Dresden

von Bert

Vor fast genau 30 Jahren das erste Mal dort gewesen. Damals gab es noch die DDR. Unterwegs war ich mit einer Großgroßgroßcousine, die sich der Republikflucht schuldig gemacht hatte oder dann kurze Zeit später machte – das weiß ich nicht mehr so genau. Sie hat mir jedenfalls einen Tag lang Dresden gezeigt. Nun lief ich also wieder durch die Stadt und es gab gerade nur eine einzige Stelle, an die ich mich erinnern konnte. Das spricht einerseits nicht für mein Gedächtnis, andererseits dafür aber auch, dass da in den letzten 30 Jahren gewaltiges getan wurde. Die gesamte Innenstadt ist quasi Fake, denn so gut wie alles, was historisch aussieht, ist nachgebaut. Für mich ein kleiner Schock in der Frauenkirche – 2003 oder so fertig geworden – denn das Nachbauen geht soweit, dass man selbst so tut, als sei der barocke Altar barock. Ich bin jedenfalls nach drei Minuten wieder raus.

Mein Ding ist es jedenfalls nicht so zu tun, als wäre etwas, was es aber gar nicht ist. Mutiger und ehrlicher wäre es gewesen, die nahezu totale Zerstörung als solche auch sichtbar zu machen, anstatt heile Welt vorzugauklen. Aber das ist nicht nur in Dresden Thema. Da kann ich quasi ‚froh‘ sein, dass ich in einer Stadt zu leben gekommen bin, in der die zerstörte Innenstadt nicht wieder rekonstruiert wurde. Gut, das Ergebnis ist jetzt auch nicht so richtig pralle – aber jedenfalls ehrlich.