlung gestolpert bin und auch nur einen einzigen Greifvogel gesehen habe. Dafür habe ich soviele Pferde gesehen wie wohl noch nie. Ob es da jetzt einen logischen Zusammenhang gibt, wage ich zwar zu bezweifeln … aber weiß ich es denn schon so genau?

Und wieder verlaufen. Beim ersten Mal nur lahme 500 Meter, also nicht der Rede wert, beim zeiten Mal war ich aber echt auf Abwegen. Es begab sich aber, dass ich dadurch eine Art Abkürzung hab‘ nehmen können, wenn auch eine arg steile.

Morgen dann der einzige Abschnitt, den ich in weiten Teilen kenne, wird hügelig, aber nicht so wie heute, wo es doch ganz schön hoch und runter ging.

Etappe 2 – 40.000 – # 444

Unglaublich früh heute gestartet, da ich am späten Nachmittag noch einen langen, langen Termin hatte, den ich nicht verpassen wollten. Also war ich schon um 7:55 Uhr auf der Strecke. Von der Sonne habe ich leider erst auf dem letzten Kilometer was gesehen, ansonsten war es neblig, diesig, grau und überraschend kalt. So mutete mancher Streckenabschnitt wie Irland an (wo ich nie gewesen bin), was ja auch eine ganz nette Vorstellung ist.

2017-09-18 12.22.03

Höhenmetermäßig war das im Gegensatz zu gestern echt pippi – dennoch sind die Beine ganz schön schwer geworden. Aber irgendwie ist man doch dann etwas im Fluss und macht halt eins auf Volkswagen.

Morgen sind es 1,1 Kilometer weniger – aber ich gehe dennoch von fünf Stunden aus. Und: So früh werde ich nicht auf Achse sein.

Etappe 1 – 25.000 – # 443

Da das linke Knie doof macht, den ‚Anlauf‚ um knapp fünf Kilometer verkürzt. Aber diese Strecke kenne ich eh schon in- und auswendig – und das kann ich immer und immer wieder gehen. Blieben für heute also nur noch 15 Kilometer, von denen die ersten zehn auch nicht neu waren – aber es ging wieder auf meinen Lieblings’berg‘ und der ist, egal welches Wetter, einfach beeindruckend. Zwar nur knapp 600 Meter hoch, aber ohne Bäume sondern nur Gras und drei aufragende Felsen, die einfach etwas Mystisches an sich haben. Eine Art ‚Hochebene‘, die man erklimmen muss, dann aber auf hügeligem Niveau über der Landschaft schwebt. Zu allem Überfluss dann noch das Geläut von Glocken und ich mit mir in heftiger Diskussion über Gott oder Nicht-Gott bzw. Möchte-gern-Gott und möglichen Schöpfergeist.

Ein Kaffee für 2,40 und auf dem nächsten Kilometer das Brötchen mit Lyoner. Ab da auch für mich dann auch neues Gelände.

Als ich das aller erste Mal mit dem Zug hier her gefahren bin als junger Mensch war mir schon klar, dass die Umgebung dieser Stadt toll ist – aber da ohne Auto lerne ich sie erst jetzt, Klammer auf, Jahrzehnte später, Klammer zu, kennen.

Kurz vor dem Endpunkt ein Parkplatz. Und wie das so ist. Mir war vollkommen klar, dass ich da schon war und das mein (damals zukünftiger) Mann vom Rande ein Buchenzögling ausgegraben hat, der heute auf dem Balkon also Bonsai ‚wächst‘. Aber warum wir da waren, wie und überhaupt … Null Ahnung. 300 Meter weiter war es klar: Vor Jahren waren hier mal mit Bekannten schwimmen (ein eher nerviges Unterfangen). Und wenn ich suchen würde, gäbe es auch Bilder von mir da im Wasser – aber wer will das schon sehen? Daher die akuelle Aufnahme mit dem Handy (weil Foto ist ja nicht, wegen Akku, siehe erste Link):

2017-09-17 11.57.04

Wer genau hinschaut, sieht gegenüber zwei Personen stehen. Die habe ich erstmal nicht weiter beachtet, bis es plumps machte. Das ca. Siebenzehnjährige hat doch tatsächlich ein Bad im See genommen und zwar – wie später zu sehen war – nackt! So kurz vor dem Ende einen Knackarsch zu sichten, derweil Tee schlürfend und die Sonne genießen … hat was.

Morgen dann die ultimative Belastungsprobe: 24 Kilometer – aber notfalls gibt es genügend Ausstiegspunkte, um mit der Bahn / Bus zurückzukommen und A. ist zufällig auch im Lande, der sich vorhin angeboten hat, Rettung zu spielen, wenn ich ihn anrufe.

rotto

Jetzt ist auch der letzte der vier Akkus hin. Davor hat es das Objektiv gekostet. Das Handy ist auch nur noch mit gutem Zureden dazu zu bewegen, etwas zu machen, mein Paar Lieblingsschuhe gehen definitv unrettbar aus dem Leim und mein linkes Knie war auch schon mal schmerzfreier.

Ungesellig

Ich bin heute echt misanthropisch drauf. Und was ist? Erst haut mich der SPD-Kandidat von der Seite an, dann labert mich eine Frau in der Bank zu, dann meint der CDU-Kandidat mit mir unbedingt Kontakt aufnehmen zu wollen, woraufhin die nächste Passantin mich als Stadtplan nutzt.

Jede*r wie will – # 442

P. mit seiner Tochter kommt. Zu unterschiedlichen Zeitn. So gibt es für P. und uns Steinpilzarvioli mit Petersilien-Salbei-Butter, davor den ersten Feldsalat, danach Griesschnitten mit Zimtzucker und für das Fräulein Tochter auf Wunsch Pfannenkuchen mit Birnenkomoptt.

2017-09-15 17.24.37

A … B …

Wenn ich so aus dem Fenster schaue, sollte ich vielleicht mir einen Plan B für das hier überlegen.

Gut gefragt

Solch ein Gott kann es nicht geben. Auf der einen Seite erschafft er die Welt so, wie sie ist, was ja im Glaubensbekenntnis betont wird. Gleichzeitig hat er solch einen Pfusch geschaffen, dass er seinen eigenen Sohn in einem etwas komplizierten Manöver mit Hilfe einer Jungfrau auf die Welt gebracht hat, der dann in solidarischem Auftreten und Handeln sich an die Seite der leidenden Menschen gestellt und alle Mühen und Leiden durchlitten hat, die andere auch erleiden, und dadurch die Welt erlöst hat. Was soll das für ein allmächtiger Gott sein, der erst eine Welt schafft, die dann aber so schlecht ist, dass sie vom eigenen Sohn wieder erlöst werden muss?

Heiner Geißler (1930-2017) in seinem letzten Interview.
Süddeutsche Zeitung, 13. September 2017, Seite 11

 

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