Durch die Zeit

Monat: September, 2018

E vs G

Wenn man wie ich es gewohnt ist auf einem Gasherd zu kochen, dann ist das Kochen auf einem E-Herd gelinde gesagt ein Rückschritt in der Entwicklung des Kochens an sich.

„Heimat“urlaub

Früh auf dem Wochenmarkt, der auch einer ist. Kundin zur Bäuerin: „Ach, wie ich das schön, so ohne Touristen.“ Darauf die Antwort: „Die kommen leider schon noch!“

Ich sitze nach Markteinkauf und Wurst noch in einem Kaffee am Platz und beobachte, wie sich immer mehr Menschen auftauchen, die definitiv nicht einkaufen, sondern nur gucken.

Nach dem Mittagessen reicht die Sonne noch zu einem Sonnenbad und ich merke, ich sollte mich da auch mal wieder etwas rasieren.

Kurzes Treffen mit der Ex und die Feststellung: Ich möchte in dieser Puppenstubenstadt mit all‘ ihren Gutmenschen nicht mehr leben.

Heute morgen beim Aufstehen gerade sieben Grad. Dennoch nackt raus auf den Balkon und mit Blick auf die Innenstadt unter der heißen Dusche gestanden.

Am Bahnhof nochmals für zwei Minuten die Ex mit einer Tüte Steinpilze für mich / uns. Mein Mann wird vor Freude im Dreieck springen, wenn er wieder von der Burg zurück ist.

Mit einem frühen Zug zurück. Dachte, der ist nicht so voll. Falsch gedacht. Und: Ich will den Nachmittag jetzt einfach noch für mich.

 

 

Titellos

Verein 1 schmeißt ne Runde Fortbildung für einen Nebenbereich, in dem ich auch aktiv bin. Referentin ist eine Fachfrau, die ich seit vier Jahren schon über einen bestimmten Mail-Kontakt kenne. Einerseits macht mich das neugierig, andererseits habe ich auch das Gefühl, es könnte mich ggf. bremsen, wenn sie dann merkt, dass ich vielleicht doch nicht so gut bin, wie der Eindruck … . Aber dann wird’s egal.

Sie ist gut, echt gut – das macht 20 Jahre Erfahrung gegen meine vier. Also saugen wir. Doch es wird mit der Zeit auch anstrengend, weil sie nach einer allgemein-theoretischen einführenden Wiederholung zuerst an die Texte geht und dann an die, die diese Texte geschrieben haben – nämlich wir. Zufällig zieht sie bei einer Übung noch gerade mein Hauptthema aus dem Ärmel, was dann mir richtig Kraft kostet, im Setting zu bleiben. Und auch wenn sie nicht das Rad neu erfindet, einiges von aus dem Bereich schon oft Gehörte begreife / sehe ich in anderen Zusammenhängen, erschließen sich mir mit zumindest neuen Aspekten.

U. macht in den Pausen mir gegenüber äußerst kryptische Andeutungen, dass sie am Abend „Grenzen überschreiten“ wird, doch auf Nachfragen heute Abend, kommt nur Kryptisches zurück. Bin so klug wie zuvor, aber auch irgendwie froh, jetzt mir nicht noch was anderes ans Bein gebunden zu haben (auch wenn ich signalisiert habe, dass ich auch morgen noch Mails lese …).

Bei meiner schon seit ein paar Wochen immer bewußter werdenden Selbstbeoachtung komme ich langsam nicht mehr umhin zu konstatieren, dass gegebenenfalls unter Umständen möglicherweise vielleicht sich eine klitzekleine Änderung anbahnen könnte.

Abends die Schwester am Telefon, der die nicht einfache, sie schon seit Wochen überfordernde familäre Lage, langsam bewußt wird. Zu meinem großem eigenen Erstaunen lässt sie sich auf einen kritischen Dialog ein und ich lasse meine Erfahrung spielen und merke, wie ich neue Akzente setzen kann. (Weiß aber auch, dass die Halbwertzeit dieser bei ihr ca. 12 bis 18 Stunden betragen.)

z.K.

