Nachlese

von Bert

  • Regener, Sven: Wiener Straße – 4/10Wer die anderen von Regener kennt, der zieht sich den auch noch rein. Aber langsam wird es einfach langweilig, denn man kann nicht dauernd mit der gleichen Masche meinen, gute Bücher schreiben zu können. Etwas ermüdend und für Quereinsteiger nur dann zu empfehlen, wenn sie vorhaben, nur einen einzigen Regener zu lesen. Der hier hat den Vorteil, dass er kurz ist.
  • Weiler, Jan: Kühn hat Ärger – 4/10Auch Weiler hat schon besser geschrieben, will heißen: spannender. Das hier plätschert so vor sich hin. Für den Strand ganz nett, aber wer eine Alternative hat, der nehme sie.
  • Modick, Klaus: Konzert ohne Dichter – 6/10Nette Idee, Worpswede auferstehen zu lassen. Blöderweise hatte ich es schon mal gelesen. Wie immer bei Modick fein und sensibel geschrieben, stille, aber funktionierende Szenerien. Ein Entspannungsbuch at the best.
  • Binet, Laurent: Die siebte Sprachfunktion – vorerst 6/10 da ich noch nicht ganz durch bin – Ferdinand de Saussure, Roland Barthes, Jaques Derrida, Michel Focualt, Julia Kristeva, Philippe Sollers, Paul de Man, Umberto Eco und einige andere aus der Ecke überhaupt nichts sagt – und wer den Unterschied zwischen Semantik und Semiotik nicht kennt: Der lasse einfach die Finger von dem Buch, das wird nämlich kein Spaß! Wer aber so ein bißchen aus der Ecke kommt, der wird seinen intellektuellen Spaß haben, denn eine Krimi auf der Suche nach der 7. Sprachfunktion (sechs sind ja allgemein bekannt) ist schon witzig. Das Doofe an dem Roman ist ab Kapitel 4: Wer die Herren da oben nicht wirklich gut kennt, der hat da keine Chance mehr, bei einem Kongress alle Anspielungen, versteckten Witze und Sotissen wirklich zu kapiern. Mir war’s dann jedenfalls zu hoch, was den Lesespaß enorm verringerte. Aber es sind ja noch ein paar seiten, vielleicht wird es ja in Venedig nun wieder besser.
  • Nguyen, Viet Thanh: Der Sympathisant – derzeit 1/10Ich kapiers einfach nicht. Ich kapier einfach nicht, wer da spricht. Ich kapier einfach nicht, worüber er spricht. Noch ein Kapitel geb ich dem, dann war es eine Fehlinvestition.
  • Nagelschmidt, Thorsten: Der Abfall der Herzen – 3/10Enttäuschend! Werde es auch definitiv nicht zu Ende lesen. Jeder von uns ist wohl mal mit Anfang / Mitte 20 verlassen worden. Was für ein Drama, auch ich erinnere mich genau. Darüber kann man schreiben ja – aber welche neu Facette will man da noch beleuchten? Nagelschmidt fällt eine Variante ein. Er schreibt über die aktuelle Krise und dann schreibt er noch darüber, wie man die Krise mit 20 Jahren abstand sieht, um nochmals alles umzurühren. Selbstreferntiell bis – sorry, das ist so – zum Erbrechen. Finger weg!
  • Rader, Olaf: Friedrich II – 5/10Abstriche gibt’s einfach dafür, dass man schon etwas mehr über die konkreten politischen Ziele Friedrichs erfahren hätte. Ansonsten sehr umfassende Biographie mit guter zeitlicher Einordnung und flotter Schreibe.
  • Vergil: Aeneis – derzeit 9/10 da noch nicht fertig – Meine Herren ist das gut und spannend!
  • Seedig, Katrin: Das Dorf – 4/10Wer sich fürs Thema Mikrokosmos Dorf als Spiegel der Gesellschaft / Welt interessiert, der lese lieber „Unterleuten“ von Juli Zeh.
  • Melandri, Francesca: Alle, außer mir – 8/10Immerhin, wenigstens ein gutes Buch im Urlaub gelesen. Sie verknüpft sehr, sehr geschickt das aktuelle Italien mit der aktuelle Flüchlingskrise und der Zeit, als die Italiener in Äthiopien als Kolonialherren das Sagen hatte. Die Erzählerin samt Geschwister wird nämlich plötzlich mit einem (schwarzen) Neffen konfrontiert, dessen Vater der eigene Vater in der Kolonie ebenso schnell gezeugt wie vergessen hat. Das ist überraschend vielschichtig und auch wenn man sich mit italienischer Geschichte nicht auskennt wie ich, dennoch gut zu lesen und nachzuvollziehen. Ich hab’s ja echt nicht so mit ‚tagesaktueller Literatur‘ – aber das hier zeigt ohne jeglichen Zeigfinger eine Menge von Aspekten und Facetten auf, die selbstverständlich genauso gut nach Deutschland passen (und für solche Populisten wie Söder eigentlich Pflicht wären – aber denen ist das ja schon wieder zu hoch). Ganz klar: Mit den besten Empfehlungen!

Es gab dann noch die Krimis „Leo Berlin“ von Susanne Goga, „The Drop – Bargeld“ von Dennis Lehane und „Tod in Deauville“ von James Holin sowie „Die Herzen aller Mädchen“ von Monika Geier. Alle mit Müh und Not gerade 2/10 und meine Empfehlung: Lest was anderes.