Angemacht! Mich!

von Bert

Zweite Führung des Tages in Dresden. Diesmal in der Gemäldegalerie Alte Meister. Von 20 TeilnehmerInnen sind wir auf genau fünf geschrumpft. Ich habe kurz Panik, ob die Führung dann überhaupt stattfindet, aber dann ist klar, bezahlt ist bezahlt … und je kleiner die Gruppe …

Unser Guide ist ein schmaler, kleiner Mann so um die 30, der für die Kunst brennt. Er führt uns zu Bild zu Bild und macht quasi die perfekte Führung, da er bei der Bildbetrachtung echt alles unterbringt: Was ist zu sehen – Wie ist es gemalt – Was gibt es an Vorbildern – Was ist die versteckete Bedeutung – Wer ist der Maler – Warum hat er das gemalt – Wie ist es in die Epoche einzuordnen – Was macht der Restaurierungszustand – Welche Bezüge gibt es zur Jetztzeit – Was … kurz, das war die reicheste Fürhung ever. (Ich hab‘ die Kontaktdaten, wer als demnächst nach Dresden zu den Alten Meistern …)

Ich hänge dem Typen also an den Lippen und bin einfach begeistertfroh, mal wieder mehr zu sehen als ich sehe, da bekomme ich dann doch mit, dass er mich etwas mehr und öfters und fröhlicher und intensiver anschaut als die anderen. Und ich bekomme auch mit, dass er mit seinen Erklärungen / Erzählungen / Erläuterungen auch immer gern einen Schritt auf mich zugeht.

Bei Rembrandts „Ganymed in den Fängen des Adlers“ von 1635 hat er mich dann. Denn an meiner halben Brust und der einen Schulter muss er dann doch am lebenden Objekt demonstrieren, wie der Adler Ganymed nun genau (an)greift. Dass die Quaste und die Kirschen auf Sexuelles hinweist erfolgt, als er mich noch im Griff hat – und dass es hier um mögliche Homosexualtitä geht …

Ach, wir Schwestern, wenn wir wollen, dann bekommen wir es immer irgendwie hin, auch wenn alle zuschauen und es nicht kapieren.

Und ich war echt arg irtitiert, dass so was Junges mir Avancen macht – das hatte ich jetzt echt lange nicht mehr, also solche Avancen an sich. Es dauerte zwar, aber dann habe ich es sogar genieße können.