Große Unzufriedenheit mit zwei Gesprächen. Aber je länger ich nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich da einfach in einem Dilemma bin. Egal was ich mache, es ist nicht gut. Gebe ich den beiden Raum, dann lade ich sie ein, sich in ihrer Welt weiter zurückzuziehen, sich weiter in ihrem Leiden zu bestätigen. Den Raum den ich ihnen gebe nutzen sie, um ihren eigenen Raum weiter mit noch höheren Mauern zu umgeben, die das Überwinden noch schwieriger zu machen. Je mehr Raum, desto mehr Isolation. Und das danken sie mir.

Gebe ich ihnen aber nicht dem Raum bzw. halte dagegen und versuche in ihren lückenhaften Argumentationen die Lücken zu vergrößern, dann arbeite ich gegen sie. Dann versuche ich, ihr Mauern wieder brüchiger zu machen, damit die Hürde, notwendige professionelle Hilfe zu suchen bzw. sie zuzulassen geringer wird.  Aber wenn ich das tue, dann tue ich ihnen weh weil ich gegen sie bin, sie konfrontiere, nicht bestätige sondern verunsichere und sie nicht entlaste, obwohl sie das mit dem Gespräch gesucht haben.

Ich hab heute bei beiden dagegen gehalten, massiv, auch wenn es ihnen hörbar weh tat. Das kostet Kraft, dass ist auch nicht gerade unagressiv, das sind Kämpfe um Hoheiten. Auch wenn ich mich nicht wirklich dabei wohl fühlte, aber ich möchte einfach die klitzekleine Chance nicht verpassen, dass das Gespräch ein Sandkorn zu einer anderen Entscheidung sein könnte, nämlich zur Entscheidung, professionelle Unterstützung zuzulassen.

Ich habe auch dagegen gehalten, weil ich es bei den beiden einfach nicht mehr ertrage, wie sie sich in ihrem Selbstmitleid suhlen und immer tiefer in ihrer eigenen abgekoppelten Welt einrichten. Sollte ich es ihnen aber nicht gönnen, weil sie ja nichts anderes haben, derezeit aufgrund ihrer persönlichen Lage und psychischer Verfassung nichts anderes können? Wo braucht es die ‚harte Hand‘, wo das Mit-leiden und das einfach-begleiten?

Es wird immer Menschen geben, bei denen das nicht wirklich zu entscheiden sein wird. Daher wird es diese Ungewissheit immer wieder geben. Doch es gibt Tage, wie heute, wo das nicht so einfach auszuhalten ist.

Komm in den totgesagten park

Der schimmer ferner lächelnder gestade
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb – das weiche grau
Von birken und von buchs – der wind ist lau
Die späten rosen welkten noch nicht ganz
Erlese küsse sie und flicht den kranz
Vergiss auch diese letzten astern nicht
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Stefan George

F.W.N.

In Vorbereitung auf das Musil-Projekt lese ich gerade eine Biographie zu Friedrich Wilhelm Nietzsche. Entweder ist seine Philosophie so ein bisschen ‚durch‘ oder ich steig da nicht wirklich durch. „Also sprach Zarathustra“ habe ich ja vor ein paar Monaten schon mal gelesen und entschlossen, dass es absolut nix für mich ist. Auch da bin ich nicht wirklich durchgestiegen oder war mir permanent unsicher, ob er das wirklich so meint, was er schreibt, oder ob ich da etwas ‚Verstecktes‘ übersehen / überlesen habe – oder aber ob ich einfach zu doof für ihn bin.

Noch habe ich gut 100 Seiten, vielleicht kommt ja noch die Erhellung. Und wenn nicht, dann schlage ich mich halt so durch Musil, habe ich ja bei der ersten Lektüre auch getan.

