Letzte Blüte

von Bert

Es ist das eine, in den Nachrichten zu sehen, wie Erdogan meint, Syrien bombadieren zu müssen. Es ist das andere, „unseren“ Flüchtling M. zu sehen, der erzählt, dass sein Onkel von einer türkischen Bombe letzte Woche getötet wurde. Der Onkel war in ein Nachbardorf mit dem Moped gefahren um Brot zu holen, weil es im Dorf selber aufgrund der Bombariderung keine Geschäfte mehr gibt.

Es ist schon eine verdammte Menge, was M. da aushalten muss. Und es ist schon ein verdammter Behördenapparat, der ihm einen Stein nach dem anderen in den Weg legt. Weil die Behörde schon wieder einen neuen Stein gefunden hat, darf er nicht mehr am Deutschkurs teilnehmen – und dabei heißt es doch landauf, landab, dass sei der Schlüssel zur Integration. Also kommt er jetzt halt regelmäßig zu mir und ich schaue, dass ich ihn da etwas vorwärtsbringe.

Ich würde schon gerne mal die ganzen AfD’lerInnen und Pegida-Ärsche jammern hören, wenn man ihnen auch nur ein Prozent von dem nehmen würde, was die Weltpolitik M. genommen hat. Diese egoistischen, asozialen Säcke legen sich nach ihrer Demo – „Man wird das doch mal sagen dürfen“ – wieder fett auf ihr Sofa vor den Fernseher, drehen die Heizung auf und futtern sich einen aus dem Kühlschrank ab, müssen weder um ihr noch um andere Leben fürchten und fallen, falls sie nix tun, in die ’soziale Hängematte‘, die für Menschen aus anderen Ländern nicht vorgesehen ist. Nun, sie werden mit ihrer Ignoranz – und das ist gewiss – den Weltenlauf nicht aufhalten können: Die Nationalstaaterei hat gerade ihre letzte Blüte.