Dazwischen

Ich hab‘ grad nix, außer eine Menge unsortierter Gedanken und Überlegungen.

# 522

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Ich hätte es ja wissen können

Vorgestern die Fenster geputzt.

Gestern hat es geregnet.

Statt schwimmen …

… zur Zahnärztin. Ich vergesse immer, dass die superfreundlich und nett ist, was mir eine Winzigkeit der Anspannung nimmt. Bohren tut sie auch diesmal nicht, sondern versiegelt Zahnhälse in der Hoffnung, dass das Aua abnimmt, denn Schmerzen sind es nicht, dennoch unangenehm. So richtig besser ist es immer noch nicht, aber immerhin ich weiss, was es ist.

Raus gehe ich aber mit einer Überweisung zum Kieferchirurgen, weil der letzte Weisheitszahn jetzt auch noch raus muss (und ich dachte, die wären es schon). Je nach Termin nochmals zusätzlich zum Hausarzt, um mir ne Tavor geben zu lassen, denn den Stress packe ich gerade nicht.

Verbessert die Grundstimmung der Zeit nicht, zum Ausgleich habe ich mir ein paar Frikadellen gemacht.

Alles Feiglinge

Wir haben Birnen geschenkt bekommen. Mein Mann macht Tarte’s draus. Ob ich eine für meine Kollegen mitnehmen möchte? Definitiv nicht! Hätte er welche mit Rattengift angeboten, hätte ich anders geantwortet.

Kampfkommunikator

Manchmal reicht eine Kleinigkeit und die Gemütslage kommt in Schieflage. Heute war es einfach eine nicht gestellte Frage und ich war zu stolz, sie einzufordern. Ich hatte heute schon so viel zugehört, dass ich einfach mal gefragt werden und mir das Rederecht nicht erkämpfen wollte. Ich bin nicht so der Kampfkommunikator. Jetzt hadere ich mit der Situation, ob ich nicht doch … und ob ich recht habe, jetzt so ein bisschen sauer zu sein … und lauter solche Doofgedanken.

Aber auf dem E-Reader ist der neue Leon, den zieh‘ ich mir noch mit einem Glas Weißwein im Bett rein und lass den Tag mal Tag sein.

Augenarzt

Den Termin hatte ich um 9, fertig war ich um 10. Eine Stunde warten, 90 Sekunden Behandlung. Da hatte ich wohl Glück. Denn nicht nur das Wartezimmer war voll, auch nicht nur der Bereich vor dem Empfang, auch nicht nur der Bereich vor den einzelnen Behandlungszimmern, sondern auch der Hausflur vor der Praxis.

Fleischbrühe

Heute mal wieder gekocht. Richtig viel. Ich glaub‘, ich geb‘ dennoch nix ab.

Ferientag 1

Schon Anfang der Woche war klar, dass ich heute mit meinem Mann in die Sauna zu gehen zu habe. Worüber man nichts entscheiden kann, darüber muss man sich ergeben – Wittgenstein oder so.

Also Jugendlicher / junger Mann bin ich richtig gerne und richtg oft in die Sauna gegangen. Irgendwie war das auch immer ein ästhetisches Erlebnis, um nicht zu sagen, ein durchaus erotisch reizvolles, gab es doch immer Männer mit schönen Schwänzen und umgekehrt. Da war oft die Lust zum Zugreifen und die Anstregung der Vermeidung der eigenen (sichtbaren) Erektion. Aber scheinbar hat absolut keine Männergeneration nach meinem Geburtsjahrgang jemals mehr etwas von einer Sauna gehört, denn in den letzten Jahren vermute ich mich im Kreise (Arno Schmidt hätte, um auf das kommende vorzubreiten entweder K/Greise geschrieben, wobei das K und das G übereinander gestanden hätten) / Greise einer gerontopsychiatrischen Station. Altern ist jedenfalls in vieler (möglicherweise sogar in aller) Hinsicht defintiv nichts Schönes.

Gut gepeelt hat es sich am Nachmittag dann wunderbar geschlafen. Nehme es schon mal als Entschädigung für die kommende Nacht.

Wandertag 4

Ist ausgefallen. Mieses Wetter und das Bett war so schön warm.

Bewegungsausgleich: Wohnung geputzt, schwimmen gegangen.

# 521

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Besser spät, denn nie

Ohne dass E. es wusste, richtete seine Frau ihm heute zu seinem 70. Geburtstag eine kleine Party aus. Als Überraschunggast gab es den Sohn aus Amerika. Die Überraschung bestand jetzt aber nicht darin, dass der Sohn den weiten Weg von Washington D.C. auf sich genommen hatte, sondern dass es ihn überhaupt gibt.

Zitat

Die Religion, das Bewußtsein der strafenden und beglückenden Allmacht Gottes, wirkt für sich alleine niemals „zivilisierend“ oder affektdämpfend. Umgekehrt: Die Religion ist jeweils genau so „zivilisiert“, wie die Gesellschaft oder wie die Schicht, die sie trägt.

Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation, Bd. 1, Frankfurt / Berlin (Suhrkamp), 31.2017, S. 370

Wandertag 3

Schon beim Aufwachen war klar, dass die Beine nicht mehr soo schmerzen. Beim Aufstehen war aber auch klar: Ein junger Gott kommt anders aus den Federn.

Dennoch wieder los, wenn auch nur auf den Hausberg. Immerhin mit der festen Absicht, wenn es heute Geld kostet, dann soll es auch sinnvoll sein. Aber die Hütte, bei der ich nen Kaffee trinken wollte, hatte noch zu, bin einfach viel zu früh unterwegs gewesen. Aber dafür einen recht ansprechenden und durchaus auch anspruchsvollen Rundweg von – nun ja, – 15 km?, 16 km? gefunden, der sich für wandernde Gäste wirklich gut eignet.

Immerhin eine Erkenntnis. Mir geht es anscheinend um die Bewegung beim Wandern, nicht so sehr um das Naturerlebns (was ich gerne mitnehme) was auch erklärt, warum ich irgendwie nie Pausen mache und wenn, dann solche, die andere als ‚kurz-Stehenbleiben‘ definieren würden.

 

Wandertag 2

Die Gegend, durch die ich latsche, ist ohne jede Frage schön. Noch schöner wäre es, wenn es auch nur rudimentäre Beschilderung gäbe. Das war heute absolut Mangelware und ich kann nur schätzen, wie viel Kilometer ich irrend in der Gegend rum bin, anstatt dem Ziel entgegen. (Die neuen elektronishen Wanderkarten haben auch ‚versagt‘, irgendwie bekommt mein Tablet keine GPS-Daten mehr – es hat mal funktioniert – ich kann es mir mal wieder nicht erklären – ich glaube, ich brauch doch ein Handy …)

Eigentlich eine perfekte Tour, denn es geht nicht nur durch langweiligen Wald sondern auch durch freies Gelände, vorbei an jetzt nicht so wahnsinnig wichtigen Sehenswürdigkeiten, aber zumindest schön anzusehenden. Darüberhinaus mindestens zwei tolle Fernblicke und – mit zu vernachlässigenden Ausnahmen – moderaten Steigungen. (OK, das eine Stück runter hatte es echt in sich, wenn es nass gewesen wäre, hätte ich das nur auf dem Hosenboden gemacht.) Dazu nahezu perfektes Wetter – die 28 Grad am Schluss waren vielleicht etwas viel.

Da ich wegen den vielen Irrungen abkürzte, wurden es laut Plan nur 19 km. Der Schrittzähler zeigt dagegen 29 km an und bei den knapp fünf Stunden Wanderzeit einige ich mich mal auf ca. 25 km. Die Beine sagen das auch, denn gepaart mit dem Altherrenturnen gestern ist das gerade eine arg unheilige Allianz. Mein Mann hat zwar Hexenschuss, kann sich aber flotter bewegen als ich gerade.

Teuer wurde es auch noch, richtig teuer sogar, denn auf der Rückfahrt, dachte ich die Fahrkarte in der Bahn zu bekommen. Bekam ich aber nicht und galt, obwohl ich höflich fragte, gleich mal als Schwarzfahrer – 60 Euro futsch. Auf der Strecke verkehren drei verschiedene Verkehrsgesellschaften und bei zweien kann man in der Bahn … nur bei der nicht. Die Begründung fand ich dann auch noch herzallerliebst: „Es steht ja draußen an dem Waggon dran!“ Aha, das heißt, die da nicht regelmäßig fahren, lesen es, kaufen sich ’ne Karte am Automaten und steigen dann in die Bahn – die frühestens eine Stunde später fährt. Ich empfand das als arge Abzocke, wo echt klar war, dass ich das nicht absichtlich gemacht habe.

Tja, das Budget ist daher futsch, für die anderen Tage muss ich mir jetzt was suchen, was ich mit dem Job-Ticket erreichen kann, aber das ist reichlich abgegrast.

Wandertag 1

In der Hoffnung, dass das Wetter hält, habe ich von meinem ach so überaus anstrengenden Job eine Woche Urlaub gegönnt, bzw. feiere (ohne Scheiß!) Überstunden ab, von denen ich weiß Gott genug habe.

Es hätten 19 Kilometer werden sollen, aber da meine digitale Wanderkarte streikte und die Beschilderung mal wieder mies war, wurden es wohl nur 16, auch wenn der Schrittzähler 22 anzeigte – kann aber bei 3:40 nur schwerlich sein, vorallem, weil es die erste Stunde nicht übel hinaufging. Die Aussicht oben hat sich echt gelohnt – die Strecke an sich weniger, was auch daran lag, dass überall massive Holzarbeiten vorgenommen wurden und es streckenweise wie über Baustellen ging. Aber mit „Krieg und Frieden“ auf dem Ohr übersteht man auch das ganz gut.

Ärgerlich, dass die Anfahrt so teuer war, das hatte ich irgendwie nicht auf dem Schirm.

Morgen sind dann mal ein paar Kilometer mehr geplant, aber da ich nicht weiß, wie ich morgen fit bin, weil ich gleich auch noch Altherrensport habe, könnte ich sie ggf. auch abkürzen. Aber ich versuch‘ mal nicht auf Weichei zu machen.

ICE 278

Man kann über die Deutsche Bahn sagen was man will, aber eins ist gewiss: Sie kann es nicht!

Schiller + Lührs + Familie

Ich hole mal aus! Als junger Mann, also alles zwischen 16 und 29, war ich ein begeisteter Theatergänger. Es muss 1986 gewesen sein, als ich als ZDL in Mannheim die Gelegenheit hatte ein Gastspiel der Münchner Kammerspiele bei den Schillertagen zu sehen. Es war der „Don Carlos“ mit dem grossartigen Peter Lühr als Grossinquisitor. Ungestrichen dauert der so ca. fünf Stunden. Die Inszenierung von Dieter Dorn kam mit weniger als drei Stunden aus, weil nicht der Text gestrichen sondern die Sprechgeschwindigkeit  enorm erhöht wurde. In den ersten Minuten dachte man, man wird nix verstehen, doch nach wenigen Minuten … .

Grandios, als kurz vor Ende der Grossinquisitor auftritt. Lühr war da schon um die 80, kam gestützt auf die Bühne. Und im Gegensatz zum bisherigen Sprechtempo sagte er seinen ersten Satz quasi in Zeitlupe: „Steh‘ ich vor dem König?“ Und als dieser das bejahte, sprach Lühr in unnachahmlicher Diktion die fälligen Respekt, Ironie und Überlegenheit gleichermassen ausdrückte: „Ich war’s mir nicht mehr vermutend.“

Und so ging es mir heute, als ich meine alte Mutter in der Reha besuchte und am Abend nicht nur meine Schwester sondern sogar mein Bruder Zeit hatten und wir zusammen zu Abend gegessen haben.

Wegen Übermüdung …

… heute nix.

Dante, fruchtbar

K., die mit zum Dante-Lesekreis gehört – der sich eigentlich jetzt Weiss-Lesekreis nennen sollte, da wir derzeit noch „Die Ästhektik des Widerstandes“ lesen und nicht mehr die „Göttliche Komödie“ – berichtete heute, dass ihre Tochter heute morgen um drei den Erstgeborenen zur Welt gebracht hat, den sie – der Leser / die Leserin ahnt es bereits – den Namen Dante gegeben hat.

WMDEDGT 09/18

Wie so gut wie jeden Monat mache ich bei Fau Brüllen mit.

5:59 – Der neue Radiowecker macht seine Arbeit.
6:04 – Badroutine, davor Teewasse aufsetzen.
6:15 – Küchenroutine, Brote schmieren, Tee schlürfen, Zeitung lesen.
6:35 – Auch mal anziehen.
6:40 – Auf dem Rad.
6:51 – So früh ist auf den Straßen echt nix los, ich kann mich ‚einstechen‘.
6:58 – Immerhin zeigt das Postfach drei zu bearbeitende Vorgänge. Also Tee kochen und in alle Ruhe Zeitung lesen.
8:00 – Innerhalb der nächsten halben Stunde kommt der Chef, also beginne ich mit meinen drei Vorgängen, damit er mich arbeiten sieht.
8:40 – Ab jetzt ‚fröhliches‘ Zeit vertreiben. Lese „Tausend Deutsche Diskotheken“ von Michel Decar fertig, was nach meiner neuen Bewertung dann gerade noch 4 Punkte bekommt. Letztendlich eine Fleißarbeit viele Discotheken deutscher Städte aufzulisten, dazwischen eine etwas arg einfach und einfallslose Story mit einem äußerst blassen Helden und einer locker-schnoddrigen Sprache, die einem, auch aufgrund der unnötigen Wiederholungen und Sprachbilder, nach gut 50 Seiten mir einfach nur noch auf die Nerven gegangen ist. Keine Ahnung, was der Rezensenzt so toll fand.
10:45 – Beim Arzt. Mit Herzklopfen.
11:45 – Jetzt hat er Zeit. Das mit meinem Blutdruck findet er nicht weiter besorgniserregend und muss auch nicht behandelt werden, gibt mir aber dennoch Tabletten mit, um mein Wohlbefinden zu steigern. Das andere findet er noch nicht besorgniserregend, will es aber beobachten, in vier Wochen soll ich wieder auf der Matte stehen.
12:40 – Als Mittagessen gibt es Fisch aus der Dose und Brot von vor Tagen, weil Handwerker im Haus sind und eine neue Sprechanlage installieren und ich daher mal auf einen Schnelleinkauf verzichte.
13:15 – Compterroutine.
13:45 – Ausführliche Tageslektüre: a) Norbert Elias: Prozess der Zivilisation, b) Wolfram von Eschenbach: Parzival
14:55 – Die Handwerker sind durch und ich hau mich aufs Ohr. Waren keine sechs Stunden heute Nacht (und die noch mies).
16:00 – Der Mann hat Tee gekocht – wir hauen auf die Kacke und essen ein Hanuta dazu (also jeder eins!).
16:30 – Computer. Präsentation der Haushaltsjahre 2017 (Abschluss) und 2018 (Planung) nochmal schnell durchgehen, um 18 Uhr ist Mitgliederversammlung von Verein 1 und als Schatzmeister bin ich da mit zwei TOPs vertreten (die niemand interessiert).
17:25 – Dann geh‘ ich mal los.
18:00 – Immerhin, wir fangen pünktlich an.
20:05 – Es hätte ja so gut werden können – aber bei TOP 5 kommt es zum Eklat, d.h., Eitelkeiten erobern die Szene.
21:00 – Eitelkeiten haben Ausdauer!
21:45 – Eine Kleingruppe findet sich dann doch noch auf einen Absacker.
23:00 – S. und ich bilden eine Kleingruppe, sie will wissen, was beim Arzt war.
24:00 – Es ist lange her, dass ich aus einer Kneipe vertrieben worden bin. Für ein Moment fühle ich mich jung. Wie gesagt, für einen Moment.
00:01 – Das ist nicht mehr heute.

 

Leseprojekt MoE?

Nicht zuletzt durch Xenina, die gerade Proust liest (nämlich H I E R), bin ich seit Wochen schon am überlegen, nicht mal wieder mit einem ähnlichen Leseprojekt zu starten. Die „Jahrestage“ von Johnson und die „Bibel“ habe ich ja schon hinter mich gebracht*. Proust stand ganz oben auf der Liste … aber da fände ich jetzt irgendwie doof und außerdem macht es Spaß, Xenina da zu begleiten.

Jetzt ist mir „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil in den Sinn gekommen (Teil 1). Auch so ein dickes Ding und recht bald auch gar nicht so einfach. Meine Idee jetzt: Jede Woche ein Kapitel (und manchmal auch mal zwei, vielleicht gar drei?) und das mit drei Rubriken:

  1. Inhalt in Stichworten, aber wirklich fortlaufend, so dass am Ende die tausend Seiten auf 200 (?) geschrumpft sind.
  2. Meine Impressionen dazu. Hier gibt es keine Regeln.
  3. Das Zitat. Da bin ich noch am überlegen, ob es wirklich ‚Pflicht‘ werden soll, denn das könnte wirklich in Arbeit ausarten, immer etwas zu finden und dann auch abzutippen, vor allem, wenn es länger wird.

Als Grundlage steht der Roman natürlich schon gelesen schon lange im Regal, neu wäre für mich die Lesung, die auf meinem Rechner schlummert. Ich würde es mir also einerseits vorlesen lassen, derweil selber lesen und dann … dann würde es, falls es bei einem Beitrag pro Woche bleibt, 123 Wochen dauern! Das heißt, würde ich im Oktober anfangen, bräuchte ich bis Februar 2021 – irgendwie ein bisschen lang, oder?

Gerade finde ich eine Hammerseite dazu im Netz, so dass jede/r ohne Kosten mitlesen könnte, nämlich HIER.


*Links werden nachgereicht, wenn’s interessiert.

Laberrund

Die neue Supervisorin hat nach der Einstiegsrund noch alles im Griff. Aber sie ahnt schon, dass da was auf sie zukommt, mit dem sie in ihrer beruflichen Praxis noch keine Berührung hatte. Wir merken nach wenigen Minuten, dass sie inhaltlich komplett überfordert ist und das Eigentliche, um was es uns geht, gar nicht zu fassen bekommen. Also helfen wir uns selber. Ich wünsche mir meine alten Supervisorin zurück, der ich während der 90 Minunten seitenlange Mails im Kopf schreibe, und bin überzeugt, dass es mindestens ein Jahr dauernd wird, bis die jetztige etwas Boden unter die Füße bekommen wird.

# 520

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Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

weyrother.net

Mijonis chaotische Welt

Leben, Lieben, Queerbeet, Gedanken, Alles in einem

AISTHESIS

Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

Kritzelkomplex

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heat'n'eat

The way I cook/Wie ich koche

wirbelwind68

ich lebe intensiv und reflektiert

Musil lesen

"Der Mann ohne Eigenschaften" in weniger als 123 Wochen

Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)

KenterKönig

und anderes aus der weiten Welt

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einige mehr oder weniger tolle Ideen um die Fotografie und die Bildbearbeitung

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Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia